Die Donau: Unsere Reisebegleiterin von Regensburg bis ins Delta

Die Donau kennen wir fast buchstäblich von vorne bis hinten. Im ersten Drittel unserer 11-monatigen Reise durch Europa standen wir immer wieder an ihrem Ufer. Wir haben sie in Regensburg, Budapest, Belgrad und schließlich im Donaudelta besucht, wo sie sich als hochgradiges Naturwunder ins Schwarze Meer ergießt.

Deshalb habe ich auch sofort HIER geschrien, als Sabine von Ferngeweht zur zweiten Runde „Stadt-Land-Fluss“ aufgerufen hat. In ihrer Blogger-Version des alten Pausenspiels schnappen sich Reiseblogger einen Buchstaben und schreiben über eine Stadt, ein Land oder eben einen Fluss. Am Ende gibt es so eine lange Liste alphabetisch sortierter Reiseberichte. Ich bin für solche Spielchen ja immer zu haben – vor allem, wenn ich wirklich was zu erzählen habe, wie eben über die Donau.

Regensburg: nördlichster Punkt der Donau

Europas zweitlängster Fluss (nach der Wolga) entspringt im Schwarzwald (einer Region, die immer noch auf unserer Liste bisher unerfüllter Reisewünsche steht). Von dort aus fließt sie anfangs nach Norden. Wir erblicken sie zum ersten Mal in Regensburg, wo sie bereits ein respektabler Fluss geworden ist. Eine prächtige steinerne Brücke aus dem Mittelalter spannt sich von Ufer zu Ufer. Lange Zeit war das hier die einzige Möglichkeit, ohne Boot trockenen Fußes den Fluss zu überqueren. Unser erstes Date mit der Donau verläuft fantastisch. Wir geben Silas‘ Drängen nach und besichtigen das Museum der Donau-Schifffahrt, das in einem ehemaligen Wrack direkt auf dem Wasser untergebracht ist. Es ist der Anfang einer echten Beziehung. „Bis bald!“ rufen wir den träge dahinfließenden Wassermassen zu, als wir uns fürs erste verabschieden.

Kurios: Das kleine Schifffahrtsmuseum auf der Donau lag selbst zwölf Jahre auf dem Grund derselben.
Kurios: Das kleine Schifffahrtsmuseum auf der Donau lag selbst zwölf Jahre auf dem Grund derselben.

Mehr über unseren Tag in Regensburg:

Stadtbummel: 8 Stunden in Regensburg

Budapest: Kettenbrücke und Co.

Von Regensburg fahren wir nach Süden Richtung Salzburg und Slowenien. Durch Städte wie Passau, Linz, Wien und Bratislava muss die Donau deshalb ohne uns fließen (wenn wir die beiden letztgenannten auch für diesen Sommer auf dem Schirm haben). Wir treffen das nächste Mal in Budapest auf „unseren“ Fluss. In der ungarischen Hauptstadt trennt er die beiden Stadtteile Buda und Pest. Bis die verbindende Brücke kam, dauerte es lange. Erst im 19. Jahrhundert war die Technik so weit, dass man eine stabile Eisenbrücke bauen konnte, die auch den winterlichen Eismassen standhielt. Nach 10-jähriger Bauzeit hatten die Ungarn 1849 endlich eine Donaubrücke.

donau-budapest-kettenbrücke-pest
Vom Burgberg in Buda haben wir die Donau mit Kettenbrücke gut im Blick.

Heute gibt es insgesamt neun Donaubrücken in Budapest. Die Kettenbrücke ist nach wie vor die bekannteste und die meistfotografierte. Unsere Lieblingsbrücke ist die Freiheitsbrücke, die 1896 erbaut und damit schon Donaubrücke Nummer drei in Budapest war.

Freiheitsbrücke Budapest
Die Freiheitsbrücke hat uns am besten gefallen.

Vom Burgberg in Buda genießen wir einen schönen Ausblick auf den Fluss. Ansonsten beschränkt sich unser Kontakt auf ein höfliches Nicken. Zu sehr nehmen König Stefan und seine mumifizierte Hand unsere Aufmerksamkeit ein, die Jugendstilfassaden und das protzige Parlamentsgebäude mit seinen unzähligen Türmchen und Fenstern.

Parlament Budapest an der Donau.
Auch das riesige Parlament von Budapest liegt direkt an der Donau.

Belgrad: Ruhe am Fluss

Chronologisch müsste ich als nächstes schon über das Delta erzählen, denn für uns geht es von Ungarn aus weiter nach Rumänien. Die Donau aber biegt nach Süden ab, bildet eine Weile lang den Grenzfluss zwischen Kroatien und Serbien und fließt schließlich durch Belgrad. In der serbischen Hauptstadt begegnen wir uns, als wir von Rumänien aus wieder nach Westen fahren.

Ein Blick auf die diesige Donau von der Belgrader Festung aus.
Ein Blick auf die diesige Donau von der Belgrader Festung aus.

Mit unserem neuen Reiseland Serbien sind wir ein bisschen unzufrieden. Wir fremdeln mit der militärisch-nationalistischen Kultur und der Tendenz zur geschichtlichen Umdeutung historischer Fakten, die uns in den Museen nicht nur einmal begegnet.

An der Donau im ruhigen Stadtteil Zemun ist Belgrad idyllisch.
An der Donau im ruhigen Stadtteil Zemun ist Belgrad idyllisch.

Umso dankbarer sind wir, unserer alten Freundin wieder zu begegnen: der Donau. Im ruhigen, hübscheren Stadtteil Zemun, wo unsere Ferienwohnung liegt, ist der Fluss zu Fuß zu erreichen. Am Ufer reihen sich hier Cafés und Restaurants aneinander, und auf den sanften Wellen schaukeln kleine Boote. Der Nachmittag, den wir am Donau-Ufer verbringen, ist definitiv unser angenehmster in Serbien.

Da soll niemand sagen, wir hätten in Belgrad nicht auch schöne Momente gehabt! Martin und Silas im Café an der Donau in Zemun.
Da soll niemand sagen, wir hätten in Belgrad nicht auch schöne Momente gehabt! Martin und Silas im Café an der Donau in Zemun.

Zum Weiterlesen über unsere Tage in Belgrad:

Schockmoment: Darum brauche ich nicht noch mal nach Serbien

Donaudelda: das große Finale

Von Belgrad aus fließt die Donau durch das „Eiserne Tor“ (eine Landschaft, die absolut sehenswert sein muss). Lange Zeit bildet sie dann den Grenzfluss zwischen Bulgarien und Rumänien, tangiert ein kurzes Stück Moldawien und die Ukraine, und verzweigt sich dann im Nordosten Rumäniens zum zweitgrößten Delta der Welt (nach dem Amazonas und noch vorm Nil).

Aus Transsilvanien kommend begegnen wir der Donau auf dem Weg dorthin, als unsere Straße plötzlich am Ufer endet. „Oh“, sagt Martin, als er unser Auto in die Warteschlange vorm Ticketschalter der Fähre manövriert. „Aber klar. Hier kann es ja gar keine Brücke mehr geben.“ Auf Höhe von Braila ist der Fluss schon so breit, dass man das andere Ufer in der Abenddämmerung kaum noch erkennen kann.

Donau-Fähre Rumänien.
Auf großer Fahrt über den Fluss.

Auf einer Autofähre, die in typisch rumänischem Pragmatismus aus zwei Schiffsrümpfen zusammengeschweißt ist, setzen wir in einer 20-minütigen Prozedur über. Unglaublich, welche Wassermassen hier unterwegs sind!

Donau-Fähre Rumänien Donaudelta.
Und ich bin tatsächlich auch mal auf einem Bild!

Dann brauchen wir noch zwei Stunden für die nächsten 100 Kilometer, die wir mehr oder weniger neben dem Fluss her fahren, bis wir das Gebiet erreichen, das überhaupt als Delta gilt. Von da aus sind es dann noch einmal knapp 80 Kilometer bis zum Meer.

Tulcea: Tor zum Donaudelta

Als Tor zum Donaudelta gilt Tulcea – eine Stadt, die selbst in der harten Konkurrenz Rumäniens einen oberen Platz in der Rangliste der hässlichsten Städte des Landes einnimmt. Trotzdem lohnt sich hier ein Zwischenstopp: Das Delta-Museum vermittelt ganz wunderbar Beschaffenheit und Fragilität des atemberaubenden Ökosystems, welches das Donaudelta bildet.

Karte vom Donaudelta im Delta-Museum Tulcea.
Das ansprechend gestaltete Delta-Museum gibt uns einen Überblick, was genau das Donaudelta überhaupt ist.

In dem modernen Aquarium schwimmen stattliche Störe in einem großen Becken.

donau-donaudelta-tulcea-museum-aquarium
Im Delta-Museum in Tulcea lernen wir eine Menge. Zum Beispiel, wie groß Störe sind.

Draußen, in echt, dampft der Fluss, weil Ende Oktober ein recht plötzlicher Temperatursturz eingesetzt hat. Von Tulcea aus fahren Passagierfähren die drei Hauptarme der Donau hinunter, die konventionell betriebene Schiffe passieren dürfen. Alle anderen Wasserwege (und das sind tausende) stehen als Unesco-Biosphärenreservat unter Naturschutz (was natürlich in der Praxis nicht heißt, dass nicht vielerorts Plastikflaschen und anderer Müll herumliegen).

Tulcea, Rumänien, Donaudelta.
Tulcea wird als schöne Stadt so schnell keinen Preis gewinnen.

Murighiol: am Ende der Welt, aber nicht am Ende der Donau

Wir verbringen eine Woche in dem kleinen Ort Murighiol. Es ist der östlichste, der noch mit dem Auto zu erreichen ist. Etliche Siedlungen liegen noch weiter im Delta. Zu sozialistischen Zeiten versuchte man, auch dort Industrie anzusiedeln. In Sulina, einer Kleinstadt ohne Anbindung ans Straßennetz, stand eine Konservenfabrik. Heute haben viele Menschen die abgelegene, vom Fortschritt übergangene Gegend verlassen. Dafür kommen langsam die Touristen. Unsere Pension ist eine interessante Mischung aus moderner Normalität und anrührender (und teils befremdender) Ursprünglichkeit. Das Internet ist schneller als zu Hause und das Bad westlich komfortabel, aber das Mittagessen wird unter freiem Himmel zubereitet. Das Fischgekröse lässt unsere Vermieterin sorglos auf den festgetretenen Erdboden fallen, damit die Katzen sich darum kümmern.

Im Donaudelta ist das Wasser nie weit. Das "Flussufer" von Murighiol.
Im Donaudelta ist das Wasser nie weit. Das „Flussufer“ von Murighiol.

Die Donau – oder „etwas Donau“ – fließt unweit unserer Unterkunft. Dass die riesige Wasserfläche überhaupt fließt, ist kaum ersichtlich. Mit den Schaumkrönchen auf den kleinen Wellen wirkt das Wasser eher wie ein Meeresarm. Dabei befindet sich das Schwarze Meer immer noch gut 50 Kilometer flussabwärts.

Das linke Boot ist "unseres". Hier beginnt unsere Ausflugsfahrt ins Donaudelta.
Das linke Boot ist „unseres“. Hier beginnt unsere Ausflugsfahrt ins Donaudelta.

Natürlich unternehmen wir eine Fahrt „richtig rein“ ins Delta. Unser Vermieter besitzt ein konzessioniertes Boot mit Elektromotor. Das ist gut, denn ansonsten sind die Angebote außerhalb der Saison rar und schwer zu finden. Wir können uns schlecht verständigen, da er als einzige Fremdsprachen Italienisch und etwas Französisch spricht, wir nur Deutsch und Englisch. Mit Gesten macht er uns auf verschiedene Vögel aufmerksam und verdeutlicht uns, dass derzeit eigentlich nichts zu gucken gibt. Im Sommer quillt das Donaudelta praktisch über vor Vögeln aller möglichen Arten. Dabei sehen wir immer noch haufenweise Vögel und entdecken sogar vereinzelte Pelikane, die sich gegen ein südliches Winterquartier entschieden haben.

Vögel im Donaudelta.
So halbwegs erkennbar vor die Linse schwimmen mir bloß ein paar Blesshühner.

Nachdem wir mehrere Stunden durch Kanäle und unüberblickbare Durchlässe im Schilf von einem Donau-Arm zum nächsten gewechselt, mehrere Seen überquert und Dörfer passiert haben, beginnen wir langsam, ein Gefühl für die Größe dieses gigantischen Lebensraums zu entwickeln. Fotos können diese Erkenntnis schwer vermitteln, sieht man doch immer nur einen kleinen, eigentlich eher unspektakulären Wasserlauf im Bild. Dass die Donau hier ein unglaubliches Labyrinth in jede Richtung bildet, ist eine Sache, die man einfach selber erleben muss.

Wohnen im Donaudelta: Diese Fischerhütte ist zumindest saisonal bewohnt.
Wohnen im Donaudelta: Diese Fischerhütte ist zumindest saisonal bewohnt.

Trotzdem ein Versuch: meine Bilder vom Donaudelta:

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Übrigens: Die volle Liste Stadt-Land-Fluss gibt es hier bei Ferngeweht. Stadt mit D bearbeitet zum Beispiel Senior Traveller mit Dubai, Land mit D der Genussbummler mit Dänemark.
Und in der ersten Runde hatte Ariane von Heldenwetter ebenfalls die Donau in der Mache: D wie Donau.

17 Gedanken zu „Die Donau: Unsere Reisebegleiterin von Regensburg bis ins Delta“

  1. Wow, Wahnsinn, was ihr alles erlebt habt. Und wie unterschiedlich ein einziger Fluss in seinem Verlauf sein kann! Toll geschrieben noch dazu! Ich selbst bin der Donau in Regensburg (sehr schön, das finde ich auch), in Passau und in Budapest schon begegnet.

  2. Was ihr wart noch nie im Schwarzwald? Hart!
    Na gut, ich war dafür noch nie im Donau-Delta. Budapest ist bei mir in Sachen Donau Endstation.

    Ach Mensch … es gibt soo viel zu sehen!

  3. Hey, lieben Dank!
    Als Donau-Kind (komme ursprünglich aus Ulm) hab ich euren Artikel verschlungen. 🙂 Bin immer wieder verblüfft, wie anders sich „meine“ Donau schon in Wien und Budapest gibt… das Donau-Delta ist auch noch eine meiner Wunsch-Reiseregionen!

    Danke Euch!

    Gruß,
    Tobias

    1. Das Donau-Delta ist echt der Hammer. Und mit echter persönlicher Langzeit-Beziehung hat man natürlich noch einen viel triftigeren Grund dafür. 🙂 „Unser“ Fluss ist bloß die Weser, die ja doch eher weniger aufregend ist. Obwohl wir auch da mal zu Urspurng und Mündung reisen könnten – haben wir auch noch nicht so ganz bewusst gemacht.

  4. Hallo Lena, hallo ihr Drei,

    als gebürtige Wienerin war ich ein wenig enttäuscht, dass nicht von Wien in dem Artikel steht, aber diese sTadt ist ja wirklich ein eigenes Kapitel.
    Übrigens: Die Donauauen in Wien sind es durchaus wert, mit dem Kanu erkundet zu werden.
    Dafür das Donauselta! Da möchte ich unbedingt mal hin, am liebsten mit dem eigenen Schiff. Danke für den Bericht und den tollen Fotos.

    Liebe Grüße (derzeit aus Brasilien, dem Amazonasdelta näher als der Donau)

    Steffi

    1. Wien kommt ja erst noch bei uns! 😉
      Danke für den Kanu-Tipp.
      Fürs Delta habe ich häufiger gelesen, dass vom Herumschippern auf eigene Faust massiv abgeraten wird, weil sie das Gelände und auch die Wasserwege selbst immer wieder verändern und es keine verlässlischen Karten gibt. Aber geführte Kanutouren gibt es wohl im Sommer.

  5. Da bin ich gebürtige Rumänin und war noch nie im Donaudelta – dabei soll sie so schön sein. Danke für den tollen Beitrag, der mich daran erinnert, was ich alles in meinem Geburtsland noch sehen muss 🙂
    Viele Grüße
    Maria

    1. Danke für deinen Kommentar, den ich – warum auch immer – erst gerade eben im Spam-Ordner gefunden habe.
      Ich hatte vorher überhaupt nicht im Blick, wie riesig Rumänien ist. Da glaube ich gerne, dass man da selbst als „Eingeborene“ nicht rum kommt. Es gibt schließlich auch noch sooo viele Ecken in Deutschland, die ich noch nicht gesehen habe.

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