Kamen-Slowenien-Burg

Ländliches Slowenien: Burg Kamen und die Tür mit dem Herzchen

Slowenien ist nicht metropolitisch. Abseits der Hauptstadt Ljubljana (die mit ihren rund 280.000 Einwohnern immer noch halb so groß wie Hannover ist) gibt es wenig städtischen Trubel. Dafür hat das kleine Land etwas anderes zu bieten: ländliche Idylle. Eine gute Kelle voll davon haben wir uns im Draga-Tal gegönnt, nur wenige Kilometer hinter der österreichischen Grenze, nahe des (absolut sehenswerten) Bleder Sees.

Unsere Couchsurfing-Hosts sind Ana und Anže. Sie wohnen in einem winzigen Dorf im Draga-Tal. Schon die Anfahrt gestaltet sich abenteuerlich. Elise, unser neues Navi, besteht darauf, dass wir in einen ungeteerten Waldweg abbiegen. Die heftigen Regenfälle des Sommers haben den steinigen Boden überspült. Neben uns fällt der Weg einige Meter steil in ein Flussbett ab. „Hier schon solche Zustände?“ flucht Martin neben mir. „Solche Verhältnisse hätte ich erst in Rumänien erwartet.“ Später stellt sich heraus, dass Elise noch viel lernen muss (oder wir über Elise), denn natürlich hätte es auch eine befestigte Zufahrt nach Zgoša gegeben. So ganz falsch ist der erste Eindruck aber auch nicht, denn die Ortschaft mutet in der Tat beinahe archaisch an. Bauernhöfe mit traditionellen Holzscheunen reihen sich aneinander. In der Mitte plätschert ein kleines Bächlein. Wir finden Anas und Anžes Haus. Es ist ein „Neubau“ aus den 80ern, errichtet auf dem Grundstück des elterlichen Hofs. Wir parken neben dem Hühnerauslauf, und noch bevor uns Ana herzlich in Empfang nimmt, begrüßt uns das Blöken der drei Schafe.

Wir wohnen ländlich: Vor dem Fenster blöken die Schafe.

Wir wohnen ländlich: Vor dem Fenster blöken die Schafe.

Der Alltag im ländlichen Slowenien läuft bei dem jungen Paar nicht anders ab als in den meisten Ländern mitten in der Europäischen Union. Anže ist Lebensmitteltechniker und pendelt jeden Tag nach Ljubljana. Ana unterrichtet an der Gesamtschule im nahe gelegenen Radovljica. Sie besitzen WLan und kochen auf einem Induktionsherd. Anžes Vater aber, der im alten Haus nebenan wohnt, geht noch über den Hof und benutzt die Tür mit dem Herzchen neben dem Misthaufen.

Auch ganz typisch für Slowenien: Apfelbäume, jede Menge Apfelbäume!

Auch ganz typisch für Slowenien: Apfelbäume, jede Menge Apfelbäume!

Wir verbringen zwei wunderschöne Tage in Zgoša, machen Ausflüge zum Bleder See und nach Radovljica. Besonders gut aber gefällt uns ein Spaziergang durch die Landschaft gleich hier. Mit Panoramablick auf die Alpengipfel schlendern wir vorbei an lieblichen Feldern, an deren Rändern wir immer wieder überdachte hölzerne Ständer stehen. Die Jungs erkennen gleich, was es damit auf sich hat: „Das ist ein Heu-Regal!“ kräht Janis. „Da wird das Heu getrocknet!“

Noch typischer für Slowenien: die "Heu-Regale".

Noch typischer für Slowenien: die überdachten “Heu-Regale”.

Am Ende des Tals tauchen die Ruinen einer waschechten Ritterburg auf. Die Festung Kamen diente im Mittelalter zur Sicherung des Passwegs über die Alpen, und selbstverständlich auch als Zollstation. Durch den Ausbau des weit entfernten Loibl-Passes verlor der Weg durchs Draga-Tal an Bedeutung. Das Adelsgeschlecht gab den Außenposten auf, das Gemäuer verfiel zunehmend. Erst in den 1950er Jahren wurde der Denkmalschutz tätig und sicherte die Reste mit den Patentlösungen dieser Zeit: Teer und Beton. Seitdem hat sich zwar noch einiges getan, andere Sicherungsmaßnahmen haben bereits ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten. Der wunderbar abenteuerliche Ort eignet sich hervorragend für Expeditionen und Untersuchungen der mittelalterlichen Baugewohnheiten – aber an allen Ecken und Kanten und mitunter auch mitten in der Burg geht es steil nach unten, also Vorsicht!

Wildromantisch: Die Burgruine Kamen ist ein Abenteuer.

Wildromantisch: Die Burgruine Kamen ist ein Abenteuer.

Die Burg Kamen ist frei zugänglich.

Auch für Nicht-Couchsurfer gibt es zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten, zumindest haben wir in den umliegenden Dörfern und in Radovljica viele „Zimmer frei“-Schilder gesehen (mitunter tatsächlich auf deutsch).

Charmant im Shabby-Chic: Radovljica hat Geschichte.

Radovljica: Die Bienen- und Lebkuchenstadt

Radovljica ist eine schmucke Kleinstadt mit viel Geschichte. Der kleine Ort eignet sich wunderbar für einen Halbtagsausflug, zum Beispiel auf dem Weg zum oder vom Bleder See.

Radovljica thront über einem fruchtbaren Tal.

Radovljica thront über einem fruchtbaren Tal.

Wir parken auf dem einzigen Parkplatz an der Durchgangsstraße (bis 17 Uhr zwei Stunden mit Parkscheibe frei). Zuerst gilt es, die Altstadt zu finden. Da noch ein großer Teil der Stadtmauer erhalten ist, lässt sich diese Aufgabe aber flott bewältigen. Wir stromern durch einen kleinen Park, vorbei an einem Denkmal für die Kämpfer des nationalen Widerstands. Ein eher archaisch anmutender Spielplatz mit bunt bemalten Eisenkonstruktionen beschert uns eine kurze Pause. Dann sind es nur noch ein paar Meter bis in die Fußgängerzone.

Charmant im Shabby-Chic: Radovljica hat Geschichte.

Charmant im Shabby-Chic: Radovljica hat Geschichte.

Radovljica gelangte in der frühen Neuzeit durch seine Handelsbeziehungen zu Wohlstand. Auch wenn sich die Zeiten seitdem mehrmals gewandelt haben, lässt sich diese Tatsache noch heute an den Häuserfassaden ablesen. Viele Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert sind wieder freigelegt, und das gesamte Straßenbild rund um den Marktplatz wirkt wie eine Szene aus der Renaissancezeit. Bei schönem Wetter laden mehrere Cafés zum Verweilen ein. In dem autofreien Bereich können die Kinder herumlaufen und sich den Brunnen näher ansehen.

Der Brunnen markiert den Mittelpunkt des Städtchens.

Der Brunnen markiert den Mittelpunkt des Städtchens.

Auch ein Blick in die Kirche lohnt sich, allein schon wegen der hübschen Deckenmalereien. Wir hatten das Glück, die Übungsstunde des Organisten zu erwischen und kamen so in den Genuss eines kostenlosen Orgelkonzerts.

Fast wie zu Hause und doch an allen Ecken und Enden ein bisschen anders: Kirchen im Ausland zu besichtigen, kann durchaus spannend sein.

Fast wie zu Hause und doch an allen Ecken und Enden ein bisschen anders: Kirchen im Ausland zu besichtigen, kann durchaus spannend sein.

Hauptattraktion des Ortes ist das Imkereimuseum. Es befindet sich im „Schloss“, das ebenfalls direkt am Marktplatz angesiedelt ist. Als solches ist es nicht unbedingt zu erkennen, aber die Schilder vor der Tür lassen keinen Zweifel, dass es sich um ein Museum handelt. Auch die Musikschule und die Stadtverwaltung sind hier untergebracht (und im Eingangsbereich saubere, kostenlose Toiletten). Wir steigen die imposante Treppe in den ersten Stock hinauf und zahlen acht Euro Eintritt für ein Familienticket im Museum. Das besteht aus vier Räumen, die die spezielle Beziehung der Slowenen zu ihren Bienen vermitteln. Wir lernen, dass man sich hier schon früh intensiv um die Bienenzucht kümmerte und Bienenvölker nach ganz Europa verkaufte. Die meisten heute lebenden Bienen auch in Deutschland haben slowenischen Migrationshintergrund!

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Die Bemalung der Vorsatzbrettchen entwickelte sich in Slowenien zu einer eigenen Kunstgattung.

Sehr viel Mühe gaben sich die lokalen Imker mit ihren Bienenstöcken. Da gab es menschliche Figuren, aus deren Mund oder Gürtel die Bewohner flogen, und herrschaftliche Villen, die kleine Mädchen bestimmt zu gern als Puppenhaus benutzt hätten. Aber nein, in Slowenien ist alles für die Biene… Normale Bienenkästen glichen in frühren Zeiten flachen Holzkisten. Besondere Mühe gab man sich mit den Vorsatzbrettchen, sozusagen dem Eingang der Bienen. Diese ließ man gerne von Kirchenmalern gestalten. Die schönsten Überbleibsel hängen in den Vitrinen des Museums (und sind auch als Repliken in sämtlichen Souvenirshops Sloweniens erhältlich). Da gibt es nicht nur Szenen aus dem täglichen Leben des Imkers, sondern auch biblische Motive, Szenen aus Legenden und Geschichte und auch wirklich skurrile, teils blutrünstige Abbildungen von Zweikämpfen, Überfällen und Begegnungen mit wilden Tieren.

Bei der Gestaltung ihrer Bienenstöcke setzten sich die slowenischen Imker keine Grenzen.

Bei der Gestaltung ihrer Bienenstöcke setzten sich die slowenischen Imker keine Grenzen.

Dass die Bienen auch heute noch eine besondere Rolle in Slowenien spielen, lässt sich übrigens sowohl in der Stadt als auch auf dem Land an jeder Ecke erkennen. Während bald an jedem Feldrain bunte Bienenkästen stehen, sind innerorts viele Häuser und Kunstwerke mit Bienenmotiven verziert.

Auch um Radovljica herum (und überall sonst in Slowenien) sind überall bunte Bienenstöcke zu sehen.

Auch um Radovljica herum (und überall sonst in Slowenien) sind überall bunte Bienenstöcke zu sehen.

Wo viel Honig fließt, stehen die Chancen gut für die Zuckerbäckerei. In Radovljica hat sich eine Lebkuchenbäckerei erhalten, die ebenfalls über ein kleines Museum verfügt (auch am Marktplatz, 1,50 Euro pro Person, wir waren allerdings nicht drin). Typisch sind die giftig-rot bemalten Herzen, die sich ganz gewiss mehr als Souvenir und Dekoration eignen denn als Süßigkeit.

Die bunten Lebkuchenherzen aus Radovlica sind ein beliebtes Slowenien-Souvenir.

Die bunten Lebkuchenherzen aus Radovlica sind ein beliebtes Slowenien-Souvenir.

Bleder-See-Bled-Lampen

Bleder See: Kristallklares Wasser, wildromantisches Panorama und hochkalorischer Kuchen

Der wildromantische Bergsee mit der Marieninsel ist nicht weit von der österreichischen Grenze entfernt und tatsächlich eine der schönsten Wasserflächen, die ich in meinem Leben bisher zu Gesicht bekommen habe.

Das Wetter lässt zu wünschen übrig an diesem einen Tag, den wir Sloweniens nördlichster Top-Sehenswürdigkeit gönnen können. Trotzdem, wenn wir schon einmal hier in der Gegend sind, dürfen wir uns den hochgelobten Anblick des türkisblauen Thermalsees vor dem Alpenpanorama natürlich nicht entgehen lassen. Unsere Couchsurfing-Gastgeber, die uns in einem kleinen Dorf ein paar Kilometer entfernt beherbergen, raten uns, möglichst früh da zu sein. Selbst in der Nachsaison Anfang September und bei suboptimalen Wetterverhältnissen wird es an einem Samstag schnell voll. Wir parken am Campingplatz westlich von Bled. Hier kostet das Ticket fünf Euro und gilt für den ganzen Tag.

Westufer: Jung und hip

Im Gegensatz zum nahe gelegenen Wörthersee auf der anderen Seite der Grenze, an dessen Ufer wir tags zuvor kurz Station gemacht haben, sind hier Alpengipfel und Thermalquellen nicht mit Rentner-Reisebussen gleichzusetzen. Im Gegenteil: Vor allem hier am Westufer, wo sich Campingplatz und Wassersportzentrum befinden, lässt sich eine junge Crowd beim Wakeboarden von hipper Musik beschallen. Wir sehen ihnen eine Weile zu, dann machen wir uns auf zu einem Spaziergang rund um den See. Der dauert rund eine Stunde, und der Weg ist die meiste Zeit so beschaffen, dass Kinder ihn gerne bewandern.

Bleder-See-Wanderweg

Am Südufer führt der Rundweg über Holzbohlen.

Nordufer: Burg und Bad

Am Nordufer laufen wir direkt unter der Burg entlang, die wir erst auf der gegenüberliegenden Seite zu Gesicht bekommen. Die Besichtigung ist möglich, lohnt nach Aussage unserer Couchsurfer aber nur bedingt, deswegen lassen wir das. Auch zum Baden ist es viel zu kalt – leider, denn das unterhalb der Burg befindliche Naturbad sieht sehr einladend aus. Es macht einen modernen, sogar stylischen Eindruck und scheint auch Kindern einiges zu bieten. Zwischen Bad und Bled reihen sich einige Cafés aneinander, die ebenfalls verlockend aussehen. Später bedauere ich es, nicht hier eingekehrt zu sein, denn hier sitzt man – finde ich – mit Abstand am schönsten.

Bleder-See-Strandbad

Schick: Im „richtigen Sommer“ ist das Strandbad unterhalb der Bleder Burg bestimmt der place to be.

Bled: Gar nicht so teuer

Das erste, was wir vom Örtchen Bled sehen, ist ein kleiner Kunsthandwerkermarkt. Wie wir später in Ljubljana feststellen, sind die Preise für bemalte Glasgegenstände, Holzspielzeug und anderen Kitsch hier deutlich günstiger als in der Hauptstadt. Auch das Preisniveau der Gastronomie ist angenehm human (zumindest, wenn man gerade aus Österreich kommt). Die teils gut-bürgerlichen, teils eleganten Restaurants entlang des Ufers im Städtchen zeichnen Hauptgerichte für 10 bis 15 Euro aus.

Von Bled aus ist es eine ganze Ecke bis zur Marieninsel. Wer da lieber rudern lassen möchte, nimmt in einem dieser Pletjna-Boote Platz.

Von Bled aus ist es eine ganze Ecke bis zur Marieninsel. Wer da lieber rudern lassen möchte, nimmt in einem dieser Pletjna-Boote Platz.

Marieninsel: Rudern oder gerudert werden

Die Preise für Ruderboote sinken proportional zur Entfernung des Hauptorts. Direkt in Bled kostet eine Stunde 15 Euro, am Ortsrand schon nur noch 12. Am schönsten und gleichzeitig günstigsten sind mit 10 Euro die Stunde die hölzernen Schwanenhals-Boote am Campingplatz. Von dort aus ist auch der Weg zur „heiligen Insel“ am kürzesten; trotzdem braucht man mindestens zwei Stunden, wenn man die berühmte Kirche auf dem bewaldeten Felsen im See auch noch besichtigen will. An allen Uferseiten legen außerdem die typischen Pletjna-Boote mit gewölbter Dachplane ab (da rudert der Gondoliero gleich eine ganze Gruppe, nach den Preisen hab ich allerdings nicht gefragt). Die kleine Insel ist ein Wallfahrtsort und Maria geweiht – was wohl vor allem damit zu tun hat, dass sich bereits in vorchristlicher Zeit der Tempel einer weiblichen Gottheit hier befand. Fast 100 Stufen sind es hinauf zur Kapelle, die als sehr sehenswert gilt. Eine Glocke aus dem 16. Jahrhundert soll Frischverliebten Glück bringen.

8: Die Marieninsel im Bleder See ist immer noch ein Wallfahrtsort.

8: Die Marieninsel im Bleder See ist immer noch ein Wallfahrtsort.

Bleder Kuchen: Gar nicht so lecker

Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit und ein beschränktes Budget, deshalb müssen wir abwägen: Bootfahren oder Kuchenessen? Wer uns kennt, weiß, wie die Entscheidung zwangsläufig ausfällt. Wir kehren ein und probieren den Bleder Kuchen, mit dem fast jedes einzelne Lokal hier Werbung macht. Er besteht aus Puddingcreme mit einer dicken Schicht Sahne, oben und unten eingerahmt von einem Hauch Alibi-Blätterteig. Bei so viel Matschepampe verzichte ich wohlweislich von vornherein. Meine Männer ordern jeder ein Stück, und zum ersten Mal seit Jahren passiert es, dass Silas Kuchen übrig lässt. Selbst Janis schafft sein Stück nicht ganz. Und was wirklich noch nie vorgekommen ist: Martin verputzt zwar noch die Überbleibsel des einen Kinderkuchens, verzichtet aber beim zweiten selber dankend. Nee, Bleder Kuchen ist nicht so unser Fall.

Geht so: Der Bleder Kuchen ist wohl der Verkaufsschlager der Region, kommt bei family4travel aber nur so mittelmäßig an.

Geht so: Der Bleder Kuchen ist wohl der Verkaufsschlager der Region, kommt bei family4travel aber nur so mittelmäßig an.

Südufer: Titos Prestigeobjekt

Auf dem Rückweg kommen wir noch an der Villa Bled vorbei. Tito ließ die ehemalige Adelsresidenz zum Prestigeobjekt ausbauen, um diplomatische Gäste zu beeindrucken. Immerhin galt der Bleder See als eine der Schokoladenseiten Jugoslawiens. Heute dient der eher sachlich gestaltete Bau als Luxushotel.

Bleder-See-Vila-Bed

Auch zu Titos ehemaligem Palast führen eine Menge Stufen hinauf. Die Ähnlichkeit zum benachbarten Wallfahrtsort ist bestimmt nicht zufällig.

Gut gelaunt vollenden wir unsere Runde. Wieder am Auto stellen wir erfreut fest, dass wir alles richtig gemacht haben: Der Parkplatz ist wegen Überfüllung geschlossen. Im Uferbereich des Wassersportzentrums kriegt man schon kaum noch ein Bein an die Erde. Ansonsten verläuft sich der Andrang zum Glück, bis hierher sind uns keine Menschenmengen negativ aufgefallen. Trotzdem sind wir froh, den Trubel jetzt hinter uns lassen zu können. Nächster Halt: Radovljica, die schöne Altstadt mit dem Bienenmuseum.

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Salzkammergut: Das kann man unternehmen

Urlaub im österreichischen Salzkammergut ist idyllisch (und nicht ganz billig). Wer wie wir mit der ganzen Familie anrückt und eine Woche bleibt, braucht ein paar Ideen, was man unternehmen könnte. Wir haben in dem kleinen Dorf Krungl bei Bad Mitterndorf gewohnt, und das haben wir gemacht:

  • Stadtbummel durch Salzburg. Die Mozart-Stadt ist auf jeden Fall auch mit Kindern einen Ausflug wert. Den ausführlichen Bericht unseres Besuchs gibt es hier zu lesen.

    Nicht zu übersehen: Mozarts Geburtshaus. Nicht im Bild: Touristenmassen und ein Supermarkt im Erdgeschoss.

    Nicht zu übersehen: Mozarts Geburtshaus. Nicht im Bild: Touristenmassen und ein Supermarkt im Erdgeschoss.

  • Wandern auf der Tauplitzalm. Bei halbwegs schönem Wetter ein absolutes Muss! Warum, steht hier.

    Wendepunkt unserer Mini-Almwanderung an der schönen Aussicht auf den Steirersee.

    Wendepunkt unserer Mini-Almwanderung an der schönen Aussicht auf den Steirersee.

  • Relaxen in der Grimming-Therme. Die recht neue Anlage in Bad Mitterndorf rettet über einen halben Regentag. Wer deutsche Spaßbäder gewohnt ist, wird allerdings enttäuscht sein. Zwar gibt es ein nettes Baby-Becken und auch eine längere Wasserrutsche für ältere Kinder, aber nachdem unsere Jungs die 20 Mal benutzt haben, können sie nur noch gelangweilt im heilsamen Thermalwasser dümpeln. Dazu ist der Eintritt sehr teuer: Eine Familie mit zwei Kindern zahlt 46 Euro für vier Stunden, ein Tagesticket kostet 49 Euro (aber mir ist schleierhaft, wie dieser Tag zu füllen wäre).

    Keine Wasser-Fotos, dafür eins vom Marktplatz in Hallstatt...

    Keine Wasser-Fotos, dafür eins vom Marktplatz in Hallstatt…

  • Einkehr auf der Eselalm. Die urige Hütte ganz in der Nähe von Bad Mitterndorf bietet Kindern im Inneren selbst bei Regen viel zu schauen, denn die Holzwände sind mit alten Werkzeugen und anderen spannenden Dingen bestückt. Noch besser ist es bei Sonnenschein: Das Außengelände ist ein einziger Spielplatz mit Trampolinen, Bobbycar-Rennbahn und Seilbahn. Und natürlich weiden in Sichtweite ein paar Esel. Das Preisniveau ist völlig in Ordnung, empfehlenswert ist die Pizza, deren Belag man sich selbst zusammenstellen kann. Einziges Manko: Auch drinnen wird geraucht.

    Schönes Ziel mit Kindern: die Eselalm in Bad Mitterndorf.

    Schönes Ziel mit Kindern: die Eselalm in Bad Mitterndorf.

  • Wanderung auf dem geologischen Lehrpfad. Von Bad Mitterndorf nach Obersdorf und zurück führt ein rund zehn Kilometer langer Weg, gut ausgebaut und sogar halbwegs geeignet für Kinderwagen. Der Obersdorfer Rundweg ist vorbildlich ausgeschildert und in regelmäßigen Abständen mit Infotafeln bestückt, die berichten über die Entstehung des Tals, der Moore und was sonst so los war in der Eiszeit. Mit einem Picknick im Rucksack funktioniert die Strecke wunderbar als Tagesausflug.

    hallstatt-alpenveilchen

    Und überall gibt’s etwas zu entdecken. Hier ein Alpenveilchen in freier Wildbahn.

  • Ein Tag in Hallstatt. Das kleine Städtchen liegt wildromantisch am Hallstattsee und blickt auf eine extrem lange und ereignisreiche Geschichte zurück. Seit rund 7000 Jahren wird hier Salz abgebaut. Wer das Tourismus-Erlebnis „Salzwelten“ mitmachen möchte, muss erst einmal ins nahe gelegene Hochtal gelangen: entweder mit der Seilbahn (14 Euro für eine Familie mit zwei Kindern) oder über einen etwa einstündigen, steilen, aber spannenden und mit vielen Infotafeln ausgestatteten Fußpfad. Dort oben liegt außerdem das berühmte Gräberfeld aus der frühen Eisenzeit, welche eben deshalb den Namen „Hallstattzeit“ bekam. Rund 2000 Gräber, reichhaltig ausgesattet mit Beigaben, zeigen, dass schon lange vor den Römern Handel bis nach Afrika und an die Ostseeküste betrieben wurde. Auf dem Weg zum Grubeneingang liegt ein frei zugängliches Schaugrab, ansonsten werden archäologisch Interessierte dort oben aber enttäuscht sein. Die Führung durch die „Salzwelten“ ist vor allem für Kinder spannend, aber beim „Infotainment“-Konzept überwiegen doch deutlich die hinteren beiden Silben. Die Geschichte des Salzabbaus ist aufwändig inszeniert und mit allen Finessen der modernen Technik dargestellt. Am unterirdischen Salzsee erwartet uns eine Komposition aus Sound und farbigem Licht, mehrmals fahren Leinwände aus der Stollenwand, um den Besuchern die Entstehung des begehrten Handelsguts und die Nutzung der Lagerstätten in den verschiedenen Epochen der Geschichte zu vermitteln. Höhepunkt ist die 64 Meter lange Holzrutsche. Das Vergnügen dauert nur ein paar Sekunden, aber die machen zugegebenermaßen einen Heidenspaß! Etwa eine Stunde nach Betreten des Stollens befördert uns eine Grubenbahn wieder ans Tageslicht, und wir laufen eine weitere Stunde zurück ins Tal (da wir zu geizig und zu höhenängstlich für die Panoramabahn sind). Der ganze Spaß kostet für eine Familie mit zwei Kindern 48,50 Euro, dazu kommt das Parkticket mit 7,50 Euro und ggf. die Panoramabahn mit 14 Euro. Gratis dazu gibt’s bei anschließender (und lohnender) Ortsbesichtigung den Anblick von haufenweise asiatischen Touristinnen in gemieteten Dirndln.
    Fahren oder Laufen? Wer in die "Salzwelten" will, muss jedenfalls da hoch.

    Fahren oder Laufen? Wer in die “Salzwelten” will, muss jedenfalls da hoch.

    Einmal selber Bergmann sein: Ausgestattet mit der passenden Schutzkleidung dürfen die Jungs das bronzezeitliche Gerät ausprobieren.

    Einmal selber Bergmann sein: Ausgestattet mit der passenden Schutzkleidung dürfen die Jungs das bronzezeitliche Gerät ausprobieren.

    Unterirdisches Erlebnis: In den "Salzwelten" tönt und leuchtet es.

    Unterirdisches Erlebnis: In den “Salzwelten” tönt und leuchtet es.

  • Österreich kulinarisch genießen. Unabdingbar bei einem Österreich-Trip ist natürlich die nähere Bekanntschaft mit den Mehlspeisen! Kaiserschmarrn, Germknödel, Salzburger Nockerln, Palatschinken, dazu Sachertorte und auch der Apfelstrudel in zahlreichen Varianten – so schnell geht den Naschkatzen hier die Auswahl nicht aus.
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Machen glücklich: Silas’ Germknödel und meine Kaiserschmarrn.

Kann man idyllischer wohnen? Auf der Tauplitzalm stehen sommers wie winters etliche Häuschen zur Vermietung.

Tauplitzalm: Wandern durch Bilderbuch-Österreich

Schroffe Alpengipfel, glasklare Bergseen, idyllische Hütten und ein Meer von Wiesenblumen – die Tauplitzalm ist Österreichs höchstgelegenes Seenplateau und auch im Sommer ein absolut empfehlenswertes Ziel für einen Tagesausflug. Wer seinen Urlaub in Bad Mitterndorf im Salzkammergut verbringt – oder wie wir in Krungl – der sollte sich diesen Abstecher in die Natur auf keinen Fall entgehen lassen.

Die Tauplitzalm ist einerseits Natur pur – und andererseits bestens mit touristischer Infrastruktur versorgt. Sie ist ein ideales Versuchsfeld für erste Wanderungen mit Kind, denn das gesamte Gebiet ist (weitgehend) autofrei, und wenn Hunger, Durst oder einfach das Bedürfnis nach einer Pause zuschlagen, ist die nächste Jausenstation nie weit.

An der Flanke des Großsees kann sich jeder seinen eigenen Wanderweg aussuchen...

An der Flanke des Großsees kann sich jeder seinen eigenen Wanderweg aussuchen…

Die rund zehn Kilometer lange Auffahrt mit dem Auto kostet acht Euro (für ein Auto voller Kurtaxenzahler, ansonsten etwas mehr). Das „Eintrittsgeld“ lohnt sich aber, wie ich noch aus meinen Kindheitstagen weiß. Und so ist es keine Frage, dass wir am erstbesten Tag mit regenfreiem Wetter die Alpenstraße hinaufkurven. Die endet auf einem großen Parkplatz – weiter fahren darf nur, wer eines der idyllischen Ferienhäuschen gemietet hat, die über die bis zu 2000 Meter hoch gelegene Ebene verstreut sind. Auch die Anreise per Lift ist möglich, im winterlichen Skibetrieb sowieso, und auch im Sommer von Ende Juni bis Anfang September (das Familienticket kostet 23 Euro).

Ja ja so blau, blau, blau blüht der Enzian... auf der Tauplitzalm tatsächlich in rauhen Mengen.

Ja ja so blau, blau, blau blüht der Enzian… auf der Tauplitzalm tatsächlich in rauhen Mengen.

Ja ja so blau, blau, blau blüht der Enzian…

Unsere Jungs sind gut zu Fuß, und die Tauplitzalm erfüllt all ihre Voraussetzungen für eine schöne Wanderung. An die Sechs-Seen-Strecke wagen wir uns nicht – für diese sommerliche Hauptattraktion benötigen geübte Wanderer vier Stunden. Ausgestattet mit einer groben Übersichtskarte (mehr ist in diesem gut erschlossenen und räumlich beschränkten Gebiet nicht nötig) und einem Pflanzenbestimmungsbuch machen wir uns auf den Weg, frei nach dem Motto: „Wir gucken mal, wie weit wir kommen.“

Was blüht denn da? Wir üben den Umgang mit dem Bestimmungsbuch.

Was blüht denn da? Wir üben den Umgang mit dem Bestimmungsbuch.

Zunächst einmal ist das nicht sehr weit. Zu viele Überraschungen locken uns vom Wegesrand. Da sind die blauen Blümchen, die zu hunderten links und rechts des Pfades blühen. Wir identifizieren sie als Enzian und schmettern fortan den Heino-Schlager vor uns hin. Auch Berg-Löwenzahn entdecken wir, der ganz anders aussieht als seine Verwandten weiter unten im Tal. Und Glockenblumen, Silberdisteln, wilde Preiselbeeren und viele andere Pflanzen, die wir bestimmen und deren Namen wir gleich wieder vergessen – aber der Umgang mit dem Büchlein macht den Jungs Spaß, und zumindest den Enzian und die Lärchen erkennen sie am Ende des Tages zuverlässig.

Wandern mit Aussicht

Ein kurzes Stück laufen wir die geteerte Straße entlang, dann folgen wir den Schildern Richtung Großsee auf einen schmalen Pfad, der über die herrlichen Almwiesen führt. Es dauert nicht lange, bis wir die erste spiegelglatte Wasseroberfläche sehen. Die Gletscher haben hier oben Pfützen hinterlassen, und zwar welche von der Bildschönen Art. Zwar verlanden diese Feuchtgebiete seit der letzten Eiszeit zunehmend, aber ein paar Jahre wird es wohl noch dauern, bis dieses einzigartige Biotop verschwunden ist.

Durch seine eigentümliche Färbung wirkt der Märchensee wahrlich märchenhaft.

Durch seine eigentümliche Färbung wirkt der Märchensee wahrlich märchenhaft.

Kaum kehren wir dem Großsee an der Schmalseite den Rücken, entdecken unsere Späher auch schon den Märchensee. Mit seiner tiefblauen Färbung macht er seinem Namen alle Ehre. „Wow…“ sagt Janis andächtig, und dann halten ihn keine zehn Pferde mehr: Er muss runter zum Ufer und das magische Wasser berühren.

Vorsicht, freilaufende Kuh!

Über einen kleinen Schlenker kommen wir zurück zum Großsee. Wir wandern an dessen Flanke entlang, und jetzt kommt sogar die Sonne raus. Ideale Bedingungen für ein Picknick! Vorbei am winzigen Tauplitzsee erreichen wir den Ort, an dem sich mehrere Hütten in Sichtweite befinden. Das Witzige: Die Kühe dürfen sich hier überall frei bewegen, die Häuser aber, die unberechenbaren, werden mit Stromzäunen am Weglaufen gehindert. :) Auch wenn sich uns der tiefere Sinn dieser Handlungsweise durchaus erschließt, sorgt sie vor allem bei den Jungs für anhaltende Erheiterung.

Wendepunkt unserer Mini-Almwanderung an der schönen Aussicht auf den Steirersee.

Wendepunkt unserer Mini-Almwanderung an der schönen Aussicht auf den Steirersee.

Einen strammen Fußmarsch später erreichen wir den Aussichtspunkt über den Steirersee, der mit Abstand die größte Wasserfläche auf der Tauplitzalm besitzt. Links und rechts ragen Sturzhahn und Roßkogl in die alpine Höhenluft.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, sagen wir uns und entscheiden uns zur Umkehr. Zurück marschieren wir über ein eindrucksvolles Dolinengebiet. In dem Karstgebirge stürzen immer wieder unterirdische Höhlen ein und hinterlassen trichterartige Löcher. Noch einmal staunen wir über die Artenvielfalt auf den Almwiesen. Und dann war’s das auch schon. Der ganze Nachmittag ist verwandert, wir haben unseren Ausgangspunkt erreicht und fahren, gesättigt mit unzähligen wertvollen Eindrücken, zurück ins Tal.

Die Tauplitzalm ist das höchstgelegene Seenplateau Europas.

Die Tauplitzalm ist das höchstgelegene Seenplateau Europas.

Die Tauplitzalm ist ganzjährig zugänglich und bewirtschaftet. Die Auffahrt zur Alpenstraße befindet sich in Bad Mitterndorf. Das vorherrschende Reizklima soll helfen bei Asthma und anderen Atemwegserkrankungen sowie Allergien.

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Stadtbummel: 8 Stunden in Regensburg

Die erste Station unserer Europareise ist reichlich unexotisch, aber deshalb nicht weniger lohnenswert. Regensburg zählt zu den schönsten Städten Bayerns. Die Unesco hat die Altstadt mit der Steinernen Brücke und der Donau-Insel Stadtamhof als Weltkulturerbe eingestuft, und wie viele, viele andere Besucher sind auch wir ganz angetan von dieser hübschen Stadt im angenehmen Format. Das Protokoll eines netten Tagesausflugs.

 

10 Uhr: Regensburger Dom

Von unserem Parkhaus schlendern wir Richtung Altstadt und stolpern als erstes über den imposanten Dom. Schon um 700 soll hier eine erste Kirche mit Bischofssitz gestanden haben, wodurch Regensburg zu den ältesten Bistümern im deutschen Raum zählt. 1273 begann der Bau der Kathedrale im gotischen Stil, und nach rund 250 Jahren war das Werk dann auch endlich vollbracht. Die Jungs, beide Kunstbanausen vor dem Herrn, stehen ehrfurchtsvoll vorm Hauptportal und bewundern die reichen Verzierungen. „Das muss ganz schön Arbeit gemacht haben“, stellt Janis trocken fest. Innen suchen wir den lachenden Engel, sehen uns in der Bischofsgrablege konservierte Menschenknochen an und fragen uns vergeblich, was es wohl mit dem Brunnen mitten in der Kirche auf sich hat. Wir liebäugeln mit der Führung, die täglich außer sonntags um 10.30 Uhr (und 14 Uhr) beginnt, entscheiden uns dann aber doch dagegen, weil wir uns nicht sicher sind, ob die Jungs heute 75 Minuten Kirchengeschichte aushalten. Stattdessen lassen wir einfach nur die imposanten Säulen und das 32 Meter hohe Kirchenschiff auf uns wirken.

Der Regensburger Dom gehört zu den imposantesten Kirchen Deutschlands. Die Details im Eingangsportal künden von der Pracht im Inneren.

Der Regensburger Dom gehört zu den imposantesten Kirchen Deutschlands. Die Details im Eingangsportal künden von der Pracht im Inneren.

11 Uhr: Chillen an der Donau

Wir erreichen das Ufer der Donau und lassen uns auf eine Bank fallen. Zum ersten Mal seit Tagen ist es sonnig, und wir genießen das Wetter, indem wir faul dem Fluss beim Fließen zusehen. Normalerweise hätten wir von hier auch prima Regensburgs Wahrzeichen im Blick: die Steinerne Brücke. Die aber ist im Moment fast komplett eingerüstet. Macht nichts, die Kinder finden die Bauarbeiten ohnehin interessanter als eine uralte Steinbrücke. Auch sonst gibt es einiges zu Gucken auf dem Wasser. Immerhin ist die Donau nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Immer wieder gleiten Schiffe an uns vorbei. Gerade sind es vor allem kleine Motorboote, aber auch große Flusskreuzfahrer müssen dabei sein, wie uns die zahlreichen Touristengruppen mit entsprechenden Insignien überall in der Stadt vermitteln. Ein Schiff liegt vor Anker, das Silas’ Aufmerksamkeit erregt. „Schifffahrts-Museum“ buchstabiert er sich mit großer Ausdauer zusammen. „Können wir da rein?“ bettelt der 7-Jährige. Martin und ich wiegeln ab. Ein Schifffahrtsmuseum haben wir in Rostock bei Oma und Opa vor der Haustür, dafür müssen wir nicht nach Bayern fahren. Wir versuchen, dem Kulturkind stattdessen das Historische Museum schmackhaft zu machen. Aber der Kleine ist hartnäckig. Er fragt selbstständig an der Kasse nach den Eintrittspreisen und kommt mit stolzgeschwellter Brust zurück. „Es kostet nur sieben Euro für uns alle!“ verkündet er. Martin und ich seufzen. Unsere Kinder mit Macht von einem Museumsbesuch abzuhalten, gehört nicht zu unserem Erziehungskonzept.

Kurios: Das kleine Schifffahrtsmuseum auf der Donau lag selbst zwölf Jahre auf dem Grund derselben.

Kurios: Das kleine Schifffahrtsmuseum auf der Donau lag selbst zwölf Jahre auf dem Grund derselben.

12 Uhr: Schifffahrtsmuseum im Ex-Wrack

Wir bereuen diese Entscheidung nicht, denn in dem kleinen Museum erfahren wir nicht nur etliches über die Eigenheiten der Donau-Schifffahrt, sondern dürfen auch das alte Dampfschiff selbst von oben bis unten erkunden. Als die Ruthof 1923 in Dienst gestellt wird, treibt noch Kohlenfeuerung die zwei Schaufelräder links und rechts des Schiffes an. Der große Schornstein lässt sich abklappen, um unter den Brückenbögen durchzukommen. Im zweiten Weltkrieg lief das Schiff in Ungarn auf eine Mine auf und sank. Zwölf Jahre später wurde es gehoben, aufgemöbelt und fuhr noch etliche Jahre unter ungarischer Flagge. Ein Regensburger Förderverein rettete die Ruthof vor der Verschrottung und richtete in ihrem Rumpf das kleine Museum ein. Modelle und andere Exponate vermitteln die Geschichte der lokalen Schifffahrt – da geht es beispielsweise ums Treideln, und um die Tradition des Flößens. Die Jungs – vor allem der Maschinenbau-Ingenieur unter ihnen – begeistern sich für die alte Technik im Maschinenraum, und auch Mannschaftsquartiere und Kombüse sind durchaus einen Blick wert.

Für die Mama gibt’s Texte und Exponate über die Geschichte der Donau-Schifffahrt, den Papa interessiert mehr die Technik des alten Dampfschiffs. Die Jungs hören sich ergeben die Vorträge beider Eltern an.

Für die Mama gibt’s Texte und Exponate über die Geschichte der Donau-Schifffahrt, den Papa interessiert mehr die Technik des alten Dampfschiffs. Die Jungs hören sich ergeben die Vorträge beider Eltern an.

13 Uhr: Insel-Hopping

Heute erstreckt sich Regensburg auf beiden Seiten des großen Flusses. Ursprünglich war die Stadt, die ihre erste Karriere bereits als Römer-Kastell erlebte, auf die südliche Uferseite beschränkt. Mehrere Inseln erleichterten an dieser Stelle die Überquerung der Donau: die so genannten Wörthen. Auch hier siedelten sich bald Menschen an. Die Steinerne Brücke, seit 1146 begehbar und damit anscheinend die älteste Steinbrücke dieses Kalibers nördlich der Alpen, sorgte für lukrative Handelswege. Auch die anderen Wörthen sind mit Stegen und Brücken untereinander verbunden. Wir mäandern durch die engen Gassen, die fast durchgängig mittelalterlich anmuten, und stellen uns vor, wie es wohl wäre, hier zu wohnen.

In Regensburgs Altstadt lohnt sich immer ein Blick nach oben an den Häuserfassaden empor.

In Regensburgs Altstadt lohnt sich immer ein Blick nach oben an den Häuserfassaden empor.

14 Uhr: Mittagessen in Stadtamhof

Schließlich landen wir in Stadtamhof, der größten Donau-Insel. Bis der Europa-Kanal zur Umgehung der Brückenstrudel gebaut wurde, lag die Siedlung am Nordufer. Die bajuwarischen Herzöge, die mit den bischöflichen Herrschern der Stadt sowie dem erstarkenden Bürgertum im Clinch lagen, gründeten die Stadt neben der Stadt, um Regensburgs hohen Zöllen zu entgehen. Hier errichteten sie ihren eigenen Salzstadel – das „weiße Gold“ war es vor allem, das für den Reichtum der Handelsstadt sorgte. Uns treibt an diesem Tag der Hunger her, denn etwas abseits des allgemeinen Touristengewusels erhoffen wir uns günstigere Mittagskarten. An Gastronomie herrscht in diesem Stadtteil jedenfalls kein Mangel, und auch qualitativ sind wir mit dem von uns erwählten Italiener völlig zufrieden (Tagesgericht Pizza, Pasta oder Salat inklusive kleinem Getränk 7,40 Euro).

Stadtamhof, die künstliche Donauinsel auf der anderen Seite des Flusses, ist zu Fuß über die Steinerne Brücke zu erreichen.

Stadtamhof, die künstliche Donauinsel auf der anderen Seite des Flusses, ist zu Fuß über die Steinerne Brücke zu erreichen.

15 Uhr: Welterbe Steinerne Brücke

Das Wunderbauwerk selbst ist derzeit, wie gesagt, aufgrund von Renovierungsarbeiten blickdicht verhüllt. Wir überqueren die Donau auf einer Behelfsbrücke dicht daneben und begeben uns dann ins Besucherzentrum im alten Salzspeicher, das über die aktuellen Bauarbeiten, aber auch über das gesamte Weltkulturerbe und seine Geschichte informiert. Ein interaktives Modell zeigt die Entwicklung der Stadt im Lauf der Jahrhunderte. Nach der Gründung durch römische Legionen siedelten sich schnell Handwerker und Händler an der verkehrsgünstigen Mündung des kleinen Flusses Regen an. Im Mittelalter verfügte Regensburg bereits über 20.000 Einwohner und war damit eine der größten Städte des Kaiserreichs. Nach der Blütezeit, die bis in die frühe Renaissance dauerte, war es aber auch vorbei mit dem herausragenden Reichtum – für uns heute ein Glücksfall, denn dadurch blieb das spätmittelalterliche Stadtbild erhalten und wurde nur sehr vereinzelt von modernerer Pracht verdrängt. Wir lernen, welche Gefahren die Pfeiler der 14 Brückenbögen für die Schifffahrt mit sich brachten, und wie die findigen Regensburger die erhöhte Fließgeschwindigkeit gleich für sich nutzten, indem sie Mühlräder in der Donau installierten. Und wir erfahren, dass der 13. Brückenbogen als Hinrichtungsstätte für Kindsmörderinnen diente – die wurden in einen Sack gesteckt und kurzerhand versenkt.

Die kostenlose Ausstellung informiert außerdem interaktiv über die insgesamt mehr als 900 anderen Welterbe-Stätten, die die Unesco ausgezeichnet hat – ein durchaus lohnendes Stündchen lässt sich hier verbringen. Weiterer Pluspunkt: kostenlose, saubere Toiletten.

Interaktiv, interessant und dann auch noch kostenlos: Im Welterbe-Besucherzentrum lässt sich ein lohnendes Stündchen verbringen.

Interaktiv, interessant und dann auch noch kostenlos: Im Welterbe-Besucherzentrum lässt sich ein lohnendes Stündchen verbringen.

17 Uhr: Bummel durch die Altstadt

Richtig viel schöne Altstadt finden wir von der Steinernen Brücke kommend rechter Hand. Während sich auf den Donau-Inseln vor allem Handwerker ansiedelten, lässt sich hier der Reichtum der Regensburger Kaufleute erahnen. Im ewigen Zwist zwischen Kirche, Herzögen und Bürgertum erstarkten die Patrizier im ausgehenden Mittelalter so sehr, dass sie die Stadt mit spektakulären Palästen und Wohntürmen pflasterten. Etliche davon sind heute noch zu sehen. Außerdem lohnt sich ein Bummel durch die vielen niedlichen Lädchen, Kneipen und Cafés.

Einer der schönsten Plätze, die wir in Regensburgs Altstadt gefunden haben: Der Innenhof der alten Bischofsresidenz mit dem Gänsepredigt-Brunnen.

Einer der schönsten Plätze, die wir in Regensburgs Altstadt gefunden haben: Der Innenhof der alten Bischofsresidenz mit dem Gänsepredigt-Brunnen.

Fazit: Regensburg ist ein lohnendes Ziel für einen netten Familienausflug. Die vielen engen Gassen und prächtigen Patrizierhäuser mit ihren reichen Details faszinieren auch Kinder und motivieren zum Stadtspaziergang. In acht Stunden haben wir mit Sicherheit nicht alle Sehenswürdigkeiten der Stadt abklappern können, aber wir hatten einen wunderschönen Tag in der Stadt an der Donau.

 

Praktische Hinweise:

Das Parken im Parkhaus kostet am Dachauplatz 1,80 Euro pro Stunde, 11 Euro pro Tag.

Die kostenlose App „Regensburg Offline-Stadtplan“ liefert genau das und funktioniert einwandfrei.

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Der erste Schritt einer langen Reise: Südeuropa beginnt in Bayern

Unsere große Europareise soll uns durch all die fremden Länder im Süden führen. Aber da wir mit dem eigenen Auto unterwegs sind, fangen wir erst einmal recht unexotisch an. Für uns Nordlichter beginnt Südeuropa in Bayern.

Der 4. September ist unser Abfahrtstag. An diesem Datum wollten wir eigentlich zu unserer Transatlantik-Fahrt in See stechen. Auch mit gründlich geänderten Plänen halten wir daran fest. Zu viel ist dann doch noch zu erledigen, wenn man Oma und Opa, ein Haus und viele Freunde für fast ein Jahr hinter sich lässt.

Als wir gegen Mittag das heimatliche Ortsschild im Rückspiegel sehen, fahren wir ins Ungewisse. Was selbst unter den besten Umständen wahr wäre, gilt für uns auf unangenehm direkte Weise: Wir wissen nicht einmal, wo wir an diesem Abend schlafen werden. In der hektischen Umplanungswut, die auf den absurden Besuch in der amerikanischen Botschaft folgte, hatten wir wenig Zeit für Details. Die zwei Couchsurfing-Anfragen in München bleiben unbeantwortet, und als wir uns zwei Tage vorher alternativ nach einer bezahlbaren Bleibe umsehen, merken wir, dass eine solche in der bayrischen Landeshauptstadt auf die Schnelle schwer zu finden ist. Eine vierköpfige Familie zahlt im Hotel locker 180 Euro pro Nacht – absolut jenseits unseres Budgets.

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Stattdessen suchen wir uns einen Tag vor Abfahrt eine günstige Ferienwohnung in einem kleinen Dorf bei Regensburg. Die Bilder sehen nett aus. Eine Telefonnummer gibt es zwar nicht, aber der Vermieter verspricht in seiner Anzeige, die Buchung binnen 24 Stunden zu bestätigen. 138 Euro für zwei Nächte, das klingt okay. Als wir losfahren, sind die 24 Stunden fast um, und mit jedem Kilometer, den wir zurücklegen, ist uns klarer, dass wir für diese Nacht keine Bleibe haben. Was soll’s, denken wir uns. Wir sind in Deutschland. So schlimm kann das nicht sein. Zur Not halten wir einfach ganz altmodisch Ausschau nach „Zimmer frei“-Schildern. Wenn Martin mit seinem Kumpel im Sommer eine Woche mit dem Fahrrad durch die Alpen juchtert, halten die beiden das grundsätzlich so.

Trotzdem verbringe ich die Fahrtzeit auf dem Beifahrersitz damit, dank mobilem Internet nach Übernachtungsmöglichkeiten zu suchen. Das erweist sich als weniger einfach als erhofft. Schon zu Hause haben wir festgestellt, dass die kleinen, günstigen Unterkünfte nicht in den gängigen Verzeichnissen gelistet sind. Über die Seiten der örtlichen Tourist-Informations-Büros finden wir auch die Gasthöfe. Aber als ich mühsam eine nicht an mobile Endgeräte angepasste Webseite nach der anderen öffne, stelle ich fest, dass die allermeisten auch nicht günstiger sind, weil sie keine Familienzimmer anbieten. Zwei Doppelzimmer für schlanke 50 Euro ergeben auch einen Hunderter…

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Da ich meine intensiven Bemühungen auf dem Mini-Display auch in den Kasseler Bergen nicht einstelle, habe ich bald das dringende Bedürfnis, entweder das Notfall-Eimerchen vom Rücksitz zu fordern, oder mit Martin zu tauschen. Ich entscheide mich für letzteres. Der Mann legt weniger Geduld an den Tag. Er ruft einfach mal an bei einem der Landgasthöfe, und fragt nach. Und dann bucht er, obwohl der Preis immer noch genauso happig ist. 30 Euro pro Übernachtung mit Frühstück, die Kinder zahlen 20. Als wir ankommen, mitten im bayrischen Nirgendwo, bekommen wir ein Dreibettzimmer. Silas schläft in der Besucherritze, zahlt dafür nur den halben Kinderpreis. Was soll’s. Hauptsache, wir müssen nicht unter der Brücke schlafen. Als Couchsurfer wären wir mit den Verhältnissen sehr glücklich. Als zahlende Gäste irgendwie nicht so.

Dafür sind wir die einzigen Fremden im ganzen Haus. Aber es gibt kein Internet, und mein Handy hat einfach mal gar keinen Empfang. Ihr lacht vielleicht, wie man so von moderner Technik abhängig sein kann, aber für uns bedeutet das weiteren Planungsstillstand.

Das Dorf ist so winzig, dass wir bei unserem Abendspaziergang ruckzuck in der Feldmark stehen. Dafür ist der Sonnenuntergang fast so idyllisch wie zu Hause. Den unbeabsichtigt teuren Start unserer Reise gleichen wir aus, indem wir Äpfel von den Obstbäumen am Wegesrand pflücken und uns mit diesem kargen Mahl als Abendessen begnügen (nein, so ganz stimmt das nicht, später auf dem Zimmer haben wir noch die Reste unseres Picknicks verzehrt).

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Das Deutsche Museum in München müssen wir schweren Herzens von unserer Wunschliste streichen – für dieses Jahr zumindest. Dafür sehen wir uns am nächsten Tag Regensburg an, und das ist auch ein durchaus lohnendes Ziel, wie wir herausfinden – Bericht folgt.

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