Slowakei-Roadtrip mit Kindern

Familienurlaub in der Slowakei: Unsere 2 Wochen im Schnelldurchlauf

Slowakei mit Kindern – das geht überraschend gut!


Ich muss zugeben, dass ich erst mehr als skeptisch war, unseren diesjährigen Familienurlaub in der Slowakei zu verbringen. Auf unserem großen Europa-Roadtrip ist uns die Slowakei unabsichtlich durch die Lappen geflutscht, und da sie zum Glück auch für die normalen Sommerferien gut erreichbar ist, lag es nah, die Bekanntschaft mit dem osteuropäischen Staat nun nachzuholen. Bei dieser Idee sind wir geblieben – auch wenn mein Herz mich grundsätzlich weniger in den Süden und Osten, sondern von jeher in den Norden und Westen zieht, und auch, wenn die Slowakei in den aktuellen Nachrichten (wie etliche ihrer Nachbarstaaten) ja schon eher unsympathisch rüberkommt (unsolidarisches Verhalten in der Flüchtlingskrise und so).

Kezmarok, Slowakei mit Kindern
Die kleine Stadt Kezmarok östlich der Hohen Tatra ist hübsch saniert und aufgeräumt – zumindest in den slowakischen Innenstädten ist vom Ostblock-Flair nichts mehr zu spüren.

Selbst, als die Suche nach einer familientauglichen Unterkunft sich als nicht eben problemlos herausstellte und ich gerne eingeknickt wäre und stattdessen einfach die Fähre nach Rosslare oder Hull gebucht hätte, blieben wir tapfer bei der Stange..

Und doch, ich muss sagen, unser Familienurlaub in der Slowakei hat sich gelohnt!

Hohe Tatra, Hrebienok, Wandern mit Kindern in der Slowakei
Doch, die Slowakei ist ein tolles Urlaubsland für Familien. Es gibt zum Beispiel spannende Wanderwege, wie hier in der Hohen Tatra am Hrebienok.

Anfahrt: Dresden und Prag liegen auf dem Weg

So ganz um die Ecke liegt die Slowakei ja nun nicht, zumal für uns Norddeutsche. Auf dem Hinweg haben wir in Dresden Station gemacht, das knapp fünf Fahrstunden von uns entfernt ist (die sich im Sommerferien-Stau auf über sechs ausdehnten, aber zum Glück hatten wir gute Hörbücher dabei). Dresden ist eine tolle Stadt und ein ideales Zwischenziel, ob nun mit Kindern oder ohne.

Dass Dresden Florenz so ähnlich sieht, liegt auch daran, dass Italiener es erbaut haben.
Dresden ist immer eine Reise wert, und die Fahrt in die Slowakei ist als Ausrede dafür gut genug.

Wer Tschechien nur als Transitland auf dem Weg zum Familienurlaub in der Slowakei benutzen will, kann es von dort aus in weiteren fünfeinhalb Stunden durchqueren und den nächsten Stopp im slowakischen Trenčin einlegen. Wir haben uns ein bisschen mehr Zeit genommen und eine zusätzliche Nacht bei Brno (ehemals Brünn) verbracht. Auf dem Weg haben wir uns das hübsche Städtchen Jihlava (der alte deutsche Name ist Iglau) angesehen.

Jihlava, Tschechien
Die hübsche Kleinstadt Jihlava (bzw. Iglau) in Tschechien ist allein schon eine Reise wert.

Auch Prag liegt von dort aus auf der Strecke, allerdings so nah bei Dresden, dass wir uns das für den Rückweg aufgehoben haben.

Zwei Wochen Familienurlaub in der Slowakei: Unsere Roadtrip-Route mit Couchsurfing-Klippen

Eine perfekte Route durch die Slowakei haben wir nicht vorzuweisen. Bei uns sind die Ansprüche der Logik und der Wirtschaftlichkeit mal wieder an den Herausforderungen des Couchsurfings gescheitert: Weil für uns die Besuche wildfremder Einheimischer wichtiger sind als ideale Fahrstrecken, haben wir Umwege in Kauf genommen, um Verabredungen mit slowakischen Familien treffen zu können.

Tschirmer See, Hohe Tatra, Slowakei mit Kindern
Die Natur ist die ganz große Stärke der Slowakei (hier der Tschirmer See in der Hohen Tatra).

Wie überall in Europa wird es auch in der Slowakei nicht einfacher, als Familie geeignete Gastgeber über das Couchsurfing-Portal zu finden. Klar: In einer Community, die aus Reise-Freaks besteht, sind die beherbergungswilligen Eltern von Schulkindern während der Sommerferien oft selber unterwegs. Wir haben unsere Anfragen an die paar Familien mit sympathischen Profilen früh verschickt und dann versucht, unseren Zeitplan um deren Urlaubspläne herumzustricken.

So sieht sie also aus, unsere Route durch die Slowakei – so ähnlich jedenfalls, denn in der Praxis kamen noch etliche Strecken auf Tagesausflügen hinzu. (Auf Anhieb habe ich nicht herausgefunden, wie man das Programm mit mehr als zehn Zwischenzielen für eine Route füttern kann, weshalb die An- und Abreisewege nicht mit verbunden sind.)

Freilichtmuseum Martin, Slowakei mit Kindern
Das Freilichtmuseum von Martin gibt einen guten Überblick über traditionelle Bauweisen in der Slowakei (und ist ein toller Ort für einen Ausflug mit Kindern).

Slowakei-Roadtrip: Einmal rundrum

Jedenfalls sind wir bei Trenčin reingekommen, haben dann einen ersten Stopp in Martin eingelegt (schönes Freilichtmuseum!) und haben erst einmal eine komplette Woche in der Hohen Tatra bei Poprad verbracht. Von unserer schönen kleinen Ferienwohnung aus haben wir Tagesausflüge in die Berge gemacht, in die Hohe und auch in die Niedere Tatra, in die schönen Städte Kežmarok und Levoča und an etliche Orte, von denen ich noch ausführlich berichten werde.

Hohe Tatra, gesehen von Velika Lomnica aus.
Rechts im Bild sieht man noch ein bisschen was von dem Apartmenthaus, in dem unsere Ferienwohnung lag – und voraus entfaltet sich die Hohe Tatra in ihrer ganzen übersichtlichen Pracht.

Anschließend ging es weiter nach Košice. Die zweitgrößte Stadt des Landes liegt im Osten der Slowakei und trug 2013 den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt. Obwohl unsere Pension hier ziemlich grauenhaft war, habe ich mich in das ehemalige Kaschau regelrecht verliebt: tolle Museen, Fußgängerzone mit Flair, unzählige Cafés und Restaurants, und die, die wir uns rausgepickt haben, haben uns richtig gute Sachen serviert (zum Beispiel die beste Sachertorte dieser Reise – und wir waren auf dem Rückweg noch in Wien…).

Wasserspiele Kosice, Familienurlaub in der Slowakei
Meine slowakische Lieblingsstadt Kosice mit ihren Wasserspielen vorm Theater.

Couchsurfing in der Slowakei: Kleinstadt, Kurort und Hauptstadt Ungarn

Mit Zwischenstopp in der Welterbe-Stadt Banská Štiavnica (interessante Bergbau-Geschichte, zweitbeste Sachertorte dieser Reise) ging es für uns weiter nach Nové Zámky. Dort waren unsere Couchsurfer die Hauptattraktion (und auch mehr oder weniger die einzige). Zwei Tage haben wir hier bei unheimlich netten Leuten slowakisches Familienleben in der Kleinstadt besichtigt.

Nove Zamky, Couchsurfing Slowakei
Slowakisches Familienleben in Nove Zamky. Schöne Spielplätze gibt es übrigens überall in der Slowakei.

Unsere nächste Station hieß Pieštany. Auch hierher hat uns die Einladung einer Couchsurfer-Familie geführt, aber hier lohnt sich auch für „echte“ Touristen ein Aufenthalt. Pieštany (an dem irgendwie nie ein deutscher Name haften blieb, was für die ganze Gegend sehr untypisch ist) ist ein berühmter Kurort, denn der heilkräftige Schlamm vulkanischen Ursprungs lindert Gelenkbeschwerden aller Art. Das bringt die üblichen Begleiterscheinungen mit sich, von denen die meisten dem Ort sehr gut tun.

Piestany, Slowakei mit Kindern
Der Mann, der nach dem Schlammbad seine Krücken zerbricht, ist das Wahrzeichen des Kurorts Piestany.

Unsere Couchsurfer in Pieštany (auch wieder supernette Leute, aber das ist ja meistens so) haben uns auch noch auf einen Ausflug nach Trenčin mitgenommen. Das ist die Stadt, die von Dresden/Prag/Brünn aus als erste in der Slowakei auf dem Weg liegt und die wir ausgelassen hatten, um über Martin schnell in die Hohe Tatra zu gelangen. Der Aufenthalt in Trenčin mit seiner Märchenburg lohnt sich auf jeden Fall ebenfalls!

Trencin, Burg, Familienurlaub in der Slowakei
Über Trencin thront die Burg – eine von vielen, vielen in der Slowakei, aber auch eine der besterhaltenen und schönsten.

Bratislava: Die Hauptstadt mit Vorstadtcharakter

Wir hatten uns Bratislava sozusagen als krönenden Abschluss für unseren Familienurlaub in der Slowakei übrig gelassen, und als Auftakt zu einer Tour nach dem Motto „3 europäische Hauptstädte in einer Woche“, die daraufhin folgte – eher zufällig hatte es sich in unserer Reiseplanung so ergeben.

Bratislava, Slowakei mit Kindern
Der Ausblick auf Bratislava von der Burg aus zeigt eine nette Stadt an der Donau.

Ich möchte an dieser Stelle noch nicht zu sehr ins Detail gehen (das folgt alles noch). Aber mich hat doch fasziniert, wie nah Bratislava sozusagen an der Abbruchkante balanciert. Die Stadtgrenze liegt eigentlich mittlerweile längst in Österreich. Bis Wien sind es nur rund 50 Kilometer. Und das ist nicht die einzige Landesgrenze, über die die slowakische Hauptstadt hinauszuschlittern droht: Auch Ungarn beginnt gleich um die Ecke. Unsere dritten (und noch einmal echt netten) Couchsurfer fahren jeden Tag etwa 20 Minuten bis zur Arbeit im Stadtzentrum – über die Grenze, denn ihr hübsches kleines Einfamilienhaus im Grünen liegt schon in Ungarn.

Bratislava selbst ist eine ganz ansehnliche Stadt mit netten Ecken, uns allerdings zu touristisch und – verglichen mit dem Rest des doch sehr preisgünstigen Landes – zu teuer. Das Highlight für den Familienurlaub in der Slowakei war Bratislava für uns jedenfalls nicht. Wenn man genug Zeit hat, sollte man die Hauptstadt trotzdem nicht auslassen (allein schon, weil man von hier aus ein gutes Argument für einen Abstecher ins wunderschöne Wien hat).

Touristen in Bratislava, Slowakei mit Kindern
Bratislava ist durchaus sehenswert, aber ehrlich gesagt ist es die Stadt, die uns in der Slowakei am wenigsten gefallen hat.

Ab nach Hause: Über Bratislava, Wien und Prag

Die drei Hauptstädte also begleiteten uns nach Hause. Zumindest für mich war doch, ehrlich gesagt, Wien der absolute Favorit unserer Reise. Trotzdem bin ich froh, dass wir die Slowakei erkundet haben. Wir haben so liebe Menschen getroffen, so wunderbare Natur erwandert, so viel über einen uns bisher ziemlich unbekannten Kulturraum erfahren. Das gesichtslose Land aus den Nachrichten ist für uns nicht mehr gesichtslos – ganz im Gegenteil.

Stary Smokovec, Hohe Tatra, Slowakei
Traditionell und doch irgendwie ziemlich cool: eine alte Villa in Stary Smokovec in der Hohen Tatra.

Auch das Wetter war übrigens bombig: Während es in Deutschland viel geregnet hat, hatten wir in der Slowakei bis auf zwei Tage Sonnenschein bei 26 bis 32 Grad!

Café Slowakei
Und die Cafés sind toll! Und viel günstiger als zu Hause (außer in Bratislava). Hier in Banska Stiavnica im Diavna Pani, mit der zweitbesten Sachertorte der Slowakei (meiner Meinung nach). (Und ein gutes Beispiel für den jounalistischen Faux Pas der Text-Bild-Schere, da das Foto von einem der wenigen kälteren Tage stammt und Janis Pullover trägt…)

Unser Fazit zum Familienurlaub in der Slowakei

Wer mit Kindern günstig reisen möchte und gern Pfade abseits des Massentourismus erkundet, sollte einen Familienurlaub in der Slowakei ruhig einmal in Erwägung ziehen.

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