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Hiddensee mit Kindern: Tagesausflug zu Rügens kleiner Schwester

Kann man Hiddensee mit Kindern an einem einzigen Tag erkunden? Wir haben es versucht – und ganz gut geschafft, möchte ich behaupten. Auch mit Kindern darf man es ruhig wagen, sich Rügens kleine Schwester als Tagesausflug vorzunehmen. Unser Erfahrungsbericht.

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Ozeaneum Stralsund: Erfahrungsbericht eines herrlichen Familienausflugs

Bei manchem Ostsee-Urlaub hatten wir schon die Broschüre in der Hand und haben überlegt, ob sich ein Ausflug nach Stralsund mit Besuch im Ozeaneum lohnt. Einmal standen wir sogar davor, sind dann aber angesichts des stattlichen Eintrittspreises (und des strahlenden Sonnenscheins am betreffenden Tag) doch lieber nur durch Stralsund gebummelt. Aber jetzt! Auf dem Rückweg von Rügen waren wir endlich drin und können euch verraten: Ja, das Ozeaneum lohnt sich! Hier berichten wir, was wir erlebt haben. Im Anschluss folgt ein ausführlicher Teil mit praktischen Infos zum Ozeaneum-Besuch.

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Dresden: Schnitzeljagd durch die kunterbunte Neustadt

Stadtführungen sind für Kinder gähnend langweilig. Oder? Nicht unbedingt, wie wir auf unserem Spaziergang durch die Dresdener Altstadt mit Stadtführerin Christina Avdi gelernt haben. Aber für die Erkundung der Dresdner Neustadt auf der anderen Seite der Elbe haben wir uns etwas anderes ausgesucht: die Route „Dresdner Neustadt für Kids“ aus der Reihe „Stadtspiel (Ver)Führung“. Sehenswert ist der zweifelsohne bunteste Teil Dresdens nämlich auf jeden Fall, und als angeblich geburtenstärkstes Viertel Europas bietet er manchen schönen Ort für Kinder. 

Im Gegensatz zur klassischen Stadtführung unternehmen wir die Erkundung mit dem „Stadtspiel (Ver)Führung“-Paket in Eigenregie und ohne vorgegebenen Zeitrahmen. Wir halten lediglich ein paar Briefumschläge mit Pappkärtchen in den Händen, die uns zu den Sehenswürdigkeiten auf der rechten Elbseite lotsen und uns über diese informieren.

Typisch Dresdner Neustadt.
Typisch Dresdner Neustadt.

Bis es soweit ist, müssen wir erst noch eine Hürde nehmen. Wie so oft kommt uns die Idee nämlich spontan. Das Päckchen mit den Unterlagen gibt es an vielen Verkaufsstellen im Buchhandel – aber es ist Sonntag. Die Tourist-Information hat die Touren entgegen der Infos auf der Homepage nicht vorrätig (das ist inzwischen behoben, wie mir versichert wurde!). Aber schließlich werden wir doch fündig: Im Hotel „Elbflorenz“ ist das Programm ebenfalls erhältlich und wird auch an Nicht-Hausgäste verkauft.

Elf Umschläge passen in jede Handtasche und sorgen beim Nachwuchs für Lauf-Motivation und Spaß.
Elf Umschläge passen in jede Handtasche und sorgen beim Nachwuchs für Lauf-Motivation und Spaß.

Gespannt öffnen wir nun den kleinen Pappkarton. Eine Postkarte zeigt uns, welche Orte wir im Zuge unserer Erkundungstour sehen werden. Wie wir dorthin gelangen, müssen wir uns errätseln. Ausgangspunkt ist der Albert-Platz. Dort müssen wir nachsehen, in welchem Jahr der Brunnen auf der linken Seite errichtet wurde. Die dritte Ziffer der Jahreszahl sagt uns, welchen der elf Umschläge wir als nächstes öffnen dürfen. Mit Feuereifer sind die Jungs dabei und suchen nach dem Hinweis. Nebenbei erfahren wir einige Fakten über die mächtigen Zwillingsbrunnen, die bei so heißem Wetter wie heute viel (teilweise sehr schillerndes) Volk anziehen.

Die Markthalle lohnt unbedingt einen Blick nach innen und eignet sich außerdem prima als Snack-Stopp.
Die Markthalle lohnt unbedingt einen Blick nach innen und eignet sich außerdem prima als Snack-Stopp.

Die Wegbeschreibung auf der Karte sagt uns, wie wir zur nächsten Station gelangen. An der Markthalle müssen wir die Eingänge zählen – was nicht ganz einfach ist, denn die zahlreichen Lieferanteneingänge und Cafétüren zählen nicht mit. Zum Glück gibt es für den Notfall eine Auflösung im Extra-Umschlag. Der Weg zur Dreikönigskirche mit ihrer interessanten Geschichte ist nicht weit. Niemand hetzt uns, und wir können selbst entscheiden, wie lange wir in dem kühlen Gebäude mit der kleinen Ausstellung verweilen wollen. Dann brauchen wir bloß die Lampen abzählen, und schon wissen wir, dass der berühmte Goldene Reiter unser nächster Zielpunkt ist. Und welche der angrenzenden Restaurants als besonders kinderfreundlich gelten, erfahren wir auch. Wir testen das benachbarte Eiscafé (lecker, auch wenn der Verkäufer reichlich muffelig dreinschaut) und lauschen alle Mann andächtig den Ausführungen der Karte, die Martin vorliest. Für eine wirklich kindgerechte Beschreibung kommen für meinen Geschmack ein paar zu viele Namen und Jahreszahlen vor. Aber dass es ein Kanonenschmied war, der das Abbild August des Starken in später vergoldetes Kupfer goss, fasziniert die Jungs durchaus. Und als es daran geht, den Hinweis für die nächste Station zu errätseln, sind sie sowieso wieder ganz im Expertenmodus.

An Selbstbewusstsein mangelte es August dem Starken nicht. Er selbst gab sein goldenes Standbild noch zu Lebzeiten in Auftrag.
An Selbstbewusstsein mangelte es August dem Starken nicht. Er selbst gab sein goldenes Standbild noch zu Lebzeiten in Auftrag.

Wir nehmen uns viel Zeit, legen immer wieder Pausen an Planschbrunnen und Spielplätzen ein: Von beidem hat die Dresdner Neustadt reichlich zu bieten. Das individualisierte Konzept des Stadtspiels kommt uns dabei sehr zugute – erstrecht, als Silas in der Böttcherstraße unglücklich vom Klettergerüst fällt und wir wegen Gehirnerschütterung mit Blaulicht und Sirene die Route ändern müssen (die Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus ist in diesem Fall übrigens durchaus empfehlenswert!).

Viele nette Spielplätze, meist umgeben von - künstlerisch oft hoch ansprechenden - Graffiti - in der Dresdner Neustadt ganz normal.
Viele nette Spielplätze, meist umgeben von – künstlerisch oft hoch ansprechenden – Graffiti – in der Dresdner Neustadt ganz normal.

Drei Tage später laufen wir zu Pfunds Molkerei, als sei nichts geschehen. Martin und Janis haben den Parcours schon in der Zwischenzeit absolviert. Einer Zweitnutzung durch den genesenen Bummelanten steht nichts im Wege. Nur der Zugang in den hochgelobten Milchladen mit den berühmten Fliesen gestaltet sich schwierig: Eine Busladung Touristen nach der anderen füllt das Etablissement. Wir retten uns platzängstlich in den prächtig genug ausgeschmückten Hausflur und entdecken den Aufgang zum dazugehörigen Café. Entgegen der unmissverständlichen Ansage auf dem Schild am Eingang („Misbehaved children will be taken away and sold as slaves“) empfängt uns das Personal sehr freundlich, und Silas verdrückt glücklich eine Eisschokolade mit einer unglaublichen Menge an süßer Schlagsahne für einen durchaus moderaten Preis (Tipp: unbedingt in die linke Hälfte des Cafés setzen, denn rechts herum verläuft ein steter Strom von besagten Touristen Richtung WC, der sich beständig mit dem Personal darüber streitet, warum er 50 Cent für dessen Nutzung bezahlen soll, wenn er doch unten im Laden schon so viel Geld ausgegeben hat). Das Stadtspiel-Rätsel lösen wir hier oben auch, denn die Bilder an den Wänden verraten uns das Gründungsjahr des Prunkladens ebenso. Dass Pfunds einst über 55 Filialen in ganz Dresden verfügten und man mancherorts sogar selbst die Kuh auswählen durfte, deren Milch man gern hätte, erfahren wir wiederum von unserem Kärtchen.

Gewagter Mustermix: Silas im Durchgang zum Café von Pfunds Molkerei.
Gewagter Mustermix: Silas im Durchgang zum Café von Pfunds Molkerei.

Ein weiteres Highlight ist die Kunsthofpassage. Fünf Innenhöfe sind hier auf unterschiedlichste, aber immer grandiose Weise gestaltet. Viele Kunsthandwerker haben hier ihre Ateliers, auch alternative Modelädchen und herrliche Schnickschnack-Boutiquen gibt es. Besonders empfehlenswert ist die Tiki-Eisbar. Zwar schlagen sich auch hier offenbar die Temperaturen der Ware auf die Laune des Personals nieder, aber die freakige Auswahl der Sorten entschädigt dafür. Während Silas klassisch bei Erdbeere und Zitrone bleibt, probiere ich Mango-Basilikum (lecker!), bin für Gurke-Wachholder dann aber doch nicht mutig genug.

In der Kunsthofpassage lässt sich locker ein ganzer Nachmittag verbummeln.
In der Kunsthofpassage lässt sich locker ein ganzer Nachmittag verbummeln.

Insgesamt elf Stationen reihen sich zwischen Goldenem Reiter und dem Alaunpark aneinander. Wer wirklich alles an einem Tag ablaufen möchte, braucht gutes Durchhaltevermögen (oder stutzt die Angelegenheit über die vorgeschlagene Abkürzung zusammen). Da entlang des Weges nicht nur besagte Spielplätze und verführerische Cafés, sondern auch jede Menge stylische Lädchen und viele Straßenkunst-Hingucker locken, empfiehlt es sich, die Tour auf mindestens zwei Tage aufzuteilen.

Gentrifizierung? Nicht mit uns! Klares Statement der Neustädter.
Gentrifizierung? Nicht mit uns! Klares Statement der Neustädter in der Förstereistraße.

Fazit: Die Dresdner Neustadt ist ein absolut spannendes Stadtviertel, das sich auch auf eigene Faust prima entdecken lässt. Das Stadtspiel „Dresdner Neustadt für Kids“ sorgt beim Nachwuchs für Lauf-Motivation und Spaß und informiert allermindestens die Erwachsenen über die Sehenswürdigkeiten. Empfehlenswert.

Das individuelle Stadtführungs-Paket ist an vielen Verkaufsstellen erhältlich und kostet 19,95 Euro.

Nackt oder nicht nackt ist hier keine Frage (in Börgerende, Deutschland)

Zumindest keine, auf deren Beantwortung man dogmatisch reagieren sollte. Aber von vorne.

What to wear and what to put off has always been your own choice at the German Baltic sea.
What to wear and what to put off has always been your own choice at the German Baltic sea.

Endlich haben wir das Meer mal wieder aus der Nähe gesehen. Ich persönlich empfinde das Rumliegen am Strand sehr schnell als unerträglich langweilig, aber den Jungs ist so etwas freilich von Zeit zu Zeit wichtig. Diesmal fuhren wir mit den Rädern nach Börgerende. Dort, wo früher nur der Campingplatz war und sonst nichts, sind inzwischen –zig stylische Apartmenthäuser aus dem Boden geschossen. Noch ragen Kräne in den Himmel und Bauzäune stören das Bild des perfekten modernen Feriengebiets. Im Gegensatz zu den Investoren und manchen einheimischen Geschäftsleuten hoffe ich bloß, dass sich Kühlungsborns Schicksal hier nicht wiederholt und es mit der Beschaulichkeit bald vorbei ist.

More dressed than naked people to the left (things looked different to the right, but taking that photo seemed unfair).
More dressed than naked people to the left (things looked different to the right, but taking that photo seemed unfair).

Jedenfalls, einen schönen neuen Strandaufgang hat es schon gegeben, und tatsächlich ist auch der Strand selbst gar nicht so schlecht. Noch ist keine Kurtaxe zu zahlen. Im Sand lauern viele Steine, aber sie sind doch im Verhältnis deutlich unterlegen. Rechts, direkt vorm Campingplatz, befindet sich der FKK-Bereich, und traditionell kümmern sich auch links die Badegäste um keine Kleiderordnung. Wie meine ledigen Freunde bemerken, ziehen sich natürlich immer nur die aus, die man eigentlich eher nicht nackig sehen möchte. Aber wer sich von nacktem welkem Fleisch ernsthaft gestört fühlt, ist an der Ostseeküste nach wie vor generell falsch. Hier geht traditionell jeder so, wie er mag und ohne sich am Dresscode seines Badehandtuch-Nachbarn zu stören.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 26. Juli 2013 verfasst.

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.