Ein Städtetrip nach Dessau mit Kindern? Wohl nicht die erste Idee, wenn man sich ein Ziel für den nächsten Familienurlaub überlegt. Keine andere Stadt jedoch eignet sich besser, um sich dem Phänomen Bauhaus und dem Thema moderne Architektur anzunähern. Und mit der richtigen Herangehensweise kann das tatsächlich auch schon Kindern Spaß machen. Hier kommen unsere Tipps aus eigener Erfahrung.
Dessau mit Kindern: Die Tipps in der Kurzversion
Ja, ich weiß, die Artikel in meinem Reiseblog sind SEHR lang und ausführlich. Die meisten von euch wollen schnell ein paar gute Tipps für einen Städtetrip nach Dessau mit Kindern. Also gut, hier kommt vorweg die Quintessenz für Eilige.
- Mein wichtigster Tipp: Bereitet euch und eure Kinder mit passender Literatur* auf das Thema Bauhaus vor! Glaubt mir, ihr wollt nicht so ahnungslos im Museum stehen wie ich.
- Überlegt euch, ob ihr das Bauhaus, das Bauhaus-Museum, die Meisterhäuser oder alles drei besichtigen wollt. Ich tendiere zum vollen Programm.
- Eine mögliche Kurzversion und Spartipp wäre: nur Bauhaus-Museum mit Ticket (10 Euro p.P.), dann im Bauhaus-Gebäude nur kostenlos in den Museumsshop und/oder ins stilecht eingerichtete Café und die Meisterhäuser von außen.
- Ich persönlich fand allerdings die Meisterhäuser von innen am beeindruckendsten. (Das war aber, nachdem ich meinem Kind das dazugehörige Bilderbuch* vorgelesen hatte.)
- Wenn ihr noch mehr Bauhaus wollt, macht einen Abstecher zur Modellsiedlung im Ortsteil Törten, zu den Laubenganghäusern oder zum alten Arbeitsamt – oder geht schick und stilgemäß Essen im Restaurant Kornhaus.
- Wenn ihr genug vom Bauhaus habt, könnt ihr mit Kindern in Dessau gut einen Ausflug in den Tierpark machen.
- Im Sommer solltet ihr unbedingt auch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich auf dem Schirm haben, ebenfalls UNESCO Welterbe.
- Familienfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten in Dessau* gibt es viele. Unser Tipp: die Jugendherberge.
Und: Wer statt viel Text lieber bildliche Live-Eindrücke möchte, findet in meinem Instagram-Profil →family4travel mein Dessau-Highlight!
Unsere Familienreise nach Dessau zum Bauhaus
So, und jetzt wird’s ausführlich. Und persönlich.
Wir selbst landen zugegebenermaßen eher zufällig in Dessau. Unsere Sechsjährige hat Winterferien. Der Opa in Thüringen hat Geburtstag. Wir Eltern puzzeln unsere freien Tage und stellen fest: Zumindest ein langes Wochenende könnte was werden.
Da wir →Jena, →Erfurt, →Weimar und →viel Drumherum mittlerweile ganz gut kennen, möchten wir unseren Radius erweitern und einen Abstecher mit einer Übernachtung in Mitteldeutschland machen.
Als familienfreundliche Unterkünfte* eignen sich bei solchen Vorhaben erfahrungsgemäß die →Jugendherbergen perfekt. So spontan, wie wir sind, wird es aber immer schwierig. Da ist vieles schon ausgebucht. Deshalb nutzen wir die Suche mit festem Datum nach Bundesland und schauen einfach, wo noch was frei ist. – Und siehe da…
So kommen wir als Familie zu 24 Stunden Dessau mit Kind.
Was ist Bauhaus und warum sollte das meine Kinder interessieren?
Als studierte Geisteswissenschaftlerin halte ich mich für hinlänglich gut gebildet. Tatsächlich bin ich schon als Bildungssnob beschimpft worden. (Nicht ganz zu unrecht, fürchte ich.) Deshalb klingelt es bei Dessau auch sofort bei mir: Bauhaus.
Aber, ganz ehrlich: Was Bauhaus genau ist, und was es mit Dessau zu tun hat, weiß ich nicht so richtig. Ich recherchiere – im Vorfeld zu wenig. Denn ein bisschen Vorbereitung zahlt sich aus bei einem Städtetrip nach Dessau. (Es sei denn natürlich, ihr seid echte Bauhaus-Fans und voll im Thema. Dann könnt ihr weiterscrollen bis zu meinen Tipps, wie Bauhaus mit Kindern in Dessau für uns zumindest gut funktioniert hat.)
Also ganz kurz hier der Bildungssnob-Modus an: Das Staatliche Bauhaus ist eine der einflussreichsten Design- und Architekturbewegungen der Welt. Die Kunstschule wurde 1919 von Walter Gropius gegründet. Der hatte eine ziemlich revolutionäre Idee: Kunst, Handwerk und Architektur sollten zusammen gedacht werden. Dinge sollten schön aussehen, praktisch sein und für viele Menschen funktionieren. So ein bisschen die demokratisierte Design-Antwort auf die neuen Möglichkeiten der industriellen Massenherstellung.
Klingt abstrakt, aber Bauhaus hat damit den Grundstein für die Moderne gelegt – jetzt mal ganz pathetisch gesagt. (Und verkürzt, denn auch Bauhaus hatte Vorläufer. Aber ich wollte mich ja kurz halten. Und befinde mich außerdem auch auf ganz dünnem Eis hier mit meiner nicht vorhandenen Expertise.)
Also, Bauhaus heißt funktionales Design. Klare Formen. Viel Licht durch große Fenster. Durchdachte Möbel ohne Schnörkel. (Wenn ich jetzt IKEA sage, trifft das nicht ganz den Kern.)
Und was daran ist nun spannend für Kinder?
Ich gebe zu: Während der wie gewachsen wirkende →Jugendstil in Nancy meine Tochter aus sich heraus fasziniert hat, interessiert sie der nüchterne Bauhaus-Stil in Dessau zunächst einmal nicht die Bohne.
Aber Bauhaus hat einen riesigen Vorteil: Es erzählt eine Geschichte. Oder zumindest kann man damit eine spannende Geschichte erzählen. Sollte man aber rechtzeitig mit anfangen, um Kinder dafür zu interessieren.

Bauhaus ist was für alle Sinne. Das zeigt auf witzige Weise zum Beispiel der Spielomat im Foyer des Bauhaus-Museums.
Bauhaus-Bücher für Kinder zur Vorbereitung
Ein dicker Tipp, den wir selbst leider zu spät entdeckt haben, sind Bilderbücher zum Thema Bauhaus. Die Stiftung Bauhaus Dessau hat eine ganze Reihe von Büchern* speziell für Kinder und Jugendliche herausgegeben. Wir haben sie im Museumsshop entdeckt. Für wesentlich sinnvoller halte ich es, wenn ihr sie euren Kindern schon vor dem Städtetrip nach Dessau besorgt und mit ihnen gemeinsam zur Vorbereitung lest.
Wer wohnt in weißen Würfeln?
Wir haben uns für das Buch „Wer wohnt in weißen Würfeln? So lebten die Bauhaus-Meister in Dessau“* von Ingolf Kern, Jutta Stein und Kitty Kahane entschieden – einfach darum, weil wir am Tag nach dem Museum noch die Meisterhäuser besichtigen wollten. Und das ist in der Tat die ideale Vorbereitung, nicht nur für unser Kind, sondern auch für uns als Eltern. Allerdings: Der Zeichenstil des Buches gefällt mir gar nicht. Aber die Geschichte ist witzig und weckt Interesse. Zwei Geschwister geraten, gelangweilt von der Bauhaus-Besichtigung ihres Vaters, unversehens in eine Zeitmaschine. So treffen sie die historischen Persönlichkeiten, die die sieben Modellhäuser bewohnten. Faktenvermittlung durch kindgerechtes Storytelling: funktioniert.
Kinder entdecken das Bauhaus Dessau
Strukturierter und dem kompletten Phänomen Bauhaus in Dessau zugewandt ist das Buch „Was ist das Bauhaus? Kinder entdecken das Bauhaus Dessau“* vom selben Autor, das ich auch in der Hand hatte. Es ist ein Sachbuch und wesentlich umfangreicher. (Und außerdem 3x so teuer.)
Bauhaus-Skizzenhefte
Schön für kunstbegeisterte Kinder vor Ort sind die Skizzenbücher mit passenden Zeichenübungen. Es gibt drei Stück: fürs Bauhaus-Museum, fürs Bauhaus-Gebäude und für die Meisterhäuser. Jedes kostet schlanke 2 Euro. Wir haben unserer kleinen Künstlerin in spe eins gekauft, aber mit sechs Jahren war sie doch noch reichlich jung dafür. Außerdem ist das Konzept darauf ausgelegt, dass sich die Kinder dann direkt vor Ort zeichnerisch mit den Gegebenheiten auseinandersetzen. Ideal für Schulklassen und Jugendgruppen, schätze ich. Ich würde sagen: Wenn eure Kinder Bock auf Malen haben und ihr in Ruhe alles ausführlich besichtigen wollt, kann das ein Volltreffer sein. Ansonsten hält sich das Investitionsrisiko in Grenzen. Erhältlich sind die Hefte in den Museumsshops.
Graphic Novel
Nachdem meine Chefin meine Story bei →Instagram live verfolgt hatte, hat sie mir eine tolle Graphic Novel geliehen: „Bauhaus – Die illustrierte Geschichte„*. Die richtet sich an Erwachsene. Auch für Jugendliche ist sie perfekt. Ich wünschte, ich hätte sie vor unserem Städtetrip nach Dessau in die Finger gekriegt! Die Story zeichnet die gesamte Bauhaus-Geschichte von seiner Gründung in Weimar 1919 bis zur Schließung des Bauhaus Dessau durch die Nazis und dem kurzen Nachleben in Berlin bis zur Selbstauflösung nach. Wer so vorbereitet ist, kann mit einem ganz anderen Gefühl für die Bewegung in all ihren Facetten nach Dessau reisen. Für euch als Eltern und große Kinder eine klare Empfehlung!
Bauhaus in Dessau mit Kindern: Mein Masterplan
Wenn ihr nun also mit Kindern nach Dessau reist, um das Bauhaus zu erleben – gibt es eine perfekte Herangehensweise? Das kommt natürlich wie so oft darauf an, was ihr wollt.
Auch als Familie ist es möglich, die Highlights alle an einem Tag zu erleben. Wenn ihr einen Wochenend-Trip in einer warmen Jahreszeit macht und zwei volle Tage bleibt, würde ich euch einen Tag fürs Bauhaus und den zweiten für das Dessau-Wörlitzer Gartenreich empfehlen. Das liegt quasi direkt nebenan und ist ebenfalls als Welterbe ausgezeichnet. (Da wir in den Winterferien in Dessau waren, haben wir das nur ganz kurz angeschnitten. Für uns lohnt sich im Sommer ein zweiter Trip. Dann mit den Fahrrädern die weitläufigen Gartenanlagen zu erkunden, wird bestimmt herrlich!)
Extratipp: Wenn ihr so richtig in die Vollen gehen und etwas ganz Besonderes erleben wollt, könnt ihr euch natürlich auch noch diverse individuelle Bauhaus-Erlebnisse über GetYourGuide* dazubuchen.
Volle Kanne Bauhaus
Wenn wir beim Thema Bauhaus bleiben, hätte ich für euch als Familie zwei Varianten parat. Entweder macht ihr es wie wir und geht in die Vollen. Die Stiftung Bauhaus Dessau betreut die drei Highlights Bauhaus, Bauhaus-Museum und Meisterhäuser. Es gibt ein Kombiticket für alle drei Locations für mittlerweile 29 Euro pro Person. Kinder und Jugendliche bis 18 haben freien Eintritt. Danach zahlen Schüler*innen und Studierende 19 Euro. Insgesamt schon eine Ansage. Je nachdem, wie gut ihr euch vorbereitet habt, seid ihr danach aber auch echt im Thema. (Oder ihr habt nichts gelernt und seid verwirrt, wie es mir beinahe passiert wäre. Aber dazu gleich mehr.)
Tipp: Nach dem Preissprung Ende März (von 27 auf 29 Euro) hat das Kombiticket kaum noch einen Vorteil. – Ah, es sei denn, ihr wollt auch die temporäre Ausstellung im ehemaligen Kaufhaus Zeeck zu nachhaltigen Baumaterialien sehen, merke ich gerade. Die hatte bei unserem Besuch noch nicht geöffnet, ist von Ende März bis Ende September 2026 aber im Kombiticket enthalten. – Einzeln kosten die Locations der leider recht unübersichtlichen Bauhaus-Website zufolge offenbar weiterhin 10 Euro Eintritt. Ihr könnt also auch ohne viel Verlust jeweils spontan entscheiden, ob ihr die nächste Kulturinstanz noch mitnehmen wollt, oder ob es euch reicht.
Welche Reihenfolge?
Wenn ihr alles sehen wollt, würde ich euch raten: Schaut euch erst ausführlich das Bauhaus-Museum an. Schlendert dann durch die Ausstellungen im Bauhaus-Gebäude. (Dort gibt es auch eine stilgerecht eingerichtete Kantine mit leckerem Kuchen und herzhaften Kleinigkeiten. Wir fanden wir es da netter als im irgendwie provisorisch wirkenden Caféteria-Bereich im Museum.)
Am nächsten Tag, oder wenn ihr fix seid auch noch am selben, besichtigt ihr dann die Meisterhäuser. Ich finde, hier lohnt es sich, durch alle zugänglichen Gebäudeteile zu schlendern.
Seid ihr mit dem Auto in Dessau, könnt ihr bei der Abreise dann noch eine kurze Ehrenrunde durch die Modellsiedlung im Ortsteil Törten drehen. Das vermittelt noch einmal einen besseren Eindruck vom „echten“ Bauhaus in der Praxis gegenüber dem akademisch-theoretischen Ideen-Gebäude. – So haben wir es gemacht und so hat es für uns sehr gut funktioniert.

Nicht nur die Ausstellungen, auch die Ausstellungsgebäude wirken. (Das hier ist im Bauhaus-Gebäude.)
Bauhaus Dessau für Sparfüchse
Es gibt auch Möglichkeiten, das Bauhaus mit Kindern in Dessau zu erleben, ohne Geld für Eintritte auszugeben. Wenn ihr eine Sparversion umsetzen wollt, würde ich euch vor allem das Bauhaus-Gebäude empfehlen – aber ohne Ticket. Ikonisch ist die Außenansicht mit dem berühmten Schriftzug. In den Shop-Bereich kommt ihr gratis. In die Kantine auch. (Also, dort aufhalten solltet ihr euch natürlich nur, wenn ihr auch was verzehrt, klar.) Die Meisterhäuser sind nur einen kurzen Spaziergang davon entfernt. Sie machen auch von außen gut was her. So bekommt ihr einen ganz guten Eindruck, wie Bauhaus aussieht – für lau.
Die ganze Ideologie dahinter, die erst das Fundament für die Stilrichtung bildet, vermittelt euch ehrlich gesagt eins der oben empfohlenen Bücher besser als ein unvorbereiteter Besuch im Bauhaus-Museum.

Diesen Teil der Ausstellung im Bauhaus-Gebäude könnt ihr euch auch ohne Ticket anschauen, weil er sich quasi im Museumsshop befindet.
Andererseits natürlich: Warum dann überhaupt nach Dessau fahren, wenn man doch nichts besichtigt? Aber kann ja sein, dass ihr aus irgendwelchen anderen Gründen dort seid und einen kleinen Gratis-Einblick für eine Entscheidungsgrundlage sucht, ob sich beim nächsten Mal das volle Programm lohnt.
Bauhaus mit Kindern in der moderaten Sparversion
Wenn ihr möglichst viel Bauhaus mitkriegen, aber nur einmal Eintritt zahlen wollt, schwanke ich ein bisschen, was ich euch empfehlen soll.
Das Bauhaus-Museum bietet alles, was Bauhaus umfasst: Ideen, Möbel, Gebrauchsgegenstände, Architektur und historische Dokumente. Richtig gut dargestellt, vor allem für Fachfremde und Gelegenheitskunstinteressierte, finde ich die Ausstellung aber nicht. Wenn ihr so ahnungslos seid wie ich und „nur mal kurz gucken“ wollt, verlasst ihr das Museum womöglich mit mehr Fragezeichen, als ihr beim Reinkommen hattet. Die Meisterhäuser vermitteln einen schönen Eindruck von der typischen Bauhaus-Architektur und haben mich persönlich innen sehr geflasht. Das ist aber freilich nur ein Aspekt von Bauhaus. Gerade mit Kindern ist die ungewöhnliche Raum-Erfahrung in den Meisterhäusern aber vermutlich mehr wert als das geballte Feuerwerk der Originale im Museum.
Persönlicher Erfahrungsbericht: Unser Bauhaus-Erlebnis in Dessau mit Kind
Jetzt habe ich so viel auf dem armen Museum rumgehackt. Dabei hat es ganz sicher seine Berechtigung! Damit ihr meine Befindlichkeiten besser einordnen könnt, erzähle ich euch jetzt ganz ausführlich von unseren Eindrücken.
Wir kommen an einem Samstag vormittags gleich nach der Öffnungszeit um zehn Uhr in Dessau an. Unser erstes Ziel ist das Bauhaus-Museum. Dort wollen wir uns erst einmal einen Überblick holen, was dieses Bauhaus überhaupt ist. (Spoiler: Das klappt leider nicht so wirklich. Die Ausstellung ist eher eine Sammlung für Eingeweihte. Deshalb eben: vorher einlesen!)
Wir parken nahe am Museumsgebäude. An einer Ladesäule können wir hier zum moderaten Preis beinahe den ganzen Tag über schön langsam unser →E-Auto laden, ohne dass Blockierkosten entstehen.
Das Bauhaus-Museum
Erst 2019 hat Dessau ein eigenes Bauhaus-Museum bekommen. Das überstrahlt seitdem „das“ Bauhaus ein bisschen und sorgt bei Unbedarften (wir mir) für etwas Verwirrung bei der Reiseplanung. Kurz gesagt: Im Museum findet ihr die Sammlung transportabler Originale wie Möbel, Lampen, Entwürfe, Modelle. Im historischen Gebäude: geschichtsträchtiger Ort am Originalstandort mit zusätzlichen Ausstellungen zu Teilaspekten wie bestimmten Baumaterialien.
Der moderne Bau mitten in der Stadt wirkt von außen wie ein riesiger Container aus Glas und Beton. Ich fühle mich arg an meine alte Schule und auch ein bisschen an die Uni-Bibliothek in →Hannover erinnert. Schön ist anders, denke ich mir. – Aber hey: Ich bin hier, weil ich dem Phänomen Bauhaus näher kommen will. (Vielleicht ist das auch schon mein Grundproblem, das ich mit unserem Städtetrip nach Dessau habe: Der Bauhaus-Stil gefällt mir einfach nicht besonders. Sorry an alle Fans!)
In dem riesigen offenen Raum im Inneren gehen wir durch den luftigen, vielleicht etwas spärlich bestückten Café-Bereich auf den Ticketschalter zu. Eine sehr freundliche Angestellte verkauft uns unsere Tickets. Obwohl wir eigentlich die Sparversion durchziehen und nur das Museum von innen besichtigen wollten, überzeugt sie uns vom Rundum-sorglos-Paket. Ach, was soll’s, denken wir. Wenn wir schon mal in Dessau sind, dann nehmen wir halt auch volles Mett Bauhaus mit.
Bauhaus-Museum mit Kind
Franka erhält einen kostenlosen Kinder-Flyer. Der ist sozusagen die Sparversion des kostenpflichtigen Skizzenheftes. (Wenn ihr dieses mit ins Museum nehmen wollt, so wie es gedacht ist, müsst ihr es euch gleich im Museumsshop besorgen. Den seht ihr vom Ticketschalter aus zwar, aber ihr müsst wissen, dass ihr das Heft haben wollt.) Ob im Flyer oder im Heft, so oder so braucht ihr einen Bleistift, wenn eure Kinder die praktischen Übungen umsetzen wollen. Den müsst ihr entweder dabei haben oder könnt euch andernfalls natürlich auch im Museumsshop einen kaufen.
Nachdem wir unser Handgepäck unten im Schließfach verstaut haben, steigen wir über eine nackte Betontreppe hinauf zur Ausstellung. Die hängt wie ein schwebender Sarkophag in den fast leer wirkenden Glasraum hinein. Ein bisschen so wie Wolke sieben für Bauhaus-Fans – aus Beton.
Bauhaus-Museum für Ahnungslose
Für uns folgt nun eine gewisse Phase der Orientierungslosigkeit. Wir suchen nach einem roten Faden, finden keinen. An einer Wand steht eine kurze Definition von Bauhaus. In der Raummitte laufen Installationen aus Bildern, Tönen, Farben. Wir entdecken ein paar coole Kostüme. War Bauhaus etwa auch Mode? Ich lese Franka ihren Flyer vor. Daraus werden wir auch nicht recht schlau. Wo ist denn der Anfang? Wo der Überblick?
Die Sechsjährige findet eine Materialtrommel, die sie in blindem Aktionismus dreht, weil man das darf. Dann ist da immerhin so ein Stuhl, der mir als „typisch Bauhaus“ erscheint. Und nun?
Ganz ehrlich: Ich bin total lost. Ich lese mir die Erklärtexte durch, aber mir erklären die irgendwie nix. Bin ich einfach zu doof? Zu ungebildet? Zu sehr Kunstbanausin? Ich fühle mich, als wäre ich in den zweiten Teil eines Films geraten, dessen ersten Teil ich nicht gesehen habe. Und als hätte ich auch davon die erste halbe Stunde verpasst.
Besser wird es, als ich mich auf einer der Sitzgelegenheiten niederlasse und erst einmal den Bauhaus-Artikel bei Wikipedia lese. (Den hatte ich zum Glück schon im Auto geöffnet, war dort aber nicht zum Lesen gekommen. In der Ausstellung herrscht wegen der dicken Betonwände kaum Handyempfang.)
Bildungssnob hin oder her, ich will keinesfalls ausschließen, dass wir einfach was völlig falsch gemacht haben. Aber wenn ich als passionierte Museumsbesucherin, studierte Historikerin (und als jemand, die sogar mal im Museum gearbeitet hat) im Bauhaus-Museum zuerst das Handy zücken und den Wikipedia-Artikel lesen muss, um mich im Thema zurechtzufinden – dann komme ich schon ins Zweifeln.
Deshalb sage ich hier immer wieder: Nicht unvorbereitet nach Dessau fahren!
Bauhaus-Museum für so ansatzweise Eingelesene
Ganz wichtig: Es ist nicht so, dass die Ausstellung uninteressant wäre! Tatsächlich ist es eine beeindruckende Sammlung verschiedenster Schätze aus dem kompletten Bauhaus-Spektrum. Ich entdecke Stühle und Thermoskannen aus orangem Plastik, die ich aus meiner eigenen Kindergartenzeit kenne. (Und ganz dunkel klingelt da was, dass da mal irgendwas war mit einer Design-affinen Gönnerin.) Dann stolpere ich über Originale von Paul Klee und Wassily Kandinsky. Wow! Am meisten beeindruckt mich eine alte Videoaufnahme, die Kandinskys Hand beim Malen zeigt. (Die beiden Künstler sind heute vor allem als Maler berühmt. Sie waren aber auch Lehrer am Bauhaus.)
Für Kinder und andere Kreative gibt es einige Spielstationen. Franka puzzelt eine ganze Weile ihr eigenes Bauhaus-Geschirr zusammen. Die Schmuckstücke, die aus Alltagsmetall wie Büroklammern und Stöpselketten entstanden sind, findet sie cool. Und nachdem wir begriffen haben, worauf Bauhaus mit seinen Materialstudien hinaus will, beschäftigen wir uns beide ausführlich mit den Webstücken und den Vorhangstoffen.

Dass es sich hier um eine Spielstation handelt und sie selbst Hand anlegen darf, hat Franka ein freundlicher Museumsmitarbeiter gezeigt.
Der Knoten, der erst einmal platzen muss: Bauhaus ist nicht nur eine bestimmte Designrichtung. Da steckt eine komplexe Philosophie hinter den Ausstellungsstücken.
Zeitfenster: Für unsere teils recht oberflächliche, punktuell gründliche Besichtigung im Bauhausmuseum mit Kind brauchen wir gut zweieinhalb Stunden.
Andere tolle Museen mit Kindern
Nebenbei bemerkt: Damit es nachher nicht heißt, ich meckere nur über Museen – hier sind ein paar Empfehlungen für richtig tolle Ausstellungskonzepte, die ohne Wikipedia funktionieren und uns mit der ganzen Familie richtig viel Spaß gemacht haben. (Und ja, die hatten es thematisch freilich alle leichter.)
- Überseemuseum Bremen
- Klimahaus Bremerhaven
- Auswandererhaus Bremerhaven
- Ozeaneum Stralsund
- Neanderthalmuseum
- Europäisches Hansemuseum Lübeck
DAS Bauhaus-Gebäude
Das eigentliche Highlight in Dessau ist das legendäre Bauhaus. Als Walter Gropius das Gebäude 1925/26 entwarf, war es revolutionär: riesige Glasfassaden, ein asymmetrischer Baukörper und eine durch und durch funktionale Gestaltung. Revolutionär ging es auch im Inneren zu. Von den Schülern – und Schülerinnen! – die hier studierten, durfte und sollte Design ganz neu gedacht werden.
Für alle, die meinen Rat des Einlesens erst umsetzen wollen, wenn sie mit meinem Mammutbericht fertig sind und die deshalb noch so ahnungslos sind wie ich am Anfang: Das Bauhaus war eine Lehranstalt. Universität ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Kunstschule greift zu kurz. Heute würde man vielleicht sagen: ein Kreativ-Campus. Lehrende und Studierende entwickelten hier gemeinsam Neues. Sie lebten, lernten, feierten zusammen und waren für ihre Zeit wahnsinnig progressiv.
(Das Bauhaus war eine der ersten Hochschulen, die sich explizit auch an eine weibliche Schülerschaft richtete. Andererseits mussten Schülerinnen sich schon sehr arg durchsetzen, wenn sie ihren Schwerpunkt nicht in der Weberei, sondern in einer der anderen fünf Werkstätten beziehen wollten. Das gelang einigen, aber wenigen.)
Unser Besuch im Bauhaus
Am Tag unserer Besichtigung ist der Nachmittag schon fortgeschritten. Eigentlich wollen wir nur einen kurzen Foto-Stopp einlegen. Unsere mentale Aufnahmekapazität ist längst überschritten, vor allem beim Kind. Noch mehr Museum geht gerade nicht.
Dann entdecken wir das Café im Erdgeschoss des ehemaligen Schulgebäudes. Durchs Fenster sehen wir die Kuchenauslage. Als passionierte Kaffeetanten und Kuchenfans können wir da nicht widerstehen. Und nachdem wir mit süßen Genüssen abgefüttert sind, erscheint uns plötzlich auch eine weitere Runde durch die Ausstellung vorstellbar.
Allerdings schließen alle Bauhaus-Dependancen um 17 Uhr (im Winterhalbjahr zumindest). Inzwischen ist es 20 vor. Der Wachmann, der unsere Tickets kontrolliert, würde uns eigentlich schon lieber nicht mehr hoch lassen. Er rät uns dringend, besser morgen wieder zu kommen. Das Kombiticket für die Bauhaus-Stätten in Dessau ist immerhin 72 Stunden lang gültig.
Wir sind aber nur noch bis morgen Vormittag in der Stadt. Da wollen wir die Meisterhäuser besichtigen und nicht noch einmal zur Schule zurück kommen. Also flitzen wir im Schnelldurchlauf einmal durch zwei Stockwerke voller Ausstellungen.
So ganz genau kann ich deshalb nicht sagen, was wir verpasst haben. Mein Eindruck im Vorbeilaufen: Die Ausstellungen richten sich noch mehr als die im Museum an Fachpublikum. Es geht viel um bestimmte Materialien und die Arbeit in den verschiedenen Werkstätten. Für Laien interessant ist eher das Gebäude an sich. Das breite Treppenhaus, die kantigen Flure mit überraschenden Perspektiven, das viele Glas. In der zweiten Etage entdecken wir noch eine interaktive Teilausstellung, die wir uns schon gerne genauer angesehen hätten. Insgesamt aber sind wir einerseits froh, auf den Schnelldurchlauf bestanden zu haben – und andererseits nicht wirklich böse, dass wir nicht mehr Zeit hatten. (Das sage ich in dem Bewusstsein, dass sich hier mit etwas höherer Kulturmoral sicher noch viel mehr entdecken und erfahren ließe.)
Die Meisterhäuser
Unweit des Bauhauses stehen die Meisterhäuser. Vier große weiße Bauklötze sind es, die da aus dem Kiefernwäldchen hervorragen: drei Doppelhäuser für die Professorenfamilien und ein Direktorenwohnhaus. Walter Gropius entwarf sie zusammen mit dem Schulgebäude. Neue Materialien, offene Wohnkonzepte und ungewöhnliche Raumaufteilungen wurden hier ausprobiert – allerdings nicht von Studierenden, sondern von den Professoren höchstpersönlich.
Das Direktorenhaus bewohnte zunächst Walter Gropius mit seiner Frau Ise. Später zogen nacheinander seine beiden Nachfolger ein. In den Doppelhäusern mit identischem Grundriss wohnten die Bauhaus-Meister mit ihren Familien: László Moholy-Nagy und Lyonel Feininger, Georg Muche und Oskar Schlemmer, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Die großen Künstlerpersönlichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft hätten sicher ein herrliches Trash-TV-Format abgegeben. Auch so sorgte das wilde Kreativ-Sozial-Experiment für reichlich Klatsch im gutbürgerlichen (und zeitgemäß zunehmend braunen) Teil der Stadtbevölkerung.
Viel wichtiger: Hier wurde auch nach Feierabend noch oft über Kunst und neue Ideen diskutiert. In den Meisterhäusern ging Besuch ein und aus. Es wurde musiziert und gefeiert. Irgendwo dazwischen liefen die Kinder der Familien durch die Gärten.
Mit der Schließung des Bauhauses 1932 endete diese besondere Hausgemeinschaft allerdings abrupt. Eines der Gebäude erhielt im Zweiten Weltkrieg einen Bombentreffer, andere wurden in Mitleidenschaft gezogen. Erst seit 2014 sind sie alle rekonstruiert und zu besichtigen.
Unsere Besichtigung der Meisterhäuser
Am nächsten Vormittag wenden wir uns dem dritten großen Bauhaus-Highlight in Dessau zu. Buchstäblich über Nacht haben wir uns in echte Expert*innen verwandelt: Als Gutenachtgeschichte haben wir in der Jugendherberge das Bilderbuch zum Thema* gelesen. Und klar, natürlich hat auch das Museum seinen Teil dazu beigetragen.
Wir parken kostenlos an der Straße. Was im Sommer vielleicht eng wird, ist im Februar überhaupt kein Problem. Pünktlich um zehn Uhr zur Öffnungszeit betreten wir das Direktorenhaus. Dort gibt es die Tickets für alle, die noch keins haben.
Direktorenhaus
Auch in der Bilderbuch-Geschichte ist dieses Meisterhaus das erste, das die beiden Kinder betreten. Zuvor hat Franka schon aufgeregt die unscheinbare Garage entdeckt, die im Buch als Zeitmaschine dient. Ise Gropius’ Kakteensammlung suchen wir jedoch vergebens. Und einen heißen Kakao bietet uns auch niemand an.
Dafür macht die merkwürdige Raumgestaltung etwas mit uns. Wir gehen durch eine Tür, doch statt in einen Raum hinein zu kommen, stehen wir stattdessen plötzlich in einem unvollkommenen Außen. Klare Linien führen uns eine Treppe hinauf – und auch dort öffnen sich immer neue, unerwartete Räume und Ausblicke. Franka und Martin nehmen eine andere Tür als ich. Plötzlich stehen wir uns wieder gegenüber und winken uns über Betonbalustraden zu, getrennt durch einen zwei Stockwerke tiefen Abgrund. Verrückt.
All die hypermodernen Möbelstücke, die Ise Gropius dem Buch zufolge allzu gerne ihren Gästen vorgeführt hat, müssen wir uns denken. Das Haus ist eine ideelle Nachbildung. Originalgetreu eingerichtet ist hier nichts. Macht nichts: Dafür steht das, was Bauhaus mit dem Raum macht, hier im Mittelpunkt.
Die übrigen Meisterhäuser
Im nächsten Haus müssen wir klingeln, damit wir reinkommen. Unser Ticket erlaubt uns Zutritt in drei der vier Gebäude. (Eines der Doppelhäuser beherbergt heute Kunstschaffende, die ein Bauhaus-Stipendium erhalten haben.) Auch das Haus Moholy-Nagy/Feininger ist neu wieder aufgebaut. Hier könnten wir uns schon eher vorstellen, wirklich zu wohnen. Ein paar Bauhaus-Möbelstücke vermitteln ansatzweise eine Vorstellung davon, wie das Leben hier vielleicht ausgesehen haben könnte. Das riesige Atelier mit der großen Fensterfront ist beeindruckend. Das winzige Badezimmer mit den drei Türen – eine zu jedem Schlafzimmer und eine zum Flur – finden wir eher komisch. Sehenswert ist auf jeden Fall alles!

Hier konnten die Herren des Bauhaus anständig arbeiten. Das große, helle Atelier in der Dienstwohnung soll für manchen Künstler den Ausschlag gegeben haben, Professor zu werden.
Insgesamt vier Doppelhaushälften können wir auf diese Weise erkunden. Obwohl sie im Grundriss identisch sind, hat jede ihren eigenen Reiz. Verschiedene Bildschirme zeigen Originalaufnahmen oder Ausschnitte von Dokumentationen. Ein Haus ist dem Komponisten Kurt Weill gewidmet, der in Dessau geboren ist. Hat zwar wenig mit Bauhaus zu tun, ist aber auch interessant.
Das letzte Doppelhaus in der Reihe, in dem die Familien Klee und Kandinsky gewohnt haben, ist im Original erhalten. Spannend: Hier riecht es ganz anders. Nach den beiden Kunstschaffenden haben hier etliche andere Leute gewohnt. Mir kommt der Verdacht, dass mindestens ein Kettenraucher dazwischen war. Auf jeden Fall spürt man hier gleich, dass mehr „echte“ Geschichte dahinter steckt als bei den doch sehr sauberen Nachbauten. Die Besichtigung von vorne nach hinten macht deshalb auf jeden Fall Sinn!
Zeitfenster: Wir brauchen für unsere so mittelgründliche Besichtigung gut eineinhalb Stunden.
Bauhaussiedlung Törten
Ein weniger bekanntes, aber sehr spannendes Bauhaus-Ziel ist die Siedlung Dessau-Törten. Hier ging es um die große Frage: Wie kann man guten Wohnraum für viele Menschen bauen?
Die Lösung waren einfache, funktionale Reihenhäuser. Über mehrere Straßen ziehen sich die fast, aber nicht ganz identischen Wohnräume, die bis heute von ganz normalen Menschen bewohnt werden. Ein Spaziergang durch die Siedlung zeigt sehr gut, dass Bauhaus nicht nur Kunst war, sondern vor allem alltagstauglich sein sollte.
Wir haben nur noch wenig Zeit und beschränken uns auf eine kurze Ehrenrunde durch die Siedlung im Auto, bevor wir Dessau Richtung Thüringen verlassen. Wer mehr Zeit hat, möchte sich vielleicht ausführlicher umsehen. Im Sommer gibt es täglich eine Führung, die auch drei verschiedene Musterhäuser umfasst. (Diese ist nicht im Kombiticket enthalten.) Das ist bestimmt spannend!
Noch mehr Bauhaus in Dessau
Es gibt noch mehr Bauhaus-Gebäude in Dessau, die wir keines Blickes gewürdigt haben. Sie sind nicht im Kombiticket enthalten und können in der Regel nicht besichtigt werden. Zumindest von außen lohnen sie für echte Fans sicher einen Blick.
Das Kornhaus ist ein Restaurant direkt an der Mulde, dem kleinen Fluss, der durch Dessau fließt. Hier einen Tisch zu reservieren, setzt einem Städtetrip im Zeichen des Bauhaus natürlich die Krone auf. Ob es sich mit Kindern lohnt, kann ich leider nicht beurteilen. Die Bewertungen auf Google Maps sind, sagen wir mal: durchwachsen. Dass Lage und Architektur traumhaft sind, darüber herrscht Einigkeit. Vom Preisniveau und der Qualität des Essens sind nicht alle begeistert. Aber das weiß ich wie gesagt nicht aus erster Hand.
Dann gibt es noch das Arbeitsamt, das Stahlhaus von Georg Muche, das Haus Fieger von Carl Fieger und noch ein paar weitere Bauhaus-Villen, die nicht oder nur zu besonderen Anlässen zu besichtigen sind.
Bauhaus in Weimar und Berlin
Dessau ist für das Bauhaus weder der Anfangs- noch der Endpunkt. Von 1919 bis 1924 war die Schule in Weimar ansässig. 1932 wurde sie auch dort von den Nazis geschlossen und zog nach Berlin (wo sie sich kein ganzes Jahr später bedrängt für die Selbstauflösung entschied).
Wir kennen zwar sowohl →Weimar als auch →Berlin als Reiseziel. Mit Bauhaus haben wir uns jedoch weder hier noch dort beschäftigt. Deshalb verweise ich auf andere Reiseblogs, die das getan haben.
- Einen ausführlichen Erfahrungsbericht über Bauhaus in Weimar inklusive dem dortigen Bauhaus-Museum hat Nicole von Freibeuter-Reisen.
- Ein klassisches Reiseblog, das sich mit Bauhaus in Berlin beschäftigt, habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. Aber das Magazin Mit Vergnügen listet elf Bauten und Siedlungen in der Hauptstadt, die von Bauhaus inspiriert sind.
Dessau mit Kindern jenseits von Bauhaus
Bei unserem Städtetrip von gerade einmal 24 Stunden haben wir leider nicht mehr viel Zeit für anderes gehabt. (Obwohl es in Wirklichkeit sogar eher 27 Stunden waren, glaube ich.) Aber ich hab mich ja umgesehen und umgehört.
Tierpark Dessau-Roßlau
Wenn ihr euren Kindern etwas Gutes tun wollt, wenn ihr sie mit nach Dessau nehmt, weil ihr das Bauhaus besichtigen wollt, empfiehlt sich als Ausgleichsprogramm wohl vor allem ein Besuch im Tierpark. Der kleine Zoo befindet sich in Laufreichweite vom Baushaugebäude und den Meisterhäusern mitten im Georgengarten. Mit den →schönsten Zoos in Deutschland kann er vermutlich nicht mithalten. Aber die Bewertungen versprechen einen netten Familienausflug gerade für kleine Kinder.
Das Gelände ist weitläufig und hübsch angelegt. Zu sehen gibt es rund 540 Tiere aus gut 100 Arten. Der Eintritt ist mit 7 Euro für Erwachsene und 3 für Kinder überschaubar. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wäre das auf jeden Fall unser nächster Programmpunkt in Dessau gewesen. Aktuelle Infos zu Eintritt und Öffnungszeiten findet ihr auf der Website.

Im Tierpark waren wir nicht, aber eine kurze Runde durchs Georgium haben wir gedreht. Das vermittelt schon mal einen Vorgeschmack aufs Wörlitzer Gartenreich.
Der schönste Spielplatz von Dessau
Ein kurzer Bummel durch die Innenstadt hat uns ehrlich gesagt nicht so vom Hocker gerissen. 80 Prozent der Stadt wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und in Zeiten knapper Kassen in der DDR wieder aufgebaut. Was ich aber sagen muss: Dessau gibt sich echt Mühe. Im Stadtzentrum sind wir überall auf kleine Spielinseln und Kletterelemente für Kinder gestoßen.
Den schönsten Spielplatz haben wir im Stadtpark unweit des Bauhaus-Museums entdeckt. Der Kletterturm mit Zwillingsrutsche ist mal was anderes und auch für Kinder im höheren Grundschulalter noch herausfordernd. Der kleine Rapunzelturm am Sandkasten nimmt auf das Original Bezug, das ein beliebtes Ausflugsziel am Stadtrand ist. Ein Elefant aus Beton ist ein beliebtes Wahrzeichen bei Kindern – seit Generationen. Großer Pluspunkt in Frankas Augen: Bei ihrem Besuch findet sie hier sofort Anschluss bei einheimischen Kindern.
Auch in unmittelbarer Nähe zum Bauhaus gibt es einen kleinen Spielplatz. Den haben wir allerdings nur im Vorbeigehen gesehen. Dort steht ein weiterer Beton-Elefant. Die Anlage wirkt ein bisschen eckig und übersichtlich – wie Bauhaus eben.
Übernachten in Dessau mit Kindern
Wenn ihr klassische Hotels oder Unterkünfte zur Selbstverpflegung für euren Städtetrip nach Dessau mit Kindern sucht, schaut am besten direkt bei booking.* Dort findet ihr meiner Erfahrung nach immer die größte Auswahl und eine Suche, die sich gut filtern lässt.
Unsere eigene Wahl fiel, wie oben schon erwähnt, auf die Jugendherberge. Um als Familie oder auch als Einzelperson dort zu übernachten, muss man Mitglied sein. Die Familienmitgliedschaft kostet 26 Euro pro Jahr. Wie Jugendherbergen als Unterkünfte für Familien generell funktionieren, habe ich in diesem Artikel ausführlich beschrieben: →Jugendherberge Borkum – Familienurlaub in Deutschlands größter Jugendherberge.
Jugendherberge Dessau
Die Jugendherberge in Dessau ist ein modernes Haus mit allen Annehmlichkeiten. Unser Familienzimmer ist nett und geräumig. Zwei Einzelbetten und ein Etagenbett befinden sich darin. Ein eigenes Bad ist mittlerweile Standard.
Das Frühstück ist in deutschen Jugendherbergen immer mit drin. Wir haben auch ein Abendessen mit dazu gebucht. In Dessau ist das Essen unserer Erfahrung nach besonders lecker. Es gibt richtig viel Gemüse und Obst. Überhaupt ist die Auswahl sowohl am Frühstücksbuffet als auch abends enorm – mindestens ebenso gut, wie wir es beispielsweise aus →Stralsund, →Düsseldorf oder →Altenburg kennen.
Speziell für Kinder gibt es im Lobbybereich eine Spielecke mit Büchern, Spielen und Spielzeug. Einiges ist frei verfügbar, manches muss explizit ausgeliehen werden (bleibt dafür hoffentlich länger vollständig). Dem Außengelände statten wir nur einen ganz kurzen Besuch ab, denn bei unserem Aufenthalt ist es bitterkalt. Im Sommer macht der Spielplatz direkt neben der Terrasse des Speiseraums bestimmt was her.

Im Sommer ist es überall schöner. Aber Dessau ist mit Kindern auch ein tolles Ziel für einen Städtetrip im Winter.
Mit Bauhaus hat die Jugendherberge nichts zu tun. Das Gebäude besteht aus einem „normalen“ älteren Haupthaus und einem modernen Anbau.
Mehr Tipps für Städtetrips mit Kindern
Weitere Ideen für tolle Städtetrips mit Kindern habe ich in diesen Beiträgen gesammelt:
- Kurzurlaub in Deutschland – die 20 schönsten Städtetrips mit Kindern
- Kleinstadtperlen – 24 alternative Städtetrips mit Kindern
- #cities4family – 18 Städtetrips in Niedersachsen
Unsere gesamten Reise- und Ausflugstipps in Deutschland habe ich – inklusive Kartenansicht – hier gelistet:
Familienurlaub in Deutschland: Unsere geballten Erfahrungen

Hier ist wirklich für jede und jeden etwas dabei.
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