Dioskuren-Tempel in Agrigento, Sizilien

Sizilien: Sciacca und Agrigento (mit Kindern)

Teil 4 meiner kleinen Serie über unsere Sizilien-Rundreise mit Kindern. Nachdem ich über unsere allgemeinen Erfahrungen übers individuelle Reisen auf Sizilien berichtet und von unserer ersten Rundreise-Station in Catania erzählt habe (und von Messina und dem Ätna), kommt heute unser Abstecher zur Südküste der Insel an die Reihe. Vier Tage lang waren wir in Scicca und haben auch die wunderbaren Ruinen von Agrigento besichtigt. 

Die kleine Stadt im Südwesten der Insel ist um einiges touristischer als Catania (aber vielleicht erscheint uns das auch nur so, weil wir hier in einer hübschen kleinen Ferienwohnung zwischen anderen Ferienhäusern unterkommen, während wir dort bei Couchsurfern im normalen Wohngebiet genächtigt haben).

Die Thermen von Sciacca? – Keine Ahnung, ehrlich gesagt

Sciacca besitzt gut 40.000 Einwohner und ist, nach dem, was man so liest,  vor allem für seine Heilquellen und Thermalbäder bekannt.

Ob man auch als Urlauber darin baden kann, haben wir trotz Internet-Recherche und persönlichem Abklappern der Thermen kurioserweise nicht herausgefunden. Wenn, dann gab es die Infos nur auf Italienisch. Der Bau, der auf dem Stadtplan als historisches Thermalbad eingezeichnet ist, sah nett aus, war aber zu.

(Fairerweise muss ich zugeben, dass wir jetzt auch nicht sooo viel Energie in das Lösen des Mysteriums gelegt haben, so wichtig  war es uns jetzt nicht.)

Die Thermen von Sciacca.
Die Thermen von Sciacca.

Hübsch und kühl: die Altstadt von Sciacca

Was uns an Sciacca richtig gut gefallen hat, waren die hübschen kühlen Gassen der Altstadt. All die alten Kirchen und Mauerreste, die pragmatisch in neueren Gebäuden Verwendung fanden, und der Stilmix aus römischem, normannischem und alt-italienischem Erbe ist beeindruckend.

Normannisches Erbe, das durch die geschichtlichen Verwicklungen auf die Insel kam.
Normannisches Erbe, das durch die geschichtlichen Verwicklungen auf die Insel kam.

Eine Gasse gibt es, die künstlerisch ausgestaltet ist und auf jeden Fall einen Abstecher lohnt: Cortile Carini. Überall, selbst in den Fugen des Mauerwerks, lassen sich hier bunte Kunstwerke entdecken.

Absolut erkundenswert:
Absolut erkundenswert, gerade für Kinder: Cortile Carini.

Sciacca in grün

Im kleinen Park in der Nähe der Steilküste wachsen ein paar Exemplare der Art von Feigenbäumen, die Goethe in Palermo so sehr faszinierten, weil sie nicht nur von unten nach oben, sondern von den ausladenden Ästen auch wieder von oben nach unten wachsen. So entstehen skurrile Baumgestalten, die eine echte Sehenswürdigkeit darstellen.

Wer eh noch nach Palermo fährt, kriegt hier nur einen kleinen Vorgeschmack, denn die dortigen Kollegen sind noch beeindruckender. Aber auch für diese Exemplare lohnt sich ein Spaziergang. Unsere Jungs standen jedenfalls lange staunend vor dem gewachsenen Kunstwerk.

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Und ein ganz besonderes Ausflugsziel in Sciacca ist das Castello Incantato, das einer anderen Welt zu entstammen scheint. Der zauberhafte Ort hat mich so beeindruckt, dass ich damals gleich sofort darüber geblogt habe:

Sizilien: Castello Incantato, das verwunschene Schloss mit den tausend Köpfen

Agrigento, das „Tal der Tempel“

Absolutes Highlight jeder Sizilienreise mit Bildungsanspruch (oder sagen wir lieber: mit etwas kulturellem Interesse) ist Agrigento, ziemlich genau eine Stunde Fahrzeit von Sciacca entfernt.

Ganz ehrlich: Ich wusste vorher nichts von diesem Ort. Aber schon Goethe war begeistert. Wir auch.

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Zu griechischen Zeiten hieß die Stadt Akragas, unter den Römern später Agrigentum. Im Deutschen findet sich mitunter die Verkürzung zu Agrigent.

 

Griechische Antike, besterhalten

Es ist der Fakt, dass die monumentalen Tempel der antiken Stadt noch so hervorragend erhalten sind, der die Ruinen von Agrigento zu etwas Besonderem macht.

Entsprechend wird die archäologische Stätte bezeichnet – allerdings kursieren sowohl die Bezeichnungen „Berg der Tempel“ als auch „Tal der Tempel“. Beides ist irgendwie richtig: Die heutige Stadt blickt auf die Ruinen herab. Aber wer von der vier Kilometer entfernten See heraufkommt, sieht das antike Agrigento auf einem Hügel liegen.

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Der einstige Reichtum der griechischen Kolonie äußert sich in einer regelrechten Parade von Tempeln, die zu den besterhaltenen überhaupt zählen. Berühmtester von allen ist der Concordia-Tempel (dessen Name in der antike-begeisterten Renaissance ziemlich willkürlich gewählt wurde).

In Agrigento auf Sizilien ist einer der besterhaltenen griechischen Tempel zu finden.
In Agrigento auf Sizilien ist einer der besterhaltenen griechischen Tempel zu finden.

Ich halte mich an dieser Stelle mit aller Macht zurück, um nicht in einen Monolog über historische Rekonstruktionen und architektonische Details dorischer Ringhallentempel abzugleiten (dabei sind beides in Bezug auf Agrigento spannende Themen!).

Die Tempelparade von Agrigento

Halten wir fest, dass es im „Tal der Tempel“ auch für weniger eingefleischte Geschichts-Nerds eine Menge zu gucken gibt.

Ein Spaziergang über das Ruinenfeld bis zur Spitze des Felsplateaus umfasst etwa zwei  Kilometer (das ist aber nur geraten) und führt – unter anderem – vorbei am Tempel des Zeus (der auch Olympieion genannt wird und der drittgrößte antike Tempel überhaupt gewesen sein soll), am Tempel der Dioskuren, der archaischen chthonischen Gottheiten, dem Herakles-Tempel und denen für Concordia und Hera.

Außerdem gibt es noch die Gärten von Kolymbethra mit ihrer antiken Wasserversorgung und eine frühchristliche Nekropole zu sehen.

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In den Nischen dort wurden frühe Christen bestattet.

Praktische Hinweise für den Ausflug nach Agridento

Allermindestens einen halben Tag sollte man für den Ausflug nach Agrigento einplanen.

Wichtig: Genügend Wasser, Sonnenschutz und ein Picknick mitnehmen! Das Gelände ist weitläufig, und es gibt (zumindest im März) nur am Eingang eine Versorgungsstation.

Parkplätze sind ausgewiesen. 2015 kostete das Parken für Autos 3 Euro, für Wohnmobile 5 Euro. Von dort aus ist es ein kleines Stück zu laufen, ein paar hundert Meter über einen sehr hübsch angelegten Weg. Für Faule gibt es auch einen kostenpflichtigen Shuttle, der sich sehr penetrant anbietet, aber wer nicht gerade mit Rolator oder Krücken unterwegs ist, braucht den nicht. Ehrlich, das schaffen auch kleine Kinder.

Eintritt: Leider weiß ich nicht mehr sicher, was wir bezahlt haben, und auf der offiziellen Seite des parco valle dei templi ist auf Deutsch oder Englisch keine Information über die Eintrittspreise zu kriegen (das ist so typisch Italien!). Anderswo im Internet lese ich was von 4 Euro pro Person, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mehr bezahlt haben. Es war jedenfalls kein Wucher und gefühlt angemessen. Kinder unter 18 sind in staatlichen Museen und Ruinenstätten in Italien generell frei.

Mehr über Sizilien (mit Kindern)

Sizilien-Rundreise mit Kindern: Unsere Erfahrungen

5 Gedanken zu „Sizilien: Sciacca und Agrigento (mit Kindern)“

  1. Liebe Lena, danke für die Infos! Agrigento steht auf jeden Fall auf meiner „zu-besuchen-Liste“ für Oktober – das sieht wirklich toll aus. Aber die Gasse mit den vielen bunten Mosaiken ist ja der Hammer!! Das möchte ich unbedingt sehen. Ich fürchte nur, eine Woche ist wirklich viel zu kurz… Danke für`s zeigen! Liebe Grüße, Nina

      1. Nein, bin gerade dabei. Wir werden nur wenig sehen können, das ist mir gestern Nacht klar geworden, als ich mal die Entfernungen gegoogelt habe… Aber mehr wie diese eine Woche gab der Arbeitgeber nicht nicht her. Da wir beide arbeiten, müssen wir sehen, wie wir die Ferien abdecken. Lehrer hätte man werden sollen… LG! Nina

  2. Hallo Lena! Hier kommen endlich, wie vor Ewigkeiten versprochen, meine „Ergänzungen“ zu deinem Post:
    Du warst dir mit den Eintrittspreisen ja nicht mehr sicher. Ich kann dir nun brandaktuell den Preis nennen, wir waren im Oktober erst da.
    Wie du schon schreibst, sind Kinder frei. Und Erwachsene zahlen jeweils 10 €. Am Eingang stand übrigens Security, die uns abgescannt und außerdem unsere Rucksäcke nach verdächtigen Gegenständen durchgesehen hat.
    Innerhalb der Anlage gab es verschiedene Eingänge, in deren Nähe es auch immer 1. eine Toilette gab und 2. waren die „Versorgungsstationen“ geöffnet, es gab kleine Snacks und Getränke. Wie lange die Stationen geöffnet haben (jahreszeitlich gesehen), weiß ich allerdings auch nicht. Die Parkplatzpreise sind gleich geblieben. Vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen noch weiter…
    Liebe Grüße, Nina

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