Dingle gilt als eines der beliebtesten Ausflugsziele Irlands. Die fingerförmige Halbinsel im Südwesten des Landes bietet quasi Irland im Hosentaschenformat. All das, was sehnsuchtsvolle Urlauber an der Grünen Insel lieben, lässt sich hier an einem Tag abklappern. In so sehr touristischen Gegenden sind wir ja immer skeptisch. Aber als Sabine von Ferngeweht in ihrer Blogparade um Beschreibungen eines perfekten Urlaubstags bat, kam mir doch sofort unser herrlicher Tag auf Dingle in den Sinn. – Denn Dingle ist halt wirklich wunderwunderschön! Und unser Programm war für uns als Familie tatsächlich perfekt.

Zur Orientierung: Wir sind eine vierköpfige Familie mit zwei Jungs, 14 und 11 Jahre alt. Im Sommer 2018 waren wir insgesamt volle sechs Wochen in Richtung Irland unterwegs.

Eine Zusammenfassung dieser Knaller-Reise habe ich hier geschrieben:

Unser Irland-Sommer: 6 Wochen auf dem Wild Atlantic Way mit Kind und Teen

Irland mit Kind Wild Atlantic Way

Unser perfekter Urlaubstag auf Dingle (mit Kindern) ist durchaus zum Nachmachen geeignet. Perfekt ist er aber wahrscheinlich nur für uns.

Der perfekte Urlaubstag: Die Zutaten

Es gibt für mich eine ganze Reihe von Faktoren und Zutaten, die einen Reisetag zu einem perfekten Reisetag machen. Ganz unabhängig vom Reiseziel übrigens.

  • Eine schöne Unterkunft (denn damit steht und fällt die Laune beim Aufwachen und Insbettgehen)
  • Vom richtigen Weg abkommen (denn oft stellt sich das Ungeplante und Überraschende als das Schönste heraus)
  • Strandspaziergänge (denn eine Runde Meeresrauschen ist ein echter Garant für Glücksgefühle)
  • Weitblick (irgendwo hochklettern, um runterzugucken, scheint uns ein tief verwurzeltes Bedürfnis zu sein)
  • Wandern (denn nur zu Fuß tauchen wir so richtig ein in die Natur, und das ist etwas, an dem wirklich alle in unserer Familie Freude haben)
  • Stadtbummel (ein Gefühl dafür bekommen, wie die Menschen hier leben)
  • Cappuccino und Kuchen (oder im britischen Raum: Tea Time)
  • Alte Steine (alles zwischen Neolithikum und Frühmittelalter zieht mich magisch an)
  • Unerwartete Entdeckungen (oder Begegnungen, irgendwas, auf das man nie gekommen wäre, hätte man einen perfekten Tag gezielt geplant)
  • Erfüllung lang gehegter Träume (genauso wichtig: Dinge sehen oder erleben, die schon ewig auf dem Wunschzettel standen)

Der perfekte Tag auf Dingle: Unser Zeitplan

  • 7.00 Uhr: Aufstehen in der schönsten aller Ferienwohnungen
  • 8.00 Uhr: Falsch abbiegen ins Black Valley
  • 10 Uhr: Strandspaziergang am Inch Beach
  • 11 Uhr: Weitblick vom Conor Pass
  • 11.30 Uhr: Wandern bei Bergen, Seen und Wasserfällen
  • 15 Uhr: Bummel durch Dingle Stadt
  • 16 Uhr: An Cupan Tae
  • 17 Uhr: Gallary Oratory
  • 18.00 Uhr: Die tote Robbe am Strand
  • 19.30 Uhr: Das South Pole Inn
Tagesausflug Dingle mit Kindern, Wandern mit Kindern in Irland

Handfestes Wandern mit Kindern in Irland: geht prima auf Dingle. Wenn man weiß, wo.

7.00 Uhr: Aufstehen in der schönsten aller Ferienwohnungen

Es gibt ja nun verschiedene Herangehensweisen bei der Unterkunftssuche. Gerade bei Rundreisen ist das so eine Frage. Wir haben da schon sehr viel ausprobiert. Und ich kann gar nicht sagen, was mir nun wirklich besser erscheint. Oft umsetzen ist gut, weil wir dadurch viel Sightseeing auf dem Weg erledigen können. So sieht man unterm Strich mehr. Genauso aber hat eine feste Basis ihre Vorteile. Von dort aus lassen sich sternförmig weitere Tagesausflüge planen. Das ergibt zwar mehr Fahrzeit. Dafür müssen wir nicht jeden zweiten Tag wieder alles ein- und auspacken. Beides hat also Vor- und Nachteile.

In diesem Jahr haben wir uns für Variante zwei entschieden und fahren damit sehr gut. Nach Donegal, Mayo und Connemara verbringen wir eine weitere volle Woche mit fester Basisstation. Und unsere Ferienwohnung in Kerry ist perfekt! Und sie ist teuer. Aber das ist okay. Wir haben entsprechend bei den anderen Unterkünften gespart. Und ich genieße jede Minute in dem mit so viel Liebe zum Detail gestalteten Häuschen mit Meerblick.

Lena in Kenmare

Das bin ich, wie ich hochgradig verliebt alle Ecken und Winkel unserer herrlichen Ferienwohnung in Kenmare fotografiere.

Der Nachteil ist, dass diese Ferienwohnung in Kenmare liegt. Das ist ein guter Standpunkt, um den Killarney Nationalpark und den Ring of Kerry zu erkunden. Bis Dingle ist es aber alleine schon ein Anfahrtsweg von über 80 Kilometern. Will man dann einmal ganz rum um die Halbinsel Dingle, ist man weitere 100 Kilometer unterwegs. Und dann kommt der Rückweg. Elend viel Fahrerei also für einen Tagesausflug.

Aber hey: Wir sind am Morgen dieses Tages gut darauf eingestellt. So beginnt unser perfekter Tag. Wir sind bester Dinge, als wir am schön gedeckten Frühstückstisch vorm Kamin früh morgens unser Müsli löffeln.

8.00 Uhr: Falsch abbiegen ins Black Valley

Wir geben unser erstes Zwischenziel auf der Dingle-Halbinsel ins Navi ein. Dann machen wir uns auf den Weg.

Unser Navi ist erst seit kurzem Mitglied unserer Familie. (Wieso wir uns in Irland ein neues Navi kaufen mussten, steht hier.) Bei seiner Vorgängerin hatten wir den Bogen raus. „Vinnie“ hingegen schickt uns unbemerkt auf dem kürzesten Weg Richtung Dingle. Die gutgemeinte Richtungsanweisung führt uns durch Molls Gap. Und mitten durchs Black Valley bis zum Gap of Dunloe. Das ist wunderschön! Aber für Durchgangsverkehr – und eigentlich motorisierten Verkehr überhaupt – ist es völlig ungeeignet.

irland gab of dunloe

Eine Single Track Road mit nur wenig Ausweichmöglichkeiten führt durch herrlichste Landschaften.

Die einspurige Straße windet sich nun also in lächerlichen Haarnadelkurven durch das wildromantische Tal. Wir tuckern mit kaum 30 km/h durch die traumhafte Natur und quietschen vor Vergnügen.

Objektiv gesehen ist es absolut keine gute Idee, Molls Gap und das Gap of Dunloe mit dem Auto zu durchfahren. Die verdammt schmale Straße nehmen normalerweise große Horden von Radfahrern und Wanderern ein. Dazwischen sind etliche Pferdekutschen unterwegs. Alle wollen hier ihre Panoramatouren genießen. Da mit dem Auto Korken zu spielen, ist einfach nicht fair. Ich wundere mich, dass die Straße nicht von vornherein für motorisierten Verkehr gesperrt ist.

irland black valley kerry

Die Aussicht in das morgendliche Tal ist aber auch ein herrlicher Anblick! Meine Fotos werden der Realität kaum gerecht.

Wir sind an diesem Tag aber so früh unterwegs, dass uns kaum jemand entgegen kommt. Um kurz vor neun erreichen wir das Ende der Passstraße. Kein bisschen zu früh! Um diese Uhrzeit wird es merklich voller. Deshalb mein dringender Tipp: Wer sich zwischen Molls Gap und Gap of Dunloe ins Black Valley verfahren möchte, sollte das unbedingt vor acht Uhr tun! Solange man vor neun Uhr wieder draußen ist, ist es herrlich…

10 Uhr: Strandspaziergang am Inch Beach

Fast eine Stunde hat uns unser unverhoffter Umweg gekostet. Aber egal. Schließlich erreichen wir Dingle doch. Unsere erste Station ist Inch Beach. Der liegt noch ganz weit oben am Ansatz des „Dingle-Fingers“.

Der kilometerlange Sandstrand ist eine Nehrung, die im rechten Winkel von der Halbinsel absteht. Besonders Surfer haben hier ihren Spaß.

Tagesausflug Dingle mit Kindern, Inch Beach

Oben von der Straße und dem oberen Parkplatz kann man schon mal die Lage peilen, wie voll der Inch Beach gerade ist. Vor zu vielen Menschen kann man immer einfach weglaufen. Nach hinten hin ist ja beileibe genug Platz. Übrigens: Für 5 Euro die Stunde kann man auch wärmende Wetsuits ausleihen und Baden gehen.

Ganz ehrlich: Inch Beach ist nicht gerade Irlands schönster Strand. Da hat die Insel – und auch Dingle selbst – wesentlich schönere und vor allem einsamere Ecken zu bieten. Inch Beach ist in seiner Geradlinigkeit ein bisschen langweilig. Außerdem geht die große Durchgangsstraße direkt dran vorbei. Der große Gratis-Parkplatz (samt Gratis-Toiletten) lockt viele Besucher an. Es ist immer viel los.

Aber genau das ist auch das Gute: Ein kleiner Zwischenstopp für ein Viertelstündchen ist hier kein Problem. Nach der langen Anfahrt lassen wir uns einmal kräftig durchpusten. Die mächtigen Wellen spritzen uns Gischt ins Gesicht. Wunderbar!

Tagesausflug Dingle mit Kindern, Inch Beach

Janis am Strand von Inch Beach. Hätten wir nicht noch so viel vor gehabt, hätten wir es uns hier auch richtig gemütlich machen können. Das alles im Hintergrund ist die Südküste von Dingle.

11 Uhr: Weitblick am Conor Pass

Ob er nun Conor Pass oder Connor Pass heißt, da scheiden sich die Geister. Dingle ist ja An Gaeltacht, also ein irischsprachiges Gebiet. Folglich ist vor Ort immer bloß „An Chonair“ ausgeschildert. Auf jeden Fall ist der Pass mit 456 Metern der höchste in ganz Irland.

Vom Hauptort Dingle kommend befindet sich kurz vorm eigentlichen Pass-Übergang links der Straße ein großer kostenloser Parkplatz. Von hier aus haben wir eine fantastische Aussicht. Unter uns liegt das Hügelland.

Tagesausflug Dingle mit Kindern, Conor Pass

Krass, oder? Wir haben die ganze Zeit nach den Elben Ausschau gehalten, oder ob vielleicht zufällig ein Drache vorbei fliegt. Landschaft von überirdischer Schönheit…

Wir und die gefühlt 400 anderen Touristen natürlich. Einsamkeit sucht man an einer von Dingles Hauptattraktionen vergebens.

Eine Ameisenstraße windet sich einen ausgetretenen Weg den Hügel hinauf. Tipp: Diesen Weg kann man sich getrost sparen. Obwohl es aufwärts geht, ist die Aussicht direkt vom Parkplatz unserer Meinung nach die beste.

Tagesausflug Dingle mit Kindern, Conor Pass

Das ist der Ausblick vom höchsten Punkt am Conor Pass. Auch nicht schlecht, lohnt aber den Umweg nicht, finde ich. Vor allem, wenn man eh noch anderweitig Wandern gehen will.

11.30 Uhr: Wandern zwischen Bergen, Seen und Wasserfällen

Was sich dagegen lohnt, ist ein zweiter Zwischenstopp kurz hinter dem Nadelöhr, das im weiteren Straßenverlauf folgt. Direkt hinter der eigentlichen Passhöhe befindet sich rechts ein weiterer, viel kleinerer Parkplatz an einem Wasserfall. Wer hier einen Stellplatz erhascht und einer kleinen Kletterpartie nicht abgeneigt ist, sollte unbedingt rechts neben dem Wasserfall die Felsen erklimmen.

Tagesausflug Dingle mit Kindern, Lough Doone

Links neben mir und meiner Kamera plätschert der Wasserfall, und Janis ist schon fast oben am See. Es ist wirklich nicht weit.

Nach ein paar wenigen, allerdings durchaus anstrengenden Metern (kleine Kinder im Vorschulalter brauchen hier vielleicht Unterstützung) erreicht man einen wunderschönen kleinen Bergsee mit atemberaubenden Panoramablick. Auch hier ist man in der Hauptsaison wohl nie alleine – aber es ist trotzdem wunderschön!

Tagesausflug Dingle mit Kindern, Lough Doone

So eine tolle Belohnung für so eine kurze Kletterpartie! Die Mini-Minitour zum Lough Doone ist auch für wanderfaule Kinder ein Klacks.

Eine weitere fantastische Wanderung startet nur ein kurzes Stück weiter am Lough Adoone (nicht zu verwechseln mit dem Lough Doone, das ist der kleine am Wasserfall-Parkplatz). Für die Tour sollte man sich aber einen guten Wanderführer besorgen, denn da gibt es einige Tücken, die sich nicht in drei Sätzen in einem Blog erklären lassen.

Auf jeden Fall verbringen wir dort ein paar herausfordernde, aber ganz, ganz wunderbare Stunden.

Tagesausflug Dingle mit Kindern, Wandern mit Kindern in Irland

Die Tour am Lough Adoone war eine unserer schönsten in Irland!

15 Uhr: Stadtbummel durch Dingle

Eine „ordentliche“ Dingle-Rundtour würde vermutlich in Tralee beginnen und sich dann an der Nordseite entlang dem Conor Pass nähern, bevor sie in den Hauptort Dingle führt.

Wir lassen auf unserer „unordentlichen“ Dingle-Rundtour sowohl Tralee als auch die komplette Nordseite aus. Von Inch Beach fahren wir südlich an den Conor Pass heran, was bedeutet, dass wir die Stadt Dingle schon einmal durchfahren. Alle weiteren Sehenswürdigkeiten auf Dingle befinden sich aber weiter vorne an der Spitze, und so müssen wir umkehren, wieder über den Pass und zurück nach Dingle Stadt.

Und als wir uns das trubelige kleine Touristenstädtchen noch mal angucken – und einen der wenigen kostenlosen Parkplätze an der Straße ergattern, denn der große Parkplatz am Hafen kostet richtig Geld und überall sonst scheint Parken verboten – entschließen wir uns spontan zu einem Stadtbummel.

Dingle Tagesausflug, Dolphin Shop

Dank Fungie sind Delfine in Dingle allgegenwärtig.

Das ist in unserer Familie ein nicht grenzenlos beliebter Zeitvertreib, aber das Aufsatzthema heißt ja „Mein perfekter Tag“, ha! Also genieße ich es sehr, zur Abwechslung mal in die Schaufenster der örtlichen Geschäfte gucken zu dürfen.

Die Auslagen bestimmt der Delfin Fungie, denn der ist Dingles großer Star. Seit 1983 lebt er in der Bucht und zeigt sich beinahe täglich den Besuchern, die fleißig Fungie-Touren buchen. Ein ganzer Tourismuszweig hat sich um den Kerl gebildet, der zur Besorgnis der örtlichen Geschäftsleute mittlerweile das Seniorenalter erreicht hat. Eine Statue auf dem Hafenplatz hat er bereits. Was mit Dingle passiert, wenn Fungie dereinst nicht mehr ist, weiß niemand. Aber vielleicht wird es dann wieder einfacher, einen Parkplatz zu finden…

Dingle Tagesausflug, Fungie

Dingle ist auch der Knotenpunkt des organisierten Tourismus auf der Halbinsel. Pauschale Touren sind überall erhältlich, mit Bus und Boot.

16 Uhr: Tea Time im „An Cupan Tae“

Zu einem perfekten Urlaubstag gehört für mich ganz entschieden eine Einkehr im Café. Dingle hat eine ganze Reihe davon. „Bean in Dingle“ und „The Wren’s Nest Coffee House and Garden“ habe ich mir rausgesucht. Die Fotos im Internet von beiden sehen toll aus!

Leider ist es an einem Nachmittag mitten in der Hauptsaison dann doch zu voll. Beide meiner Favoriten sind voll ausgebucht. Kein Tisch frei.

Dingle An Cupan Tae Cafe

Zur besten Kaffeezeit in der Hauptsaison geben wir uns auch mit unserem Drittwunsch zufrieden.

Mit Glück werden wir doch noch fündig. Der kleine Tea Room mit dem gälischen Namen „An Cupan Tae“ gleich hinter dem Hafen hat den Charme italienischer Eisdielen. Der (nicht eben günstige) Kuchen schmeckt mir ein bisschen zu künstlich. Aber die Bedienung ist ausgesprochen nett. Und es stehen echte Blumen auf dem Tisch. Wir sitzen und genießen unsere Pause.

Kann ja auch nicht alles perfekt perfekt sein an einem einzigen Tag…

Dingle An Cupan Tae Cafe

Aus dieser Perspektive sieht es sogar noch netter aus, als es war. :) Und dieses Foto überführt mich dabei, dass ich meinen Zeitplan rein aus dem Gedächtnis so behauptet habe, denn es ist erst halb vier…

17 Uhr: Alte Steine in der Gallarus Oratory

Dingle hat jede Menge alte Steine zu bieten. Angefangen in der Steinzeit ist die ganze Palette vorhanden. Großsteingräber, Dolmen, Steinkreise und andere Arten von Alignments. Ringforts, Ogham-Steine und die berühmten steinernen „Bienenkörbe“ der frühchristlichen Mönche.

Ich bin ganz gepinselt auf alles Prähistorische. Aber nach mittlerweile vier Wochen Irland hat sich doch so langsam schon ein Sättigungsgefühl eingestellt. Ich muss nicht mehr an jedem einzelnen Standing Stone anhalten. Aber die Gallarus Oratory ist doch etwas Besonderes. Der Umweg um die Nordwestschleife der Halbinsel lohnt sich.

Die kleinste Kirche Dingles ist gleichzeitig eine der ältesten überhaupt. Wohl gegen Ende des 8. Jahrhunderts entstand der mörtellose Steinbau. Bis heute ist er wasserdicht.

Dingle Tagesausflug, Dingle mit Kindern, Gallarus Oratory

„So, und jetzt stellt ihr euch mal bitte neben die Kirche, damit Muttern ein Foto machen kann!“ Genau so ist es gewesen. Ich kann es nicht leugnen. Setzt aber wenigstens die Größe ins Verhältnis.

Viel zu sehen gibt es freilich nicht. Das Innere ist komplett leer. – Abgesehen von den anderen Touristen natürlich, die munter rein und raus drängen. Neben dem Bethaus steht noch ein Ogham-Stein, der einen Blick lohnt. Meine Jungs brauchen kaum zehn Minuten, bis sie mit dieser Sehenswürdigkeit fertig sind.

Parkt man am offiziellen und weiträumig ausgewiesenen Parkplatz am Visitor Centre, zahlt man am Zugangstor 3 Euro pro Person. (Es sei denn, man besitzt die Heritage Card). Kurioserweise scheint es genauso legitim, den „Geheimparkplatz“ ein Stück die Straße runter zu nehmen und von dort durch die Fuchsienhecken zur Gallarus Oratory zu laufen. Das ist völlig kostenlos. Weil ich nicht glauben kann, dass man so tatsächlich gratis in das Monument kommt, probieren wir es aus (obwohl wir die Heritage Card besitzen). Es funktioniert tatsächlich. Bedingung ist natürlich, dass man eine Lücke auf dem kleinen, für vielleicht acht Autos geeigneten Parkplatz ergattert.

Dingle Tagesausflug, Dingle mit Kindern, Gallarus Oratory

Der „Geheimgang“ durch die Fuchsienhecke hat mir beinahe besser gefallen als die Gallarus Oratory selber.

Andererseits kann ich nun natürlich nicht berichten, ob sich das zugehörige Visitor Centre lohnt. Vielleicht ist es ja so toll, dass die 3 Euro Eintritt doch gerechtfertigt sind? (Allein für die Kirche halte ich das nämlich für fragwürdig. Andererseits besteht natürlich grundsätzlicher Spendenbedarf zum Erhalt solcher Altertümer.) Ich hab mal auf TripAdvisor und Co. nachgeguckt. Dort wird die Ausstellung so gut wie nie erwähnt. Wenn, dann nur im Nebensatz, dass man sie vergessen könne. Vielleicht ist ja eine Leserin oder ein Leser schon mal dort gewesen und kann per Kommentar berichten?

18.00 Uhr: Unerwartete Entdeckung – die tote Robbe am Strand

Die Spitze von Dingle ist eigentlich der schönste Teil der Halbinsel. (Vielleicht aber auch das Hochland am Conor Pass. Ich kann mich nicht ganz entscheiden.) An der Spitze jedenfalls tummeln sich noch einmal besonders viele archäologische Sehenswürdigkeiten. Herrliche Strände schmiegen sich zwischen dramatischen Steilklippen.

Einer von jenen ist Clogher Beach. Der Strömungen wegen ist hier Baden verboten. Dazu ist es verweichlichten Mitteleuropäern in Irland aber ohnehin meistens zu kalt. Die Aussicht ist jedenfalls bombastisch. Die Jungs buddeln mit Begeisterung.

Dingle Tagesausflug, Dingle mit Kindern, Clogher Beach

Clogher Beach, einer der schönsten Strände von Dingle. (Glaube ich. Wir haben nur vier Stück ausprobiert. Diesen hier mochte ich am liebsten.)

Die Flut hat eine tote Robbe angespült. Um den aufgeblähten kleinen Körper machen wir einen Bogen. Als wir schon auf dem Rückweg zum (kostenlosen) Parkplatz sind, wird ein kleiner Bagger angeliefert. Und dann wird es spannend. Was macht der mit der toten Robbe? Sammelt er sie einfach auf die Baggerschaufel? Erstaunt sehen wir dabei zu, wie der Bauarbeiter den Kadaver tatsächlich an Ort und Stelle bestattet. Schön tief, damit kein Kind ihn wieder ausbuddelt. Aber doch einfach so. Direkt am Strand.

Dingle Tagesausflug, Dingle mit Kindern, Clogher Beach

Warum man am Strand nie zu tief graben sollte…

Wir haben uns noch nie Gedanken darüber gemacht, was mit angespülten Tieren passiert. Zuerst sind wir entsetzt. Dann überlegen wir: Warum eigentlich? Und das finde ich so toll, wenn beim Reisen Dinge passieren, die einen über etwas nachdenken lassen, an das man noch nie einen Gedanken verschwendet hat.

Eine tote Robbe ist ganz sicher keine notwendige Zutat für einen perfekten Urlaubstag. Aber gerade mit Kindern ist so etwas ein echtes Mikroabenteuer.

19.30 Uhr: Das South Pole Inn – ein lange gehegter Traum

Ein perfekter Reisetag braucht einen Höhepunkt. Etwas erleben zu dürfen, was man schon ewig mal sehen wollte. Oder etwas, zu dem man direkt oder indirekt eine langjährige emotionale Beziehung hat.

Für mich ist das South Pole Inn in Annascaul so ein Ort. Hier lebte und arbeitete Tom Crean. Er war ein harter Hund aus der Mannschaft von Robert Scott. Später war er mit Ernest Shackleton unterwegs. Noch später, als er von seinen Antarktis-Expeditionen die Nase voll hatte, eröffnete er in Annascaul seinen Pub.

South Pole Inn, Annascaul, Dingle, Irland

Tadaaa, das South Pole Inn. Viel drüber gelesen, jetzt endlich selbst dort.

Als junges Mädchen war ich ganz wild auf alles, was mit Polarforschung zu tun hatte. Natürlich habe ich meinen Kindern später eine kindgerechte Form vom Rennen um den Südpol vorgelesen: Scott, Amundsen und der Preis des Ruhms: Die Eroberung des Südpols“ von Andreas Venzke.* Das ganz wunderbare Buch ist aus der Sicht von Tom Crean geschrieben. Es beginnt und endet eben hier im South Pole Inn in Annascaul auf Dingle. Deshalb ist es für uns alle etwas ganz Besonderes, hier einzukehren.

Auch mit Kindern geht das übrigens ganz prima. Das Ambiente ist rustikal. Die unzähligen Expeditionsfotos und anderen Memorabilia vertreiben die Wartezeit. Es gibt eine kleine Kinderkarte. Auf Wunsch werden aber auch einfach kleine Portionen der anderen Gerichte serviert.

South Pole Inn Annascaul, innen

Das South Pole Inn ist eigentlich ein typischer Irish Pub. Urgemütlich, nur halt mit jeder Menge Antarktis-Kram ausgestattet. Wir haben uns tatsächlich richtig wohlgefühlt.

Aber Achtung: Das irische Jugendschutzgesetz kehrt Kinder bis zur Volljährigkeit um 21 Uhr vor die Pub-Tür. Und auch vorher dürfen Kinder nur in Pubs, um etwas zu essen.

Natürlich ist das South Pole Inn extrem touristisch. Und die Heldenverehrung ist vielleicht ein bisschen dick aufgetragen. (Wobei Tom Crean diese Behandlung wahrscheinlich noch eher verdient hat als die mit den richtig großen Namen.) Es sind auch längst keine Creans mehr, die das Gasthaus betreiben. Aber es ist immer noch dasselbe South Pole Inn. Das Essen ist gut. Das Bier ist hervorragend (auch das mit dem Konterfei des Polarhelden, finde ich). Und es ist echt total gemütlich. Ein richtig gelungener Abschluss unseres perfekten Tages.

Familienfoto mit Tom Crean

Familienfoto mit Tom Crean an seiner Statue in Annascaul am Ende unseres perfekten Dingle-Days.

Noch mehr perfekte Urlaubstage gibt es im Ferngeweht-Blog zu finden. Bisher sind z.B. Bayern, Mexiko und Guatemala dabei. Bis Ende Oktober kommt bestimmt noch eine Menge dazu.

Transparenz-Hinweis: Dieser Text beruht auf meinen eigenen Erfahrungen. Er ist nicht dazu geschrieben, irgendwen zum Kauf oder zur Buchung von irgendwas anzuregen (obwohl er einen entsprechend gekennzeichneten Affiliate-Link zu Amazon enthält, falls du zufällig das Buch kaufen möchtest, von dem ich erzählt habe). Idealerweise soll er Menschen, die einen Tagesausflug nach Dingle planen, mit meinen Erfahrungswerten helfen. Und als Teil der Blogparade soll er unterhalten und ganz einfach Teil des wunderbaren Reiseblogger-Netzwerkes sein. Er ist nicht als Werbung für irgendwas oder irgendwen gedacht. Und ich verdiene kein Geld damit, fürchte ich (es sei denn, jemand kauft tatsächlich dieses Buch, dann bekomme ich eine Provision von ein paar Cent).

Family4travel ist ein unabhängiges Reiseblog für Familien. Hier stecken unzählige Stunden Arbeit, Expertenwissen und Herzblut drin. Um auch weiterhin werbefreie, aufwändig recherchierte, aktuelle und hilfreiche Inhalte veröffentlichen zu können, biete ich Menschen mit sozialem Bewusstsein die Möglichkeit zur Unterstützung über Steady. Informiere dich, wie du Mitglied im Familienkreis werden und von handfesten Vorteilen profitieren kannst! → Klick!