Kann man idyllischer wohnen? Auf der Tauplitzalm stehen sommers wie winters etliche Häuschen zur Vermietung.

Tauplitzalm: Wandern durch Bilderbuch-Österreich

Schroffe Alpengipfel, glasklare Bergseen, idyllische Hütten und ein Meer von Wiesenblumen – die Tauplitzalm ist Österreichs höchstgelegenes Seenplateau und auch im Sommer ein absolut empfehlenswertes Ziel für einen Tagesausflug. Wer seinen Urlaub in Bad Mitterndorf im Salzkammergut verbringt – oder wie wir in Krungl – der sollte sich diesen Abstecher in die Natur auf keinen Fall entgehen lassen.

Die Tauplitzalm ist einerseits Natur pur – und andererseits bestens mit touristischer Infrastruktur versorgt. Sie ist ein ideales Versuchsfeld für erste Wanderungen mit Kind, denn das gesamte Gebiet ist (weitgehend) autofrei, und wenn Hunger, Durst oder einfach das Bedürfnis nach einer Pause zuschlagen, ist die nächste Jausenstation nie weit.

An der Flanke des Großsees kann sich jeder seinen eigenen Wanderweg aussuchen...

An der Flanke des Großsees kann sich jeder seinen eigenen Wanderweg aussuchen…

Die rund zehn Kilometer lange Auffahrt mit dem Auto kostet acht Euro (für ein Auto voller Kurtaxenzahler, ansonsten etwas mehr). Das „Eintrittsgeld“ lohnt sich aber, wie ich noch aus meinen Kindheitstagen weiß. Und so ist es keine Frage, dass wir am erstbesten Tag mit regenfreiem Wetter die Alpenstraße hinaufkurven. Die endet auf einem großen Parkplatz – weiter fahren darf nur, wer eines der idyllischen Ferienhäuschen gemietet hat, die über die bis zu 2000 Meter hoch gelegene Ebene verstreut sind. Auch die Anreise per Lift ist möglich, im winterlichen Skibetrieb sowieso, und auch im Sommer von Ende Juni bis Anfang September (das Familienticket kostet 23 Euro).

Ja ja so blau, blau, blau blüht der Enzian... auf der Tauplitzalm tatsächlich in rauhen Mengen.

Ja ja so blau, blau, blau blüht der Enzian… auf der Tauplitzalm tatsächlich in rauhen Mengen.

Ja ja so blau, blau, blau blüht der Enzian…

Unsere Jungs sind gut zu Fuß, und die Tauplitzalm erfüllt all ihre Voraussetzungen für eine schöne Wanderung. An die Sechs-Seen-Strecke wagen wir uns nicht – für diese sommerliche Hauptattraktion benötigen geübte Wanderer vier Stunden. Ausgestattet mit einer groben Übersichtskarte (mehr ist in diesem gut erschlossenen und räumlich beschränkten Gebiet nicht nötig) und einem Pflanzenbestimmungsbuch machen wir uns auf den Weg, frei nach dem Motto: „Wir gucken mal, wie weit wir kommen.“

Was blüht denn da? Wir üben den Umgang mit dem Bestimmungsbuch.

Was blüht denn da? Wir üben den Umgang mit dem Bestimmungsbuch.

Zunächst einmal ist das nicht sehr weit. Zu viele Überraschungen locken uns vom Wegesrand. Da sind die blauen Blümchen, die zu hunderten links und rechts des Pfades blühen. Wir identifizieren sie als Enzian und schmettern fortan den Heino-Schlager vor uns hin. Auch Berg-Löwenzahn entdecken wir, der ganz anders aussieht als seine Verwandten weiter unten im Tal. Und Glockenblumen, Silberdisteln, wilde Preiselbeeren und viele andere Pflanzen, die wir bestimmen und deren Namen wir gleich wieder vergessen – aber der Umgang mit dem Büchlein macht den Jungs Spaß, und zumindest den Enzian und die Lärchen erkennen sie am Ende des Tages zuverlässig.

Wandern mit Aussicht

Ein kurzes Stück laufen wir die geteerte Straße entlang, dann folgen wir den Schildern Richtung Großsee auf einen schmalen Pfad, der über die herrlichen Almwiesen führt. Es dauert nicht lange, bis wir die erste spiegelglatte Wasseroberfläche sehen. Die Gletscher haben hier oben Pfützen hinterlassen, und zwar welche von der Bildschönen Art. Zwar verlanden diese Feuchtgebiete seit der letzten Eiszeit zunehmend, aber ein paar Jahre wird es wohl noch dauern, bis dieses einzigartige Biotop verschwunden ist.

Durch seine eigentümliche Färbung wirkt der Märchensee wahrlich märchenhaft.

Durch seine eigentümliche Färbung wirkt der Märchensee wahrlich märchenhaft.

Kaum kehren wir dem Großsee an der Schmalseite den Rücken, entdecken unsere Späher auch schon den Märchensee. Mit seiner tiefblauen Färbung macht er seinem Namen alle Ehre. „Wow…“ sagt Janis andächtig, und dann halten ihn keine zehn Pferde mehr: Er muss runter zum Ufer und das magische Wasser berühren.

Vorsicht, freilaufende Kuh!

Über einen kleinen Schlenker kommen wir zurück zum Großsee. Wir wandern an dessen Flanke entlang, und jetzt kommt sogar die Sonne raus. Ideale Bedingungen für ein Picknick! Vorbei am winzigen Tauplitzsee erreichen wir den Ort, an dem sich mehrere Hütten in Sichtweite befinden. Das Witzige: Die Kühe dürfen sich hier überall frei bewegen, die Häuser aber, die unberechenbaren, werden mit Stromzäunen am Weglaufen gehindert. :) Auch wenn sich uns der tiefere Sinn dieser Handlungsweise durchaus erschließt, sorgt sie vor allem bei den Jungs für anhaltende Erheiterung.

Wendepunkt unserer Mini-Almwanderung an der schönen Aussicht auf den Steirersee.

Wendepunkt unserer Mini-Almwanderung an der schönen Aussicht auf den Steirersee.

Einen strammen Fußmarsch später erreichen wir den Aussichtspunkt über den Steirersee, der mit Abstand die größte Wasserfläche auf der Tauplitzalm besitzt. Links und rechts ragen Sturzhahn und Roßkogl in die alpine Höhenluft.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, sagen wir uns und entscheiden uns zur Umkehr. Zurück marschieren wir über ein eindrucksvolles Dolinengebiet. In dem Karstgebirge stürzen immer wieder unterirdische Höhlen ein und hinterlassen trichterartige Löcher. Noch einmal staunen wir über die Artenvielfalt auf den Almwiesen. Und dann war’s das auch schon. Der ganze Nachmittag ist verwandert, wir haben unseren Ausgangspunkt erreicht und fahren, gesättigt mit unzähligen wertvollen Eindrücken, zurück ins Tal.

Die Tauplitzalm ist das höchstgelegene Seenplateau Europas.

Die Tauplitzalm ist das höchstgelegene Seenplateau Europas.

Die Tauplitzalm ist ganzjährig zugänglich und bewirtschaftet. Die Auffahrt zur Alpenstraße befindet sich in Bad Mitterndorf. Das vorherrschende Reizklima soll helfen bei Asthma und anderen Atemwegserkrankungen sowie Allergien.

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Stadtbummel: 8 Stunden in Regensburg

Die erste Station unserer Europareise ist reichlich unexotisch, aber deshalb nicht weniger lohnenswert. Regensburg zählt zu den schönsten Städten Bayerns. Die Unesco hat die Altstadt mit der Steinernen Brücke und der Donau-Insel Stadtamhof als Weltkulturerbe eingestuft, und wie viele, viele andere Besucher sind auch wir ganz angetan von dieser hübschen Stadt im angenehmen Format. Das Protokoll eines netten Tagesausflugs.

 

10 Uhr: Regensburger Dom

Von unserem Parkhaus schlendern wir Richtung Altstadt und stolpern als erstes über den imposanten Dom. Schon um 700 soll hier eine erste Kirche mit Bischofssitz gestanden haben, wodurch Regensburg zu den ältesten Bistümern im deutschen Raum zählt. 1273 begann der Bau der Kathedrale im gotischen Stil, und nach rund 250 Jahren war das Werk dann auch endlich vollbracht. Die Jungs, beide Kunstbanausen vor dem Herrn, stehen ehrfurchtsvoll vorm Hauptportal und bewundern die reichen Verzierungen. „Das muss ganz schön Arbeit gemacht haben“, stellt Janis trocken fest. Innen suchen wir den lachenden Engel, sehen uns in der Bischofsgrablege konservierte Menschenknochen an und fragen uns vergeblich, was es wohl mit dem Brunnen mitten in der Kirche auf sich hat. Wir liebäugeln mit der Führung, die täglich außer sonntags um 10.30 Uhr (und 14 Uhr) beginnt, entscheiden uns dann aber doch dagegen, weil wir uns nicht sicher sind, ob die Jungs heute 75 Minuten Kirchengeschichte aushalten. Stattdessen lassen wir einfach nur die imposanten Säulen und das 32 Meter hohe Kirchenschiff auf uns wirken.

Der Regensburger Dom gehört zu den imposantesten Kirchen Deutschlands. Die Details im Eingangsportal künden von der Pracht im Inneren.

Der Regensburger Dom gehört zu den imposantesten Kirchen Deutschlands. Die Details im Eingangsportal künden von der Pracht im Inneren.

11 Uhr: Chillen an der Donau

Wir erreichen das Ufer der Donau und lassen uns auf eine Bank fallen. Zum ersten Mal seit Tagen ist es sonnig, und wir genießen das Wetter, indem wir faul dem Fluss beim Fließen zusehen. Normalerweise hätten wir von hier auch prima Regensburgs Wahrzeichen im Blick: die Steinerne Brücke. Die aber ist im Moment fast komplett eingerüstet. Macht nichts, die Kinder finden die Bauarbeiten ohnehin interessanter als eine uralte Steinbrücke. Auch sonst gibt es einiges zu Gucken auf dem Wasser. Immerhin ist die Donau nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Immer wieder gleiten Schiffe an uns vorbei. Gerade sind es vor allem kleine Motorboote, aber auch große Flusskreuzfahrer müssen dabei sein, wie uns die zahlreichen Touristengruppen mit entsprechenden Insignien überall in der Stadt vermitteln. Ein Schiff liegt vor Anker, das Silas’ Aufmerksamkeit erregt. „Schifffahrts-Museum“ buchstabiert er sich mit großer Ausdauer zusammen. „Können wir da rein?“ bettelt der 7-Jährige. Martin und ich wiegeln ab. Ein Schifffahrtsmuseum haben wir in Rostock bei Oma und Opa vor der Haustür, dafür müssen wir nicht nach Bayern fahren. Wir versuchen, dem Kulturkind stattdessen das Historische Museum schmackhaft zu machen. Aber der Kleine ist hartnäckig. Er fragt selbstständig an der Kasse nach den Eintrittspreisen und kommt mit stolzgeschwellter Brust zurück. „Es kostet nur sieben Euro für uns alle!“ verkündet er. Martin und ich seufzen. Unsere Kinder mit Macht von einem Museumsbesuch abzuhalten, gehört nicht zu unserem Erziehungskonzept.

Kurios: Das kleine Schifffahrtsmuseum auf der Donau lag selbst zwölf Jahre auf dem Grund derselben.

Kurios: Das kleine Schifffahrtsmuseum auf der Donau lag selbst zwölf Jahre auf dem Grund derselben.

12 Uhr: Schifffahrtsmuseum im Ex-Wrack

Wir bereuen diese Entscheidung nicht, denn in dem kleinen Museum erfahren wir nicht nur etliches über die Eigenheiten der Donau-Schifffahrt, sondern dürfen auch das alte Dampfschiff selbst von oben bis unten erkunden. Als die Ruthof 1923 in Dienst gestellt wird, treibt noch Kohlenfeuerung die zwei Schaufelräder links und rechts des Schiffes an. Der große Schornstein lässt sich abklappen, um unter den Brückenbögen durchzukommen. Im zweiten Weltkrieg lief das Schiff in Ungarn auf eine Mine auf und sank. Zwölf Jahre später wurde es gehoben, aufgemöbelt und fuhr noch etliche Jahre unter ungarischer Flagge. Ein Regensburger Förderverein rettete die Ruthof vor der Verschrottung und richtete in ihrem Rumpf das kleine Museum ein. Modelle und andere Exponate vermitteln die Geschichte der lokalen Schifffahrt – da geht es beispielsweise ums Treideln, und um die Tradition des Flößens. Die Jungs – vor allem der Maschinenbau-Ingenieur unter ihnen – begeistern sich für die alte Technik im Maschinenraum, und auch Mannschaftsquartiere und Kombüse sind durchaus einen Blick wert.

Für die Mama gibt’s Texte und Exponate über die Geschichte der Donau-Schifffahrt, den Papa interessiert mehr die Technik des alten Dampfschiffs. Die Jungs hören sich ergeben die Vorträge beider Eltern an.

Für die Mama gibt’s Texte und Exponate über die Geschichte der Donau-Schifffahrt, den Papa interessiert mehr die Technik des alten Dampfschiffs. Die Jungs hören sich ergeben die Vorträge beider Eltern an.

13 Uhr: Insel-Hopping

Heute erstreckt sich Regensburg auf beiden Seiten des großen Flusses. Ursprünglich war die Stadt, die ihre erste Karriere bereits als Römer-Kastell erlebte, auf die südliche Uferseite beschränkt. Mehrere Inseln erleichterten an dieser Stelle die Überquerung der Donau: die so genannten Wörthen. Auch hier siedelten sich bald Menschen an. Die Steinerne Brücke, seit 1146 begehbar und damit anscheinend die älteste Steinbrücke dieses Kalibers nördlich der Alpen, sorgte für lukrative Handelswege. Auch die anderen Wörthen sind mit Stegen und Brücken untereinander verbunden. Wir mäandern durch die engen Gassen, die fast durchgängig mittelalterlich anmuten, und stellen uns vor, wie es wohl wäre, hier zu wohnen.

In Regensburgs Altstadt lohnt sich immer ein Blick nach oben an den Häuserfassaden empor.

In Regensburgs Altstadt lohnt sich immer ein Blick nach oben an den Häuserfassaden empor.

14 Uhr: Mittagessen in Stadtamhof

Schließlich landen wir in Stadtamhof, der größten Donau-Insel. Bis der Europa-Kanal zur Umgehung der Brückenstrudel gebaut wurde, lag die Siedlung am Nordufer. Die bajuwarischen Herzöge, die mit den bischöflichen Herrschern der Stadt sowie dem erstarkenden Bürgertum im Clinch lagen, gründeten die Stadt neben der Stadt, um Regensburgs hohen Zöllen zu entgehen. Hier errichteten sie ihren eigenen Salzstadel – das „weiße Gold“ war es vor allem, das für den Reichtum der Handelsstadt sorgte. Uns treibt an diesem Tag der Hunger her, denn etwas abseits des allgemeinen Touristengewusels erhoffen wir uns günstigere Mittagskarten. An Gastronomie herrscht in diesem Stadtteil jedenfalls kein Mangel, und auch qualitativ sind wir mit dem von uns erwählten Italiener völlig zufrieden (Tagesgericht Pizza, Pasta oder Salat inklusive kleinem Getränk 7,40 Euro).

Stadtamhof, die künstliche Donauinsel auf der anderen Seite des Flusses, ist zu Fuß über die Steinerne Brücke zu erreichen.

Stadtamhof, die künstliche Donauinsel auf der anderen Seite des Flusses, ist zu Fuß über die Steinerne Brücke zu erreichen.

15 Uhr: Welterbe Steinerne Brücke

Das Wunderbauwerk selbst ist derzeit, wie gesagt, aufgrund von Renovierungsarbeiten blickdicht verhüllt. Wir überqueren die Donau auf einer Behelfsbrücke dicht daneben und begeben uns dann ins Besucherzentrum im alten Salzspeicher, das über die aktuellen Bauarbeiten, aber auch über das gesamte Weltkulturerbe und seine Geschichte informiert. Ein interaktives Modell zeigt die Entwicklung der Stadt im Lauf der Jahrhunderte. Nach der Gründung durch römische Legionen siedelten sich schnell Handwerker und Händler an der verkehrsgünstigen Mündung des kleinen Flusses Regen an. Im Mittelalter verfügte Regensburg bereits über 20.000 Einwohner und war damit eine der größten Städte des Kaiserreichs. Nach der Blütezeit, die bis in die frühe Renaissance dauerte, war es aber auch vorbei mit dem herausragenden Reichtum – für uns heute ein Glücksfall, denn dadurch blieb das spätmittelalterliche Stadtbild erhalten und wurde nur sehr vereinzelt von modernerer Pracht verdrängt. Wir lernen, welche Gefahren die Pfeiler der 14 Brückenbögen für die Schifffahrt mit sich brachten, und wie die findigen Regensburger die erhöhte Fließgeschwindigkeit gleich für sich nutzten, indem sie Mühlräder in der Donau installierten. Und wir erfahren, dass der 13. Brückenbogen als Hinrichtungsstätte für Kindsmörderinnen diente – die wurden in einen Sack gesteckt und kurzerhand versenkt.

Die kostenlose Ausstellung informiert außerdem interaktiv über die insgesamt mehr als 900 anderen Welterbe-Stätten, die die Unesco ausgezeichnet hat – ein durchaus lohnendes Stündchen lässt sich hier verbringen. Weiterer Pluspunkt: kostenlose, saubere Toiletten.

Interaktiv, interessant und dann auch noch kostenlos: Im Welterbe-Besucherzentrum lässt sich ein lohnendes Stündchen verbringen.

Interaktiv, interessant und dann auch noch kostenlos: Im Welterbe-Besucherzentrum lässt sich ein lohnendes Stündchen verbringen.

17 Uhr: Bummel durch die Altstadt

Richtig viel schöne Altstadt finden wir von der Steinernen Brücke kommend rechter Hand. Während sich auf den Donau-Inseln vor allem Handwerker ansiedelten, lässt sich hier der Reichtum der Regensburger Kaufleute erahnen. Im ewigen Zwist zwischen Kirche, Herzögen und Bürgertum erstarkten die Patrizier im ausgehenden Mittelalter so sehr, dass sie die Stadt mit spektakulären Palästen und Wohntürmen pflasterten. Etliche davon sind heute noch zu sehen. Außerdem lohnt sich ein Bummel durch die vielen niedlichen Lädchen, Kneipen und Cafés.

Einer der schönsten Plätze, die wir in Regensburgs Altstadt gefunden haben: Der Innenhof der alten Bischofsresidenz mit dem Gänsepredigt-Brunnen.

Einer der schönsten Plätze, die wir in Regensburgs Altstadt gefunden haben: Der Innenhof der alten Bischofsresidenz mit dem Gänsepredigt-Brunnen.

Fazit: Regensburg ist ein lohnendes Ziel für einen netten Familienausflug. Die vielen engen Gassen und prächtigen Patrizierhäuser mit ihren reichen Details faszinieren auch Kinder und motivieren zum Stadtspaziergang. In acht Stunden haben wir mit Sicherheit nicht alle Sehenswürdigkeiten der Stadt abklappern können, aber wir hatten einen wunderschönen Tag in der Stadt an der Donau.

 

Praktische Hinweise:

Das Parken im Parkhaus kostet am Dachauplatz 1,80 Euro pro Stunde, 11 Euro pro Tag.

Die kostenlose App „Regensburg Offline-Stadtplan“ liefert genau das und funktioniert einwandfrei.

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Der erste Schritt einer langen Reise: Südeuropa beginnt in Bayern

Unsere große Europareise soll uns durch all die fremden Länder im Süden führen. Aber da wir mit dem eigenen Auto unterwegs sind, fangen wir erst einmal recht unexotisch an. Für uns Nordlichter beginnt Südeuropa in Bayern.

Der 4. September ist unser Abfahrtstag. An diesem Datum wollten wir eigentlich zu unserer Transatlantik-Fahrt in See stechen. Auch mit gründlich geänderten Plänen halten wir daran fest. Zu viel ist dann doch noch zu erledigen, wenn man Oma und Opa, ein Haus und viele Freunde für fast ein Jahr hinter sich lässt.

Als wir gegen Mittag das heimatliche Ortsschild im Rückspiegel sehen, fahren wir ins Ungewisse. Was selbst unter den besten Umständen wahr wäre, gilt für uns auf unangenehm direkte Weise: Wir wissen nicht einmal, wo wir an diesem Abend schlafen werden. In der hektischen Umplanungswut, die auf den absurden Besuch in der amerikanischen Botschaft folgte, hatten wir wenig Zeit für Details. Die zwei Couchsurfing-Anfragen in München bleiben unbeantwortet, und als wir uns zwei Tage vorher alternativ nach einer bezahlbaren Bleibe umsehen, merken wir, dass eine solche in der bayrischen Landeshauptstadt auf die Schnelle schwer zu finden ist. Eine vierköpfige Familie zahlt im Hotel locker 180 Euro pro Nacht – absolut jenseits unseres Budgets.

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Stattdessen suchen wir uns einen Tag vor Abfahrt eine günstige Ferienwohnung in einem kleinen Dorf bei Regensburg. Die Bilder sehen nett aus. Eine Telefonnummer gibt es zwar nicht, aber der Vermieter verspricht in seiner Anzeige, die Buchung binnen 24 Stunden zu bestätigen. 138 Euro für zwei Nächte, das klingt okay. Als wir losfahren, sind die 24 Stunden fast um, und mit jedem Kilometer, den wir zurücklegen, ist uns klarer, dass wir für diese Nacht keine Bleibe haben. Was soll’s, denken wir uns. Wir sind in Deutschland. So schlimm kann das nicht sein. Zur Not halten wir einfach ganz altmodisch Ausschau nach „Zimmer frei“-Schildern. Wenn Martin mit seinem Kumpel im Sommer eine Woche mit dem Fahrrad durch die Alpen juchtert, halten die beiden das grundsätzlich so.

Trotzdem verbringe ich die Fahrtzeit auf dem Beifahrersitz damit, dank mobilem Internet nach Übernachtungsmöglichkeiten zu suchen. Das erweist sich als weniger einfach als erhofft. Schon zu Hause haben wir festgestellt, dass die kleinen, günstigen Unterkünfte nicht in den gängigen Verzeichnissen gelistet sind. Über die Seiten der örtlichen Tourist-Informations-Büros finden wir auch die Gasthöfe. Aber als ich mühsam eine nicht an mobile Endgeräte angepasste Webseite nach der anderen öffne, stelle ich fest, dass die allermeisten auch nicht günstiger sind, weil sie keine Familienzimmer anbieten. Zwei Doppelzimmer für schlanke 50 Euro ergeben auch einen Hunderter…

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Da ich meine intensiven Bemühungen auf dem Mini-Display auch in den Kasseler Bergen nicht einstelle, habe ich bald das dringende Bedürfnis, entweder das Notfall-Eimerchen vom Rücksitz zu fordern, oder mit Martin zu tauschen. Ich entscheide mich für letzteres. Der Mann legt weniger Geduld an den Tag. Er ruft einfach mal an bei einem der Landgasthöfe, und fragt nach. Und dann bucht er, obwohl der Preis immer noch genauso happig ist. 30 Euro pro Übernachtung mit Frühstück, die Kinder zahlen 20. Als wir ankommen, mitten im bayrischen Nirgendwo, bekommen wir ein Dreibettzimmer. Silas schläft in der Besucherritze, zahlt dafür nur den halben Kinderpreis. Was soll’s. Hauptsache, wir müssen nicht unter der Brücke schlafen. Als Couchsurfer wären wir mit den Verhältnissen sehr glücklich. Als zahlende Gäste irgendwie nicht so.

Dafür sind wir die einzigen Fremden im ganzen Haus. Aber es gibt kein Internet, und mein Handy hat einfach mal gar keinen Empfang. Ihr lacht vielleicht, wie man so von moderner Technik abhängig sein kann, aber für uns bedeutet das weiteren Planungsstillstand.

Das Dorf ist so winzig, dass wir bei unserem Abendspaziergang ruckzuck in der Feldmark stehen. Dafür ist der Sonnenuntergang fast so idyllisch wie zu Hause. Den unbeabsichtigt teuren Start unserer Reise gleichen wir aus, indem wir Äpfel von den Obstbäumen am Wegesrand pflücken und uns mit diesem kargen Mahl als Abendessen begnügen (nein, so ganz stimmt das nicht, später auf dem Zimmer haben wir noch die Reste unseres Picknicks verzehrt).

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Das Deutsche Museum in München müssen wir schweren Herzens von unserer Wunschliste streichen – für dieses Jahr zumindest. Dafür sehen wir uns am nächsten Tag Regensburg an, und das ist auch ein durchaus lohnendes Ziel, wie wir herausfinden – Bericht folgt.

Das selbstgebastelte Abschiedsgeschenk unserer Freunde macht offenbar eine Model-Karriere...

Sabbatical mit Familie – ein kurzer Baustellen-Wegweiser

Vorab: Wer hier Checklisten und Pack-Anleitungen erwartet, den schicke ich gleich weiter zur Hudson-Family. Die haben ein praktisches Reisehandbuch zum Download erarbeitet mit allem, was man für die Familien-Langzeitreise bedenken muss. Dem habe ich wenig hinzuzufügen. Stattdessen will ich einfach nur anhand unseres Fallbeispiels berichten, wie komplex und wie ausufernd die Planung für ein Jahr Auszeit mit Familie werden kann. Damit die, die das auch durchziehen wollen, wenigstens vorgewarnt sind, und diejenigen eine Ausrede bekommen, die in Wirklichkeit doch lieber in ihrer Comfort-Zone bleiben.

Vom Mut, zu gehen

„Das ist aber eine mutige Entscheidung“, sagen viele, wenn sie von unseren Reiseplänen hören. Sie haben Recht. Wer ernsthaft mit der ganzen Familie lange reisen möchte, braucht Mut. Das alleine reicht aber nicht. Viel Durchhaltevermögen ist ebenfalls nötig, mitunter Haare auf den Zähnen. Und viel, viel Kraft. Manchmal bin ich fix und fertig nach einem Tag voller Planung, voller organisatorischer Rückschläge, voller neuer Hürden, die aus dem Nichts auftauchen, wenn man denkt, jetzt sei endlich alles geregelt. Und wir sind noch nicht einmal losgefahren! Der Nachteil, wenn man erst im gesetzten Alter reist und eben nicht als unabhängiger Mensch Anfang 20, ist ja, dass man eigentlich im gemachten Nest sitzt. Und für eine verantwortungsvolle Mutter und Frau mitten im Leben laufen eine Menge Dinge, aus denen man nicht mal so eben raus kommt.

Die Comfort-Zone des Alltagslebens zu verlassen, kostet Überwindung. Ich war immer jemand, der sein Leben aktiv gestaltet, der Dinge einfach ändert, wenn sie mir nicht passen. Viele jammern ja nur und tun nichts dagegen. Aber ein solches Reiseprojekt ist keinesfalls etwas, das man “einfach mal so macht”. Mein Chef hat mir mal vorgeworfen, ich ginge so gerne mit dem Kopf durch die Wand, ohne zu gucken, ob vielleicht die Tür offen ist. Das habe ich mir zu Herzen genommen, und in der Tat öffnen sich etliche Türen, wenn man höflich anklopft. Manche aber auch nicht, und es gibt Mauern, da sind einfach keine Durchlässe vorgesehen. Wer die ausgetretenen Pfade, wer die geregelten Lebenswege verlässt, der muss sich seiner Sache schon sehr sicher sein. Und wer auf Dauer keine Kopfschmerzen will, sollte genügend Zeit einplanen, um immer wieder Leitern bauen zu können, um, wenn nicht durch die Wand, dann wenigstens oben drüber zu gelangen. Vor allem, wenn Kinder im Spiel sind, wenn nicht nur die Verantwortung für den eigenen Lebensentwurf auf den Schultern lastet.

Die Job-Frage

Darf man einen sicheren Job kündigen, um die nötige Reisefreiheit zu erlangen? Martin, der Diplom-Ingenieur ist und ganz ordentlich verdiente, hat es gemacht. Ob das eine gute Idee war, können wir jetzt noch nicht sagen. Nötig war es jedenfalls. Leider. Natürlich sollte man sich vor einem solchen Schritt erkundigen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, eine längere Auszeit zu organisieren. In vielen Firmen sind ja mittlerweile Lebensarbeitszeitkonten, befristete Freistellungen und unbezahlte Auszeiten gängige Instrumente. Als wir mit unseren Planungen begannen, sah es auch bei uns noch so aus, als könnte Martin zumindest mit einer Wiedereinstellungsgarantie gehen. Dann übernahm ein amerikanischer Konzern die Führung, 120 Leute mussten gehen, und auch wenn Martin normalerweise nicht darunter gewesen wäre, wurde ihm natürlich keine Extrawurst gebraten. Überhaupt haben sich viele Baustellen, die erst nicht weiter herausfordernd wirkten, später doch als tückisch entpuppt. An jeder Entscheidung hängen viele Konsequenzen.

Meine berufliche Situation war vergleichsweise unproblematisch. Als freie Journalistin ist unser Reisejahr mehr Chance als Problem. Meine diversen anderen freiberuflichen Tätigkeiten sind an keine Kündigungsfristen oder sonstigen Verpflichtungen gebunden. Was im Normalfall schlecht ist, weil keinerlei soziale Sicherheiten bestehen, ist in diesem Zusammenhang einmal gut. Meinem Schulleiter habe ich mitgeteilt, dass ich im kommenden Schuljahr nicht als Dozentin zur Verfügung stehe, und auch im Museum und in der Redaktion musste ich bloß Bescheid sagen, dass sie mir bis zu den Sommerferien keine Aufträge mehr geben brauchen. Ob ich in all die Jobs problemlos wieder rein komme, wird sich zeigen. Hinge meine Seligkeit davon ab, wäre ich nicht gegangen.

Wer eine Langzeitreise plant, sollte jedenfalls von vornherein bereit sein, auch den worst case in Kauf zu nehmen. Schon im Planungsstadium läuft so vieles schief und anders, als man es wollte. Flexibel bleiben, zu Abstrichen bereit sein. Sonst kommt man nicht vom Hof.

Auf Land und Leute vorbereiten

Wer vollkommen unbedarft durch fremde Länder wandelt, dem bleiben viele Erkenntnisse verborgen. Ich bin gerne gut vorbereitet. Zwei Jahre lang habe ich mich der US-Geschichte und der nordamerikanischen Geografie gewidmet, mich durch das Lesen von Romanen, Sachbüchern und sechs umfangreichen Reiseführern mit diesem Kontinent bekannt gemacht. Ich kenne die aktuellen Themen der US-Politik, und ich weiß über das merkwürdige Selbst- und Rechtsverständnis dieser Menschen Bescheid (warum ich dann trotzdem noch hin wollte? – Na ja, ich bin immer bereit, meine Vorurteile zu revidieren und selbst nachzusehen, wie die Dinge wirklich sind, wenn ich denn die Chance dazu bekomme…).

Innerhalb von sechs Wochen hieß es dann umplanen: Wir fahren doch nach Europa. Durch eine zweistellige Anzahl an Ländern, wenn alles klappt. Durch solche wie Slowenien und Montenegro, von denen ich zwar ungefähr weiß, wo ich sie auf der Landkarte markieren müsste, aber über Geschichte, Mentalität und Eigenheiten absolut nicht Bescheid weiß. Rumänien, Serbien – das sind für mich nichts anderes als Sammelbegriffe für Vorurteile, eine Kollektion düsterer Bilder und Klischees. Hastig lesen wir anderer Leute Blogbeiträge, hören Podcasts, sehen uns bei youtube Dokumentationen an. Es bleibt ein Sprung ins kalte Wasser. Wir werden sehen, wie es läuft.

„Wie könnt ihr euch das leisten?“

Das ist nach „Und wie macht ihr das mit der Schule?“ die am zweithäufigsten gestellte Frage. Das Finanzielle ist bei Langzeit-Reiseabenteuern natürlich der springende Punkt.

Wir werden von unseren Ersparnissen leben. Die anzuhäufen war ein Akt der Selbstdisziplin. “Reich werden fängt damit an, kein Geld auszugeben”, sagt mein Vater immer. Martin ist ein echter Sparfuchs, der meistens mehr als drei Alternativen durchrechnet, bevor er eine Entscheidung trifft, und der jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, damit wir uns den Zweitwagen sparen können. Das allein ist schon mal die halbe Miete – die wir übrigens auch nicht zahlen müssen, da wir bequemerweise ein schuldenfreies Haus geerbt haben. Wir befinden uns also in einer sehr luxuriösen Ausgangslage, die wir durchaus zu schätzen wissen.

Dazu kommt eiserner Sparwille, von den Klamotten, die ich prinzipiell second hand oder wenigstens im Sonderangebot kaufe, bis hin zum Deko-Schnickschnack, den ich mir verkneife. Im Reise-Magazin KidsAway haben verschiedene Reise-Familien mal zusammengetragen, wo man überall Geld einsparen kann, das man dann für Reisen wieder raushaut. Klingt so zusammengefasst ziemlich hardcore, aber tatsächlich haben wir das meiste davon jahrelang umgesetzt.

Der Zeitrahmen

Der Traum einer Langzeitreise formte sich bei uns mit der Zeit. Durchs Couchsurfing lernten wir eine ganze Handvoll Familien kennen, die länger gereist sind. Sie alle hatten auffällig tolle, aufgeschlossene, kluge Kinder. Der Erfolg gab ihnen Recht, und alle sagten sie, es sei die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen, gemeinsam auf Reisen zu gehen. Das wollten wir auch. Nach unserer Irland-Reise 2010 und dem Besuch bei der Weltreisefamilie Blanke beschlossen wir, die Sache ernsthaft in Angriff zu nehmen. Als gute Deutsche gingen wir natürlich sehr verkopft an die Angelegenheit heran. Man riet uns, die Sache gleich durchzuziehen, bevor Janis im Sommer eingeschult und damit aktenkundig würde. Aber wir entschieden uns dagegen. Wir wollten nichts übers Knie brechen, und vor allem wollten wir, dass die Jungs alt genug wären, um sich an alles zu erinnern. Nach etlichen Planänderungen legten wir schließlich das Jahr 2014/15 als idealen Zeitpunkt fest. Es ist Silas’ zweites Schuljahr, die Grundlagen sind gelegt, er ist an regelmäßiges konzentriertes Arbeiten gewöhnt, das auch unterwegs funktionieren wird. Janis ist in der fünften Klasse, verpasst als Waldorfschüler aber keinen übermäßig wichtigen Umbruch zwischen Unter- und Mittelstufe.

Seit zwei Jahren sitzen wir jetzt an der konkreten Planung. Es ist sicher sinnvoll, sich früh genug Gedanken zu machen, um die Schul-Auszeit und vor allem den finanziellen Sparplan rechtzeitig im Blick zu haben. Auch an vieles anderes muss man denken, Dinge wie Auslandskrankenversicherung, Steuererklärungen, mobile Telefonverträge und so weiter, und so fort. Für die Routenplanung und Unterkunftssuche reichen aber auch ein paar Wochen. Hoffe ich. :)

Zur Not: Plan B

Reisen mit Kindern erfordern sowieso immer einen Plan B, der bei Bedarf flexibel aus dem Hut gezaubert wird. Da kann es immer mal sein, dass ein paar Windpocken den Aufenthalt in der Bretagne verlängern oder ein Infekt den Abstecher an Estlands Nordküste verhindert. Auch wer mit einer Einreise in die USA liebäugelt, muss mit irrationalen Paranoia seitens der Visumbehörde rechnen und im Zweifelsfall, als persona non grata deklariert, jahrelange Planungen über den Haufen werfen. Flexibel bleiben, sich auf gar nichts versteifen, kristallisiert sich also bereits in der Planungsphase als Schlüsselqualifikation fürs Reisen heraus.

Und ganz, ganz wichtig ist uns auch, dass wir das Experiment bei Bedarf jederzeit abbrechen können. Gerade jetzt, wo wir in Europa bleiben, sind wir im worst case nach zwei Fahrtagen wieder in der Heimat. Unser Zuhause wartet auf uns, wir können jederzeit zurück. Ja, wir sind die Warmduscher unter den Langzeitreisenden. Aber wir mögen das so.

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Unsere Bucket-List für ein Jahr Auszeit

Jeder Reiseblogger, der etwas auf sich hält, führt eine Bucket-List. Was das ist? Früher nannte man das Wunschzettel. Für unsere große Reise habe ich jetzt auch mal einen entworfen.

 

–         Der Herzenswunsch der Jungs ist offenbar der Besuch eines Vergnügungsparks. Das ist so ziemlich das letzte, was mir persönlich einfallen würde, aber wenn’s denn sein muss…

–         Silas möchte nach Rom (Warum? Weil da Bud Spencer wohnt, natürlich! Wieso sollte man sonst nach Rom wollen?) Mal sehen, ob wir da vorbei kommen. Eigentlich liebäugeln wir ja mit einer anderen Route.

–         Janis möchte gerne im Meer baden. Ich bin gespannt, ob das dieses Jahr noch was wird, oder ob wir bis nächsten Frühling warten müssen.

–         Martin möchte in die Karpaten, überhaupt will er ständig in die Berge. Na gut.

–         Ich möchte eine ganze Menge…

  • Das Deutsche Museum noch mal ordentlich besichtigen (beim letzten Mal war ich nämlich 15 und hab meinen geistesverwirrten Blick viel lieber auf die bayrischen Jungs als auf die Exponate gerichtet).
  • Mich durch die Gassen von Salzburg drängeln und den Jungs zeigen, wo Mozart geboren ist.
  • Den Ort meiner Kindheitsurlaube in Krungl, Österreich wieder sehen.
  • Sachertorte in Wiener Kaffeehäusern essen.
  • Über den See von Bled zur Heiligen Insel fahren.
  • Am Ufer einer unverschämt türkisblauen Adria seufzen vor Glück.
  • In Triest in Gedenken an meinen Geschichtslehrer anstoßen, der über diese Stadt regelmäßig in Begeisterung ausbrach (über die Krim übrigens auch, aber die lassen wir schweren Herzens aus).
  • Unsere allerersten Couchsurfer wieder treffen, die jetzt in Budapest wohnen.
  • Bei der Gelegenheit auch über die Kettenbrücke spazieren und den ungarischen Jugendstil mit dem in Riga vergleichen.
  • Nachfragen, ob die Schlafanzughose gefunden wurde, die mein Vater 1976 in einer kleinen Pension in Ungarn liegen lassen hat.
  • Pferdegespanne in Rumänien überholen.
  • Im Biosphärenreservat Donaudelta eine Bootsfahrt unternehmen.
  • Die Siebenbürger Sachsen besuchen, und vielleicht auch das Schloss von Draculas Opa in Transsilvanien.
  • Eine halbe Stunde lang faul am Strand des Schwarzen Meeres herumhängen.
  • Griechische Ruinen vergleichen – in Rumänien, Bulgarien, der Türkei und im Mutterland.
  • Den Protzpalast in Bukarest angucken.
  • Mir ansehen, wo vor 100 Jahren der schicksalsträchtige Schuss fiel, der ganz Europa so überaus nachhaltig ins Chaos stürzte.
  • Auf der Brücke von Mostar herausfinden, ob der neue Brückenschlag nicht nur architektonisch, sondern auch gefühlsmäßig gelungen ist.
  • Meinen Kindheitserinnerungen neue Erfahrungen entgegenstellen, denn ich weiß noch gut, wie ich als kleines Mädchen entsetzt vorm Radio saß und mir erklären ließ, was ethnische Säuberungen sind.
  • Das Gerücht der ausgesprochenen Gastfreundschaft der Serben auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen.
  • Auf der verkehrstotenträchtigen Magistrale nicht in eine leitplankenlose Schlucht stürzen.
  • Nachsehen, ob die Bucht von Kotor wirklich so atemberaubend schön ist.
  • Auf Einheimische hören, ob wir durchs Kosovo fahren sollten oder lieber nicht.
  • Herausfinden, ob Bulgarien wirklich so viel mehr wunderschöne Ecken zu bieten hat als die „Perlen am Schwarzen Meer“.
  • Ein orthodoxes Weihnachtsfest mitfeiern.
  • Nachschauen, wie viel Byzanz noch unter Konstantinopel und dem modernen Istanbul zu finden ist.
  • Nach Asien übersetzen. Wenigstens einmal kurz.
  • Die Wiege der Demokratie besichtigen.
  • Der aktuellen Stimmung im Wirtschaftskrisenherd nachspüren und herausfinden, wie es Familien in Griechenland geht.
  • Überprüfen, ob beim „echten Griechen“ genauso viel Fleisch serviert wird wie in Deutschland.
  • Gucken, wie spartanisch es heutzutage in Sparta zugeht.
  • Uns den Olymp von unten angucken und zu Zeus und Konsorten hinaufwinken (ihn besuchen geht nämlich nur im Sommer).
  • Herausfinden, ob der Süden Italiens wirklich so ganz anders tickt als der Norden.
  • Dem Ätna einen respektvollen Besuch abstatten.
  • Die Erkenntnisse von Asterix und Obelix bezüglich der korsischen Befindlichkeiten überprüfen.
  • Französisch in freier Wildbahn hören – und (besser) sprechen lernen.
  • Das kleine Land besuchen, dessen begehrte ANDORRA-Papiertüte ich auf der EXPO2000 damals nicht ergattert habe.
  • In Barcelona Gaudís architektonische Spuren entdecken.
  • Andalusien erkunden, das mir immer als magischer Landstrich erschien, von dem ich dachte, niemals dort hinzukommen (so als Nicht-Flieger und Backofenhitze-Verabscheuer).
  • Mich doch noch kurz in mein Lieblingsurlaubsland mogeln, obwohl ein Gibraltar-Ausflug bei den Kindern wohl „für die Affen“ sein wird.
  • In Lissabon davon ausgehen, dass die Hängebrücke über den Tejo und Straßenbahnen nicht nur an San Francisco erinnern, sondern bestimmt viel schöner sind!
  • Mich langsam wieder auf zu Hause freuen (was mir auf kürzeren Reisen nie so recht gelungen ist).
  • Unseren unverhofften krönenden Kreuzfahrt-Abschluss würdig genießen und mich nicht allzu sehr an dekadenten Luxus gewöhnen.
  • Den ältesten Steinkreis der Welt auf den Orkneys besichtigen.
  • Bei unseren drei Kurz-Stopps wenigstens ansatzweise ein Gefühl für Island entwickeln.
  • Vor Glück völlig aus dem Häuschen von Felsen zu Felsen hüpfen, weil ich nie damit gerechnet hätte, dem Nordpol in diesem Leben so nahe zu kommen wie in Spitzbergen (und mich gleichzeitig fragen, warum Kreuzfahrtschiffe hier oben im fragilen Ökosystem rumschippern müssen).
  • Allen ergriffenen Nordkapp-Touristen im Geiste eine lange Nase drehen, weil ich aus dem Norden anreise.
  • Die kleinen Städte im Norden Norwegens mit 2500 anderen Kreuzfahrtpassagieren teilen und irgendwie trotzdem schöne Ecken finden.
  • Die atemberaubend schönen Lofoten betreten, die mich auf den Fotos von Gabi Reichert immer so beeindrucken.
  • Auf dem Rückweg die Weltumsegler-Familie Müller/Wnuk besuchen und uns nicht anstecken lassen, unsere Tour auch auf 14 Jahre auszudehnen.

Ob wir das hinbekommen? Bestimmt nicht alles. Wir werden sehen.

Die geplante Route unserer Europa-Reise

Unsere Routenplanung lässt sich an unserer Bucket-List ja schon ablesen. Sie ist bisher nur sehr rudimentär ausgearbeitet und wird bestimmt noch mindestens fünf Mal geändert. Unser Ziel ist, wenigstens zwei, drei Wochen im Voraus zu wissen, wo genau wir sein werden.

Über Österreich und Slowenien fahren wir erst einmal nach Istrien im Norden Kroatiens (das war erst anders geplant, aber wenn wir schon mal für eine Woche zum Luxus-Camping eingeladen werden, sagen wir natürlich nicht nein ;) ). Dann geht es über Ungarn nach Rumänien – ein Land, über das wir so gut wie nichts wussten, das aber unheimlich spannend zu sein scheint. Dann müssen wir sehen, wie wir Serbien und Bosnien-Herzigowina noch abfrühstücken, außerdem mehr von Kroatien und Montenegro zu Gesicht kriegen, denn auf der anderen Seite wollen wir auch unbedingt noch nach Bulgarien und dann weiter in die Türkei. Da unsere Autoversicherung nur bis zum Bosperus gilt, ist der wohl unser östliches Limit (obwohl ich mir wahnsinnig gerne auch noch Troja und Bursa ansehen würde – mal sehen, ob wir nicht doch noch in ein Upgrade investieren). Wieder zurück geht es dann gründlich durch Griechenland. Der Plan ist, von dort aus mit der Fähre nach Süditalien überzusetzen. Dann möchten wir gerne über Sardinien und Korsika weiter nach Südfrankreich. Im nächsten Frühjahr jedenfalls wollen wir in Spanien sein, durch Andalusien und über Gibraltar bis nach Portugal fahren. Dann geht es zurück nach Hause, aber nur kurz (es sei denn, uns verlässt früher die Reiselust). In den Sommerferien folgt noch der krönende Abschluss: unsere umgebuchte Transatlantik-Fahrt, die uns stattdessen jetzt auf die Orkney-Inseln, nach Island und bis nach Spitzbergen (!!) bringt. Mit einem Abstecher nach Norwegen trudeln wir dann endgültig wieder zu Hause ein.

Zum Thema Kooperationen und Unabhängigkeit

Zeitliche Verpflichtungen haben wir bisher wenige. Wir wollen ganz sachte beginnen, und außerdem müssen wir erst herausfinden, wie problemlos sich der Schulalltag in unsere Reisepläne integrieren lässt.

Wie die meisten Reiseblogger mit professionellem Anspruch, sind wir für Kooperationen offen. Das bedeutet, dass wir gerne einmal einen Umweg machen (und uns dann natürlich auch zeitlich festlegen), um in Zusammenarbeit mit dem Tourismus-Marketing oder auch mit Hoteliers oder anderen Anbietern direkt Urlaubsregionen und Unterkünfte vorzustellen (für die Profis gibt es dazu mehr im Menüpunkt „PR“). Natürlich gehen bei solchen Aussagen bei vielen Lesern sofort die Alarmglocken an: Heißt das, dass bei family4travel in Zukunft „alles gekauft“ sein wird? Nein. „Erkauft“ ist damit unsere Aufmerksamkeit, sozusagen Sendezeit im Blog, nicht unsere Meinung. Über die Unterkünfte und Regionen, die wir uns selbst aussuchen und voll bezahlen (und das sind mit Abstand die meisten), berichten wir genauso, nur wahrscheinlich weniger ausführlich. (Ein paar schöne Gedanken über Idealismus und Pragmatismus gibt es zu diesem Thema aktuell in der Reisemeisterei.) Und: Wir freuen uns auch über ganz private Einladungen zum Couchsurfing! :)

Übrigens: Wer uns als erster sagen kann, welche Stadt die uralte Straßenkarte im Artikelbild zeigt, bekommt eine Postkarte von dort! :)

Gastronomie: Berlin von seiner Schokoladenseite

Wir sind sehr sparsame Reisende. Wir couchsurfen oder übernachten in Hostels, wir kochen selbst und machen einen Bogen um teure Attraktionen und Shopping Malls. Aber wir alle vier haben eine gemeinsame Schwäche: Schokolade. Und wir lieben Café-Besuche. Ab und zu muss man sich doch auch mal etwas gönnen können. Berlin ist in dieser Hinsicht keine Enttäuschung. Zwei Tage waren wir dort, zwei großartige Orte ganz im Zeichen der süßen Sünde haben wir gefunden.

Schokolade im Quadrat

Selige eineinhalb Stunden verbringen wir in der „Bunten Schokowelt“, dem Merchandising-Projekt der Firma Ritter Sport. Es regnet, und wir brauchen eine Pause von unserer Sightseeing-Schnitzeljagd. Ganz in der Nähe des Gendarmenmarkts stoßen wir auf den Laden, dessen Markenzeichen das Quadrat ist. Im ersten Moment bekommen wir einen Schreck: Die Leute, augen- und ohrenscheinlich alle Touristen, stehen bis auf die Straße! Dann bemerken wir, dass sie nur für die Eigenkreationen anstehen. Für einen stattlichen Preis stellt das Personal hinter der Theke eine Tafel ganz nach Kundenwunsch zusammen. Die Auswahl reicht von getrockneten Erdbeerstückchen bis Chiliflocken, von karamellisierten Kokosraspeln bis Mini-Marshmallows, wild kombinierbar.

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Ob riesig oder als Mini-Minitafel – Hauptsache quadratisch, praktisch, gut.

Wir lassen diese Attraktion links liegen und entkommen der Hektik, indem wir die Rolltreppe in den ersten Stock nehmen. Hier befindet sich das Schokocafé. Das ist ebenfalls ganz im Zeichen des Quadrats eingerichtet, recht leger, aber nicht ungemütlich. Natürlich haben auch die Tortenstücke, die Martin und ich bestellen, eine viereckige Form. Sie sehen klein aus, aber sie haben es in sich, sowohl was den Kaloriengehalt als auch das Geschmackserlebnis angeht. Die Jungs entscheiden sich für Arme Ritter. Auf die müssen sie eine ganze Weile warten, aber wie sich zeigt, lohnt sich das durchaus. Die einfache Mahlzeit ist hier gepimpt mit Smarties, Gummibärchen, Kirsch- und Schokosoße sowie einer – natürlich quadratischen – Portion Vanilleeis. „Das sollen Arme Ritter sein?“ fragt Silas überwältigt. „Wohl eher reiche Barone mit mehreren Landgütern!“

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Silas ist völlig geflasht von seinen “reichen Baronen mit mehreren Landgütern”.

Nach dem Essen begeben wir uns auf den „Schokopfad“, der uns die Produktion von Schokolade vermitteln will. Die kleine kostenlose Ausstellung ist nett gemacht und überraschend informativ. Wir erfahren, wo und unter welchen Bedingungen Kakaoschoten wachsen – direkt am Stamm und an den dickeren Ästen des Kakaobaums nämlich.

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So sehen also Kakaobäume aus.

Wir verfolgen den Weg der freigelegten Bohnen durch die Schokoladenfabrik im schwäbischen Waldenbuch, und wir lernen, dass in eine gute, traditionelle Vollmilchschokolade nur vier Zutaten gehören: Kakaobohnen, Kakaobutter, Zucker und Milchpulver. Endlich lichtet sich für mich auch das Mysterium, was die bekannte Süßigkeit bitte schön mit sportlicher Betätigung zu tun hat. Der Legende nach war es Clara Ritter, gemeinsam mit ihrem Mann Alfred Gründerin des Unternehmens, die 1932 auf die Idee kam, quadratische Tafeln herzustellen. „Machen wir doch eine Schokolade, die in jede Sportjacketttasche passt, ohne dass sie bricht, und das gleiche Gewicht hat wie die normale Langtafel“, wird sie zitiert. So konnten die Herren ihren Proviant schadlos und unauffällig zum Sportplatz transportieren, um ihn während des Fußballspiels auf den Zuschauerrängen zu vernaschen.

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Der vereinfachte Rundgang durch die Schokoladenfabrik verdeutlicht uns den Produktionsablauf.

Natürlich sind auch unsere Taschen quadratisch gefüllt, als wir den Laden verlassen. Wer gehen will, muss den Verkaufsbereich im Erdgeschoss durchqueren, und der ist einfach zu verführerisch. Das Konzept ist durchdacht, und es geht auf. Wir sind zu echten Fans des Vierecks geworden.

Die „Bunte Schokowelt“ ist in der Französischen Straße 24 zu finden und hat täglich von 10 bis mindestens 18 Uhr geöffnet.

Schokoladige Eleganz

Am folgenden Tag entschließen wir uns zu einem kulinarischen Vergnügen der kultivierteren Art. Wenn der Herr seine Frau schon einmal in die Hauptstadt ausführt, verklickere ich Martin, dann will die ihren obligatorischen Cappuccino auch mal in einer hübschen Umgebung trinken. Dass wir vor dem eher unscheinbaren Eingang eines eben solchen Etablissements stehen, merken wir eher zufällig, als die Jungs in der Nähe des Gendarmenmarkts nach einer Trinkpause verlangen. Während sie die Wasserflasche ansetzen, betrachte ich die Karte des Cafés im ersten Stock des klassizistischen Sandsteingebäudes. „Fassbender und Rausch“, steht da. Nie gehört, ehrlich gesagt. „Schokoladen-Café und -Restaurant“. Das klingt ja mal gut! Ich werfe einen kritischen Blick auf die rechte Hälfte der Speisekarte, dann werfe ich einen ebenso kritischen Blick auf die Jungs. „Seid ihr in der Lage, euch in einem feinen Café eine Stunde lang richtig gut zu benehmen?“ frage ich sie. „Was gibt es denn da?“ fragt Silas zurück. „Lohnt es sich denn?“, bringt Janis die Grundhaltung kindlicher Opportunisten schamlos auf den Punkt. Belustigt deute ich auf die Abbildungen der kunstvollen Törtchen. Sofort nehmen die beiden Haltung an. „Wir können uns benehmen, Mama!“, verkünden sie artig. „Das kriegen wir wohl hin!“

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Eine göttlicher als die andere!

Der Hauseingang entpuppt sich als Fahrstuhl, mit dem wir direkt ins Café fahren. Ein Kellner steht sofort bereit und stellt uns verschiedene Vierertische zur Auswahl. Die Jungs wollen gern nach hinten zu den Ledersofas, die sie sofort zur Lümmelecke umfunktionieren würden. Stattdessen entscheiden wir uns für einen Tisch in der Mitte mit hervorragender Aussicht: rechts durch die Fensterfront auf den Deutschen Dom, links durch die Glastheke auf die schockierend verführerischen Törtchen. Die Auswahl ist eine echte Aufgabe. Ich schwanke lange zwischen der kleinen Mousse-au-chocolat-Kuppel, mit Blattgold verziert, und dem Schokoladentörtchen mit der Edelbitter-Ganache. Silas wählt das verschwenderisch in Marzipan eingehüllte Rundstück, Martin beweist sich seine Männlichkeit mit einem exquisiten Herrentörtchen, und Janis entscheidet sich für die eher gegenständlich gestaltete Hommage an die Fußballweltmeister. Auch die Getränkekarte ist schokoladenlastig und lässt keine Wünsche offen. Und alles schmeckt himmlisch, einfach nur himmlisch! Ein weiterer großer Pluspunkt bei Fassbender & Rausch: Der Service ist erstklassig! Kaum sehe ich suchend von meinem Smartphone auf, tritt schon ein Kellner mit dem WLan-Code in der Hand auf mich zu. Der junge Mann beantwortet auch Silas’ Fragen zur Herstellung der Backwaren eingehend. Ja, die Handwerkskunst, die hier auf den Tisch kommt, ist schon recht kostenintensiv (unsere „kleinen“ Törtchen kosten 3,95 Euro, die der „Premium“-Kategorie 5,90 Euro). Aber bei so aufmerksamem Personal, das seinen Job ganz offenbar nicht nur gelernt hat, sondern echte Freude bei der Ausübung empfindet, macht es mir richtig Spaß, zahlender Gast zu sein.

Bei Gegenlicht streikt die Handykamera bedauerlicherweise, aber bei diesem Kunstwerk sah ich darin keinen Grund, das Foto nicht zu machen. ;)

Bei Gegenlicht streikt die Handykamera bedauerlicherweise, aber bei diesem Kunstwerk sah ich darin keinen Grund, das Foto nicht zu machen. ;)

Der Flyer neben der Speisekarte hat uns verraten, dass das Schokoladen-Café in Wirklichkeit nur ein Nebenprodukt des „größten Schokoladenhauses der Welt“ ist. Wie auch immer wir es geschafft haben, blind an den Schaufenstern im Erdgeschoss vorbei zu gehen – da unten befindet sich die Pralinentheke mit der größten Vielfalt überhaupt. Ob diese Behauptung der Wahrheit entspricht, kann ich nicht sagen, aber dass die Auswahl umwerfend ist, bestätige ich gern. Auch kunstvolle Hohlkörper aus der süßen Masse stehen hier zum Verkauf, Geschenkideen für jede Gelegenheit, jede Berufsgruppe, jedes Hobby. Besondere Hingucker sind Berlins Sehenswürdigkeiten in Schokolade. Übermannshoch erhebt sich der Fernsehturm in einer Ecke, am Fenster ragen das Brandenburger Tor und der Reichstag auf. Über unseren Köpfen schwebt in Gedenken an die Berliner Luftbrücke ein metergroßer Schokoladenbomber. Wir sind heilfroh, dass wir bis zu den Ohren angefüllt sind mit schokoladenhaltigen Produkten, denn ansonsten würden wir hier wohl leicht ein Vermögen investieren.

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Das nächste Mal nehme ich doch wieder die große Kamera mit…

„Fassbender & Rausch, Chocolatiers am Gendarmenmarkt“ sind in der Charlottenstraße 60 in Berlin zu finden. Das Schokoladen-Café ist täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Das Schokoladenhaus ebenso, allerdings öffnet es montags bis samstags bereits eine Stunde früher.

Mehr Berlin:
Sightseeing mit Spaßfaktor
Die Museumsinsel
Family4travel auf “Geschäftsreise” auf der ITB

Mehr außergewöhnliche Cafés:
Marzipan und mehr in Lübeck
Frühstücken im Spielzeugladen
Das Küchen-Café in Koguva, Estland

Mehr Schokolade:
Stippvisite bei den Pralinenmachern in Antwerpen
Die göttliche Chocolaterie in Kaunas, Litauen

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Wattwanderung: Als wir über den Meeresboden spazierten

Wer an der Nordsee ist, der muss ins Watt. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz, denn das Wattenmeer ist ein weltweit einzigartiges Naturphänomen. Ein Rundgang mit einem kundigen Führer ist spannend, unterhaltsam und unvergleichlich lehrreich.

Bei unserer allerersten Begegnung mit der Nordseeküste auf Sylt halten wir es nur für ein paar Minuten im Watt aus. Silas ist noch so klein, dass schon der Weg vom Parkplatz zur Deichkrone eine Herausforderung ist, Janis schwappt bereits bei den ersten Schritten Meerwasser in die Gummistiefel. Es ist Anfang März und schweinekalt. Gut fünf Jahre später haben wir wieder die Gelegenheit, und diesmal nehmen wir sie gründlich wahr. In unserem traumhaften Kurzurlaub auf Föhr schließen wir uns der großen naturkundlichen Wattwanderung mit Heinz Jürgen Fischer an.

Unsere Ausbeute: Austernschalen und Gehäuse der Wellhornschnecke, versehen mit Spuren weiterer Wattbewohner.

Unsere Ausbeute: Austernschalen und Gehäuse der Wellhornschnecke, versehen mit Spuren weiterer Wattbewohner.

Wanderung mit eine Föhringer Unikat

Im Hoftel, unserem wunderschönen Familienhotel, haben wir von dem Termin erfahren. Da die Wanderungen sich nach Ebbe und Flut richten, ändern sich die Aufbruchszeiten täglich. Wer mit will, muss dann einfach rechtzeitig auf dem Parkplatz in Dunsum bereitstehen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Diese Teilnahmebedingung meistern wir und treffen eine Viertelstunde vor angekündigtem Abmarsch auf eine bunt zusammengewürfelte Truppe anderer Touristen, insgesamt mehr als 30 Leute. Scheu betreiben wir Smalltalk, vergleichen unser Schuhwerk und beratschlagen, ob unsere Stiefelhöhen wohl ausreichend sind. Fischer fährt pünktlich vor in seinem alten Kombi und sieht genauso aus, wie man sich einen kundigen Wattführer vorstellt: kurze Hosen, braungebrannt, ein wettergegerbtes Gesicht unter schlohweißen Haaren und Schirmmütze. Er legt friesische Ruppigkeit an den Tag, die niemals böse gemeint ist, aber keinen Widerspruch duldet. „Mit den Schuhen kannst du das vergessen“, bügelt er gleich zu Anfang eine Urlauberin in halbhohen Gummistiefeln ab. „Ins Watt geht man sowieso barfuß.“ Es ist ein kühler Frühsommertag, keine 20 Grad Lufttemperatur. Ich habe ganz bestimmt nicht die Absicht, mit nackten Füßen kilometerweit über den freigelegten Meeresboden zu laufen. Aber genau das werde ich tun, verkündet Fischer. Er hat Recht damit. Und: Ich werde es lieben!

Unter erschwerten Bedingungen ins Watt

Ein gemeinsamer Blick über den Deich ergibt, dass wir noch etwas warten müssen. Mit einer Grabgabel zeichnet der erfahrene Wattführer Erde, Sonne und Mond in den Parkplatzsand, erklärt, wo das Wasser herkommt, wo es hingeht, und wieso. Die Windverhältnisse sorgen heute dafür, dass das Wasser noch nicht genügend abgelaufen ist. Für mich sieht es so aus, als habe die Flut gerade ihren Höchststand erreicht: Das Wasser steht bis zum Packwerk. So ähnlich ist es auch, erklärt uns unser Führer. Wattwanderer laufen grundsätzlich der Flut hinterher, um rechtzeitig wieder an Land zu kommen. Und heute ist eben besonders viel Wasser da. Mit Gummistiefeln ist da wirklich nichts zu wollen. Kritisch mustert er Silas, der mit seinen sieben Jahren mit Abstand der Kleinste ist. „Wenn euch irgendwo das Wasser höher als bis zum Bauchnabel steht, kehrt ihr um!“ sagt er unmissverständlich. Höher als bis zum Bauchnabel? Ich dachte, wir würden über trockenen Meeresboden wandern; ich dachte, das sei der Witz an der Sache.

Den ersten Teil der Strecke haben wir den Eindruck, Baden zu gehen.

Den ersten Teil der Strecke haben wir den Eindruck, Baden zu gehen.

Aber als wir die rudimentäre Betontreppe über das Packwerk hinuntersteigen, habe ich eher den Eindruck einer kollektiven Badepartie. Unsere Schuhe und Stiefel haben wir an der Deichkrone zurückgelassen, fein säuberlich aufgereiht und umgestülpt, damit der Regen nicht rein läuft. Denn besonders gut sieht das Wetter nicht aus. Fischer hat lange überlegt, ob wir es heute überhaupt wagen sollen. Aber für uns ist es die einzige Chance, weil wir morgen schon nach Hause fahren, und gemeinsam mit ein paar anderen haben wir erfolgreich gebettelt.

Fast die Hälfte der ursprünglichen Gruppe hat der Mut verlassen. Unter diesen Umständen möchten sie lieber nicht. Auch Silas sieht auf den ersten Metern so aus, als würde er seine Entscheidung gerne noch einmal überdenken. Mit verzogenem Gesicht stapft er an der Hand seines Vaters ins Meer hinein. Zum Glück ist es gar nicht so kalt, wie wir dachten. Die Bewegung sorgt dafür, dass wir nicht einmal kalte Füße bekommen. Und nach ein paar hundert Metern wird das Wasser deutlich flacher, bis wir schließlich tatsächlich auf dem Trockenen stehen. Das schlimmste haben wir jetzt überstanden, versichert unser Führer. Der Priel ganz am Anfang ist auch schon der tiefste.

Seit rund 50 Jahren führt Heinz Jürgen Fischer Urlauber ins Watt.

Seit rund 50 Jahren führt Heinz Jürgen Fischer Urlauber ins Watt.

Begegnung hautnah mit Wattwurm und Strandkrabbe

Ein ganzes Stück laufen wir, dann senkt Fischer die Grabgabel, die er bis hierher über der Schulter getragen hat, in den überraschend festen Sandboden. Wir bilden einen Kreis und sehen zu, was dabei zu Tage kommt. So machen wir die Bekanntschaft mit Miesmuscheln und können bei der Gelegenheit gleich beobachten, mit welcher Technik sie sich flugs wieder in den Untergrund arbeiten. Fischer gräbt einen Wattwurm aus. Silas darf ihn auf die Hand nehmen und herumzeigen. „Sieht aus wie ein dicker, fetter Regenwurm“, urteilt Janis, der sich das Tier natürlich auch aus der Nähe ansehen muss. Wir lernen, wie die Verdauung des Wattwurms funktioniert und wie die vielen Häufchen im Sand zustande kommen. Überhaupt lernen wir eine Menge. Dieser Mann versteht es, Kindern genau wie Erwachsenen Wissenswertes über die Tierwelt seiner Heimat zu vermitteln und sie ernsthaft zu begeistern. Ich weiß genau, dass bei mir in der Schule damals der Lebensraum Wattenmeer ausführliches Thema war. Genauso sicher aber weiß ich, dass ich nie auch nur ansatzweise so viel darüber gewusst habe, wie ich in diesen drei Stunden mit Heinz Jürgen Fischer erfahre. Dinge im wahrsten Sinne des Wortes vor Ort zu be-greifen, ist und bleibt eben die beste Form der Bildung.

Rund acht Kilometer legen wir an diesem Tag zurück, laufen barfuß abwechselnd durch flaches Wasser und über Sand. Wir treffen auf Schwertmuscheln, Wellhornschnecken, beobachten Möwen, Austernfischer und sogar Seehunde – weit entfernt als hüpfende Punkte im Priel. Silas macht Bekanntschaft mit einer Strandkrabbe, die ihm über den Fuß hastet. Ein Regenschauer erwischt uns gründlich, und wir erleben einen kleinen Sandsturm, der fies an unseren nackten Beinen prickelt. Föhrs Küstenlinie ist zu einem schmalen Streifen am Horizont geschrumpft. Wir sind mitten in der Nordsee. Diese Erkenntnis trifft uns mit einer tiefschürfenden Heftigkeit. Wasser und Sand, verborgen dazwischen ein Gewimmel von Leben, und doch ist unser kleines Grüppchen buchstäblich allein auf weiter Flur, der Gnade der Elemente ausgesetzt.

Im seichten Wasser und im Sand unter den Füßen wimmelt es von Leben.

Im seichten Wasser und im Sand unter den Füßen wimmelt es von Leben.

Am Umkehrpunkt sind wir schon näher an Sylt als an Föhr, können deutlich die hässlichen Bettenburgen Westerlands ausmachen; allerdings trennt auch bei Ebbe ein mehrere Meter tiefer Priel die beiden Inseln. Einmal die Woche führt Fischer Wattwanderer von Föhr bis nach Amrum, aber auch bei der Tour sollte man für den „Mittelloch“-Priel eine Badehose dabei haben.

Den Elementen erfolgreich begegnet

Der Rückweg wird ein bisschen mühsam. Unsere verhätschelten Füße sind so lange Strecken auf scheuerndem Sand nicht gewohnt. Aber die Unmissverständlichkeit unserer Situation leuchtet den Jungs ein. Hinter uns setzt langsam die Flut ein und treibt uns zum Ufer. Der Lauf der Gezeiten lässt sich von einem „Ich kann nicht mehr“ nicht aufhalten, und auch Mama und Papa können nichts dagegen tun. „Da braucht man gar nicht jammern, nützt ja eh nix“, seufzt Janis weise. Zum Glück haben wir Motivationskekse dabei. Wer länger da ist und zeitlich flexibler ist als wir, kann mit Glück auch eine Kinder-Tour erwischen, die auf kürzere Beine abgestimmt ist. Das überragende Gefühl, alles aus eigener Kraft geschafft zu haben, besitzt aber durchaus seinen eigenen Wert. Nachdem wir die Betontreppe wieder hinaufgestiegen sind, Socken und Schuhe über unsere verschrumpelten Füße gezwängt, unseren Führer bezahlt und mit Dankesworten verabschiedet haben, pesen die Jungs euphorisch über den Fahrradlenker gebeugt quer über die Insel zurück gen Unterkunft. Und auch ich bin sehr zufrieden mit unserer Erfahrung im Watt. Selten hat mich eine Unternehmung im Urlaub so viel gelehrt, so an meine Grenzen gebracht und unterm Strich so glücklich gemacht wie unsere Wattwanderung mit Heinz Jürgen Fischer.

Hier draußen erklärt sich, warum Föhrs Slogan "Friesische Karibik" lautet. Vor allem das "Friesisch" stimmt. :)

Hier draußen erklärt sich, warum Föhrs Slogan “Friesische Karibik” lautet. Vor allem das “Friesisch” stimmt. :)

Die große naturkundliche Wattwanderung mit Heinz Jürgen Fischer dauert rund drei Stunden und kostet 5 Euro für Erwachsene und 3 für Kinder bis 14 Jahre. Da sich Tage und Zeiten der Wanderungen beständig verschieben, lassen sich aktuelle Informationen am besten an den Aushängen überall auf der Insel oder bei der Tourist Information Föhr einholen, Telefon (0 46 81) 300. Ob und wann spezielle Kinderführungen stattfinden, weiß man dort ebenfalls.

Wattwanderungen auf eigene Faust sind gefährlich! Geht niemals ohne einen kundigen Führer ins Watt!

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