Eigentlich wollten wir jetzt in Frankreich sein. Dafür habe ich bei der Planung einige Bücher gewälzt. Auch wenn sie mir jetzt akut nichts nützen, möchte ich sie wenigstens hier kurz vorstellen. Vielleicht helfen die Tipps anderen künftigen Frankreich-Urlaubern…


Das wäre unsere Frankreich-Reise gewesen

Es hätte so schön werden können…

Drei Monate Elternzeit hatten wir in unserem Nachbarland geplant. Die Sommerferien über wollten wir zu fünft die nördliche Hälfte erkunden: Normandie, Bretagne und dann runter an die Atlantikküste. Dann wollten wir ein paar Wochen lang sesshaft werden, oben an der Opalküste am Ärmelkanal. Die Großen sollten dort in Frankreich zur Schule gehen. Ein selbstgebastelter Schulaustausch quasi.

Gerade als wir die Planung in trockene Tücher packen wollten, kam Corona dazwischen. Schweren Herzens haben wir alles abgesagt. Auch die Elternzeit an sich. So schade.

Les Andelys, Frankreich

Das wäre unser Preis gewesen…

Die nächste Reise nach Frankreich

Mittlerweile ist es ja durchaus wieder möglich, nach Frankreich zu reisen. Inwiefern das eine gute Idee ist, muss jeder selbst entscheiden. Wir warten lieber noch.

Aber in dieser Wartezeit liegt ja die Chance, sich auf den nächsten Urlaub in la belle France endlich mal intensiv vorzubereiten. Wer es ebenso halten möchte: Ich teile hier einfach mal meine Literatur-Tipps.

Folgende drei Bücher, die keine reinen Reiseführer sind, habe ich zur Vorbereitung auf unsere längere Reise nach Frankreich gelesen.

Frankreich. Ein Länderporträt

Ich mag es, mich im Vorfeld tiefgründig mit einem Reiseland zu befassen. Dafür ist die Reihe der Länderporträts aus dem Ch. Links Verlag ideal.

Den Frankreich-Band hat Günter Liehr geschrieben, der laut Kurzporträt auf der letzten Umschlagseite Deutschlehrer, Journalist und Sachbuchautor ist. Und ganz ehrlich: Tatsächlich habe ich mich beim Lesen immer wieder an meine Schulzeit erinnert gefühlt, als ich mich zu eigentlich echt interessanten Themen durch ziemlich dröge Texte arbeiten musste. Dabei kann man dem Autoren nun nicht schlechtes Schreiben vorwerfen. Für ein Geschichtsbuch wäre das schon in Ordnung. Und na ja, mehr oder weniger ist es ja auch eins. Aber unterhaltsam geht halt anders.

Wahrscheinlich bin ich nur enttäuscht, weil ich vorher das Irland-Buch aus der Reihe gelesen habe und dessen Autor mich wesentlich besser unterhalten hat. Vielleicht liegt das sogar nur daran, dass ich in Irland so viel Beschriebenes wiedererkannt habe, während Frankreich mir bisher noch recht fremd ist. Ab und zu blitzt auch bei Liehr mal etwas Persönliches durch – immerhin lebt der Mann seit 1977 selbst in Frankreich. Davon hätte ich mir mehr gewünscht.

Eher lehrreich als unterhaltsam

Unheimlich lehrreich ist auf jeden Fall auch das Frankreich-Porträt für jeden, der am Ball bleibt. Von der Französischen Revolution geht es im Schweinsgalopp und mit Abstechern ins Mittelalter durch die moderne Geschichte Frankreichs. Dabei nimmt der Autor immer wieder Bezug auf die Verbindung zu Deutschland. Auch wenn mir als „gelernter Historikerin“ die Verläufe im Groben natürlich bekannt waren, habe ich viele interessante Details gelernt und wurde auf Zusammenhänge gestoßen, über die ich so noch nie nachgedacht habe. Ein Beispiel: dass es für Franzosen zwei Blickwinkel auf die eigene Geschichte gibt, die sich je nach politischer Ausrichtung auf den Gründungsmythos der Französischen Revolution oder auf das glorreiche Königtum im Mittelalter fokussieren.

Insgesamt bleibt das Buch gut lesbare, aber doch komplexe Kost. Bei den ersten 77 Seiten Geschichtswissen erwartet man vielleicht noch nichts anderes. In den folgenden Kapiteln „Die Republik: Stärken und Schwächen“ und „Staat und Politik“ wird es allerdings nicht besser. Erst ab Seite 180 geht es um Gesellschaftsthemen wie „Das heilige Privatleben“, „Schule als Schicksal“ und das „Zivilisationsgetränk Wein“, die auch für Frankreich-Urlauber ein bisschen näher am direkten Erleben sind.

Mein Fazit

Wer Frankreich tiefgreifend verstehen lernen möchte und bereit ist, dafür auch etwas Zeit und Mühe zu investieren, hat mit dem Länderporträt ein hervorragendes Instrument in der Hand. Um sich mal eben ein bisschen ins Urlaubsland einzulesen, wird das Buch den meisten zu theoretisch und zu komplex sein.

Frankreich: Ein Länderporträt *

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111 Orte in Nordfrankreich, die man gesehen haben muss

Ich hasse solche Titel, die sensationsgierige Behauptungen aufstellen und mich von vornherein unter Druck setzen. Die Reihe aus dem Emons-Verlag zelebriert das, und sie hat im Print und natürlich auch in den Social Media und insbesondere unter uns Bloggern zahlreiche Nachahmer gefunden. Normalerweise hätte ich dieses Buch also von vornherein links liegen gelassen.

Aber es ist nun einmal aktuell die einzige reiseführerartige Publikation, die sich gezielt mit dem Norden Frankreichs beschäftigt. Über Normandie und Bretagne gibt es freilich massenhaft Literatur. Für Nord-Pas de Calais und Picardie, also den nordöstlichen Teil Frankreichs, habe ich ansonsten höchstens ein paar schlecht bewertete und/oder vergriffene alte Schinken gefunden. So habe ich dann doch dem bebilderten Taschenbuch von Georg Renöckl eine Chance gegeben.

Wie gesagt: Was das Buch in der Praxis taugt, konnten wir nicht testen. Aber Lust gemacht auf die unbekannte Region hat es uns allemal. Und es ist auch nicht so entsetzlich superlativistisch geschrieben, wie der Titel vermuten ließ.

Sehenswürdigkeiten der ungewöhnlichen Art

Tatsächlich stellt der Autor vor allem ganz leise, abgelegene Attraktionen vor. Das mag daran liegen, dass die Region ohnehin mit wenig Bling-Bling aufwarten kann. Aber soweit ich das beurteilen kann, hat das durchaus Methode. In Lille zum Beispiel – der einzigen Stadt der Region, die ich aus eigener Erfahrung von einem Besuch vor vielen Jahren etwas kenne – führt Renöckl uns gleich an vier verschiedene Orte – von denen ich bei unserer Stadtbesichtigung damals keinen einzigen wahrgenommen habe. Ort Nummer 64 zum Beispiel ist „Die Hinterhöfe von Lille“. Zwei ganz bestimmte nennt der Autor inklusive Adresse und den Geschichten, die diese für Eingeweihte zur Sehenswürdigkeit machen. Die drei anderen Tipps in der Großstadt führen zu Fassadenschmuck, der modernen Kathedrale mit mittelalterlichem Torso und ins Streetart-Viertel. Abseits der Städte sind es ganz oft grüne Ziele und fast immer solche, die keinen Eintritt kosten.

Nicht erwarten darf man einen klassischen Reiseführer. Es handelt sich eher um ein sehr schön gestaltetes Lesebuch. Jeder der 111 Orte nimmt eine Doppelseite ein. Eine davon ist mit Text bestückt, die andere mit einem hochwertigen, mitunter künstlerisch wertvollen Foto. Dazu gibt es die Adresse, gegebenenfalls die Öffnungszeiten und einen kurzen Extratipp für eine weitere Sehenswürdigkeit in der Nähe. Auf den hinteren Seiten zeigen Karten die Standorte für die praktische Reiseplanung.

Mein Fazit

Ich bin echt positiv überrascht von den 111 Orten. Der Inhalt ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich dem Titel nach erwartet habe. Allein schon aufgrund der Alternativlosigkeit – aber eben nicht nur – lege ich allen Reisenden im Nordosten Frankreichs das Büchlein ans Herz.

111 Orte in Nordfrankreich, die man gesehen haben muss: Reiseführer*

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Fettnäpfchenführer Frankreich: C’est la vie – aber wie?

Hier muss ich gleich zugeben: Dieses Buch habe ich nur angelesen. Die ersten paar Kapitel habe ich mir bei einer Bekannten einverleibt, und das auch nur, weil sie es mir aufgedrängt hat. Die Aufmachung fand ich nämlich ziemlich abschreckend und den Klappentext auch. Arg populistisch und klischeebeladen. Zum Fremdschämen.

Tatsächlich hat mich das Buch von Bettina Bouju und Johanna Links dann aber positiv überrascht. Ja, es ist randvoll mit Klischees. Aber es spielt bewusst damit und relativiert in seinen Ausführungen immer wieder. Unser Praxistest ist ja nun ausgeblieben. Aber ich denke schon, dass viele Eigenheiten des französischen Alltagslebens gut dargestellt und erklärt werden.

Benimm-Lektionen als Geschichte

Verpackt ist alles in eine kleine Geschichte. Da ist eine schrecklich deutsche Familie, die die älteste Tochter in ihrem Auslandssemester in Paris besuchen will. Dabei geht nun alles schief, was schiefgehen kann. Und meistens liegt das an interkulturellen Missverständnissen. Diese werden in kurzen Textpassagen humorvoll erzählt. Das Fremdschämen hielt sich dabei bei mir doch halbwegs in Grenzen (aber ich bin auch nur bis zur Tochter gekommen, nicht bis zum Bierbauch-Vater mit Socken in Sandalen).

Anschließend an jede Anekdote schaltet sich ein Erzähler ein, der die beschriebenen Begebenheiten aufklärt. Das fand ich nun ernsthaft lehrreich. So erfährt man beispielsweise nicht nur, dass das Frühstück in Frankreich als Mahlzeit keine große Bedeutung besitzt und man als Gast keine gemeinsame Tagesplanung bei der gemütlichen dritten Tasse Kaffee erwarten sollte. Auch die Hintergründe, wieso sich diese Lebensart so und nicht anders entwickelt hat, werden erläutert.

Mein Fazit

Das Buch – also das, was ich davon gelesen habe – fand ich sehr informativ und alltagsnah. Für angehende Frankreichurlauber erscheint mir die Lektüre äußerst hilfreich. Auch der Unterhaltungswert ist gegeben. Ganz sicher werde ich es mir vor unserer nächsten Frankreichreise besorgen und ganz durchlesen.

Fettnäpfchenführer Frankreich: C’est la vie – aber wie?*

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Mehr Tipps für Frankreich

Auch ohne unsere große Frankreich-Reise haben wir über die Jahre ein paar Einblicke in das Land gesammelt. Ins Blog geschafft haben es bisher:

Les Andelys, Frankreich

Les Andelys, Frankreich.

Transparenz-Hinweis: Das Länderporträt und die 111 Orte sind mir als Rezensionsexemplare von den Verlagen kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Das hat keine Auswirkung auf meine Meinung. Die mit * versehenen Links sind Affiliate-Links. Kommt darüber ein Kauf zustande, verdiene ich eine kleine Provision (für euch bleibt der Preis gleich).