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Städte-Trips: Alle 16 Landeshauptstädte!

Weil ich es liebe, Listen abzuhaken, hab ich mir irgendwann mal zum Ziel gesetzt, alle 16 Landeshauptstädte zu bereisen. So ganz, ganz ehrgeizig hab ich dieses Unternehmen nicht verfolgt, aber – ich hab’s geschafft! 🙂 Ich bin fertig. Hier kommt meine ganz persönliche Liste der Landeshauptstädte.

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Familienausflug zum Dialog im Dunkeln (in Hamburg, Deutschland)

„Stell dir mal vor, du wärst echt blind“, sagt Janis, als wir uns gegen die steife Brise durch die Häuserschluchten von Hamburgs Speicherstadt kämpfen. In den kommenden 90 Minuten müssen wir unsere Vorstellungskraft nicht bemühen – wir kommen dieser Erfahrung so nahe, wie man das als dankenswerterweise gesunder Mensch nur schaffen kann: Wir haben einen „Dialog im Dunkeln“ gebucht.

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Miniaturwunderland Hamburg: Wo sich Eisenbahnen, Feen und Aliens treffen und wir an einem Tag um die Welt gereist sind

Dienstag in Deutschland* – Von Hamburg nach Amerika sind es nur wenige Schritte. Die Alpen lassen sich bequem über ein paar Treppenstufen besteigen. Und von dort aus ist es ein Katzensprung bis in den hohen Norden Skandinaviens. Wenn die Welt auf den Modellbau-Maßstab H0 schrumpft, lässt sich der Round-the-World-Trip an einem Vormittag erledigen. Wir haben uns etwas mehr Zeit genommen für das Miniaturwunderland in Hamburgs Speicherstadt – und trotzdem garantiert nicht alles gesehen. Ein ausführlicher Erfahrungsbericht von einem Familienausflug ins MiWuLa.  

Es brennt! Wie gut, dass die Feuerwehr in Knuffingen von der schnellen Truppe ist. (A house is on fire - but "Knuffingen"'s fire brigade is quick to fight it.)
Es brennt! Wie gut, dass die Feuerwehr in Knuffingen von der schnellen Truppe ist. (A house is on fire – but „Knuffingen“’s fire brigade is quick to fight it.)

Früh auf der Matte stehen, möglichst nicht am Wochenende – das war der eindringliche Tipp, den wir immer wieder gehört haben. Seit das MiWuLa Zeitfenster-Tickets eingeführt hat, ist das Gedränge zwar nicht mehr so übel, wie es vor Jahren wohl gewesen sein muss. Trotzdem eignet sich ein schulfreier Freitagmorgen perfekt für eine Passiv-Weltreise en miniature. Im Internet haben wir das allererste Zeitfenster gebucht: gleich morgens um halb zehn. Pünktlich um sieben verlassen wir das Haus und brausen auf der Autobahn gen Norden – bis uns eine Vollsperrung böse ausbremst. Nach kurzer Zeit ist klar: Bis spätestens halb elf schaffen wir das nicht. Jeweils eine Stunde lang gewährt das Ticket-System Einlass, danach verfällt die Karte. Sie kann im Vorfeld übers Internet beliebig oft umgebucht werden, aber hier im Nirgendwo mag mein Handy nicht online gehen. Zum Glück steht eine Telefonnummer auf dem Ticket. Ein sehr freundlicher junger Mann beruhigt mich: Wir dürfen kommen, wann immer wir es schaffen. Er schreibt sich unseren Namen auf, und sie Sache ist geritzt.

Als wir es endlich in die Speicherstadt geschafft haben, läuft alles wie am Schnürchen. Wir bekommen einen Parkplatz direkt vor der Haustür (1 Euro pro Stunde). Das Gebäude mit dem MiWuLa-Schild am Eingang wirkt nicht sehr einladend, und einen Augenblick fragen wir uns, ob wir hier wirklich richtig sind. Dann aber findet Janis die Pfeile, wir steigen ein paar Treppen hinauf, durchqueren einen Flur und haben es schließlich in den Eingangsbereich der weltweit größten Modellbahnanlage geschafft. Obwohl der Vormittag mittlerweile fortgeschrittenen ist, ist die Schlange kurz. Wie versprochen haben wir keine Probleme am Einlass. Wir packen Jacken und Rucksack in ein Schließfach, eisen die Jungs von taktisch klug platzierten Shop-Angeboten los und betreten ein Wunderland, das seinen Namen verdient.

Die Spotlights deutscher Geschichte sorgen mit ihrer detailgenauen Darstellung für Gänsehaut. (The showcases of German history are so historially correct that it hurts - in all the right ways.)
Die Spotlights deutscher Geschichte sorgen mit ihrer detailgenauen Darstellung für Gänsehaut. (The showcases of German history are so historially correct that it hurts – in all the right ways.)

Die ersten Vitrinen, die uns magisch anziehen, sind die, die sich nachher als „Peanuts“ herausstellen – allerdings nur für die, die Superlative am Materialverbrauch messen. Auf je einem Quadratmeter erleben wir hier deutsche Geschichte von der Steinzeit bis in die Gegenwart. „Da sind Jäger und Sammler!“ ruft Janis entzückt. Nur einen Schritt weiter hat sich das Nomadenlager bereits zu einer Siedlung aus Holzhütten weiterentwickelt. „Ah, guck, jetzt haben sie einen Hafen gebaut!“ entdeckt Silas sofort. Den dazugehörigen Überblick über die jeweiligen Epochen deutscher Kulturgeschichte gibt es über Kopfhörer, verständlich erzählt und immer in Bezug auf das, was zu sehen ist. Alleine in diesem Teil der Ausstellung könnten wir den ganzen Tag verbringen. Durch das Mittelalter und die Renaissance arbeiten wir uns in die Neuzeit vor. Kirche, Burg und Stadtmauer entstehen und verändern sich im Laufe der Zeit. Wir entdecken Martin Luther, der seine Thesen an die Kirchentür nagelt und damit ein Zeitalter der Religionskriege erweckt. Auf der Burg lösen Musketiere die Ritter ab und weichen Burschenschaften, dann der Hitlerjugend, einem Lazarett im zweiten Weltkrieg und schließlich Touristen. Fabriken entstehen und verändern sich, und auch vorm Rathaus herrscht immer ein reger Wandel. „Sah das wirklich sooo schlimm aus, hinterher?“ fragt Janis betroffen, als wir an die Nachkriegs-Vitrine herantreten und all die zerbombten Häuser betrachten. Auch hier überwältigt uns die Liebe zum Detail, die bis hin zu den Vermisstengesuchen an den Hauswänden reicht. Ich bin so bewegt, dass ich die Tränen zurückblinzeln muss. Es sind nur kleine Plastikfiguren, aber sie verkörpern den Lauf der Geschichte perfekt. Einen besonderen Reiz machen für uns die Dioramen der geteilten Stadt aus. Denn dass Papa „mitten in Deutschland“ in einem anderen Land aufgewachsen ist, das es heute nicht mehr gibt, stellt für die Jungs immer noch ein Mysterium dar. Als wir die Wiedervereinigung durchlebt haben und endlich in der gegenwärtigen Moderne angekommen sind, hat sich das Eintrittsgeld für uns gefühlt bereits voll rentiert.

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„Was machen wir jetzt?“ fragt Silas und will schon den Weg zum Ausgang einschlagen. „Jetzt gucken wir uns das richtige Miniaturwunderland an“, sagt Martin, und beide Jungs bekommen große Augen. Dass das bisherige Erlebnis nur der Vorgeschmack war, begreifen sie erst, als wir schließlich vor den wahrhaft riesigen Modellbauanlagen stehen. Inzwischen ist es voll geworden, und wir beschließen, mit dem Rundgang ganz hinten in Skandinavien zu beginnen. Es ist schwer, dort anzukommen, ohne sich von den Wundern auf dem Weg dorthin ablenken zu lassen. Aber der Plan geht auf, hier haben wir freie Sicht auf Lapplands Eisenerzmiene in Kiruna, ein schwedisches Winterwunderland und Pippi Langstrumpf vor der Villa Kunterbunt. „Ah, da sind ja auch die Züge!“ fällt unserem kleinen Eisenbahn-Freak auf, der sie bisher nicht mal vermisst hat. Und wirklich, hier ist alles in Bewegung. Die kleinen Züge wuseln über die Platte, die fast den gesamten Speicherboden einnimmt. Auch kleine Autos fahren scheinbar völlig selbstständig, und ein paar Meter weiter tuckert die AIDA majestätisch durch den Oslo-Fjord.

miwu-aida

Nun gibt es für die Jungs kein Halten mehr. Aufgeregt stürzen sie von Geländer zu Geländer, setzen auf Knopfdruck die Schiffschleuse, den tanzenden Troll und das Bergwerk in Bewegung. „Mama, boah, guck mal hier! Hast du die Feen gesehen? Und guck mal, Mama, guck mal, was passiert, wenn ich hier drücke! Und Mama, guck mal hier!“ Ihre Stimmen überschlagen sich vor Begeisterung. Sie sind klein genug, um auch die vielen Überraschungs-Ansichten „unter Tage“ zu entdecken – Atlantis beispielsweise, das offenbar nicht weit von der Öresund-Brücke entfernt versunken ist. Auch die überirdischen Dinge haben sie aber gut im Blick, denn extra für die Kleinen gibt es überall Trittbänke.

Wie das Miniaturwnderland Kindern im Grundschulalter gefällt? Genau so! (Wondering how children like the Miniature Wonderland in Hamburg? This is how!)
Wie das Miniaturwnderland Kindern im Grundschulalter gefällt? Genau so! (Wondering how children like the Miniature Wonderland in Hamburg? This is how!)

„Da waren wir schon, Mama! Mama! Da waren wir schon, da kann ich mich noch dran erinnern! Genau da hab ich gesessen und hab mir das Bild von dem Boot angeguckt!“ Janis hat die Darstellung der bronzezeitlichen Felsritzungen von Tanum entdeckt. Als wir dort waren, haben wir zwar weder eine Fee noch ein Einhorn gesehen – aber es ist unverkennbar derselbe Ort.

Ach guck, da waren wir schon! Die Felsritzungen von Tanum in Schweden. (A pleace we recognized from the real visit: the carvings of Tanum, Sweden.)
Ach guck, da waren wir schon! Die Felsritzungen von Tanum in Schweden. (A pleace we recognized from the real visit: the carvings of Tanum, Sweden.)

Knurrende Mägen machen uns darauf aufmerksam, dass die Mittagszeit schon fast vorbei ist. Das Bistro überrascht uns mit einem breit gefächerten Angebot, das über Pommes und Chicken Nuggets weit hinausgeht. Für schmale 6 Euro bekomme ich ein Kartoffelgratin mit knackigem Gemüse, von dem ich gut satt werde. Die Jungs sind mit ihren Nudeln mit Tomatensoße ebenfalls vollauf zufrieden. Das Essen „im Zug“ ist für sie ein besonderes Erlebnis.

Selbst die Mittagspause im (guten!) Bistro ist ein Erlebnis für sich. (Even the lunch break in the train look-alike restarant is an experience of its own.)
Selbst die Mittagspause im (guten!) Bistro ist ein Erlebnis für sich. (Even the lunch break in the train look-alike restarant is an experience of its own.)

Und immer wieder fällt mir auf: Das Personal ist so freundlich! Service wird im ganzen MiWuLa groß geschrieben. Es gibt abschließbare Akku-Ladestationen, und wenn die Speicherkarte voll ist, gibt es am Info-Desk Ersatz.

Weiter geht die Entdeckertour, und was wir an den insgesamt acht großen Anlagen alles zu sehen kriegen, spottet jeder Beschreibung. Mit Knuffingen fing alles an, im Jahr 2000. In der Fantasie-Stadt tobt – wie überall – das pralle Leben. Feuerwehren rasen zum Einsatzort: Ein Wohnhaus steht in Flammen! Im Biergarten prostet man sich währenddessen unbeeindruckt zu. Am Knuffingen Airport erheben sich Flieger (gestützt von Metallstangen) in die Lüfte und verschwinden mit lautem „Motorengeknatter“ hinter einem „Wolken“vorhang. Janis fasziniert das Geschehen so sehr, dass er eine geschlagene Stunde vor der Start- und Landebahn campiert, und er lacht sich kringelig, als plötzlich eine Riesenhummel in Landeanflug geht. Die Alpen sind mehrgeschossig, und auch hier gibt es wahnsinnig viel zu entdecken. Da tuckert der Glacier-Express, dort fährt die Seilbahn, hier grasen Kühe auf der Alm – und eine von ihnen ist lila. Unter eine Prozession von Nonnen haben sich Pinguine gemischt. Und als ich in eine unscheinbare kleine Höhle linse, leuchtet mir ein Drachenauge entgegen.

Selbst in miniature sind die Schweizer Alpen riesig! (Even the miniature Swiss alps are huge!)
Selbst in miniature sind die Schweizer Alpen riesig! (Even the miniature Swiss alps are huge!)

In Mitteldeutschland kugeln sich die Jungs über das Mini-Kind, das aus dem Häuschen mit dem Herzchen an der Tür tritt und versehentlich eine Rolle Klopapier hinter sich herzieht. Dem Mini-Papa sieht man an, dass ihm die Sache unheimlich peinlich ist. Die größte Dichte der skurrilen Geschichten bieten die Bürofenster der Elbphilharmonie, die auf dem Hamburg-Panel schon fix und fertig aufgebaut ist: Ganz oben vergnügt sich der Geschäftsführer mit der Personalchefin (so interpretiere ich das mal, um nicht das leidige Sekretärinnen-Klischee bedienen zu müssen), nebenan feiern zweifelhaft kostümierte Gestalten eine Fetisch-Party (praktischerweise so weit oben, dass uns ein „Was machen die da?“ von der Fußbank-Fraktion erspart bleibt). Ein Angestellter lebt einen Anfall von Zerstörungswut an seinem Rechner aus, eine Dame hat eine wilde Auseinandersetzung mit dem Kaffeeautomaten. „Warum sitzt der denn da mit dem nackigen Hintern auf dem Kopierer?“ kräht Silas plötzlich. Oh, so ganz ohne Erklärungen kommt man dann doch nicht aus.

Nightlife.
Nightlife.

Alle 15 Minuten setzt die Dämmerung ein, und das Wunderland verwandelt sich in ein Lichtermeer – ein besonders beeindruckendes Schauspiel in Las Vegas. Hier kleben die Jungs vor der Szene mit der Schießerei – bis sie die Aliens von Area 51 entdecken. So geht es weiter, von einer Sensation zur nächsten, und immer wieder stolpern wir über überraschende Aussichten, die uns zum Lachen bringen. Als Janis kurz vor Toresschluss ziemlich erledigt in einen der Zugsitze sinkt, verkündet er gähnend: „Das war schon ein ziemlich cooles Weihnachtsgeschenk, Mama. Ich glaub, das wünsche ich mir nächstes Jahr wieder.“

Das Miniaturwunderland liegt am Kehrwieder 2 in Hamburg. Die Öffnungszeiten variieren täglich und dann auch noch nach Jahreszeit, und da sich ohnehin die Buchung der Zeitfenstertickets empfiehlt, sollte man das ganze hier erledigen. Familientickets gibt es nicht; Erwachsene zahlen 12, Kinder unter 16 zahlen 6 Euro. Wer kleiner als einen Meter misst und seine Eltern dabei hat, braucht nichts bezahlen. Wichtig: Für Babys Tragetuch mitnehmen – Kinderwagen sind immer im Weg! 44 Parkplätze sind direkt vor der Tür für einen Euro pro Stunde zu haben; wer keinen mehr abkriegt, muss in eins der nahe gelegenen Parkhäuser ausweichen.

PS: Was wir in Hamburg sonst so getrieben haben, hat Silas hier in eigenen Worten erzählt.

PPS: Noch mehr Erfahrungsberichte von Familien im MiWuLa gefällig? Reisebloggerin Mrs.Berry war vor einiger Zeit ebenfalls mit ihrer Tochter dort unterwegs und hat hier darüber berichtet.

* Unabhängig davon, wohin die Reise in diesem Theater sonst gerade geht – dienstags ist Deutschland dran. An diesem Tag berichte ich von Kurztripps, Ausflügen und Urlaubsreisen in unserem eigenen Heimatland, entweder ganz aktuell oder rückblickend aus der jüngeren Vergangenheit.

Ein ziemlich cooler Städtetripp nach Hamburg, erzählt von Silas (7)

Ein Wochenende in Hamburg. Aufgrund meines erhöhten Arbeitsaufkommens stammt der Bericht heute von Silas (7) – aufgeschrieben streng nach Diktat aus Kindersicht für sein Reisetagebuch und mit seiner Erlaubnis an dieser Stelle zweitverwertet. Wenn wieder etwas mehr Luft ist, werde ich zu unseren einzelnen Stationen ausführlichere Posts verfassen und hier verlinken, damit sich der geneigte Leser tatsächlich ein Bild machen kann, inwiefern sich ein Besuch der von Silas erwähnten Hamburg-Attraktionen lohnt [das habe ich inzwischen getan, siehe unten]. Von mir nur so viel: Es macht schon Sinn, dass die meisten Leute im Sommer reisen…

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Warum es völlig gerechtfertigt ist, an dieser Stelle über Hamburg zu schreiben

Eigentlich wollte ich ja heute über unseren Ausflug nach Wiedensahl zum Wilhelm-Busch-Geburtshaus erzählen. Aber Wilhelm Busch muss warten. Der Gute braucht noch ein paar Schönheitskorrekturen, bevor er auf Sendung gehen kann. Und darum kann ich mich jetzt nicht kümmern, denn ein schulfreier Tag hat uns quasi überrascht und ebenso quasi gezwungen, die Chance zu nutzen und die heimischen Gefilde zu verlassen. Und trotzdem geht es irgendwie ins Schaumburger Land…

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