Salzburg: (ein bisschen) mehr als Mozart

Mozart – das ist das, was wohl jedem zuerst beim Thema Salzburg einfällt. Und um diesen Herrn kommt man hier auch beim besten Willen nicht drum herum. Der geniale Komponist beherrscht seine Geburtsstadt in Form von Plastikpuppen, Quietscheentchen, Marionetten und bunt verpackten Schokokugeln. Dabei ist Salzburg nicht nur wegen Wolfgang Amadeus einen Umweg wert.

Wir besuchen die Stadt auf dem Weg in die Alpen. Der Hype um den berühmten Musiker hat nämlich auch schon die jüngste Generation erfasst. Seit Silas eine kindgerechte Mozart-Biografie auf CD gehört hat, gerät er bei der Aussicht, auf den Spuren des Meisters zu wandeln, geradezu in Verzückung. Janis trommelt bereits „Eine kleine Nachtmusik“ gegen meine Rückenlehne, um sich den Stau zu versüßen. Mit dem nämlich begrüßt uns die Stadt an der deutsch-österreichischen Grenze. Länger als eine Stunde quälen wir uns durch den Stadtverkehr Richtung Zentrum. Die Ampeln sind so blöd geschaltet, dass immer nur zwei, drei Autos über eine Grünphase kommen, und dann reihen sich auch noch die Baustellen aneinander. So wird uns Salzburg nicht gerade auf Anhieb sympathisch.

Durchblick bis zur Festung Hohensalzburg.
Durchblick bis zur Festung Hohensalzburg.

Das Liebesnest des Kirchenmanns

Schließlich schaffen wir es bis zum Schloss Mirabell. Das wurde 1606 im Auftrag des Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau errichtet – für seine Geliebte Salome Altenau, die ihm 15 Kinder schenkte. Heute dient das opulente Anwesen als Sitz der Verwaltung. Wir parken, laufen hinüber und weichen gleich schon mal zwei Brautautos und einer Hochzeitskutsche aus. Der Trausaal des Salzburger Standesamts gilt als einer der schönsten der Welt, und entsprechend frequentiert ist er. Im Park begegnen wir an diesem Samstag gleich vier Bräuten beim Foto-Shooting. Sofern man nicht über anderer Leute Schleppen stolpert, ist der Mirabellengarten ein wunderbares Plätzchen.

Der Pegasusbrunnen stand zu Salomes Zeit noch nicht hier. Das geflügelte Ross ist in Salzburg und Umgebung weit herumgekommen. Obwohl bereits 1661 gegossen, ziert es den Mirabellengarten erst seit 1913.
Der Pegasusbrunnen stand zu Salomes Zeit noch nicht hier. Das geflügelte Ross ist in Salzburg und Umgebung weit herumgekommen. Obwohl bereits 1661 gegossen, ziert es den Mirabellengarten erst seit 1913.

Den Jungs gefällt der Pegasusbrunnen, mir die Aussicht über die penibel in Form gehaltenen Blumenbeete bis hoch zur Festung Hohensalzburg. Wir picknicken auf einer Bank, finden einen netten Spielplatz hinter der Mauer, erkunden das Labyrinth aus Buchenhecken mit dem Heckentheater in der Mitte.

Vorstellungen im Heckentheater müssen etwas ganz Besonderes sein!
Vorstellungen im Heckentheater müssen etwas ganz Besonderes sein!

Salzburg von oben

Dann dehnen wir unseren Radius aus, laufen vorbei an dem alten Tanzmeisterhaus, in das die Familie Mozart 1773 umzog. Wir geraten in die Linzer Gasse, die quirligste Straße der Stadt, in der sich Geschäfte, Boutiquen und vor allem Restaurants, Kneipen und Cafés aneinander reihen.

Aufi geht's! Die Jungs besteigen den Kapuzinerberg mit Elan.
Aufi geht’s! Die Jungs besteigen den Kapuzinerberg mit Elan.

Hier finden wir den Aufstieg zum Kapuzinerberg, einem der Salzburger Hausberge. Die Jungs marschieren vorneweg. Sie wollen die Stadt von oben sehen. Die komplette Bewanderung des nach einem Kapuzinerkloster benannten Berges dauert rund zwei Stunden. Wir beschränken uns auf eine Stippvisite bis zum ersten Aussichtspunkt.

Der Blick auf die ruhigere Salzburg-Seite mit dem Mirabellengarten.
Der Blick auf die ruhigere Salzburg-Seite mit dem Mirabellengarten.

Durch ein Gewirr von Treppen und steilen Gassen steigen wir wieder hinab in die Stadt. Nun stehen wir an der Salzach, dem Fluss, der Salzburg seinen Namen verlieh. Wir überqueren sie über die Staatsbrücke. Die Kitsch-Dichte nimmt an diesem Ufer merklich zu, die Souvenirläden reihen sich aneinander.

Hauptattraktion: Mozarts Geburtshaus

Der allgemeine Strom der Touristen spült uns in die Getreidegasse. „Nummer neun! Nummer neun!“ quietscht Silas, der sich in der Materie wesentlich besser auskennt als ich. Die große Sehenswürdigkeit aber übersieht ohnehin niemand. Mozarts Geburtshaus ist leuchtend gelb gestrichen und mit goldenen Lettern als solches beschriftet. Eine österreichische Flagge weht über fast die gesamte Höhe des Gebäudes. Im dritten Stock wurde der hochgelobte Wunderknabe hier am 27. Januar 1756 geboren. Das dazugehörige Museum nimmt heute drei Etagen ein. Wir haben dafür leider keine Zeit (die haben wir im Vorstadt-Stau verloren). Trotzdem können wir das ehrwürdige Gebäude betreten, denn im Erdgeschoss befindet sich ein Spar-Supermarkt. Was mancher Fan als Sakrileg empfinden mag, kommt uns entgegen. Wir wenden uns der vermutlich meistverkauften Ware am Platz zu und gönnen uns je eine Mozartkugel – soviel Symbolik ist bei mir durchaus erlaubt, wenn sie Schokolade mit sich bringt.

Nicht zu übersehen: Mozarts Geburtshaus. Nicht im Bild: Touristenmassen und ein Supermarkt im Erdgeschoss.
Nicht zu übersehen: Mozarts Geburtshaus. Nicht im Bild: Touristenmassen und ein Supermarkt im Erdgeschoss.

Kirchen, Kitsch und Pferdekutschen

Die Geschäfte in der Getreidegasse sind großteils exklusiver als die in der Linzergasse und auf wohlhabende Besucher ausgelegt. Wir brauchen gerade kein Dirndl für mehrere hundert Euro und auch keine ebenso teure Kuckucksuhr, weshalb wir nur staunend an den Schaufenstern entlang bummeln. Ein kurzer Blick in den Innenhof des Bürgerspitals (das heute ein Spielzeugmuseum beherbergt) verdeutlicht uns, wie sehr Salzburg in gefährlicher Umarmung der Berge lebt. Steinschläge, Hangabstürze und mangelnde Ausdehnungsmöglichkeiten haben der Stadt lange zugesetzt.

Das Bürgerspital drückt sich regelrecht an den Mönchsberg.
Das Bürgerspital drückt sich regelrecht an den Mönchsberg.

Wir mäandern durch die Altstadtgassen, besichtigen die hübsch-barocke Kollegienkirche und schlendern über den Marktplatz. Am Residenzplatz stehen die Pferdekutschen aufgereiht, die zahlungswillige, fußfaule Stadtbesucher durch die Gegend befördern. Auf dem Domplatz erhaschen wir einen Blick ins Innere des Gotteshauses (wer hinein will, muss am dominanten Spendenhäuschen vorbei) und lauschen den Straßenmusikanten. Und dann ist es auch schon wieder Zeit, den Rückweg zum Parkplatz anzutreten, denn schließlich haben wir bis zu unserer Unterkunft noch knapp zwei Stunden Fahrt vor uns.

Mehrere Brücken führen über die Salzach. In Altstadtnähe ist der Makartsteg die schönste.
Mehrere Brücken führen über die Salzach. In Altstadtnähe ist der Makartsteg die schönste.

Praktische Hinweise:

  • Vier Stunden Parken gegenüber von Schloss Mirabell kosten 11,20 Euro.
  • Die Schlossgärten sind kostenlos zugänglich; wenn keine anderen Veranstaltungen anliegen, kann der Marmorsaal während der Öffnungszeiten der Verwaltung kostenlos besichtigt werden (bis 16 Uhr).
  • Der Aufstieg bis zum ersten Aussichtspunkt am Kapuzinerberg dauert nicht länger als zehn Minuten (bei motivierten Kindern).
  • Wer Mozarts Geburtshaus besichtigen möchte, zahlt 10 Euro, Kinder bis 14 Jahre 3,50 Euro, unter sechs Jahren nichts. Die Familienkarte (2+x) kostet 21 Euro. Geöffnet ist täglich von 9 bis 17.30 Uhr, im Sommer länger.

4 Gedanken zu „Salzburg: (ein bisschen) mehr als Mozart“

  1. Hallo!

    Wir haben dieses Jahr immer Sommer auch wieder einen Kurztrip nach Salzburg gestartet, diese Stadt ist einfach immer einen Ausflug wert!
    Das Naturhistorische Museum kann mich immer wieder aufs Neue begeistern, genauso wie der Hangar 7. Am Hanger 7 sind meine Jungs beschäftigt mit Flugzeuge und Rennautos gucken, und ich kann nach dem ereignisreichen Ausflug gemütlich einen Café in den stylischen Restaurant trinken – einfach perfekt. :)
    Warst du dort auch schon mal?
    LG Julia

    1. Hallo Julia, das klingt toll. Nein, leider haben wir bei unserer Stippvisite kaum mehr als einen Überblick über die Stadt bekommen. Da gibt es ganz sicher noch so viel mehr zu entdecken… Ich fürchte, wir müssen noch mal wiederkommen… :)

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