Bucket-Lists: Warum wir nicht in Andorra waren

Auf der Liste der Länder Europas waren wir fast überall. Fast überall. Es gibt noch einzelne weiße Flecken auf der Landkarte. Muss man das ändern?

Wir sind in Galizien, Nordspanien, und planen die letzten paar Stopps der Heimreise. Die Pyrenäen möchte Martin sehen, ich bin gespannt auf das Baskenland. Wir sind auf der Suche nach Couchsurfern, finden ein paar vielversprechende Profile von Familien, die wir sehr gerne besuchen möchten. Und dann ist da noch Andorra. Wenn wir schon in der Gegend sind, wäre es blöd, nicht hinzufahren, oder? Es reizt mich, diesen Haken auf der Liste zu setzen, irgendwann sagen zu können: „Bis auf in Moldawien, Russland und der Ukraine waren wir in Europa wirklich überall.“

Wir haben mal rumgefragt im erweiterten Bekanntenkreis: Wer war schon mal in Andorra? Einige heben online die Hand, sie können den Haken machen. Was lohnt sich denn da?, lautet unsere Frage. Was muss man gesehen haben? Erstaunlich unisono lautet die Antwort der Andorra-Veteranen: Nichts. Das ganze Land lohnt sich nicht besonders. „Landschaftlich ganz nett“, sagen einige. Aber die schönsten Ecken der Pyrenäen sind in Spanien, sagen die, die vergleichen können. „Eine einzige Strasse, vollgestopft mit Läden (zollfrei!), Verkehrschaos“, kommentiert Bea von Flohnmobil, als ich hier im Blog nach Andorra-Erfahrungen frage. Auf facebook schreibt ein Freund: „Ich hatte den Eindruck, in Europas Shopping-Mall gelandet zu sein.“ Ich frage viele Leute danach, auch welche, die in Spanien unsere Wege kreuzen. Nicht einer sagt: „Andorra? Muss man gesehen haben!“

Vielleicht lässt sich wenigstens ein Tagesausflug einrichten? Aber wir planen unsere Route in erster Linie nach Couchsurfing-Möglichkeiten, denn wir wissen: Das sind für uns immer die wertvollsten Erfahrungen, wenn wir für ein paar Tage in das Familienleben anderer Leute eintauchen und andere Länder und Lebensentwürfe intensiv „von innen“ kennenlernen dürfen. Bei Google Maps vergleichen wir die möglichen Fahrstrecken. Wenn wir da Andorra einbauen wollen, müssten wir 250 Kilometer Umweg fahren. Für etwas, von dem niemand sagt: Fahrt da hin! Ist schön da! Es ärgert mich ein bisschen, denn ich würde mir trotzdem gerne eine eigene Meinung bilden, mitreden können. Aber die Entscheidung, ob wir Andorra auf Teufel komm raus übers Knie brechen oder nicht, fällt mir nicht schwer.

Nicht Andorra: Dieses Bild entstand in den wunderschönen spanischen Pyrenäen bei Biescas.
Nicht Andorra: Dieses Bild entstand in den wunderschönen spanischen Pyrenäen bei Biescas.

Vielleicht haben wir dem kleinen Ländchen doch Unrecht getan? Immerhin waren wir von Liechtenstein positiv überrascht, als wir damals vor Jahren auf dem Heimweg aus der Toskana unbedarft dort zwischenübernachtet haben. Aber das werden wir wohl nie erfahren. Mit einer reinen Fahrzeit von 15,5 Stunden ist Andorra von unserem Zuhause weit entfernt. Da wir nicht fliegen und nach sechs Wochen Rundreise mit der iberischen Halbinsel fertig sind, kommen wir bestimmt nicht noch einmal vorbei, um nachzusehen. Schade eigentlich. Diesen Haken werde ich als Listen-Freak in diesem Leben wohl nicht mehr machen können.

Liste der Länder Europas, in denen ich (noch) nicht war

  • Andorra
  • Monacco
  • Moldawien
  • Ukraine
  • Russland
  • San Marino
  • Slowakei
  • Weißrussland

Erweiterung: Liste der Länder Europas, die wir (noch) nicht zu viert bereist haben

  • Luxemburg
  • Schweiz
  • Tschechien

Verkürzen wird sich diese Liste aber natürlich schon noch! Im Laufe der letzten Jahre haben sich so viele nette Couchsurfing-Einladungen in die Schweiz angesammelt, dass wir uns diese Reise tatsächlich leisten können werden. :) Und nachdem uns die Slowakei mehr oder weniger versehentlich auf unserer großen Reise durch die Lappen gegangen ist, planen wir vielleicht schon für den kommenden Sommer eine Tour der drei Hauptstädte mit Bratislava, Prag und Wien.

Und noch an einer anderen Liste arbeite ich:

Bereiste Länder Europas, über die ich geblogt habe

:)

8 Gedanken zu „Bucket-Lists: Warum wir nicht in Andorra waren“

  1. Ich finde eure Entscheidung mutig und ehrlich! Für mich seid ihr trotzdem die Nummer-eins-Europa-Experten :-) Und ihr wart echt noch nie in Tschechien??

    1. Doch, Martin und ich schon, das war unsere erste gemeinsame Auslandsreise (gemeinsam mit meinen Eltern und meiner Schwester im Jahr 2000, glaube ich, vielleicht auch 2001). Zusammen mit den Kindern waren wir noch nicht dort.

  2. Mein Tipp: Von Tiflis zum Berg Kazbegi – Swetizchoweli-Kathedrale und die märchenhaft schöne Festung Rabat. Sie ist zwischen dem 7-8 Jhd. ein mit Händler und Handwerker bewohnter Stadtteil gewesen. Seit dem 10. Jhd. gewann Rabat die Rolle als wirtschaftliches und politisches Zentrum der Gegenwart. Traumhaft schön der Kaukasus.
    Georgien ist ein kleines Land. Geografisch gehört es eigentlich schon zu Asien, nämlich zu Vorderasien, wird aber wegen seiner Geschichte und Politik auch als Teil Europas angesehen. Grüssle Jens

    1. Georgien muss ein unheimlich spannendes und auch schönes Land sein, von Landschaft und Sehenswertem her. In meiner Instagram-Timeline habe ich neulich wunderschöne Fotos von dort zu sehen gekriegt. Weiß nicht mehr, wer das war, aber mindestens ein Reiseblogger war da unterwegs und hat mich echt neugierig gemacht. Ist nur halt leider recht weit weg, wenn man nicht fliegt.

      1. Mit Wizz Air nach Budapest, weiter nach Aserbaidschan und mit
        dem Zug nach Kutaissi in Georgien. Wäre doch eine Überlegung wert !? Möglich wäre auch bzw. dazu von Aserbaidschan nach Iran,
        genau das möchte ich… Grüssle Jens Ps. bei fragen, schreib mir einfach….

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