Endlich Schnee! Die Jungs haben viel Spaß im verschneiten Montenegro.

Janis erzählt euch was: Der erste Schnee auf unserer Reise

Wir wünschen all unseren Lesern fröhliche Weihnachten! Unzuverlässige Internetverbindungen, nette Couchsurfer und superinteressante Reisestationen haben dafür gesorgt, dass wir viel weniger online stellen als wir gerne würden – aber hey, wir machen diese Reise nur einmal im Leben, und dann wollen wir sie auch mit allen Sinnen genießen, ohne uns ständig zum Schreiben gehetzt zu fühlen. Obwohl es natürlich sooo viel zu schreiben gäbe.

Unere Weihnachten feiern wir heute in Bulgarien in grün. Aber ein bisschen Bilderbuch-weihnachtlich wird es dank meinem Mini-Gastblogger heute immerhin im Blog: Es geht um Schnee!

Willkommen zu einer neuen Folge von Janis erzählt euch was!

Es hat geschneit! Wir sind in Montenegro, und endlich hat es geschneit! Endlich hab ich mal Schnee auf unserer Reise gesehen. Leider liegt der Schnee nur auf den Bergen. Montenegro besteht zwar aus Bergen, aber wir sind hier unten im Tal. Bei uns ist es nicht so kalt, dass der Schnee liegen bleibt. Also fahren wir hoch zu einer Skipiste, denn wir sind in Montenegros größtem Skigebiet. Da liegt Schnee, aber auch nicht so viel, dass man Skifahren kann. Es ist ungefähr ein Grad kalt. Sehr kalt, finde ich! Doch man gewöhnt sich dran.

Winterwunderland, wie mit Puderzucker bestäubt - Montenegro, nahe des Wintersportorts Kolasin.

Winterwunderland, wie mit Puderzucker bestäubt – Montenegro, nahe des Wintersportorts Kolasin.

Wir stellen unser Auto ab, und gehen los, ein bisschen die Gegend erkunden. Wir wählen einen Weg, der in Richtung des sehr verschneiten Waldes führt. Ein paar Minuten später sind wir dann mitten drin im Schneewunderwald, wo alles weiß ist, und überall hängen Eiszapfen. Ich esse ein paar davon. Schmeckt nach Wasser. Dabei fängt Papa an, Weihnachtslieder zu pfeifen, und Silas macht mit. Mama und ich singen lieber, weil wir nicht pfeifen können. Papa und Silas pfeifen, weil sie nicht singen können.

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Dann, nach einiger Zeit, bemerken wir, dass es eigentlich überall gleich aussieht. Wanderwege gibt es hier nämlich nicht so viele. Unser Weg ist eigentlich eine Art Holperstraße für Autos. Also kehren wir um und fahren wieder zurück ins Pensionszimmer, in dem wir übernachten.

Pressspan und Holzfeuer: Obwohl es auch sehr schicke Unterkünfte in Montenegro geben soll, ist unsere "Pension Kolasin" eher von der rustikalen Sorte - dafür aber mit einem geräumigen Familienzimmer für 30 Euro die Nacht recht günstig.

Pressspan und Holzfeuer: Obwohl es auch sehr schicke Unterkünfte in Montenegro geben soll, ist unsere “Pension Kolasin” eher von der rustikalen Sorte – dafür aber mit einem geräumigen Familienzimmer für 30 Euro die Nacht recht günstig.

Am nächsten Morgen sind wir in einem Naturschutzgebiet unterwegs. Da drin, im Naturschutzgebiet Biogradska Gora, sind ein See und ein Wald. Der Wald ist ein Urwald. Wenn da ein Baum umfällt, dann bleibt er da auch liegen, außer er ist auf den Wanderweg gefallen. Als wir da ankommen, bin ich ganz schön erstaunt, was die Natur alles so machen kann. Es ist nämlich alles weiß und verschneit.

Biogradska Gora ist der größte Nationalpark Montenegros. Ideal für Wandertouren mit Familie ist der 3 km lange Lehrpfad um den See, der gleich am Parkplatz beginnt.

Biogradska Gora ist der größte Nationalpark Montenegros. Ideal für Wandertouren mit Familie ist der 3 km lange Lehrpfad um den See, der gleich am Parkplatz beginnt.

Wir wandern also einfach mal drauf los und scheitern vor einer Baustelle, die sich in den Weg gestellt hat. Im Winter wird hier wohl nicht mehr gebaut, oder vielleicht auch gar nicht mehr. In Montenegro gibt es, wie auf der gesamten Balkanhalbinsel, viele Bauruinen. Wir drehen um und nehmen einen anderen Weg, den man kaum erkennt unter all dem Schnee. Als wir an einer verschneiten Bank vorbeikommen, setze ich mich drauf. Als ich wieder aufstehe und mich umdrehe, sehe ich, dass es einen schönen Abdruck hinterlassen hat. Das sieht witzig aus!

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Plötzlich endet der Weg aus Steinen und Erde. Er wird zu einem Holzsteg, der erst über ein Flüsschen und dann durch eine Art Sumpf führt. Es macht Spaß, über die dicke Schneedecke zu rennen, denn auf dem Holzweg liegt noch mehr Schnee als in der Landschaft. Ab und zu gibt es Weggabelungen, wo ein weiterer Holzsteg zu einer Plattform führt, auf der Infotafeln stehen. Darauf steht etwas über die Fauna und Flora, so dass man auch etwas lernen kann. Die Texte sind in Englisch und in der Landessprache geschrieben (Montenegrinisch, ist fast so wie das Serbische).

Ein guter Teil des Wanderwegs besteht aus Holzstegen, die über das weit verzweigte Flussdelta führen.

Ein guter Teil des Wanderwegs besteht aus Holzstegen, die über das weit verzweigte Flussdelta führen.

Etwas später fange ich an, einen schönen großen Schneeball zu rollen. Er ist halb so groß wie ich, also ganz schön groß. Dann, als wir ein bisschen weiter gehen, sehe ich auch schon das Auto.

Für einen Schneemann reicht es dann doch nicht so ganz - aber den wahrhaft ambitionierten Schneekugelroller stört das wenig.

Für einen Schneemann reicht es dann doch nicht so ganz – aber den wahrhaft ambitionierten Schneekugelroller stört das wenig.

Im Gegensatz zu den anderen Ländern gefällt mir Montenegro besser, weil weniger Müll herum liegt als in Serbien, Bosnien-Herzigowina und Rumänien. Und Montenegro macht einen sehr guten Eindruck, wenn es verschneit ist! Auch wenn es während der Winterzeit eher Monteblanco heißen müsste.

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Eine Woche in Split: Wenn Reisen zum Urlaub wird

Split, das wird für uns immer gleichbedeutend sein mit Urlaub und Erholung. Wir sind so froh und glücklich, unseren lange gehegten Traum zu leben und fast ein Jahr lang durch Südost-Europa zu reisen. Aber mitunter brauchen wir eine Pause, damit der Alltag uns wieder einholen kann. Ende November hätten uns keinen besseren Ort dafür aussuchen können als Split, die gleichermaßen geschichtsträchtige und gemütliche Stadt an der kroatischen Adria.

Außen pfui, innen hui: Die Wohnung in diesem Block war tatsächlich eine der schönsten auf unserer Reise.

Außen pfui, innen hui: Die Wohnung in diesem Block war tatsächlich eine der schönsten auf unserer Reise.

Vom ersten Tag an fühlen wir uns heimisch. Wir haben eine gar nicht mal so kleine Wohnung am Rande der Altstadt gemietet. „Am Rande der Altstadt“ heißt in diesem Falle „kurz bevor die Häuser hübsch werden“. Das Apartment befindet sich in einem hässlichen großen Klotz, aber dafür ist der Mietpreis sehr vernünftig, und die Wohnung an sich ist sogar richtig hübsch eingerichtet. Zwei Schlafzimmer, eine Waschmaschine und sogar zwei Tische in getrennten Räumen, an denen man sich bequem über die Schulbücher setzen kann – luxuriöse Zustände für langzeitreisende Familien wie uns.

Rund 200.000 Einwohner zählt Split und ist damit die zweitgrößte Stadt des Landes. Davon bekommen wir allerdings wenig mit. Denn obwohl wir zwischen lauter Kroaten wohnen und mit dem Motiv des Beinahe-Einheimischen so gerne kokettieren, sind wir in Wirklichkeit natürlich wie jeder Tourist ganz auf die Altstadt fixiert. Die umfasst ein sehr übersichtliches Areal direkt am Meer. Aufgrund ihrer baulichen Unversehrtheit steht sie auf der Weltkulturerbe-Liste der Unesco. Und ohne unser Auto auch nur einen Tag lang vom hart erkämpfen kostenlosen Parkplatz zu bewegen, halten wir uns ohne Probleme eine volle Woche hier beschäftigt.

Eine Woche Split im Kurzformat

Montag: Altstadtbummel

Splits enge Altstadtgassen sind wildromantisch. Der antike Diokletianspalast und die mittelalterliche Erweiterung der Stadt gehen hier geschmeidig ineinander über. Auf der steinernen Basis der Römer haben nicht nur die kroatischen Bewohner, sondern im Laufe der Jahrhunderte auch Venezianer, Franzosen und Österreicher ihre Spuren hinterlassen. Alles zusammen ergibt eine fantastische Mischung, die heute unzählige Cafés, Restaurants und Boutiquen beherbergt und zu ausgedehnten Stadtbummeln einlädt.

Ein Klick vergrößert die Fotos und zeigt die Bildunterschriften mit näheren Erklärungen. Mit einem weitereren Klick gelangt ihr dann zum nächsten Foto.

Dienstag: Diokletianspalast

Der römische Kaiser aus der Spätantike stammte aus der Gegend und hat sich die damals noch unberührte Bucht als Altersruhesitz ausgesucht. Wir besichtigen ihn mit unserer Stadtführerin Anita, die seit fast 30 Jahren Touristen durch ihre Heimatstadt führt und das Areal wie ihre Westentasche kennt. Sie zeigt uns die erdbebensicher gebauten Kellergewölbe, die erhaltene Servierplatte aus der kaiserlichen Küche und den fantastisch bewahrten Jupitertempel. Und sie erzählt uns von der Geschichte des Imperators, die mit einer reichlichen Prise Ironie gewürzt ist. Diokletian entstammte einfachen Verhältnissen, sein Vater war ein freigelassener Sklave. Der Junge absolvierte eine steile Karriere beim Militär, reformierte Regierungs- und Münzwesen und produzierte als strikter Christenverfolger jede Menge heilige Märtyrer. Sein für die Ewigkeit errichtetes Mausoleum allerdings durfte er nach seinem Tod nicht lange genießen. Kaum war das Verbot des Christentums passé, entsorgten die Gläubigen den Leichnam ihres alten Widersachsers und funktionierten seine protzige Grablege zur Kathedrale um. Hier werden bis heute Reliquien eben jener Heiligen aufbewahrt, die der Kaiser in seiner Regierungszeit töten ließ.

Mittwoch: Sandstrand

Egal, zu welcher Jahreszeit – wer mit Kindern an die Adria reist, muss mindestens einen Strandtag einlegen! Rund um Split gibt es mehrere Badebuchten, einige verfügen sogar über Sandstrand. Anita hat uns den mit dem Namen Bacvice empfohlen. Obwohl er vom Zentrum und vom Fährhafen nur etwa zehn Minuten Fußmarsch entfernt ist, darf hier im Sommer die blaue Flagge gehisst werden, die exquisite Wasserqualität bescheinigt. Das Meer ist ganz flach, was Familien mit kleinen Kindern entgegenkommt.
Das ist der ganze Strand?“ fragen die Jungs etwas fassungslos, denn sie sind von den breiten Stränden der Nord- und Ostsee verwöhnt. Kurz motzen sie noch über die vielen Zigarettenkippen, die sie ausbuddeln. Dann sind sie ganz in ihrem Element, errichten eine Sandburg, die diesseits der Alpen ihresgleichen sucht, während wir Eltern in Sichtweite im Café sitzen und uns einen Glühwein genehmigen. So ein Tag ist selbst bei Nieselregen perfekt!

Donnerstag: „Bergsteigen“

Westlich zwischen Altstadt und Meer befindet sich der Marjan, ein kleiner Berg mit Park, die grüne Lunge der Stadt. Viele, aber auch nicht zu viele Treppenstufen führen dem Gipfelkreuz entgegen, das zu erreichen junge Bergsteiger mit Stolz erfüllt. Den Weg säumen erst malerische, teils verfallende Häuschen mit Gärten voller Zitronenbäume, später ein Wald, in dem sich zwei Einsiedeleien und eine kleine Kapelle verstecken. Und immer wieder glitzert unter uns das Mittelmeer. Auf etwas mehr als halber Höhe erreichen wir den Spielplatz, der mit seinen naturnahen Kletterkonstruktionen ganz nach dem Geschmack der Jungs ist. Auch für kleinere Kinder ist einiges dabei. Auch der Eingang zum Zoo befindet sich hier. Den lassen wir allerdings aus, da wir nur Schlechtes darüber gehört haben.

Freitag: Markt-Tag

Wer in Split Shoppen will, wird je nach Budget in den exquisiten Boutiquen der Altstadt oder an den permanenten Marktbuden an der östlichen Mauer des Diokletianspalats fündig. Viel authentischer geht es auf dem Obst- und Gemüsemarkt zu, der täglich ganz in der Nähe Richtung Hafen und Busbahnhof stattfindet. Alte Bäuerinnen aus der Umgebung verkaufen hier zum Beispiel frische, ungespritzte Orangen aus dem Garten und wiegen das Kilo noch mit Metallgewichten ab.

Obst und Gemüse, Fisch und Klamotten - auf dem Marktplatz gibt's so gut wie alles.

Hust… Das ist, ehrlich gesagt, der Markt von Ljubljana, weil ich in Split in meiner Urlaubsstimmung viel zu wenig Fotos gemacht habe. Aber merkt bestimmt keiner…

Samstag: Historisches Museum

Nach so viel Geschichte „in freier Wildbahn“ wollen wir doch noch mal Näheres über die Hintergründe der Stadtentwicklung erfahren und besichtigen das Stadtmuseum im Diokletianspalast. Hier ist eingängig dargestellt, wie genau sich der römische Palast in die quirlige Stadt Split verwandelt hat. Außerdem müssen wir unbedingt noch mal auf den antiken Treppenstufen des Vestibüls im Café Luxor einen Cappucchino trinken. Das ist fast doppelt so teuer wie vorne an der Riva, aber dafür können wir der mehr als fünftausend Jahre alten Sphinx zuprosten, die Diokletian schon als Antiquität einschiffen ließ.

Sonntag: „Best of“

Noch einmal bummeln wir durch die Altstadt, noch einmal schlendern wir über den Kunstmarkt in den Kellergewölben des Palasts, noch einmal gönnen wir uns eine Riesenkugel Eis bei Luka in der Svaciceva 2 (da gibt’s das beste!). Dann ist es Zeit, traurig zu seufzen, ins Auto zu steigen und das wunderschöne Split hinter uns zu lassen – in der Hoffnung, bald wieder zurückzukehren.

family4travel im Genuss-Modus: Auf den antiken Stufen des Vestibyls gönnen wir uns einen Cappuccino bzw. eine heiße Schokolade.

family4travel im Genuss-Modus: Auf den antiken Stufen des Vestibyls gönnen wir uns einen Cappuccino bzw. eine heiße Schokolade.

„Das Kleingedruckte“: Die Kroatische Zentrale für Tourismus hat uns eine  Stadtführung durch den Diokletianspalast und die Altstadt von Split spendiert. Unsere Meinung beeinflusst sowas nicht, wohl aber unser Verständnis, weshalb wir uns herzlich für die Unterstützung bedanken und trotzdem unabhängig bleiben.

Dubrovnik, gesehen vom Balkon unserer Ferienwohnung.

Drei Monate auf Reisen: Eine Zwischenbilanz

Mit einem Tag Verspätung gratuliere ich uns zum 3-monatigen Reise-Jubiläum. Gestern konnte ich mich beim besten Willen nicht dazu aufraffen, diesen Beitrag fertig zu stellen. Wir haben mit Kamillentee angestoßen, und Silas hat geweint, dass er nach Hause will. Ich wollte auch nach Hause zu meiner Mama. Oder sterben. Hossa, so ein kollektiver Brechdurchfall ist wirklich nichts für Anfänger! Und die Čevapi in einem Restaurant in Neum, dem einzigen Städtchen Bosnien-Herzigowinas direkt an der Adria, sind entschieden nicht zu empfehlen. Boah, haben wir gelitten, alle Mann!

Wenigstens konnten wir in den kurzen Phasen, die wir uns nicht im Badezimmer aufhielten, den Ausblick vom Balkon genießen. Wir haben die Altstadt Dubrovniks im Blick, und die herrlich blaue Adria. Heute werden wir endlich einen ersten Spaziergang die vielen Stufen hinunter wagen und testen, ob unsere wackeligen Beine uns wieder tragen. Und morgen erwartet uns dann die verschobene private Stadtführung, auf die ich mich schon sehr freue.

Drei Monate (und ein Tag) auf Reisen verdienen aber erstmal einen anständigen Rückblick, finde ich. Für „anständig“ ist mir allerdings meine Reisezeit zu kostbar, und deshalb beschränke ich mich fürs erste auf ein paar blanke Zahlen.

 

Abfahrt: 4. September 2014

Vor mittlerweile 93 Tagen

 

  • Acht Länder
  • Zehn Grenzübertritte
    • davon fünf „kleine“ innerhalb der EU
    • und fünf “große” Grenzabfertigungen
  • eine Polizeikontrolle (in Serbien, ohne Befund)
  • 24 verschiedene Quartiere
    • acht davon Couchsurfer
    • fünf private Pensionen
    • elf Ferienwohnungen
  • 7800 gefahrene Kilometer
  • 6700 Euro Budget (Lebenshaltungskosten auf der Reise inklusive Unterkünfte, Verpflegung, Reise- und Krankenversicherung, Eintrittsgelder und Souvenirs)
  • 2100 Euro reale Kosten fürs Auto (Sprit, Wertverlust, Versicherung etc. alles mit eingerechnet, 27 Cent pro km)
  • macht insgesamt einen Tagessatz von 96 Euro
  • 26 Museen
  • 33 Stadtbesichtigungen
    • sechs davon Hauptstädte
  • 16 Wanderungen
  • 22 Spielplatzaufenthalte
  • neun Restaurantbesuche
  • fünf Abendessen in der Pension
  • 23 mal Streetfood (Burek, Pizza, Čevap, Kauflandtheke etc.)
  • 18 Café-Besuche
  • acht Tage mit Migräne bzw. Kopfschmerzen ins Bett (drei ich, drei Janis, zwei Silas)
  • fünf Tage mit Fieber und Durchfall im Bett (alle Martin)
  • ein Tag alle vier krank mit Brechdurchfall (gestern)
  • zwei neue Schrammen am Auto (eine von fremder Autotür auf dem Parkplatz, eine unterhalb durch Aufsitzen auf bosnischer Version von Verkehrsberuhigung)
  • drei verlorene Dinge (Bastelschere, Pinzette und Zopfgummi, bis auf letzteres nach Neukauf doch immer wiedergefunden)
  • zwei Geburtstagsfeiern (meiner in Rumänien und Silas’ in Split)
  • 25 Maschinen Wäsche in 14 Waschmaschinen
  • 36 Blogposts
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Srpska: Ahnungslose Reise durch ein merkwürdiges Land

Dieser Blogpost ist quasi die Fortsetzung unserer Geschichte aus Belgrad. Für ein runderes Bild unseres Balkan-Trips möchte ich auf unsere tollen Erfahrungen in Sarajevo verweisen, und auf die Herzlichkeit, mit der uns trotz Sprachbarriere unsere Vermieter in Vršac empfangen haben. Aber diese Texte muss ich erst noch schreiben, und schwärmen kann ich auch später noch. Zunächst brennen mir Erlebnisse wie dieses unter den Nägeln.

Wir sind in Bosnien-Herzigowina. Wie wir erst hier lernen, besteht das Land aus ganz verschiedenen Teilen. Während Sarajevo und die umliegende Region hauptsächlich von muslimischen Bosniaken bewohnt werden, ist der nordwestliche Teil des Landes serbisch dominiert. Wo genau die Grenzen verlaufen, bleibt für den nur mäßig informierten Reisenden völlig unklar. Die Zahl der Minarette auf der Durchreise gibt einen ungefähren Hinweis, ebenso die sich immer wieder abwechselnden Flaggen – hier blau-gelb, dort blau-weiß-rot, und mancherorts ändert sich das von Dorf zu Dorf.

Der serbische Teil des Landes nennt sich Republik Srpska und besitzt den Status einer eigenständigen Entität innerhalb dieses merkwürdigen Vielvölkerstaats. Wir verbringen ein paar herrliche Tage in Sarajevo – Blogbeitrag folgt hoffentlich bald – und machen auf dem Weg Richtung Kroatien noch einmal in Banja Luka Station. Das ist die Hauptstadt von Srpska (zumindest verwaltungstechnisch, denn laut Verfassung beansprucht die Teilrepublik auch Sarajevo für sich). Vor dem Krieg waren nach eigenen Angaben 93 Prozent der Einwohner serbisch. Heute sollen es nahezu 100 sein.

Und wieder werden wir nicht warm mit dieser Stadt. Banja Luka liegt in einem Talkessel. Geheizt wird viel mit Feuerholz, und was sonst alles noch im Ofen landet, möchte ich gar nicht wissen. Jedenfalls liegt eine fiese Dunstglocke über dem Wohngebiet, als wir unser Apartment beziehen. Die Wohnung ist sauber und adrett. Sie gehört einem jungen Mann, dessen Akzent deutlich verrät, dass er in Österreich aufgewachsen ist. Es wäre sicher spannend, seine Lebensgeschichte zu erfahren, aber unsere Fragen zur Wohnung beantwortet er knapp und steht schon wieder im Hausflur, bevor wir auch nur daran denken können, persönlich zu werden. Unseren Bemühungen, Couchsurfer zu finden, ist wieder kein Erfolg beschieden. Und so bleibt uns nichts übrig, als auch diese Stadt nur als Außenseiter wahrzunehmen. Unvorbereitet, wie wir sind, können wir uns auf viele Eigenheiten keinen Reim machen. Warum sind so viele Häuser hier – und auch in anderen Teilen des Landes – unverputzt? Warum dürfen die fliegenden Händler im Park ungestraft T-Shirts mit den Konterfeis verurteilter Kriegsverbrecher verkaufen? Wie ist die Stimmung hier, 20 Jahre nach Ende der Kriegshandlungen?

Die Fußgängerzone von Banja Luka erinnert uns sogar ein klein bisschen an zu Hause.

Die Fußgängerzone von Banja Luka erinnert uns sogar ein klein bisschen an zu Hause.

16 Moscheen gab es in Banja Luka, die während des Krieges zerstört wurden. Von den knapp 200.000 Einwohnern bekennen sich heute nur noch weniger als 10.000 zum muslimischen Glauben. Trotzdem wird die Ferhadija-Moschee im Stadtzentrum gerade wieder aufgebaut. Bei der Grundsteinlegung vor mehr als zehn Jahren kam es zu einem Aufstand. Heute ist die Moschee auf den Straßenschildern bereits als kulturelle Sehenswürdigkeit ausgewiesen – immerhin. Die orthodoxe Christ-Erlöser-Kirche hat im Krieg ebenfalls schwere Schäden erlitten – allerdings schon im Zweiten Weltkrieg. Mit ihrem Wiederaufbau wurde 1993 noch während des Bosnienkrieges begonnen. Ihre goldenen Kuppeln erstrahlen seit 2004 wieder im Zentrum der Stadt.

Die serbisch-orthodoxe Christ-Erlöser-Kirche von Banja Luka ist laut Reiseführer die einzige auf dem Balkan mit goldenen Kuppeln.

Die serbisch-orthodoxe Christ-Erlöser-Kirche von Banja Luka ist laut Reiseführer die einzige auf dem Balkan mit goldenen Kuppeln.

Das Kastell, vermutlich schon von den Römern errichtet und seitdem von jedem herrschenden Volk für seine Zwecke weiter ausgebaut, ist und bleibt dagegen eine Ruine. Heute ist hier ein Café untergebracht, das von außen recht schick aussieht. Wir gehen nicht rein – wir haben auf die harte Tour gelernt, dass in Serbien (und anderswo in Osteuropa) Gastronomiebetriebe grundsätzlich böse verraucht sind.

Die Fußgängerzone ist sauber und ordentlich und sieht der einer deutschen Kleinstadt nicht unähnlich. Aber besonders hübsch ist Banja Luka nun nicht. Macht nichts, denn wir brauchen ohnehin mal wieder ein, zwei Tage, an denen wir uns auf Schule, Reiseplanung und Wäschewaschen konzentrieren können. In Wirklichkeit ist es ja ganz gut, wenn wir ab und zu einmal nicht von zu vielen Verlockungen zum Sightseeing abgelenkt werden.

Aufwändige Säulen als Balkongeländer, aber zum wärmedämmenden Verputz hat's nicht gereicht. Ein typisches Bild in Wohngebieten auf dem Balkan.

Aufwändige Säulen als Balkongeländer, aber zum wärmedämmenden Verputz hat’s nicht gereicht. Ein typisches Bild in Wohngebieten auf dem Balkan.

Am nächsten Tag machen wir nur einen kleinen Spaziergang durch das Wohngebiet. Auch hier sind die Häuser großteils unverputzt. Es sieht aus, als sei den Leuten beim Bau das Geld ausgegangen. Etlichen Balkonen fehlt das Geländer. Trotzdem flattert frisch gewaschene Wäsche im Wind. Ein, zwei Gebäude sind definitiv verlassen, die Fenster eingeschlagen, die Wände mit kyrillischen Graffiti-Parolen beschmiert. Sind hier nicht-serbische Anwohner vertrieben worden? Es bleibt eine Mutmaßung, denn wir können niemanden fragen, und die Schmierereien können wir nicht lesen. Andere Häuser sind in akzeptablem Zustand. Ich fotografiere eins, vor dem hübsche Novemberrosen blühen. „Mama, guck mal hier!“ rufen die Jungs ein paar Meter weiter. „Hier hat einer Stacheldraht als Gartenzaun! Mach davon mal ein Foto!“ Gehorsam setze ich die Kamera an. Sofort wird oben ein Fenster aufgerissen, und eine übergewichtige Frau mittleren Alters redet zornig auf mich ein. Ich versuche erfolglos, auf Englisch mit ihr zu kommunizieren. Letztlich schließe aus ihrem fortdauerndem Wortschwall, dass sie ihren fragwürdigen Geschmack für Gartengestaltung nicht fotografisch dokumentiert haben will. Ich setze die Kamera ab, kehre ihr achselzuckend den Rücken und schiebe die irritierten Kinder vor mir her. Das Geschimpfe der Frau begleitet uns bis zur Straßenecke. Wir fragen uns, ob wir hier einer einzelnen Spinnerin begegnet sind, oder ob im Gegenteil wir hier als die Spinner angesehen werden. Mit der dicken Spiegelreflex-Kamera und den Kindern in Wanderschuhen steht uns quasi „Tourist“ auf der Stirn geschrieben. Aber diese Spezies ist auf dem Balkan abseits der großen Städte vielleicht so selten, dass man eher geneigt ist, uns selbst in dieser Besetzung für ausbaldowernde Kriminelle zu halten.

Dass wir viel zu sehen kriegen, aber so wenig erklärt, ist der Fluch des Individualreisenden auf dem Balkan.

Das Haus mit dem Stacheldraht-Gartenzaun schräg gegenüber habe ich tatsächlich nicht fotografiert.

Das Haus mit dem Stacheldraht-Gartenzaun schräg gegenüber habe ich tatsächlich nicht fotografiert.

Übrigens: Janis (10) hat seine Eindrücke aus Bosnien-Herzigowina hier in einem eigenen Bericht geschildert.

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Janis erzählt euch was: Über Kinder in anderen Ländern

Mein kleiner Gastblogger ist wieder dran! Das Tippen ist noch recht mühsam für ihn. Und da ich darauf bestehe, dass er auch beim Korrigieren dabei ist, damit wir seine (zahlreichen) Rechtschreibfehler besprechen, hält sich seine Motivation, längere Texte zu schreiben, in Grenzen. Aber ein paar Informationen für den geneigten Leser kommen doch dabei rum, und die Sichtweise eines 10-Jährigen ist manchmal durchaus erhellend, finde ich.

Willkommen zu einer neuen Folge von „Janis erzählt euch was“!

Kinder in anderen Ländern

Alle Kinder, bei denen wir waren, hatten Lego. Das ist wirklich ein sehr verbreitetes Spielzeug. Man kann in sehr vielen Spielzeugläden Lego, aber kein Playmobil kaufen. Ich habe nämlich auf unserer gesamten Reise nur einmal Playmobil in einem Geschäft gesehen und das war in Hermannstadt (Sibiu), und die Stadt erschien mir doch etwas mehr deutsch als die anderen Städte.

Bei uns zu Hause haben wir nur etwas Lego, aber dafür sehr viel Playmobil.

Die Kinderzimmer bei unseren Couchsurfern waren immer nicht so groß, aber auch nicht zu klein. Viele Kinder hatten ein Hochbett, wenn sie zu zweit waren. Von den acht Familien, die wir besucht haben (in Slowenien, Kroatien, Ungarn und Rumänien), gab es überall ein eigenes Kinderzimmer. Aber es gab nie ein eigenes Zimmer pro Kind. In einer Familie in Slowenien gab es zwar zwei Zimmer für zwei Kinder, aber ein Schlaf- und ein Spielzimmer. So ist das bei uns zu Hause auch!

Wir waren auch mal in Transsilvanien bei einer Familie, die bestand aus drei Teenagern, einem Mädchen, das auf die Uni geht, und natürlich Mutter und Vater. Da hatten die Kinder zwar alle ein winziges eigenes Zimmer, aber nur eins hatte eine Tür. Die anderen hatten keine, das heißt, eins hatte noch eine Art Vorhang davor. Und die Zimmer von den Teenagern sahen auch entsprechend aus, also zumindest eins: alles irgendwohin geschmissen. Zum Glück mussten wir nicht in diesem Zimmer schlafen. Aber wir haben zwei von den winzigen Zimmern bekommen, die aber zum Glück aufgeräumt waren. Die Kinder von den Couchsurfern haben in ihrem unaufgeräumtem Zimmer geschlafen.

Ingesamt waren wir schon bei 18 Kindern, wovon drei Teenager und viele kleine Kinder, und viele Babys waren. Nur in Serbien und Bosnien-Herzigowina haben wir leider keine Couchsurfer gefunden.

Mehr Blogeinträge aus Kindersicht

Janis erzählt euch was…

 

Nationalistische Souvenirs sind in der Belgrader Fußgängerzone an jeder Ecke zu haben.

Schockmoment: Darum brauche ich nicht noch mal nach Serbien

Unsere Reise durch den Südosten Europas ist schön! Wir erleben so viele wunderbare Momente, sehen zauberhafte Orte. Und doch sind es vor allem die ambivalenten Erfahrungen, die mich dazu bewegen, sie gleich niederzuschreiben und verhältnismäßig zeitnah einen Blogbeitrag daraus zu machen. Das verzerrt das Bild unseres Familien-Reiseblogs, aber sorry – was muss, das muss. Und spätestens, wenn ich euch demnächst von den Plitvicer Seen  erzähle, diesem paradiesischen Ort überirdischer Schönheit, ist das Verhältnis wieder ausgeglichen… (Wer schon vorab unsere Fotos sehen möchte, bekommt hier bei Instagram einen ersten Eindruck von diesem Naturschauspiel sondergleichen.)

Serbien ist das erste Land auf unserer Europareise, das ich nicht ruhigen Gewissens als Familien-Reiseland empfehlen kann. Ich sitze in unserem bunten kleinen Apartment in Belgrads ruhiger Vorstadt Zemun und bin einfach nur froh, dass wir heute nicht noch mal raus müssen.

Es ist nicht so, dass es wirklich gefährlich wäre oder so. Größte Gefahr in all unseren bisher bereisten Ländern östlich der Heimat ist und bleibt der Straßenverkehr, und der kommt mir in Serbien längst nicht so schlimm vor wie in Rumänien.

An der Donau im ruhigen Stadtteil Zemun ist Belgrad idyllisch.

An der Donau im ruhigen Stadtteil Zemun ist Belgrad idyllisch.

Wahrscheinlich ist es einfach schlechtes Timing. Zwar scheint die Novembersonne ausgesprochen mild vom strahlend blauen Himmel. Am Tag unserer Ankunft haben wir einen Spaziergang entlang der Donau gemacht und im T-Shirt in einem Straßencafé gesessen. Aber zwei Tage später formiert sich ein hupender Autokorso vor unserem Fenster. Anfangs denken wir an eine Hochzeit, dann an ein gewonnenes Fußballspiel. Aber mittags um zwölf? Und dermaßen ausdauernd? Als wir durch das zugige Fenster auf die Straße schauen, erkennen wir, dass aus den Autos Flaggen wehen. Die meisten zeigen das Gesicht eines Mannes. Ratlos durchforsten wir deutsche und englische Nachrichtenportale im Internet, bis ich auf die Idee komme, bei Twitter unter dem Hashtag #Belgrade zu suchen. Von dort aus hangele ich mich problemlos durch, bis ich den Namen und die Beschäftigung des Fahnen-Mannes kenne: Es ist Vojislav Ŝeŝelj, Führer der Serbischen Radikalen Partei, der wegen seiner mutmaßlichen Kriegsverbrechen elf Jahre in Den Haag im Gefängnis gesessen hat und nun aus gesundheitlichen Gründen entlassen wurde (er hat Krebs). Wir googeln seinen Lebenslauf und gruseln uns. Dass die Rückkehr dieses Mannes dermaßen sichtbar gefeiert wird, macht uns fassungslos. Einen entsprechenden Tweet beantwortet ein mir Unbekannter mit: „Jap, aber die Feiern der Bosnier und Kroaten ihrer Kriegsverbrecher war genauso groß.“ Ich schüttele fassungslos den Kopf. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage bezweifele ich gar nicht. Aber die Grundeinstellung, die dahinter steht, 20 Jahre nach Ende der Kriegshandlungen, lässt mir die Haare zu Berge stehen. Allzu sehr erinnert mich die Argumentationsweise an zu Hause: „Janis macht das aber auch!“ – „Silas hat angefangen!“ Offenbar argumentieren hier ganze Völker mit Kindergarten-Logik.

Im Stadtpark an der Belgrader Festung sind Panzer ausgestellt. Begeisterte Eltern machen Erinnerungsfotos: Mein Kind mit Panzer. Wir sind entsetzt.

Im Stadtpark an der Belgrader Festung sind Panzer ausgestellt. Begeisterte Eltern machen Erinnerungsfotos: Mein Kind mit Panzer. Wir sind entsetzt.

Am Nachmittag hat sich die Aufregung gelegt, und wir trauen uns vor die Tür. Wir nehmen den Bus ins Zentrum. Alles ist genau wie am Tag zuvor, als wir schon einmal in die Innenstadt von Belgrad gefahren sind, um die gesichtslose Fußgängerzone und die Panzer im Stadtpark an der Festung zu besichtigen. Die Stimmung der Fahrgäste ist entspannt, hier herrscht völliger Alltag. Der Bus hält, und mehrere Leute steigen zu. Ein junger Mann ist darunter, höchstens 20. Er trägt eine improvisierte Partisanenuniform mit Abzeichen auf dem Parka. Die silbern besprühten Chucks an seinen Füßen wollen so gar nicht dazu passen, aber seine Miene ist patriotisch-ernst, und in den Händen hält er eine qualitativ hochwertige Flagge, penibel aufgerollt. Eine Weile steht er neben mir, hält sich während der Fahrt an derselben Stange fest wie ich. Dann wird weiter vorne ein Sitzplatz frei. Bevor er sich setzt, öffnet der Junge das Fenster, und seine Flagge entrollt sich im Fahrtwind. Sie ist schwarz und zeigt einen weißen Totenkopf, beschriftet mit einem kyrillischen Spruchband.

Wenn zwischen dir und deinen Kindern ein Partisan mit Totenkopfflagge im Bus sitzt - Schockmoment in Belgrad, fotografisch dokumentiert aus der Hüfte.

Wenn zwischen dir und deinen Kindern ein Partisan mit Totenkopfflagge im Bus sitzt – Schockmoment in Belgrad, fotografisch dokumentiert aus der Hüfte.

Martin und ich wechseln schockierte Blicke. Unsere Jungs, die weiter vorne im Bus sitzen, betrachten das Schauspiel irritiert. Ansonsten kümmert sich niemand darum. Einige Fahrgäste sehen demonstrativ in eine andere Richtung. Die meisten starren ohnehin auf ihr Smartphone. Niemand scheint sich an der Tatsache zu stören, in einem Bus zu sitzen, der de facto Reklame für ein faschistisches Großserbien fährt. Ab und zu überholt uns ein Auto mit Ŝeŝelj-Flagge. Die Insassen hupen und recken den Daumen in die Höhe. Zum ersten Mal auf unserer Reise halte ich die Welt für einen schlechten Ort und will einfach nur nach Hause.

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Janis erzählt euch was: Über Bosnien-Herzigowina

Während ich tapfer unsere weitere Reise plane, Verabredungen im Süden Kroatiens und im Kosovo anbahne und versuche, in Bulgarien eine nette Couchsurfing-Familie aufzutreiben, die uns übers Weihnachtsfest Asyl gewährt, springt zum zweiten Mal mein kleiner Gastblogger ein. „Meine Blogbeiträge sind viel aktueller als deine“, sagt Janis stolz, und ist böse mit mir, weil ich es dann doch nicht auf die Reihe kriege, am selben Tag noch passende Fotos rauszusuchen und das ganze online zu stellen. Ein weiterer Text von ihm liegt schon fix und fertig auf der Festplatte und wartet nur noch auf eine angemessene Bebilderung. Heute berichtet mein 10-Jähriger aber erstmal über seine Eindrücke aus unserem derzeitigen Reiseland: Bosnien und Herzigowina.

 

Willkommen bei einer neuen Folge von

Janis erzählt euch was!

Gestern sind wir auf dem Weg von Sarajevo nach Banja Luka durch viele Dörfer gefahren, und da haben wir auch zerbombte Häuser gesehen. An manchen Stellen sind noch Minenfelder. Der Krieg ist zwanzig Jahre her, und trotzdem sind die Minen immer noch eine Gefahr für die Menschen. Das ist sehr schlecht, und ich finde, dass Minen eine sehr brutale, fiese und gefährliche Waffe sind.

Während der Fahrt begleitete uns meistens auf der linken Seite eine höllisch tiefe Schlucht, und auf der rechten Seite eine Felswand. Die Schlucht war schon schön, aber sie war halt tief und ich möchte keinen Abstecher da runter machen.

An der Grenze zwischen der Föderation Bosnien-Herzgovina und der Republik Srpskia liegt die Schlucht über dem Fluss Ugar - sieht auf unprofessionellen Fotos leider nicht halb so spektakulär aus wie in echt.

An der Grenze zwischen der Föderation Bosnien-Herzgovina und der Republik Srpska liegt die Schlucht über dem Fluss Ugar – sieht auf unprofessionellen Fotos leider nicht halb so spektakulär aus wie in echt.

Insgesamt ist Bosnien sehr schön, aber die Bosnier schmeißen ihren Müll oft einfach in die Gegend, und das ist nicht gerade schön. Bosnien ist schon eine Reise wert, denn es gibt, neben den nicht so schönen Ecken, auch schönere Ecken, genauso wie in Deutschland.

Die nach dem Krieg frisch neuerrichtete serbisch-orthodoxe Erlöser-Kirche von Banja Luka.

Die nach dem Krieg frisch neuerrichtete serbisch-orthodoxe Erlöser-Kirche von Banja Luka.

Heute haben wir uns Banja Luka angesehen. Obwohl Banja Luka in Bosnien liegt, wird die Stadt hauptsächlich von bosnischen Serben bewohnt. Es ist die Hauptstadt der Teilrepublik Srpska. In Bosnien-Herzigowina leben muslimische Bosniaken, orthodoxe Serben und katholische Kroaten. Jede dieser Volksgruppen hat einen eigenen Präsidenten und sogar auch eigene Minister. Und das, obwohl das Land kleiner ist als Niedersachsen! Das heißt, Bosnien-Herzigowina ist ein ganz bisschen größer als Niedersachsen, aber Niedersachsen hat mehr als doppelt so viele Einwohner.

Moscheen und christliche Kirchen auf einen Blick in Bosniens Hauptstadt Sarajevo.

Moscheen und christliche Kirchen auf einen Blick in Bosniens Hauptstadt Sarajevo.

Ich hoffe es geht allen, die diesen Blogbeitrag lesen, gut, und allen anderen auch!

Viele Grüße,
Janis

Abenteuer Familien-Reisen

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