Kunst, Kommerz und komische Käuze (in Glashagen, Deutschland)

Heute ließen wir es eher ruhig angehen. Einziger Punkt auf der Agenda war ein Ausflug ins Quellental. Ich war seit drei Jahren nicht dort gewesen und mir nicht mehr hundertprozentig sicher, wo es zu finden war. Auf die Schnelle fand ich keine Flyer, das mobile Internet hier im Ferienhaus ist sehr mau, und so diente uns das schnell als Ausrede, heute mit dem Auto zu fahren.

In der Tat kostete es mich einige Gurkerei, aber schließlich machte ich die gut ausgeschilderte Abzweigung hinter Bad Doberan landeinwärts ausfindig. Rund vier Kilometer vom Ort entfernt hat sich hier eine Künstlersiedlung entwickelt. Vom Parkplatz aus ist es noch eine kleine Strecke, die zuerst an der „HofGalerie Glashagen“ vorbeiführt, wo einzigartige Terrassenmöbel aus (Südsee-)Treibholz gefertigt werden. Ein gutes Stück weiter hinten bieten eine Töpferwerkstadt und eine Glasbläserei ihre Waren an. Zum ersten Mal hier war ich vor 15 Jahren, als die freischaffenden Künstler noch froh waren über jeden Urlauber, der sich in ihre Werkstätten verirrte. Inzwischen hat längst die Kommerzialisierung um sich gegriffen, und vom sich ausbreitenden Touristenpack zeigt man sich zunehmend genervt, während die Ausstellungsfläche Stück für Stück erweitert wird.

Back in the middle ages there were always glassblowers in Glashagen, naming the place. There were none for most of the 20th century, but now you can watch them performing their craft in their workshop.
Back in the middle ages there were always glassblowers in Glashagen, naming the place. There were none for most of the 20th century, but now you can watch them performing their craft in their workshop.

Handwerklich sind beide Fertigungsstätten durchaus interessant. In der Töpferei entsteht vor allem rustikal-abstrakte Gebrauchskeramik mit künstlerischem Mehrwert, deren Stil man mögen muss. Die Preise sind hier wie dort verständlicherweise durch die Decke gegangen in den vergangen eineinhalb Jahrzehnten. Hauptsehenswürdigkeit ist der Skulpturengarten hinter der Töpferwerkstatt. Über 40 Künstler stellen hier auf einem verwunschen-verwilderten Areal von 1,5 Hektar ihre Werke aus. Dazwischen hoppeln ein paar Haasen, und Schafe gibt es, glaube ich, auch noch. Höhepunkt ist der selbstgebaute Steinkreis, an dem auch regelmäßig esoterisch angehauchte Heilungsrituale abgehalten werden. 2010 war ich zuletzt dort, und es war schon ein durchaus netter Spaziergang. Damals kostete der Eintritt aber auch noch drei Euro pro Person. Das fand ich schon grenzwertig. Inzwischen sind es fünf.

Next to the glassblowers' workshop there is a beautiful garden displaying pieces of their work - you will be asked to leave though if you sit on the grass and talk.
Next to the glassblowers‘ workshop there is a beautiful garden displaying pieces of their work – you will be asked to leave though if you sit on the grass and talk.

Die sparten wir uns und gingen nach nebenan in die Glasbläserei. Auch dort gibt es einen Garten, der öffentlich zugänglich und eintrittsfrei ist. Natürlich ist er wesentlich kleiner, und die hauptsächlich (aber nicht ausschließlich) gläserne Gartenkunst ist schnell besichtigt. Im Inneren der Werkstatt arbeitete ein Künstler mit seiner Schülerin gerade an einer der Birnen, für die die Glashütte bekannt ist. Die Jungs schauten den beiden fasziniert bei der Arbeit zu. Besonders Janis begeisterte sich derart für das hitzeträchtige Handwerk, dass ich ihm schließlich noch zehn Minuten Ofenkino zugestand, während wir drei anderen uns in die kaum weniger heiße Sommerwärme nach draußen zurückzogen. Da die einzige Bank im Garten von anderen Besuchern besetzt war, suchten wir uns ein schattiges Plätzchen auf dem Rasen. Gerade hatte ich Anna zu erzählen begonnen, dass Janis in der Schule kürzlich bei einem Glasbläser-Projekt selbst eine Rosenkugel fertigen durfte, als hinter der Hecke ein Mann auftauchte (dem Gebaren nach der Besitzer), der uns wenig freundlich bat, unser „störendes Gebrabbel“ doch woanders abzuhalten, da er hier mit dem Erweiterungsbau beschäftigt sei. Entsprechend ernüchtert verließen wir diesen Traum-Ort meiner Jugend.

A nice walk through the spring velley leads to sais spring of mineral water that today is bottled and sold in Bad Doberan.
A nice walk through the spring velley leads to sais spring of mineral water that today is bottled and sold in Bad Doberan.

Einen netten Spaziergang durch das Quellental machen wir dann aber doch noch. Direkt am Parkplatz beginnt der Pfad, der bis zum historischen Quellen-Tempel führt. Schon die Mönche aus dem Münster holten hier ihr Wasser. Seit 1906 wird das Glashäger Mineralwasser gewonnen, das heute allerdings zur Abfüllung bis Bad Doberan gepumpt wird.

The "temple" for the spring was built in the 19th century when the posh vacation guests of Bad Doberan needed a romantic place for an outing.
The „temple“ for the spring was built in the 19th century when the posh vacation guests of Bad Doberan needed a romantic place for an outing.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 24. Juli 2013 verfasst.

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2 Gedanken zu „Kunst, Kommerz und komische Käuze (in Glashagen, Deutschland)“

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