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Wo die wilden Dinos wohnten (in Obernkirchen, Deutschland)

Bis vor kurzem konnte sich Obernkirchen nur als Geburtsort  des Puddingpulver-Erfinders Dr. Oetker rühmen. Und als Herkunftsort eines hervorragenden Sandsteins, der beim Bau vieler berühmter Bauwerke Verwendung fand – beispielsweise beim Amsterdamer Stadtschloss, im Weißen Haus in Washington und bei den Türmen des Kölner Doms (Tatsachen, die eigentlich nur Einheimische wissen, und selbst die haben das nach dem Heimatkundeunterricht in der Grundschule meist recht schnell wieder vergessen). Dann aber entdeckten Arbeiter in besagtem Steinbruch vor einigen Jahren eine Menge versteinerte Fußspuren von einer Menge verschiedenen Dinosauriern. Und so langsam wird das doch noch was mit dem Ruhm. Zumindest unter Paläontologen.

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Passiv-Reise nach Warschau, Polen

Drei Tage lang haben wir Marcin mit seinen Kindern Kasia (9) und Wojtek (4) bei uns zu Gast gehabt. Die polnischen Sommerferien sind lang – acht Wochen – und da Marcin und seine Frau Ania beide arbeiten, nehmen sie ihren Urlaub abwechselnd. Die Kinder freuen sich, dass sie nach zwei Wochen polnische Ostseeküste mit Mama jetzt auch noch zwei Wochen Couchsurfing-Abenteuer in Deutschland und den Niederlanden mit Papa erleben.

Für unsere Jungs kündigt sich der Besuch auf die übliche, unwillkommene Weise an: Sie müssen ihre Zimmer aufräumen. Das von Janis muss besonders picobello aussehen, denn hier werden zumeist die Couchsurfer einquartiert. Janis weicht solange in die ausziehbare Betthälfte von Silas aus. „Besonders picobello“ erweist sich mal wieder als synonym mit „Mach bloß keine Schranktüren auf, sonst fällt dir alles entgegen!“. Aber für mehr bleibt so kurz vor unserer eigenen Abfahrt in den Urlaub keine Zeit. Und sowieso, sollten die Gäste tatsächlich auf die Idee mit dem Schränkeöffnen kommen, wird ihre Neugier eben prompt bestraft.

Marcin und seine Kinder haben an diesem Tag den ganzen weiten Weg von Warschau nach Schaumburg zurückgelegt und sich zwischendurch noch die Wolfsburger Autostadt angesehen. Kein Wunder, dass die beiden Kurzen fix und alle sind. Nachdem Kasia und Wojtek friedlich in Janis’ Bett schlummern, haben wir und Marcin aber genügend Zeit für das erste von vielen interessanten Gesprächen.

Polnischer Besuch punktet freilich weniger auf der Exotik-Skala. Und so stellt sich schnell heraus, dass Marcin und wir ganz ähnliche Auffassungen vom Leben haben und uns dieselben Sorgen umtreiben. Marcin schimpft auf das polnische Schulsystem, das nur auf individuelle Leistung zielt und keinen Raum für die Entwicklung von Teamgeist und die eigene Persönlichkeit lässt. Wir lachen, obwohl das Thema eigentlich traurig ist, weil genau diese Zustände in Deutschland uns dazu bewogen haben, unsere Kinder auf die Waldorfschule zu schicken.

Als ich am nächsten Morgen die Treppe heruntergetorkelt komme und mir den Schlaf aus den Augen wische, sitzt Wojtek schon mit Janis und Silas zwischen sämtlichen Playmobil-Rittern auf dem Fußboden. Silas erklärt ihm gerade, wie man die Kanone abschießt. Irgendwann zwischen sechs und halb sieben müssen die beiden Freundschaft geschlossen haben.

The dinosaur tracks of Obernkirchen are special enough to show to every couchsurfer.
The dinosaur tracks of Obernkirchen are special enough to show to every couchsurfer.

Nach dem Frühstück sehen wir uns gemeinsam die Dinosaurierspuren auf dem Bückeberg an. Nicht, dass Schaumburg so wenig zu bieten hätte, dass wir immer dasselbe vorzeigen müssen, aber Dinos ziehen bei kleinen Jungs natürlich immens. Damit auch Kasia auf ihre Kosten kommt, sehen wir uns im Anschluss das Bückeburger Schloss an – wahrhaft ein Ort für jede Prinzessin. Wir schlendern durch den Schlosspark und versacken im Park-Café. Während Marcin und ich übers Reisen philosophieren, toben sich die Kinder gleich nebenan auf dem kleinen Spielplatz aus.

The Castle of Bückeburg is a beautiful place.
The Castle of Bückeburg is a beautiful place.

„Spätestens nach einer Weile, wenn man schon ein bisschen in Europa herumgekommen ist, kommt es doch auf die Sehenswürdigkeiten gar nicht mehr an“, sagt Marcin und spricht mir damit aus der Seele. „Noch eine Burg ist nur noch eine Burg. Aber die Menschen, die man beim Couchsurfing trifft, die sind jedes Mal wieder ganz anders und immer interessant.“ Das Bückeburger Schloss sei hübsch, bescheinigt er, und so viele verschiedene urzeitliche Fußspuren auf einem Haufen habe er in der Tat noch nie gesehen. „Aber viel mehr interessiert mich, ehrlich gesagt, eure Küche.“

The footprint of a triceratops. Not as interesting as our kitchen, says Marcin.
The footprint of a triceratops. Not as interesting as our kitchen, says Marcin.

Hier bereitet Marcin am Abend der guten alten Couchsurfing-Tradition entsprechend ein Abendessen für uns zu. Er ist nicht so der Koch und nimmt die Hilfe seines Tablets sowie die von Uncle Ben in Anspruch, aber was nachher auf dem Tisch steht, schmeckt uns durchaus gut. Die Technik, die er auf dem Weg dorthin nutzen muss, fasziniert ihn. Er bewundert die Weitsicht, die Spülmaschine erhöht einzubauen, zeigt sich beeindruckt von der Dunstabzugshaube und bestaunt das Wunder des Induktionsherds. Dass Deutsche so viel Geld für ihre Küche ausgeben und im Gegenzug lieber auf einen Flachbildfernseher verzichten (oder in unserem Fall sogar auf einen Fernseher generell), kann er nicht verstehen. Dabei finden wir sein Haus in der Warschauer Vorstadt ebenso sehenswert, als er uns am Computer Bilder davon zeigt. Irgendwann, beschließen wir, müssen wir unbedingt zum Gegenbesuch vorbeikommen.

 

Diesen Eintrag meines Reise-Tagebuchs habe ich am 8. August 2013 verfasst.

Passiv-Reisen nach Korea

Reisen hat nicht immer unbedingt damit zu tun, möglichst viel Strecke zwischen sich und seinen Wohnort zu bringen. Gerade beim Couchsurfen ist Hosten – also anderen Menschen gratis eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten – immer ein bisschen so, als werde einem der Urlaub nach Hause gebracht. Passiv-Reisen. Man entdeckt die Welt, ohne sich vom Fleck zu bewegen.

Kürzlich haben wir auf diese Weise exotische Gefilde entdeckt: Unsere Gäste kamen aus Südkorea.

Da bei Europäern offenbar keinerlei Hoffnung besteht, sich koreanische Namen zu merken oder sie auch nur annähernd korrekt auszusprechen, hatte sich die Familie westliche Vornamen zugelegt. Vater Ivan arbeitet für ein paar Jahre in Weißrussland, seine Frau Anna, Tochter Soyoon und den kleinen Andruscha hat er natürlich mitgenommen. Von dort versuchen sie so viel Europa zu erkunden wie möglich, und so ging es diesen Sommer nach Berlin und Paris – mit Zwischenstopp in Schaumburg.

Anna from Korea couchsurfed with us together with her family - and she prepared a delicious Korean stew for us.
Anna from Korea couchsurfed with us together with her family – and she prepared a delicious Korean stew for us.

Die meisten Couchsurfer nehmen die Sache mit dem Kulturaustausch ernst und geben sich Mühe, ihren Gastgebern ein Stückchen Lebensart aus ihrem Heimatland mitzubringen. Nachdem Anna und ihre Familie sich in einem der Kinderzimmer häuslich eingerichtet hatten, begleitete ich sie als erstes in den Supermarkt. Sie kaufte Zwiebeln, Knoblauch, Weißkohl, Karotten, Kartoffeln, Zucchini, Äpfel, Champions, Paprika, Hähnchen und Reis. Und es macht immer wieder Spaß, einen ganz normalen deutschen Supermarkt durch die Augen eines ausländischen Touristen zu sehen. Warum muss man das Gemüse in diese Plastiktüten packen, und wieso dürfen sich Zucchini und Paprika die Tüte nicht teilen? Warum gibt es in Deutschland –zig Sorten Reis, obwohl er in unseren traditionellen Gerichten kaum vorkommt und selbst die koreanischen Viel-Reis-Esser mit zwei, drei Sorten auskommen?

The family even brought their own rice cooker, a very foreighn sight for us.
The family even brought their own rice cooker, a very foreighn sight for us. Janis was fascinated.

Zu Hause war die Freude groß, als Anna ihren original Hightech-Reiskocher inklusive koreanischer Schriftzeichen auspackte, der sich farblich auch noch wunderbar harmonisch in unsere Küche einfügte. Außerdem kamen aus ihren Taschen Sojasoße, Sesamöl und eine typische Gewürzmischung zum Vorschein. Gemeinsam schnippelten wir das Gemüse (in Dreiecke, wenn immer möglich), während wir uns über Staatenteilung im Allgemeinen und in unseren Ländern im Besonderen unterhielten, über Bildungspolitik, Entwicklungshilfe und das Verhältnis zu unseren Schwiegermüttern. Unsere Kinder spielten derweil im Garten und brauchten wie gewöhnlich kaum auf ihre rudimentären Englischkenntnisse zurückgreifen, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Silas and Andrewsha didn't need a common language to play.
Silas and Andrewsha didn’t need a common language to play.

Am Ende ergaben alle Zutaten zusammen ein köstliches Gericht. Da Anna daran dachte, eine zweite Pfanne ohne scharfe Gewürze zuzubereiten, waren auch unsere Jungs von dem Ergebnis durchaus angetan (na ja, abgesehen von dem Fauxpas, als Janis laut „Bäh!“ rief und sich schüttelte, als er auf einen Pilz biss – aber nachdem er die Champions aussortiert hatte, verlangte er gleich Nachschlag).

Korean ingredients in my kitchen - what a sight! :)
Korean ingredients in my kitchen – what a sight! :)

Zum Frühstück gab es dann typisch deutsche Brötchen und typisch deutsches Mett, welches Anna immerhin probierte (aber mal ehrlich – rohes Fleisch zu essen, IST durchaus leicht barbarisch, oder?). Und zum Abschied bekamen wir einen Handspiegel mit Perlmutbesatz in einem traditionellen koreanischen Beutelchen mit traditionellen Knoten-Ornamenten und einen Bambusfächer.

(Vorher war natürlich noch Sightseeing bei den Obernkirchener Dino-Spuren angesagt, aber davon schwärme ich demnächst in einem anderen Beitrag…)

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute (in Börgerende, Deutschland)

Wieder zu Hause machten wir uns ein letztes Mal mit den Fahrrädern auf den Weg ans Meer, um uns von der Ostsee zu verabschieden. Inzwischen war die Sonne wieder rausgekommen, und am Strand war selbst am späten Nachmittag einiges los.

Well, okay, I'm cheating. This is the dog's beach close to Heiligendamm and the beach bar the Sunday before.
Well, okay, I’m cheating. This is the dog’s beach close to Heiligendamm and the beach bar the Sunday before.

Einen kurzen Halt legten wir noch am „Märchen-Laden“ ein, fast direkt vorne am Wasser in Börgerende. Hier gibt es in hübscher Atmosphäre schönen Schnickschnack, Klamotten, Porzellan, Deko – all die Dinge, für die Frauen gerne viel Geld ausgeben. Der Verkaufsraum ist Laden, Café und Frühstückszimmer der angeschlossenen Pension in einem. Die Zimmer sind nach Märchen benannt, und die engagierte Inhaberin bietet auch verschiedene Workshops an. Wir waren kurz vor Ladenschluss dort und hätten sogar noch ein Stück „Aschenputteltorte“ umsonst abstauben können – leider waren wir von unserem Kutscher-Kirschkuchen zu gesättigt. So investierte ich all das durch unsere eher bescheidene Programm- und Speiseplangestaltung eingesparte Urlaubsgeld in einen Baumwollrock mit Spitze, den ich in zwei Wochen mit nach England nehmen werde.

Inviting sign of the "fairytale B&B with shop and café" that we managed to visit on our last day.
Inviting sign of the „fairytale B&B with shop and café“ that we managed to visit on our last day.

Morgen nach dem Frühstück geht es dann fürs erste nach Hause. Zusammengepackt haben wir schon. Vielleicht kommen wir im Herbst noch mal wieder, wenn der große Ansturm auf die Ostseeküste vorbei ist.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 29. Juli 2013 verfasst.

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.

Wo Eis noch 50 Cent kostet und abgeschossene Störche leben (in Rostock, Deutschland)

Dieser Eintrag beginnt schon wieder mit dem Wort eigentlich: Denn eigentlich wollten wir heute in den IGA-Park zum ehemaligen Gartenschau-Gelände. Dort war ich seit Jahren nicht, weiß aber noch, dass es einen hübschen Spielplatz mit Hängematten gibt und außerdem ein Schifffahrtsmuseum, das ich mir noch nie ausführlich angesehen habe.

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Strandkoller und Grillglück (in Börgerende-Rethwisch, Deutschland)

Am späten Nachmittag waren wir wieder zu Hause und bereiteten das Grillen vor, während Daniel ans Meer fuhr, um noch einmal in der Ostsee zu schwimmen. Uns anderen hängt der Strandurlaub mittlerweile etwas zum Hals heraus. Natürlich verpflichtet das herrliche Wetter moralisch dazu, aber stundenlang im Sand liegen und in der Sonne braten war noch nie meins. Selbst die Jungs haben ihre Bedürfnisse zu planschen und Burgen zu bauen mittlerweile hinreichend befriedigt. Silas sagte gestern: „Ich langweile mich etwas. Das Beste am Urlaub ist doch, wenn man etwas kennenlernt, was man vorher noch gar nicht kannte!“ Dieses Vergnügen haben diesmal nur Anna und Daniel, und während es mir Spaß macht, den beiden die Gegend zu zeigen, freuen sich die Jungs auf unseren nächsten „richtigen“ Urlaub.

Daniels Kurzbesuch näherte sich schon wieder seinem Ende. Er verabschiedete sich mit einem Abendessen vom Grill. Das Fleisch hatten wir gestern in der Fleischerei Timm gekauft, die mit ihren hübschen alten Bodenfliesen fast schon eine Sehenswürdigkeit an sich ist (sie befindet sich in der Mollistraße in Bad Doberan). Hier wird noch echtes Handwerk praktiziert, und es gibt Fleisch, das in der Pfanne nicht auf die Hälfte zusammenhutzelt. Wir hatten Hüftsteaks, die schlichtweg hervorragend waren.

Delicious outdoor dinner in the process of becoming delicious.
Delicious outdoor dinner in the process of becoming delicious.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 29. Juli 2013 verfasst.

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.

Leuchtturm, Teepott, Nebengassen (in Warnemünde, Deutschland)

Auf Höhe des Teepotts verließen wir den Strand schon wieder und warfen einen Blick auf die beiden Wahrzeichen der Stadt. Der Teepott dient seit seiner Erbauung in den unbarmherzigen 70er Jahren als Unterkunft für Gastronomiebetriebe und Andenkenläden. Hier bekommt man alles, was der Tourist von Welt so braucht, beispielsweise fein glänzende Mittelmeermuscheln mit der Aufschrift „Ostsee“.

The "teapot" is one of Warnemünde's landmarks. In close-up, the 70's building doesn't even look to bad.
The „teapot“ is one of Warnemünde’s landmarks. In close-up, the 70’s building doesn’t even look to bad.

Der Leuchtturm direkt nebenan dient als Aussichtsturm, schickt jedoch auch heute noch jede Nacht sein Leuchtfeuer 37 Kilometer weit über das Meer.

The lighthouse is just as famous as the "teapot".
The lighthouse is just as famous as the „teapot“.

Zurück gingen wir durch die Alexandrinenstraße, die parallel zum Alten Strom verläuft. Auch hier gibt es zahlreiche nette Läden (darunter auch die unvermeidlichen Sanddornfachgeschäfte) und Ferienwohnungen in den wunderhübschen Kapitänshäusern. In den handtuchgroßen Vorgärten blühten die Stockrosen, und da angenehmerweise hier die Menschenmassen fehlten, war es sogar möglich, einmal stehen zu bleiben und den Anblick zu bewundern, ohne zwangsläufig weitergeschoben zu werden.

The Alexandrinenstraße is almost as pretty as the parallel main street "Am Strom" but never as crowded.
The Alexandrinenstraße is almost as pretty as the parallel main street „Am Strom“ but never as crowded.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 29. Juli 2013 verfasst.

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