Das Highland Folk Museum ist das größte und für uns auch schönste Freilichtmuseum in Schottland. Gerade für Familien mit Kindern lohnt sich ein Besuch – nicht zuletzt aufgrund der herrlichen Natur der Cairngorms, die das Museum umgibt. Hier kommen unsere persönlichen Tipps für einen Besuch. 

Warum sich ein Besuch im Highland Folk Museum lohnt

Gleich kommen wir zu unseren ganz persönlichen Erfahrungen und Empfehlungen. Zum Einstieg fasse ich einmal die Highlights und Gründe zusammen, das Highland Folk Museum in Nowtonmore bei Kingussie zu besuchen.

  • größtes Freilichtmuseum in Schottland
  • nicht weit von der A9 gelegen: perfekt für einen Zwischenstopp auf der Durchreise von →Edinburgh nach →Inverness
  • für Geschichts-Fans: über 30 zusammengetragene Gebäude aus den schottischen Highlands
  • für Film-Fans: war Drehort für diverse Verfilmungen, z.B. Outlander
  • für Kinder: mit Spielplatz, Bauernhoftieren und ganz viel zum selbst Erleben
  • für Süßschnäbel: der urige Süßwarenladen
  • für Outdoor-Freaks: weitläufiges Gelände in schönster Natur
  • Eintritt auf Spendenbasis
  • Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe*
highland folk museum kinderzimmer

Freilichtmuseen vermitteln immer gut ein Gefühl dafür, wie Leben früher war. (Hier ein Kinderzimmer aus den 1940ern in den schottischen Highlands.)

Was IST das Highland Folk Museum genau?

Das Freilichtmuseum zeigt Gebäude aus den schottischen Highlands: Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude, Werkstätten. Unterteilt ist es in mehrere Bereiche. Der Großteil der Gebäude im nördlichen Areal („links rum“ vom Eingang aus) ist auf dem Stand der 1940er Jahre.

Heute ist das Museum in staatlichem Besitz. (Das heißt auch, der Eintritt ist theoretisch kostenlos. Zur Praxis siehe unten.)

Begonnen hat es als Herzblutprojekt der Ethnografin Dr. Isobel F. Grant. Sie begann 1935 damit, alte Geräte und Gebäude auf dem Gelände einer ausgesegneten Kirche auf der Insel →Iona zu sammeln. Während es vor allem in Skandinavien schon Jahrzehnte zuvor üblich wurde, die „gute alte Zeit“ zu konservieren (→Skansen in →Stockholm gilt als ältestes Freilichtmuseum der Welt von 1891), sprang der Hype erst relativ spät ins Mutterland der Industrialisierung über. Das Highland Folk Museum gilt als das älteste Freilichtmuseum Großbritanniens. (Nicht das größte. Das ist →Beamish in Nordengland. Und so begeistert ich bin vom Highland Folk Museum, Beamish ist einfach unglaublich cool.)

1944 zog das Museum aus Platzmangel in die Cairngorms. Dort verleibte es sich gleich eine ganze Reihe alter Gebäude ein, die in der Moderne in Vergessenheit zu fallen drohten. Seit 2009 erstreckt sich das Freilichtmuseum nun auf dem heutigen Gelände bei dem kleinen Dorf Newtonmore nahe Kingussie auf ein beachtliches Areal. Wer vom einen Ende zum anderen wandert, legt 1,5 Kilometer zurück.

highland folk museum mit kindern

Wer das Freilichtmuseum in Newtonmore besichtigt, sollte schon ganz gut zu Fuß sein.

Unser Besuch im Highland Folk Museum

Wir schauen uns das Freilichtmuseum auf unserem →Roadtrip durch Schottlands Norden im Sommer 2026 an. Auf der Reise von Cupar in →Fife nach →Inverness machen wir den Großteil des Tages in Newtonmore bei Kingussie Station, um das Highland Folk Museum zu besichtigen.

„Wir“ heißt in diesem Fall meine Familie mit siebenjährigem Kind und 19-jährigem Teenager.

Das sind wir ein paar Tage vorher in Edinburgh: Martin, Franka (fast 7), Lena und Silas (19)

Wir erreichen das Museum gegen elf Uhr vormittags und bleiben, bis wir schweren Herzens um fünf gehen müssen.

Warum lohnt sich ein Besuch im Highland Folk Museum?

Ein Tag im Freilichtmuseum von Newtonmore lohnt sich ganz klar für alle, die gerne in vergangene Zeiten eintauchen und/oder mehr über die Geschichte ihres Urlaubslands erfahren möchten.

Dazu müsst ihr keine langen Texte lesen. (Könnt ihr gar nicht, weil es kaum welche gibt. Das wäre auch schon mein größter Kritikpunkt am Highland Folk Museum. Ist aber in Skandinavien zum Beispiel meist auch nicht anders.)

Ihr geht einfach rein in die Häuser und lasst die vergangenen Lebenswelten auf euch wirken.

highland folk museum black house innen

In den schottischen Highlands dauerte es teilweise etwas länger mit Fortschritt und Wohlstand. Auch dieses Haus war wohl bis in die 1940er bewohnt.

Meine persönlichen Highlights

Weil ich so begeistert war, möchte ich euch ein paar konkrete Beispiele vorstellen. Ihr wollt schließlich bestimmt wissen, was euch tatsächlich erwartet.

Baile Gean aus dem 18. Jahrhundert

Die Siedlung ganz im Westen des Museumsgeländes zeigt die gerne romantisierte Zeit des „typischen Schottlands“ mit Clans und Karos. Da „Baile Gean“ unter anderem Drehort für die „Outlander“-Serie war, kommen viele Gäste allein deswegen.

Passend gewandete Museumsangestellte geben eine Einführung in die damaligen Lebensumstände und beantworten Fragen. Teilweise zeigen sie auch live die Kulturtechniken, etwa wie genau die Dächer mit Heidekraut gedeckt wurden.

Was mich dabei so beeindruckt: Das Wohnumfeld in den schottischen Highlands unterscheidet sich kaum von dem, was das →Freilichtmuseum für Archäologie in Hitzacker über das Wohnen und Leben unserer Vorfahren in der Bronzezeit zeigt. Selbst für einen Jamie im Kilt würde ich nicht tauschen wollen.

schottland freilichtmuseum kingussie

Erinnert mich eher an die Nachbauten der Bronzezeit-Häuser im Freilichtmuseum von Hitzacker, war aber in den schottischen Highlands offenbar im 18. Jahrhundert noch state of the art.

Boleskine Shinty Pavillon

Im ersten Moment bin ich enttäuscht, als ich eines der ersten Gebäude nach dem Museumseingang betrete: Hier geht es nur um irgendwas mit Sport. Unmotiviert werfe ich einen Blick auf die Texttafeln (denn hier gibt es tatsächlich mal welche) – und lese mich fest. Von Shinty habe ich nämlich noch nie was gehört. Es ist uralt und eng verwandt mit dem irischen Hurling, das mir mal als „als Sport verkleidete Ausrede für eine Prügelei“ beschrieben wurde. Offenbar brachten irische Mönche den rabiaten Zeitvertreib schon zu Zeiten der Christianisierung mit in die schottischen Highlands, wo er begeistert aufgenommen wurde. Nach einem Niedergang im 19. Jahrhundert gibt es heute eine schottische Liga und Shinty-Training in über 50 Vereinen.

Traveller-Zelt

Auch die nomadisch lebenden „Travellers“ kenne ich eher aus dem irischen Kontext. Dass es in Schottland ebenfalls einen ganzen Schlag nicht sesshafter Menschen gab (kein „Volk“ im engeren Sinne, eher so eine Parallelkultur), war mir bisher nicht bewusst. Aber warum auch nicht? Schließlich gab es im Deutschen Raum auch die „Jenischen“. Wie solche Durchreisenden und Gelegenheitsarbeiter*innen im frühen 20. Jahrhundert unter Zeltplanen lebten, erkunden wir am praktischen Beispiel. Unsere Siebenjährige untersucht den tragbaren Ofen, der aus einem alten Ölfass und ein paar Blechteilen zusammengelötet ist.

Schade nur, dass die Erklärungen über zwei Sätze nicht hinausgehen.

scottish travellers zelt highland folk museum

Eher so mittelgemütlich war es aus heutiger Sicht bei den stigmatisierten Scottish Travellers.

Black House

Eine der Hauptattraktionen im Highland Folk Museum ist das Black House, typisch für die Äußeren Hebriden. Die strohgedeckten Bruchsteinhäuser trotzten jahrhundertelang dem ernsthaft wilden Wind und und Wetter draußen im Atlantik.

Für uns ist der kurze Besuch im Black House vor allem eine schöne Erinnerung an unseren →Urlaub auf Lewis and Harris.

highland folk museum black house

Wetterfest: Die Black Houses waren einst ein typischer Anblick auf den Äußeren Hebriden.

Tonyrefail Farm mit Rationierungs-Ausstellung

Ein ganzer Bauernhof zeigt im nordöstlichen Teil des Museums den Stand der 1940er Jahre. Das war auch in Großbritannien nicht unbedingt die „gute“ alte Zeit. Die Sehnsucht nach einfacherer Technik und einem Leben in größerer Naturverbundenheit wird zwar erfüllt. Aber auch auf dem Land herrschte in Kriegszeiten Mangelwirtschaft. In einem Nebengebäude werden die kriegsbedingten Rationierungen thematisiert. Die waren krass und dauerten bis 1954! Hier lernen auch wir Erwachsenen tüchtig was dazu. Die Kinder staunen und sind dann vor allem von den flauschigen Entenküken entzückt.

highland folk museum rationierung

Auf dem Tisch ist eine Wochenration aufgebaut.

Bonbon-Laden

Sehr beliebt ist der Süßwarenladen ganz im nördlichen Teil des Freilichtmuseums („links rum“). Uns empfängt eine längere Schlange, die bis vor die Tür reicht. Im Gegensatz zu den meisten Gebäuden ist der Bonbon-Laden bewirtschaftet. Hier werden vor allem bei älteren Besucher*innen eigene Kindheitserinnerungen lebendig. Allerdings: Der Traum einer „bunten Tüte“ geht auch hier nicht mehr in Erfüllung. Da heutzutage mit der Abrechnung alles seine Ordnung haben muss, werden die farbenprächtigen Bollchen nur noch 100-Gramm-weise abverkauft. Die Dame hinterm Tresen zeigt gut trainiertes Verständnis für die Enttäuschung unserer Kinder. Zum Glück können die sich dann doch auf eine Sorte einigen. (Die Preise sind nämlich ebenso modern wie die effizientere Verkaufsweise.)

highland folk museum sweetshop

So viel Auswahl…

Spielplatz

Ein fester Anlaufpunkt für alle, die das Highland Folk Museum mit Kindern besuchen, ist natürlich der Spielplatz. Der ist jetzt nichts Herausragendes, aber doch ein schöner Ort für eine Pause. Neben den Spielgeräten aus Holz gibt es mehrere Picknicktische. Außerdem liegt der Spielplatz zentral gleich am Eingang.

highland folk museum spielplatz

Hier können sich Kinder wohl eine Weile beschäftigen.

Wer kein Essen mitgebracht hat, kann sich auch im Museums-Café verpflegen lassen. Wir haben das nicht ausprobiert, deshalb weiß ich nicht, wie empfehlenswert das ist.

Kostenlos ins Freilichtmuseum?

Überall steht, das Highland Folk Museum sei kostenlos zu besichtigen. Man freue sich lediglich über Spenden. Das ist so nicht ganz falsch. Aber ganz richtig ist es auch nicht.

Da es sich um ein staatliches Museum handelt, ist der Eintritt grundsätzlich kostenlos. Die Finanzierung staatlicher Museen wird in Großbritannien durch Steuergelder gesichert.

Während wir es früher (Anfang des Jahrtausends) so wahrgenommen haben, dass die allermeisten Leute achtlos an den Spendenboxen vorbei gehen, wird seit einigen Jahren sehr offensiv um freiwilligen Eintritt gebeten.

Wir haben schon damals immer was gegeben, wenn auch „nach deutschem Gefühl“. Auch diesmal tippen wir 30 Pfund in den Kreditkartenleser ein – unter den wachsamen Augen der freundlichen „Begrüßerin“ im „Nicht-Kassenhäuschen“. Unter einem Schild an der Wand, das als „suggested donation“ 12,50 Pfund pro Person nennt.

Wer hier vorbei geht, ohne etwas zu geben, braucht schon ein erhebliches Maß an Kaltschnäuzigkeit. (Und mal ehrlich: Wieso sollen eigentlich britische Steuerzahler*innen für eine Einrichtung zahlen, die wir als Ausländer*innen im Urlaub in Anspruch nehmen? Obwohl das Argument vor allem in populistischen Kreisen beliebt ist, ist da meiner Meinung nach was dran.)

Jedenfalls: Der Museumsbesuch ist absolut Geld wert – der „freie Eintritt“ aber eher ein Marketing-Gag.

highland folk museum schmiede

Auch Handwerk und etwas Industrie kommt im Freilichtmuseum nicht zu kurz.

Parken kostenpflichtig?

Auf mehreren Websites habe ich gelesen, dass für das Parken seit 2026 3 Pfund Parkgebühr erhoben werden. Entweder ist das erst nach dem 27. August eingeführt worden, oder wir haben es geschafft, die Hinweise komplett zu übersehen. Vielleicht wurde es auch automatisch von unserer Spende abgezogen.

Noch mehr tolle Freilichtmuseen in Schottland

Das Highland Folk Museum ist Schottlands größtes, aber nicht einziges Freilichtmuseum.

Auchindrain Folk Museum (Argyll)

Wir kennen und lieben vor allem das Auchindrain Folk Museum bei Inveraray an der Westküste. Das ist sehr viel kleiner als das bei Kingussie. Dafür handelt es sich um eine authentische Township, die noch bis Anfang der 1960er Jahre bewohnt wurde und dann direkt in den Museumsbetrieb überging. Was es dort alles zu sehen gibt, schreibe ich hier: →Freilichtmuseum Auchindrain – Ausflug in die Vergangenheit der Highlands.

Schottland mit Kindern Ausflugstipp Freilichtmuseum Auchindrains Highlands

Klein, aber fein, dieses Freilichtmuseum. 

Brodick Farms (Insel Arran)

Das kleine Freilichtmuseum auf der wunderschönen Ferieninsel Arran (südlich von →Glasgow) liegt gleich neben dem beeindruckenden Brodick Castle. Ihr könnt beide Sehenswürdigkeiten aber separat voneinander besuchen. Die Brodick Farms umfassen nur ein paar einzelne Häuser. Die vermitteln aber das Inselleben der vergangenen 100 bis 150 Jahre ganz wunderbar. Für Kinder gibt es einen netten Spielplatz.

Unser Erfahrungsbericht: →Insel Arran – Schottland im Hosentaschenformat.

arran mit kindern brodick freilichtmuseum

Blick ins Freilichtmuseum Brodick Farms auf Arran.

New Lanark (Lowlands)

New Lanark ist streng genommen kein klassisches Freilichtmuseum, sondern ein komplett erhaltener Industriestandort. Die ehemalige Baumwollspinnerei am Fluss Clyde erzählt vom Beginn der Industrialisierung, aber auch von erstaunlichen sozialen Ideen. Zwischen Arbeiterwohnungen, Fabrikgebäuden und Wasserrädern wird deutlich, wie radikal sich das Leben der Menschen hier einst verändert hat. Dazu kommt die spektakuläre Lage in einem bewaldeten Tal. Auch für Kinder wird viel geboten. Definitiv ein Ausflugstipp!

Unser Erfahrungsbericht: →New Lanark – familienfreundliches Freilichtmuseum + Natur

Schottland mit Kindern, New Lanark

New Lanark ist Freilichtmuseum, Industriedenkmal, Ort bahnbrechender sozialer Entwicklungen, Jugendherberge und außerdem herrlich gelegen.

Mehr Freilichtmuseen in ganz Europa

Wir lieben Freilichtmuseen ganz generell. Meine Favoriten in ganz Europa stelle ich in diesem Beitrag vor: →Freilichtmuseen in Europa – unsere Top Ten.

Die schönsten Freilichtmuseen in Europa

Unsere Sammlung aller Freilichtmuseen in ganz Europa, die wir aus eigener Erfahrung empfehlen können.

Mehr Tipps für Schottland mit Kindern

Weitere Tipps für eure Rundreise durch Schottland mit Kindern (oder auch ohne) findet ihr in mehr als 40 Artikeln hier im family4travel-Blog. Eine Übersicht mit Karte und Links zu allen weiteren Beiträgen gibt es hier: →Schottland mit Kindern – unsere gesammelten Erfahrungen.

schottland mit kindern, tipps und erfahrungen

Hier findet ihr alle Tipps, die wir für Schottland mit Kindern auf Lager haben, inklusive Kartenansicht mit unseren verlinkten Erfahrungsberichten.

Für die Highlands und die gesamte Westküste Schottlands lege ich euch außerdem den Reiseführer „Schottland mit Kindern“* ans Herz, den ich gemeinsam mit Stefanie Holtkamp geschrieben habe. Darin bekommt ihr nicht nur viele, viele Tipps für familienfreundliche Ausflugsziele, sondern vor allem auch fertig ausgearbeitete Tourenvorschläge für kleine Wanderungen von zwei bis maximal zwölf Kilometern Länge, die auch Kindern richtig Spaß machen.

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