Auf unserer großen Reise haben wir viele Länder bereist, die nicht zu den klassischen Urlaubsländern gehören. Von Albanien über Rumänien bis zu den östlichen Staaten Ex-Jugoslawiens berichte ich von meinen Erfahrungen in einzelnen Ländern und schreibe auf, was wir für empfehlenswert halten und was wir als landestypisch erlebt haben – ganz subjektiv auf Basis unserer Erlebnisse, die sich oft nur über einen kurzen Zeitraum erstreckten.

Heute ist Bulgarien dran.

Bulgarien ist leider eins von den Ländern, über die ich gar nicht so viel zu sagen habe. Wir waren Ende Dezember 2014 insgesamt zwei Wochen dort, haben aber von den Einheimischen bedauerlich wenig mitbekommen.

Typische Architektur in Sozopol am Schwarzen Meer.

Typische Architektur in Sozopol am Schwarzen Meer.

Drei Tage haben wir als Couchsurfer bei einer finanziell sehr gut gestellten Familie in Sofia verbracht. Vier Tage und Nächte waren wir dann in einer englischen Familie zu Gast, die in ein kleines Dorf mitten im bulgarischen Nirgendwo ausgewandert ist – ein tolles Erlebnis und ein fantastisches Weihnachtsfest. Eine ganze, eiskalte Woche haben wir anschließend eine Ferienwohnung in Sozopol am Schwarzen Meer gemietet.

Unsere Bulgarien-Erfahrung

Bulgarien ist ein extrem vielseitiges Land. Landschaftlich variiert es von den spektakulären Bergen im Westen bis zu Strand und Meer im Osten, kulturell von der quirligen, durch und durch europäischen Metropole Sofia bis zu den ursprünglichen Dörfern wie Svetlen, wo Nachbarn sich zusammentun, um auf der Wiese vor den Häusern ein Schwein zu schlachten.

Näher ran trauen wir uns dann doch nicht. Die Nachbarn schlachten ein Schwein für das Festessen am Weihnachtstag.

Die Nachbarn schlachten ein Schwein für das Festessen am Weihnachtstag.

Geschichtlich haben die Griechen ihre Spuren hinterlassen, die Römer, die balkanischen Ureinwohner der Illyrer, und die Osmanen, die 500 Jahre über Bulgarien herrschten und den Islam mitbrachten.

Die vorherrschende Religion ist das orthodoxe Chistentum, immer gewesen. Aber auch Moscheen gehören zum Stadtbild dazu (hier in Sofia).

Die vorherrschende Religion ist das orthodoxe Chistentum, immer gewesen. Aber auch Moscheen gehören zum Stadtbild dazu (hier in Sofia).

Bulgarien ist Mitglied der Europäischen Union, und im Vergleich mit Serbien, Bosnien-Herzigowina und Albanien fühlt sich das für mich auch halbwegs richtig an. Vergleicht man aber mit den EU-Musterschülern Kroatien, Slowenien und selbst Rumänien, wird deutlich, wie viel noch zu tun bleibt – und da spreche ich lediglich von den optischen Gepflogenheiten, die für Touristen sichtbar sind, nicht von politischer und wirtschaftlicher Korruption. Ich hätte es nicht so erwartet, aber gerade Rumänien fühlt sich deutlich „europäischer“ an als Bulgarien, welches – nachdem wir mit Ausnahme der Slowakei, Malta und Zypern tatsächlich alle EU-Staaten bereist haben – das gefühlte Schlusslicht bildet.

Im Hafen von Sozopol - die Stadt gilt als eine der hübschesten des Landes.

Im Hafen von Sozopol – die Stadt gilt als eine der hübschesten des Landes.

Urlaub in Bulgarien

An den Küsten ist Bulgarien touristisch „gut erschlossen“, um es euphemistisch auszudrücken. Der Ausbau der Infrastruktur findet sehr rücksichtslos statt. Urlauber können sich über moderne Hotels direkt am Wasser und mitten in der Natur freuen. Die Kehrseite auf der ökologischen und ästhetischen Ebene ist allerdings auch nicht zu übersehen.

Im Winter sieht zugegebenermaßen alles furchtbar trostlos aus.

Hotel am Strand in Sozopol. Im Winter sieht zugegebenermaßen alles furchtbar trostlos aus.

Selbstverpfleger-Unterkünfte finden sich übers Internet relativ leicht, zum Beispiel über AirBnB* und andere Portale. Allerdings gibt es große Unterschiede, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. Unbedingt vergleichen!

Unterkünfte finden sich überall (wenn man weiß, wo man suchen muss).

Unterkünfte finden sich überall (wenn man weiß, wo man suchen muss).

Infrastruktur für Urlauber

Das Preisniveau für lokale Produkte ist sehr niedrig. Vor allem Obst und Gemüse auf den Märkten sind spuckebillig. Für Selbstverpfleger sind bequeme Riesen-Discounter vorhanden (z.B. Kaufland, Carrefour), wo man alles bekommt, allerdings auch mehr bezahlt als in den kleinen Läden vor Ort (und natürlich landet von dem Geld auch ein reichlicher Anteil beim Konzern und nicht im Land).

Auch in kleineren Läden gibt es ähnliche Waren wie zu Hause - sieht halt mitunter nicht so aus wie im heimischen Supermarkt.

Auch in kleineren Läden gibt es ähnliche Waren wie zu Hause – in der Saison zumindest.

Die Straßenverhältnisse sind gar nicht so schlecht! Die Straßen für den Fernverkehr sind neu und gut ausgebaut. Wer in ein bestimmtes kleines Dorf fahren möchte, muss natürlich mit Buckelpisten rechnen, aber die großen Städte und touristischen Zentren sind infrastrukturell anständig miteinander verbunden. In der Region am Goldstrand/Sonnenstrand sind viele Verkehrsschilder und Warnungen sogar auf Deutsch.

Im Winter ist es am Schwarzen Meer eiskalt, aber dafür haben die Jungs den Strand von Sozopol ganz für sich allein.

Im Winter ist es am Schwarzen Meer eiskalt, aber dafür haben die Jungs den Strand von Sozopol ganz für sich allein.

Ladenöffnungszeiten unterliegen dem persönlichen Geschmack der Geschäftsleute, sind aber generell profitorientiert. Geöffnet ist deshalb tendenziell lange und immer, auch sonntags.

Verständigung mit Einheimischen ist mitunter nicht ganz einfach. Die jüngere Generation spricht Englisch. In touristisch orientierten Orten finden sich Speisekarten auf Englisch und sogar Deutsch.

In Sofia gibt es regelmäßig free walking tours auf Englisch - empfehlenswert!

In Sofia gibt es regelmäßig free walking tours auf Englisch – empfehlenswert!

Das „echte“ Bulgarien

Wer das moderne Bulgarien sucht, findet es in den riesigen Shopping-Malls am Stadtrand. Dort zelebrieren Bulgaren ihre Zugehörigkeit zur westlichen Hemisphäre. Ein Familienausflug in die Mall gilt als gelungenes Wochenendprogramm.

Wie auch im Gebiet Ex-Jugoslawiens scheint es kein allgemeines Bedürfnis zu geben, Dinge selbst mit einfachen Mitteln hübsch zu gestalten. Vieles wird irgendwie hingepfuscht, repariert wird ausschließlich funktionell, die Ästhetik spielt keine Rolle. Klebeband und Spanplatten sind in dieser Hinsicht jedermanns Freund.

Eine typische Straße in Sozopol.

Eine typische Straße in Sozopol. Von den schlimmen Ecken habe ich leider keine Fotos gemacht.

Sicherheit im Bulgarien-Urlaub

Es gibt weniger Straßenhunde als in Rumänien. Es sind trotzdem noch eine Menge. Aber auch hier sind wir nur friedlichen Streunern begegnet.

Wer sich ein bisschen über die Hintergründe Bulgariens informiert, stößt sehr bald auf den Fakt, dass das Land ein Problem mit organisierter Kriminalität hat. Als Tourist kommt man damit aber nicht bewusst in Kontakt.

Ein unbewachter Parkplatz am Bahnhof in Sofia. Dort haben wir drei Tage lang das Auto stehen lassen, um ins Zentrum zu fahren. Kein Problem.

Ein unbewachter Parkplatz am Bahnhof in Sofia. Dort haben wir drei Tage lang das Auto stehen lassen, um ins Zentrum zu fahren. Kein Problem.

Wiederholt bin ich nach den anscheinend berüchtigten Autoknackern von Bulgarien gefragt worden, die Gerüchten zufolge auch Urlauber auf offener Straße überfallen und ausrauben. Vielleicht haben die im Dezember einfach Winterschlaf gehalten? Wir haben jedenfalls sowohl im Wohngebiet in Sofia als auch in einer Straße voller Hotels und Ferienwohnungen in Sozopol die ganze Zeit an der Straße geparkt. Es ist nichts passiert, wir hatten kein schlechtes Gefühl und sind von Vermietern und Einheimischen auch nicht gewarnt worden. Vielleicht ist also doch alles nur ein böses Gerücht?

Bunte Architektur in Sofia.

Bunte Architektur in Sofia.

Fazit: Urlaub in Bulgarien?

Urlaub in Bulgarien bedeutet für die meisten ja billiger Hotel-Urlaub an Goldstrand oder Sonnenstrand. Darüber kann ich wenig sagen, außer dass das ganze Niveau eben doch nicht mit Spanien vergleichbar ist (wobei ich mir da auch nur einen ganz kurzen Eindruck von der Costa del Sol und der Costa Tropical geholt hab – nicht meine Welt).

Die mittelalterliche Burganlage der alten bulgarischen Hauptstadt Weliko Tarnowo ist auf jeden Fall einen Ausflug wert!

Die mittelalterliche Burganlage der alten bulgarischen Hauptstadt Weliko Tarnowo ist auf jeden Fall einen Ausflug wert!

Wer dem ganzen Land als unheimlich vielseitigem Reiseziel eine Chance geben will, sollte das unbedingt tun! Auch für Familien mit Kindern ist Bulgarien abseits der Urlaubsgebiete machbar, solange alle Mann ein gewisses Maß an Abenteuerlust mitbringen.

Unsere Jungs bei der Stadtführung durch Sofia: durchaus interessiert und guter Dinge.

Unsere Jungs bei der Stadtführung durch Sofia: durchaus interessiert und guter Dinge.

Mehr Erfahrungsberichte über Urlaub in Bulgarien mit Kindern

An dieser Stelle gebe ich gern weiterführende Links zu anderen Reiseblogs. In Sachen Bulgarien-Urlaub mit Kindern scheint es da aber nicht so ganz viel zu geben.

  • Andreas erzählt in seinem kleinen privaten Blog „Bildung, IT & Fotografie“ über seinen klassischen Familienurlaub im Jahr 2013, pauschal und im Hotel in Sveti Konstantin bei Varna – „typisch deutsch“, sage ich mal, aber damit vielleicht gerade repräsentativ.
  • Dann gibt es noch einen Bericht über einen all  inclusive Urlaub im Clubhotel in Bulgarien mit Baby und Kleinkind. Der Artikel entstand auf Einladung von Neckermann und ist im Mama-Blog „Mama & Mini“ als Gastartikel erschienen. Andrea bloggt normalerweise in ihrem eigenen Mama-Blog „Runzelfüßchen„,  und dort erlaubt sie einen Blick hinter die Kulissen besagter Einladungsreise. Sehr interessant im Vergleich. ;)

Hier im family4travel-Blog habe ich bisher ansonsten nur über unsere Zwischenstation in der alten Zarenstadt Weliko Tarnowo berichtet:

Weliko Tarnowo (Veliko Tarnovo), Patriarchskirche

Die wiederaufgebaute Patriarchskirche ist von vielen Punkten der Altstadt aus zu sehen.

Über unsere 11-monatige Reise habe ich ein ganzes Buch geschrieben: „Die Entdeckung Europas“. Im Gegensatz zum Blog stehen dort die persönlichen Begegnungen und das „gefühlte Reisen“ während unseres Langzeit-Roadtrips im Mittelpunkt. Bulgarien widme ich gleich zwei Kapitel: eins über unser Couchsurfing-Abenteuer in Sofia, und eins über unser ganz besonderes Weihnachtsfest in dem winzigen Dorf bei Popovo.

Cover Die Entdeckung Europas Lena Marie Hahn Buch
Ein Klick bringt dich direkt zur Bestellmöglichkeit bei Amazon*.