Slowakei mit Kindern – das geht überraschend gut! Unser Erfahrungsbericht über unseren Roadtrip durch die Slowakei im Sommer 2016.

Urlaub in der Slowakei?!

Ich muss zugeben, dass ich erst mehr als skeptisch war, unseren diesjährigen Familienurlaub in der Slowakei zu verbringen. Auf unserem 11-monatigen Europa-Roadtrip ist uns die Slowakei unabsichtlich durch die Lappen geflutscht. Da sie zum Glück auch für die normalen Sommerferien gut erreichbar ist, lag es nah, die Bekanntschaft mit dem osteuropäischen Staat nun nachzuholen.

Bei dieser Idee sind wir geblieben – auch wenn mein Herz mich grundsätzlich weniger in den Süden und Osten, sondern von jeher vor allem für Schottland und Irland schlägt. Und auch, wenn die Slowakei in den aktuellen Nachrichten (wie etliche ihrer Nachbarstaaten) ja schon eher unsympathisch rüberkommt (unsolidarisches Verhalten in der Flüchtlingskrise und so).

Kezmarok, Slowakei mit Kindern

Die kleine Stadt Kezmarok östlich der Hohen Tatra ist hübsch saniert und aufgeräumt – zumindest in den slowakischen Innenstädten ist vom Ostblock-Flair nichts mehr zu spüren.

Selbst als die Suche nach einer familientauglichen Unterkunft sich als nicht eben problemlos herausstellte und ich gerne eingeknickt wäre und einfach die Fähre nach Newcastle oder Rosslare gebucht hätte, blieben wir tapfer bei der Stange.

Jedenfalls: Im Nachhinein muss ich sagen, unser Familienurlaub in der Slowakei hat sich gelohnt!

Hohe Tatra, Hrebienok, Wandern mit Kindern in der Slowakei

Doch, die Slowakei ist ein tolles Urlaubsland für Familien. Es gibt zum Beispiel spannende Wanderwege, wie hier in der Hohen Tatra am Hrebienok.

Stationen unserer zweiwöchtigen Rundreise durch die Slowakei:

  • Dresden (Deutschland, 1 Nacht)
  • Brno (Tschechien, 1 Nacht)
    • Zwischenstopp in Jihlava
  • Poprad (Hohe Tatra, 7 Nächte)
    • Zwischenstopp in Martin
    • Ausflug nach Levoca
    • Ausflug nach Kezmarok
    • Ausflug nach Starý Smokovec und zum Strbské Pleso (Tschirmer See)
    • Ausflug zur Dobsina Eisehöhle
  • Košice (2 Nächte)
  • Nové Zámky (2 Nächte)
    • Zwischenstopp in Banská Štiavnica
  • Pieštany (2 Nächte)
    • Ausflug nach Trenčin
  • Bratislava (2 Nächte)
  • Wien (Österreich, 3 Nächte)
  • Prag (Tschechien, 1 Nacht)

Anfahrt: Dresden und Prag liegen auf dem Weg

So ganz um die Ecke liegt die Slowakei ja nun nicht, zumal für uns Norddeutsche. Auf dem Hinweg haben wir in Dresden Station gemacht. Dasist knapp fünf Fahrstunden von uns entfernt (die sich im Sommerferien-Stau auf über sechs ausdehnten, aber zum Glück hatten wir gute Hörbücher dabei).

Dresden ist eine tolle Stadt und ein ideales Zwischenziel. Hier ist ein Blogbeitrag über unseren ersten Besucht dort: Dresden mit Kindern.

Dass Dresden Florenz so ähnlich sieht, liegt auch daran, dass Italiener es erbaut haben.

Dresden ist immer eine Reise wert, und die Fahrt in die Slowakei ist als Ausrede dafür gut genug.

Wer Tschechien nur als Transitland auf dem Weg zum Familienurlaub in der Slowakei benutzen will, kann es von dort aus in weiteren fünfeinhalb Stunden durchqueren und den nächsten Stopp im slowakischen Trenčin einlegen. Wir haben uns ein bisschen mehr Zeit genommen und eine zusätzliche Nacht bei Brno (ehemals Brünn) verbracht. Auf dem Weg haben wir uns das hübsche Städtchen Jihlava (der alte deutsche Name ist Iglau) angesehen.

Jihlava, Tschechien

Die hübsche Kleinstadt Jihlava (bzw. Iglau) in Tschechien ist allein schon eine Reise wert.

Auch Prag liegt von dort aus auf der Strecke, allerdings so nah bei Dresden, dass wir uns das für den Rückweg aufgehoben haben.

Zwei Wochen Familienurlaub in der Slowakei: Unsere Roadtrip-Route

Eine perfekte Route durch die Slowakei haben wir nicht vorzuweisen. Bei uns sind die Ansprüche der Logik und der Wirtschaftlichkeit mal wieder an den Herausforderungen des Couchsurfings gescheitert: Weil für uns die Besuche wildfremder Einheimischer wichtiger sind als ideale Fahrstrecken, haben wir Umwege in Kauf genommen, um Verabredungen mit slowakischen Familien treffen zu können.

(Wer nicht weiß, was Couchsurfing ist oder wie das mit Kindern funktionieren soll, findet hier mein ausführliches Tutorial: Couchsurfing mit Kindern – so klappt der „Gratis-Urlaub“ für Familien.)

Tschirmer See, Hohe Tatra, Slowakei mit Kindern

Die Natur ist die ganz große Stärke der Slowakei (hier der Tschirmer See in der Hohen Tatra).

Wie überall in Europa wird es auch in der Slowakei nicht einfacher, als Familie geeignete Gastgeber über das Couchsurfing-Portal zu finden. Klar: In einer Community, die aus Reise-Freaks besteht, sind die beherbergungswilligen Eltern von Schulkindern während der Sommerferien oft selber unterwegs. Wir haben unsere Anfragen an die paar Familien mit sympathischen Profilen früh verschickt und dann versucht, unseren Zeitplan um deren Urlaubspläne herumzustricken.

[Hier war früher eine GoogleMaps-Karte mit unserer Reiseroute zu sehen. Da seit der DSGVO-Reform nicht eindeutig geklärt ist, ob ich bei einer solchen Einbettung persönlich verantwortlich bin, wenn Google dadurch eure IP-Adressen speichert, steckt sie jetzt hinter diesem Link. Wenn ihr ihn klickt, passiert nichts Schlimmeres, als wenn ihr GoogleMaps von anderswo aus ganz normal nutzt (glaube ich). Es ist einfach nur eine Absicherung für mich als technisch unversierten Blogger.]

So sieht sie also aus, unsere Route durch die Slowakei – so ähnlich jedenfalls, denn in der Praxis kamen noch etliche Strecken auf Tagesausflügen hinzu. (Auf Anhieb habe ich nicht herausgefunden, wie man das Programm mit mehr als zehn Zwischenzielen für eine Route füttern kann, weshalb die An- und Abreisewege nicht dabei sind.)

Freilichtmuseum Martin, Slowakei mit Kindern

Das Freilichtmuseum von Martin gibt einen guten Überblick über traditionelle Bauweisen in der Slowakei (und ist ein toller Ort für einen Ausflug mit Kindern).

1. Station: Über Martin in die Hohe Tatra

Wir sind bei Trenčin über die Grenze gefahren. Unseren ersten Stopp haben wir in Martin eingelegt (schönes Freilichtmuseum!). Eine komplette Woche haben wir in der Hohen Tatra bei Poprad verbracht. Von unserer schönen kleinen Ferienwohnung aus haben wir Tagesausflüge in die Berge gemacht, in die Hohe und auch in die Niedere Tatra, zum Beispiel in die schönen Städte Kežmarok und Levoča.

Hohe Tatra, gesehen von Velika Lomnica aus.

Rechts im Bild sieht man noch ein bisschen was von dem Apartmenthaus, in dem unsere Ferienwohnung lag – und voraus entfaltet sich die Hohe Tatra in ihrer ganzen übersichtlichen Pracht.

2. Station: Košice

Anschließend ging es weiter nach Košice. Die zweitgrößte Stadt des Landes liegt im Osten der Slowakei und trug 2013 den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt. Obwohl unsere Pension hier ziemlich grauenhaft war, habe ich mich in das ehemalige Kaschau regelrecht verliebt: tolle Museen, Fußgängerzone mit Flair, unzählige Cafés und Restaurants, und die, die wir uns rausgepickt haben, haben uns richtig gute Sachen serviert (zum Beispiel die beste Sachertorte dieser Reise – und wir waren auf dem Rückweg noch in Wien…).

Darüber habe ich mittlerweile einen eigenen Blogbeitrag geschrieben: Geheimtipp Košice – Die schönste Stadt der Slowakei.

Wasserspiele Kosice, Familienurlaub in der Slowakei

Meine slowakische Lieblingsstadt Kosice mit ihren Wasserspielen vorm Theater.

3. Station: Couchsurfing in Nové Zámky

Mit Zwischenstopp in der Welterbe-Stadt Banská Štiavnica (interessante Bergbau-Geschichte, zweitbeste Sachertorte dieser Reise) ging es für uns weiter nach Nové Zámky. Dort waren unsere Couchsurfer die Hauptattraktion (und auch mehr oder weniger die einzige). Zwei Tage haben wir hier bei unheimlich netten Leuten slowakisches Familienleben in der Kleinstadt besichtigt.

Nove Zamky, Couchsurfing Slowakei

Slowakisches Familienleben in Nove Zamky. Schöne Spielplätze gibt es übrigens überall in der Slowakei.

4. Station: Die Heilbäder von Pieštany

Unsere nächste Station hieß Pieštany. Auch hierher hat uns die Einladung einer Couchsurfer-Familie geführt, aber hier lohnt sich auch für „echte“ Touristen ein Aufenthalt. An Pieštany blieb irgendwie nie ein deutscher Name haften, was für die ganze Gegend sehr untypisch ist. Vor allem, da es sich um einen berühmten Kurort handelt. Der heilkräftige Schlamm vulkanischen Ursprungs lindert Gelenkbeschwerden aller Art. Das bringt die üblichen Begleiterscheinungen mit sich, von denen die meisten dem Ort sehr gut tun.

Piestany, Slowakei mit Kindern

Der Mann, der nach dem Schlammbad seine Krücken zerbricht, ist das Wahrzeichen des Kurorts Piestany.

Unsere Couchsurfer in Pieštany (auch wieder supernette Leute, aber das ist ja meistens so) haben uns auch noch auf einen Ausflug nach Trenčin mitgenommen. Das ist die Stadt, die von Dresden/Prag/Brünn aus als erste in der Slowakei auf dem Weg liegt und die wir ausgelassen hatten, um über Martin schnell in die Hohe Tatra zu gelangen. Der Aufenthalt in Trenčin mit seiner Märchenburg lohnt sich auf jeden Fall ebenfalls!

Trencin, Burg, Familienurlaub in der Slowakei

Über Trencin thront die Burg – eine von vielen, vielen in der Slowakei, aber auch eine der besterhaltenen und schönsten.

5. Station: Hauptstadt Bratislava

Wir hatten uns Bratislava sozusagen als krönenden Abschluss für unseren Familienurlaub in der Slowakei übrig gelassen. Außerdem war sie der Auftakt zu einer Anschluss-Tour nach dem Motto „3 europäische Hauptstädte in einer Woche“. Eher zufällig hatte es sich in unserer Reiseplanung so ergeben.

Bratislava, Slowakei mit Kindern

Der Ausblick auf Bratislava von der Burg aus zeigt eine nette Stadt an der Donau.

Mich hat doch fasziniert, wie nah Bratislava sozusagen an der Abbruchkante balanciert. Die Stadtgrenze liegt eigentlich längst in Österreich. Bis Wien sind es nur rund 50 Kilometer. Und das ist nicht die einzige Landesgrenze, über die die slowakische Hauptstadt hinauszuschlittern droht: Auch Ungarn beginnt gleich um die Ecke.

Unsere dritten (und noch einmal echt netten) Couchsurfer fahren jeden Tag etwa 20 Minuten bis zur Arbeit im Stadtzentrum – über die Grenze, denn ihr hübsches kleines Einfamilienhaus im Grünen liegt schon in Ungarn.

Bratislava selbst ist eine ganz ansehnliche Stadt mit netten Ecken, uns allerdings zu touristisch und – verglichen mit dem Rest des doch sehr preisgünstigen Landes – zu teuer. Das Highlight für den Familienurlaub in der Slowakei war Bratislava für uns jedenfalls nicht. Wenn man genug Zeit hat, sollte man die Hauptstadt trotzdem nicht auslassen (allein schon, weil man von hier aus ein gutes Argument für einen Abstecher ins wunderschöne Wien hat).

Touristen in Bratislava, Slowakei mit Kindern

Bratislava ist durchaus sehenswert, aber ehrlich gesagt ist es die Stadt, die uns in der Slowakei am wenigsten gefallen hat.

Rückfahrt über Bratislava, Wien und Prag

Die drei Hauptstädte also begleiteten uns nach Hause. Zumindest für mich war doch, ehrlich gesagt, Wien der absolute Favorit unserer Reise.

Den ausführlichen Blogbeitrag darüber gibt es hier: So war Wien mit Kindern – ungeschminkt und herrlich.

Und auch über unsere letzte Station Prag gibt es inzwischen einen eigenen kulinarisch geprägten Erfahrungsbericht: Prag für Genießer – unsere Eating Prague Tour mit Kindern.

Slowakei-Rundreise: Mein Fazit

Ich bin froh, dass wir die Slowakei erkundet haben.Für uns hat es sich als richtig tolles Reiseland entpuppt.

Einen ganz großen Anteil daran hatte das Couchsurfing. Wir haben so liebe Menschen getroffen! Gerade in Zeiten, in denen der Ton in den Nachrichten rauer wird, ist es Gold wert, sich direkt mit echten Menschen auf Augenhöhe auszutauschen.

Ganz geflasht waren wir auch von der wunderbaren Natur in der Slowakei. Wir haben herrliche Wanderwege entdeckt. Es gibt dunkle Wälder, sanfte Hügel, grün soweit das Auge blickt. Viel Platz für alle. Und doch lässt auch die Infrastruktur nicht zu wünschen übrig. Überall findet sich ein nettes Café.

Auch kulturell hat die Slowakei viel zu bieten. Es gibt viele oft richtig gut gemachte Museen. Wir haben so viel über einen uns bisher ziemlich unbekannten Kulturraum erfahren. Das gesichtslose Land aus den Nachrichten ist für uns nicht mehr gesichtslos – ganz im Gegenteil.

Stary Smokovec, Hohe Tatra, Slowakei

Traditionell und doch irgendwie ziemlich cool: eine alte Villa in Stary Smokovec in der Hohen Tatra.

Auch das Wetter war übrigens bombig: Während es in Deutschland viel geregnet hat, hatten wir in der Slowakei bis auf zwei Tage Sonnenschein bei 26 bis 32 Grad!

Café Slowakei

Habe ich erwähnt, dass die Cafés toll sind? Und viel günstiger als zu Hause sind sie auch (außer in Bratislava). Das hier ist in Banska Stiavnica auf der Terrasse des Diavna Pani. Dort haben wir die zweitbeste Sachertorte der Slowakei gegessen. (Und ein gutes Beispiel für den jounalistischen Faux Pas der Text-Bild-Schere ist das Foto auch, da es von einem der wenigen kälteren Tage stammt und Janis Pullover trägt…)

Wer mit Kindern günstig reisen möchte und gern Pfade abseits des Massentourismus erkundet, sollte einen Familienurlaub in der Slowakei ruhig einmal in Erwägung ziehen.