[Reiseblogger-Kooperation] Über Stock und Stein, durch steile Kurven und am besten gleich noch abheben und in der Luft die dollsten Verrenkungen absolvieren: Downhill mit dem Mountainbike, das ist schon eine wahnsinnig coole Sache. Wobei die Betonung da durchaus auch auf wahnsinnig liegen kann. Aber man muss ja nicht gleich wie ein Bekloppter den Berg runterdonnern. Im Bikepark Willingen können Familien gemeinsam und gut geschützt klein anfangen – und trotzdem den Reiz der Gefahr und den Rausch der Geschwindigkeit voll auskosten. Wir haben das mal ausprobiert.

Erfahrungsbericht von Nicht-Mountainbikern

Gleich zu Anfang muss ich klarstellen: Wir haben ernsthaft von Tuten und Blasen keine Ahnung. Damit eignen wir uns auf der einen Seite perfekt, um diesen Artikel zu schreiben. Und auf der anderen Seite überhaupt nicht, denn bestimmt verwende ich alle möglichen Begriffe völlig falsch und verstehe Zusammenhänge nicht, die echten MTB-Leuten total logisch sind. Sorry dafür (und berichtigt mich gerne in den Kommentaren).

Dieser Erfahrungsbericht ist also aus Sicht von absoluten Beginnern geschrieben, die zum ersten Mal auf einem Mountainbike sitzen und mit der Downhill-Welt vorher höchstens aus Erzählungen von Bekannten Kontakt hatten.

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Bahn frei, wir kommen!

Absolute Anfänger wollen’s wissen

Wir sind eine abenteuerlustige Familie und neugierig auf alles, was wir noch nicht kennen. Gelegenheiten ergreifen wir gerne beim Schopf. Deshalb sage ich auch sofort begeistert zu, als mir die Mitarbeiterin des Sauerland-Tourismus anbietet, eine Reiseblogger-Kooperation mit dem Bikepark Willingen zu vermitteln.

Im Vogtland haben wir schon einmal so einen Bikepark von Weitem gesehen. Er lag direkt vor unserer Hoteltür und abends am Buffet blickten wir in die glücklichen Gesichter der Radsportler nach ihrem Tag am Berg. Schon damals sagte Silas, das wolle er irgendwann auf jeden Fall auch mal ausprobieren.

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Die Mountainbike-Gang in spe: Silas, Lena, Martin.

Aufs Fahrrad steigen wir an diesem Tag im Sauerland zu dritt. Silas ist 13, altersgemäß sowohl todesmutig als auch zuweilen ein bisschen unvernünftig. Seine grundsätzliche Bereitschaft für den nächsten Adrenalinkick wird oft ausgebremst von seiner doch sehr vorsichtigen Mutter. Das bin ich, Lena, die Bloggerin. Fahrrad fahren kann ich durchaus, in den Bergen vermeide ich das aber eigentlich. Und dann haben wir noch Martin dabei, den Papa. Der ist der (vermeintliche) Profi in unserer Runde, denn Radfahren ist sein Hobby. Allerdings sitzt auch er zum ersten Mal auf einem Mountainbike. Sonst nimmt er das Tourenrad, wenn er die Alpen überquert (was er immerhin schon drei Mal gemacht hat).

Nicht mit dabei sind an diesem Tag Janis und Franka. Das Baby kommt noch nicht an die Pedale. Und Janis ist das Konzept des Bergrunterbretterns mit dem Fahrrad von vornherein suspekt. Wunderbar, haben wir einen Freiwilligen zum Babysitten.

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Wer nicht mitradelt, kann zum Beispiel hier warten.

Schnupperpaket für Familien

Die MTB Zone Willingen bietet zusammen mit dem Verleiher Snow and Bike Factory extra für Familien ein Schnupperpaket an. Das lässt sich auf der Homepage des Verleihs buchen und umfasst die volle Ausrüstung und ein Lift-Ticket für zwei Stunden für zwei Erwachsene und ein Kind ab acht Jahren. Dieses Grundpaket kostet 129 Euro, jedes weitere Kind zahlt 34 Euro dazu.

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Mit 13 ist Silas fast schon im besten Bikepark-Alter. Kinder mit entsprechender Vorerfahrung dürfen ab acht auf den Track.

Die zwei Stunden zählen ab der ersten Nutzung des Lifts. Im ersten Moment klingt das nach wenig Zeit, aber gerade für Anfänger reicht das satt. Wir haben vier Abfahrten geschafft.

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Leihräder gibt es direkt neben der Talstation des Lifts. Wir haben die Auswahl, ahnungslos wie wir sind, komplett den Experten überlassen. Dazu mussten wir einfach nur unsere Körpergröße angeben. Ob so ein Freebike nun besonders gut ist und wodurch es sich auszeichnet, weiß ich nicht. Es hat jedenfalls funktioniert.

Achtung: Der Verleiher hat zwei Standorte in Willingen. Schon im Buchungsprozess wird man darauf hingewiesen, sodass eigentlich nichts schiefgehen kann.

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In einer langen Reihe stehen die reservierten Mountainbikes. Martin und Silas sind hinten bei der elektronischen Anmeldung.

Helm und Protektoren inklusive!

Wer das Schnupperangebot für Familien bucht, bekommt auf jeden Fall auch die volle Montur an Schutzausrüstung. Die umfasst nicht nur einen Integralhelm, sondern auch eine Jacke mit Rücken- und Brustpanzer und geschütztem Ellenbogen- und Unterarmteil sowie Protektoren für Knie und Unterschenkel.

Natürlich ist die Schutzkleidung, die mir ein gut gelaunter Mitarbeiter reicht, nicht brandneu. Gewaschen ist sie bestimmt und in Corona-Zeiten hoffentlich auch desinfiziert. Trotzdem riecht sie ein bisschen nach dem einen oder anderen Vorbenutzer. Allzu kleinlich darf man dieser Beziehung nicht sein.

Einfach ohne Schutz auf den Trail, wäre jedenfalls die denkbar schlechteste aller Ideen.

Als ich mich in voller Montur im Spiegel betrachte, komme ich mir vor wie ein gefährliches Mitglied einer Motorrad-Gang. Und mein lieber Sohn, der lässig seinen Helm unterm Arm trägt, wirkt geradezu ungeheuerlich cool. Ein bisschen hochstaplerisch fühle ich mich, als ich neben diesen beiden augenscheinlichen Haudegen den Laden verlasse und mein neues Gefährt auf den Kiesparkplatz schiebe.

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Blogger mit Helm. Wichtiges Teil, wie sich noch zeigen wird.

Erst einmal auf den Anfängerhügel

Sinnvoll wäre es nun, eine Runde auf dem Anfängerhügel zu drehen. So ein Mountainbike fühlt sich unterm Hintern doch anders an als ein gewöhnliches Fahrrad. Der Schwerpunkt sitzt anders, die Pedale sind höher. Man fährt eigentlich eh hauptsächlich im Stehen. Als altes Pferdemädchen drängt sich mir der Vergleich auf, vom Freizeitsattel auf ein Rennpferd umgestiegen zu sein, das sich nur im leichten Sitz reiten lässt.

Die traurige Wahrheit in Sachen Anfängerhügel ist: Wir haben ihn nicht gefunden. Die Homepage sagt, es gäbe einen Übungsparcours an der Ettelsberg-Talstation. Bestimmt hat sie recht.

Vor allem, weil wir nicht checken, dass unsere zwei Stunden noch gar nicht ticken, geben wir die Suche schnell auf, als wir stattdessen die Talstation des Lifts finden.

Mit dem Lift auf den Berg

Wir sind keine Wintersportler. Deshalb ist auch so ein Skilift Neuland für uns. Im Prinzip ist das super: Im Sommerhalbjahr befördert der Sessellift am Ettelsberg nicht nur ein paar Spaziergänger, sondern vor allem reihenweise Nutzer des Bikeparks nach oben.

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So ein Ski- bzw. Bike-Lift ist eine Wissenschaft für sich.

Dass wir uns so in die drei Schlangen einsortieren, dass wir nachher zeitgleich an den drei Türen unsere Liftkarten in das Lesegerät schieben, schaffen wir erst beim zweiten Mal. Im ersten Anlauf zieht die Strömung Martin vor uns auf das schwebende Sofa. Silas und ich stehen plötzlich ganz alleine da und vor der Aufgabe, unsere schweren Räder in die Vorrichtung zu hieven. Wie ein kopfloses Huhn laufe ich zwischen den Gondeln hin und her und bin maßlos überfordert von der Situation (was Gründe hat, denn Lifte und ich haben keine gute Geschichte).

Zum Glück gibt es einen Aufseher, der schnell mit anpackt, und einen weiteren Mountainbiker, der uns hilft. So falle ich letztlich dann doch in den vorgesehenen Polstersitz des nächsten Gondeldings, jeweils mit Corona-bedingtem Abstand zwischen Silas und den hilfsbereiten Fremden.

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Corona-bedingt ist diese Saison jeder zweite Sitz abgesperrt.

Glücksfall: Einführung vom Profi

Eine ganze Weile (zehn Minuten?) gleiten wir nun sanft bergauf, während unsere Füße in der Luft baumeln. Mein Puls beruhigt sich langsam (echt jetzt, ich dachte, downhill sei das Aufregende!).

Mehrmals entschuldige ich mich bei unserem Mitfahrer. Der lacht nur und erklärt mir das Prinzip der Skiliftnutzung mit Mountainbike einmal idiotensicher. Dann stellt er sich vor. Micha heißt er, ist Skilehrer und kommt am Wochenende manchmal mit dem Zug aus der nächsten Großstadt, um eine Runde durch den Wald zu heizen und Dampf abzulassen. Im Moment kann er nicht ganz so, wie er will, erzählt er weiter, weil er noch eine Schulterverletzung auskurieren muss.

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Die Fahrräder hängen hinten an der Gondel. Zuerst hängt man sein Rad am Sessel der Vorfahrer an, dann setzt man sich selbst auf die nächste Sitzreihe. (Von Micha habe ich leider kein Foto. Wir sind nie so weit gekommen, dass ich ihm von meinem Blog erzählt habe.)

Als er hört, dass wir wirklich zum ersten Mal Mountainbike fahren wollen, gibt Micha mir und Silas jede Menge Tipps. Wie wir uns am besten in die Kurven lehnen, wie wir unseren Schwerpunkt finden und wo wir besser vorsichtig fahren. Spontan bietet er an, uns für unsere erste Abfahrt unter seine Fittiche zu nehmen und vorweg zu fahren.

Jackpot!

Wer sich nicht auf sein Glück beim Lift-Roulette verlassen möchte, kann übrigens auch Einführungskurse direkt beim Bikepark buchen. Für Leute, die ähnlich ahnungslos sind wie wir, ist das wahrscheinlich keine schlechte Idee.

Streckenwahl

Auf der Homepage der MTB Zone sind alle sieben Trails einzeln vorgestellt. Beim Fahrradverleih haben wir eine kleine Broschüre bekommen, auf der die Strecken des Bikeparks ebenfalls abgedruckt sind. Zwei Stück gibt es, die auch für blutige Anfänger wie uns machbar sind. Der Flow Trail und der Flow Country Trail sind entsprechend blau markiert.

Da der erste der beiden heute gesperrt ist, zeigt Micha auf den zweiten. „Den fahr ich selber gerne“, sagt er. Absolut anfängergeeignet und familientauglich, alle Jumps überrollbar. Aber schon auch mit ein bisschen Wumms. „Da kommst du so richtig in den Flow und kannst genießen.“

Okay. Probieren wir’s.

Micha checkt noch einmal, ob bei uns alles richtig sitzt. Ein paar Jungs, die sich brav hinter uns anstellen wollen, winkt er vor. Aber er ermahnt uns: „Fahrt nicht schneller, als ihr euch wohlfühlt, nur weil andere hinter euch sind. Ihr habt dasselbe Recht, da in eurem Tempo runterzufahren.“ Könner sein bedeute im Bikepark nicht, möglichst schnell den Berg runterzubrettern, sondern vor allem auch, einschätzen zu können, wie viel Abstand man zu den Vorfahrern lassen müsse.

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Fast oben auf dem Ettelsberg, die letzten Meter vom Lift aus. Ganz oben habe ich dann vergessen zu fotografieren. Außerdem dachte ich, ich hätte ganz am Schluss nach Abgabe der Räder noch Gelegenheit für ein paar Drumherum-Fotos und muss jetzt nehmen, was da ist…

Das erste Mal downhill

Dann sind wir auf der Strecke. Ich fahre direkt hinter Micha und versuche, seine Fahrweise zu kopieren. Hinter mir folgt Silas, Martin macht den Abschluss.

Boah, sind diese Haarnadelkurven eng! Und rutschig! Erst nachdem ich drei schon gemeistert habe, realisiere ich ansatzweise, dass ich diese Herausforderung offenbar bezwingen kann. Dann stellt sich mir ein Erdblock in den Weg. Dass man da drüberfahren kann, glaube ich nur, weil so viele Reifenspuren über ihn hinweggehen. Und Micha schon längst auf der anderen Seite ist, und über den nächsten Block. Und, hups, ich ja auch! Wahh, Kurve — Kurve — Wand! – Ach nee, kann man dran lang fahren, guck an. – Hä, geht es nicht da weiter? Ach nee, Verschnaufpause.

Da stehe ich, ein ganzes Stück tiefer am Berg, und muss mich erst einmal sammeln, während Silas und Martin hinter mir eintrudeln. Micha hat quasi eine Ausfahrt mit uns genommen, wo wir einmal kurz durchatmen können. Drei solche Stellen gibt es an diesem Trail, an denen man problemlos ranfahren kann. Auch viele routinierte Fahrer nutzen sie. Vor allem wenn man in einer Gruppe fährt, ist es durchaus ratsam, ab und zu mal nachzuschauen, ob man noch vollständig ist.

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Ein breiter Forstweg dient als Zwischenstopp. Hier kann man kurz Pause machen und sich sammeln.

Tables und Jumps

Auch beim zweiten und dritten Streckenabschnitt fährt Micha wieder vor. Ganz langsam akklimatisiere ich mich. Immer besser gelingt es mir, mich auf diese ruckelige Fahrt voller Unvorhersehbarkeiten einzulassen.

Das erste Mal auf einer unbekannten Strecke ist vorsichtiges Fahren angesagt, hat unser Spontan-MTB-Lehrer uns eingeschärft. Auf fortgeschritteneren Trails gibt es Elemente, die übersprungen werden müssen und bei denen mit zu wenig Schwung das Verletzungsrisiko sogar steigt. Auf den Anfängerstrecken sind jedoch alle Hindernisse überrollbar. Da kann man ruhig ganz langsam machen (darf dann seinen Hinterleuten aber den Tipp geben, dass sie besser extra Abstand lassen).

Die größten Herausforderungen sind für mich die Haarnadelkurven. Ich nehme sie oft zu eng, traue mich nicht, mich richtig in die Kurve zu legen, und fliege dann in der zweiten Hälfte fast oben drüber weg.

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Von den richtig fiesen Kurven habe ich leider kein Foto. Man kann ja nicht mitten auf der Strecke anhalten und knipsen. Aber so ein bisschen sieht man das hier, dass der Pfad von links oben kommt.

Die Blöcke, die ich auf den ersten Blick für kaum überwindbar hielt, heißen Tables. Mit denen komme ich schnell gut zurecht. Schon bei der zweiten Abfahrt merke ich, wie mein Rad ein paar Zentimeter abhebt und auf dem „Tisch“ wieder auffedert. Das macht Spaß!

„Nichts erzwingen, einfach mitmachen“, lautet Michas Tipp. „Wenn du merkst, dass das Rad springen will, spring mit!“ Nur beim Aufkommen darf man nicht den Lenker verreißen. Den Schwerpunkt hinten haben und mit dem Hinterrad zuerst aufkommen, ist besser, merke ich mir. So richtig steuern kann ich meine winzigen Hüpfer allerdings nicht. Das meiste läuft intuitiv, und intuitiv bleibe ich Hasenfuß doch am liebsten am Boden.

Richtig auf die Klappe legen

Dann schert Micha vor mir aus an einer Stelle, die eigentlich nicht optimal dafür geeignet ist. Nanu, was ist denn jetzt los? Ich folge desorientiert und versuche, mich und mein Rad irgendwie vor dem nachfolgenden Verkehr in Sicherheit zu bringen, denn dicht hinter mir fährt ja schon Silas. – Das heißt, wo ist der denn? Micha bedeutet mir mir einer Geste zu warten und verschwindet zwischen den Büschen neben der Strecke. Ein paar Sekunden später taucht er mit Silas wieder auf, der sein Rad schiebt.

„Da hat’s mich aus der Kurve gehauen“, kommentiert der Sohn trocken. „Ich war wohl doch ein bisschen übermütig.“

Passiert ist gar nichts. Ein paar blaue Flecken trägt er davon. Und er weiß jetzt, wie man es nicht macht.

„Das ist eigentlich das beste, was passieren kann“, sagt Micha. Wenn die jungen Wilden sich gleich beim ersten Mal gepflegt aufs Antlitz packen, gewinnen sie den unumgänglichen Respekt vor der Physik. Mein Mutterherz, das zwischen Checken und Erleichterung schon ein paar Takte ausgesetzt hatte, schlägt in der Folge tatsächlich ein bisschen ruhiger.

Der Rausch der Geschwindigkeit

Micha nimmt uns noch ein zweites Mal mit auf den Berg und wieder runter. Wir fahren dieselbe Strecke, das macht am meisten Sinn. Ich merke: Mein Unterbewusstsein erinnert sich. Ich kann die Abfahrt nun ganz anders genießen als beim ersten Mal.

Allerdings beginne ich auch schon jetzt, die Anstrengung zu fühlen. Durch das Stehen im Sattel mit angewinkelten Beinen werden kontinuierlich Muskeln beansprucht, die ich schon gar nicht mehr mit Vornamen kenne. Und die permanente Bremsbereitschaft geht ganz schön auf die Finger und Handgelenke.

Trotzdem, beim zweiten, spätestens beim dritten Mal macht die Abfahrt erst so richtig Spaß! Ich habe nun immerhin eine Ahnung davon, was ich tue und wie ich mein Rad beeinflussen kann. Euphorie steigt in mir auf und ich merke, wie sich ein beglücktes Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitet.

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Da, wo gleich ein Zwischenstopp folgt und Forstwege kreuzen, mahnen Schilder zur Langsamkeit.

„Ihr macht das schon“, sagt Micha zum Abschied. „Nur nicht übertreiben.“ Leicht falle man in den Glauben, in eine Achterbahn zu steigen, die einen TÜV-geprüft und mit Sicherheitszertifikat ans andere Ende bringe. So einfach ist es aber nicht. Es gibt keine Schienen. Eigenverantwortung lautet das eine Zauberwort. Konsequenzen das andere.

Bevor wir uns richtig bedanken und verabschieden können, braust er in Richtung der fortgeschrittenen Pisten davon.

Falsch fallen

Nach der dritten Abfahrt bin ich glücklich, aber auch fertig mit der Welt. Außerdem hat in der Zwischenzeit Janis angerufen, aber beim Fahren konnte ich natürlich nicht ans Telefon gehen. Eine Abfahrt würden wir noch schaffen, aber da müssten wir uns mit dem Lift beeilen. Also bleibe ich zurück und lasse nur Martin und Silas noch einmal das Vergnügen. Die sind ganz beseelt von der Aktion und hochbegeistert von ihrem neuen Hobby.

Eine knappe halbe Stunde dauert es, bis ich den großen Sohn und das Baby aufgesammelt, mich aus der Schutzkleidung gepellt und mein Rad im Verleih abgegeben habe. Da unsere beiden verbliebenen Radfahrer immer noch nicht wieder da sind, laufen wir dann quer über den Parkplatz, wo sich unser Flow Country Trail publikumswirksam in drei Spuren auffädelt: den langweiligen chicken way, die Mitte mit ein paar unspektakulären Hügelchen und die performance line mit drei stattlichen Tables. Bei meiner zweiten Abfahrt bin ich aus Versehen auf diese performance line geraten, konnte die fetten Blöcke aber – gerade so – unfalllos überrollen.

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Das auf dem Foto bin ich auf der mittleren Spur, Martin hat es die Runde vorher geschossen. Hinten links sieht man den Table der Performance Line.

In dem Moment geht plötzlich ein Aufschrei durch die Umstehenden. Hektische Betriebsamkeit bricht aus. Ich laufe schneller, sehe dabei Silas auf dem Rad – Gott sei Dank! Aber er fährt auffallend langsam und in die falsche Richtung. Mit Franka im Tragetuch hechte ich den Hügel hinauf.

Als ich oben ankomme, steht Martin neben seinem Rad. Dass er wirklich derbe was abgekriegt hat, dämmert uns allen erst so nach und nach. Helm und Protektoren haben das Allerschlimmste verhindert. Aber die Hand ist gebrochen. Und eine mittelschwere Gehirnerschütterung hat er auch.

Eine Ersthelferin ist bei ihm, die ihn verbindet. Zufällig ist sie Krankenschwester, aber eigentlich wartet sie hier nur auf ihren Sohn. Sie hat gesehen, wie Martin auf der performance line gesprungen und spektakulär über den Lenker auf den Kopf gefallen ist.

Risikosport

Der Rettungswagen ist schnell verständigt. Als die Sanitäter ankommen, fragt der eine seinen Kollegen: „Und welcher dieser Hubbel ist jetzt der, an dem sie sich alle zerlegen?“ Offenbar ist er neu, denn die anderen wissen alle Bescheid.

Wenn es doch einmal ein anderer Punkt am Berg ist, an dem ein Unfall passiert, gibt es ein internes Notfallsystem. Entlang der Strecken stehen überall Markierungen samt Notfallnummer, damit Sanitäter und Rettungswagen die Verletzten auch finden.

Downhill-Mountainbiking ist ein verletzungsintensiver Sport. Das haben wir schon ein paar Tage zuvor gemerkt, als wir einen Tag am Erlebnisberg Kappe verbracht haben, wo es ebenfalls einen Bikepark gibt. Etwa stündlich kam dort ein Krankenwagen mit Sirene. Auch Janis, der mit dem Baby rund um den Parkplatz gewartet hat, berichtet von etlichen Rettungsfahrzeugen, die er heute hat kommen und gehen sehen.

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Warten, bis die Erstversorgung durch und geklärt ist, in welches Krankenhaus es geht. Im Bikepark kommt der Rettungswagen mehrmals täglich, und einmal auch für Martin.

„Aber es sind fast immer die Erwachsenen, die sich was tun“, erzählt mir der erfahrenere der beiden Sanitäter, während er Martin vorsichtig aus der Schutzkleidung pellt, um den Schaden zu sichten. „Die Kinder, weiß ich nicht, die legen sich hin und stehen wieder auf. Ganz selten, dass wir da mal einen Schlüsselbeinbruch haben oder einen ausgekugelten Arm.“ Also hätte ich mir wohl von Anfang an Sorgen um Martin machen müssen, nicht um Silas.

Krankenhaus Brilon

Die Sanitäter bringen Martin ins Maria-hilf-Krankenhaus nach Brilon. Unsere Ferienwohnung liegt fast direkt neben dem Krankenhaus Winterberg, aber von dem raten uns die beiden vehement ab. Dort gibt es keine Neurologie, und die könnte mein armer Mann mit seinem angedätschten Kopf doch brauchen. Ebenfalls in Frage käme das Krankenhaus Korbach, das nur wenig weiter entfernt ist als Brilon und dessen Ruf sich mit der Alternative nichts nimmt, nach Aussage der Sanitäter.

Dank einer Straßensperrung müssen wir über Olsberg gondeln. Eine Dreiviertelstunde später sitzen wir verbliebenen vier endlich im Wartebereich der Notaufnahme. Angenehm schnell werden wir zum Verletzten vorgelassen. Weil dessen Kurzzeitgedächtnis ausgehebelt ist, muss ich alle Fragen zu Tagesverlauf und Unfallhergang beantworten.

Das Maria-Hilf-Krankenhaus liegt mitten im Grünen, hat hübsch renovierte Zimmer und eine textile Kunstinstallation im Vorgarten. Optisch kann man es schlimmer treffen.

„Schade, dass ich mich nicht mehr erinnere“, sagt Martin alle paar Minuten erneut. „Ich bin mir sicher, es hat richtig Spaß gemacht!“

Mit der Versorgung und Unterbringung im Krankenhaus Brilon sind wir zufrieden. Es ist eine hübsche kleine Klinik mit familiärer Atmosphäre und freundlichem Personal (von denen einige die Corona-Prophylaxe in meinen Augen allerdings sehr gelassen nehmen, Stichwort Pimmelnase). Die Organisation ist verbesserungswürdig (Martin rennt bis heute seinem OP-Bericht hinterher), aber besser als anderswo (von „Oh, wir haben vergessen, Sie vor der Entlassung noch mal zu röntgen, eher können Sie nicht gehen“ bis zu „Wiedersehen, gute Besserung“ in unter einer halben Stunde!).

Martin bleibt zwei Nächte, damit sein Trümmerbruch gerichtet wird und sich sein Kopf unter Beobachtung erholen kann.

Unser Fazit zum Schnupperangebot für Familien im Bikepark Willingen

„Es hat bestimmt richtig Spaß gemacht“, ist der Satz, den ich an diesem Tag am häufigsten höre. Am nächsten Morgen ist der Großteil von Martins Erinnerungen wieder da. Und da ist er sich sicher: „Es hat richtig Spaß gemacht!“

Da lacht er schon wieder.

Nur an den Sturz selbst erinnert er sich nach wie vor nicht. Das wurmt ihn. Er weiß nur noch, wie er in Runde zwei und drei an dem Table gesprungen ist und ohne Probleme wieder aufkam. Was beim letzten Mal schiefgelaufen ist, weiß er nicht. Hat er es übertrieben? Offenbar. Oder hat er sich mit der Technik verschätzt? So oder so, für ihn steht fest, dass er unbedingt noch mal hin muss und es richtig machen.

Und, ja. Ich komme dann wohl wieder mit. Schließlich kommt nichts Gutes dabei raus, anscheinend, wenn ich ihn alleine fahren lasse. Aber so ein Schnupperangebot reicht mir. Mehr ist bei mir konditionsmäßig nicht drin. Und jedes zweite Wochenende auf dem eigenen Mountainbike durch den Wald, das ist dann doch nicht meine Wunschvorstellung.

Aber Spaß gemacht hat es auch mir auf jeden Fall! Also, bis auf den Rattenschwanz nachher. Am schlimmsten war aber die erste Liftfahrt. Ja, ihr lacht. Klar, objektiv ist der Bruch schlimmer (spätestens wenn der Krankengeldbezug beginnt). Aber das sind irgendwie alles Erfahrungen, die letztlich schon für irgendwas gut sein werden.

Die ganz konkrete Erfahrung des Downhill-Mountainbikings habe ich echt gerne gemacht. Das war eine tolle Aktion!

Das sagt Silas (13)

„Das Runterbrettern vom Berg mit dem Fahrrad hat großen Spaß gemacht! Vor allem, weil man nicht hochfahren musste, sondern einfach den Sessellift nehmen konnte.

In manchen steilen Kurven hatte ich schon ein bisschen Angst, rauszufliegen. Was ja auch einmal passiert ist. Mein Sturz war zum Glück halb so wild. Man sollte es aber tatsächlich – wie man ja auch an Papa sieht – nicht übertreiben. Vor allem, wenn man, wie wir, noch Anfänger ist.

Wenn man mich fragen würde, ob ich noch mal fahren möchte, würde ich ja sagen. Denn bis auf das letzte Mal hat es ja Spaß gemacht.“

1. Mal auf dem Mountainbike

Die Kühe zeigen sich nur milde beeindruckt von Silas‘ Mountainbike-Debut.

Unsere Tipps fürs erste Mal im Bikepark

Wir sind, denke ich, ein bisschen zu blauäugig drangegangen. Das war nicht das, was zu Martins Sturz geführt hat (ich schätze, das kann immer passieren und passiert ja auch Profis ab und zu). Aber sich im Vorfeld gut zu informieren über die Abläufe, erspart vor Ort viel Stress.

Für alle, die nach uns das Abenteuer wagen, möchte ich deshalb noch schnell ein paar Kleinigkeiten aufschreiben, die alten Hasen vielleicht zu klar sind, um sie zu erwähnen, an die ich aber nicht oder erst zu spät gedacht habe.

  • Wenn irgendwie möglich, einen erfahrenen alten Hasen mitnehmen.
  • Bequeme Hosen anziehen – aber unbedingt welche mit Taschen! Am besten mit Reißverschluss.
  • Geschlossene Schuhe mit gutem Halt tragen.
  • Sonnenbrille mitnehmen!
  • Auch mitnehmen: Taschentuch, mindestens ein Handy in der Truppe, aber: möglichst wenig Ballast.
  • Nicht mitnehmen: Trinkflasche. Trinken kann man theoretisch nach jeder Abfahrt kurz am Auto.
  • Zur Corona-Zeit mit Maskenpflicht am Lift doch lieber zum Schlauchtuch statt Gummiband-MNS greifen (und lieber Abstand halten), weil das Hantieren mit Fahrrad, Helm und davonflatternder Maske doof ist.
  • Vorher das Satellitenbild des Parks studieren und sich online über die Strecken schlau machen.
  • Meiner Meinung nach ist es wesentlich sinnvoller, mehrmals denselben Parcours zu fahren als möglichst viele verschiedene auszuprobieren. Beim ersten Mal musste ich mich sehr auf die Streckenführung konzentrieren. Ab dem zweiten Mal hatte ich Kapazitäten frei, mich auch um die Fahrtechnik und – ganz wichtig – ums Genießen zu kümmern.
  • Fahren und Fotografieren zusammen ist schwierig. Ich glaube, um gute Fotos vom Mountainbiken zu machen, sollten sich Fotografin oder Fotograf vorher mit der Strecke sehr vertraut machen und sich dann ohne Rad einen guten Spot abseits der Strecke suchen. Für den Hausgebrauch reichen beim allerersten Mal im Bikepark vielleicht doch das Vorher- und Nachher-Selfie und eventuell noch ein Schnappschuss von der Einfahrt (da, wo der Rettungswagen steht).
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So sieht’s dann aus, wenn man’s kann. Dieses Foto stammt vom Bikepark am Erlebnisberg Kappe, nicht aus Willingen. Aber das Prinzip ist dasselbe.

Mehr coole Aktionen, die auch mit der Familie Spaß machen

Downhill-Mountainbiking als Familie war schon eine ziemlich tolle Geschichte, gegen die so leicht nichts ankommt. Aber ein paar weitere Erfahrungsberichte von ansatzweise ähnlichen Aktionen habe ich noch auf Lager, die euch vielleicht auch interessieren könnten.

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Oder doch lieber noch eine Runde Mountainbike fahren?

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