Es wird mal wieder Zeit für ein wenig Plauderei aus dem Nähkästchen. Normalerweise mache ich das im Juni zum Blog-Geburtstag. Diesmal bin ich nicht dazu gekommen. Es war einfach sehr, SEHR viel los in letzter Zeit. Deshalb wird sich hier auch einiges ändern.

Grüße aus Binz

Ich tippe diese Zeilen (na ja, den Anfang dieses Beitrags) in einer günstigen Ferienwohnung in Binz. Schaue ich nach rechts, gleitet mein Blick über zwei Teenager, die mit Kopfhörern auf den Ohren auf mobile Endgeräte starren, während sie auf dem ausgezogenen Schlafsofa lungern. Vor dem Fenster liegt der Netto-Parkplatz im Regen. Durch einen schmalen Küchenschlauch geht es direkt nach draußen zur Haustür des Mehrfamilienhauses, durch die man auf den Lidl- und einen Baumarktparkplatz blickt. Franka, gut eingepackt in Matschklamotten, hilft dort ihrem Vater, den Fahrradträger ans Auto zu schrauben. Gleich müssen wir los zur nächsten Tourenkontrolle.

Momentaufnahme auf Rügen.

Reiseführer-Nachrecherche

Der Plan für heute sieht vor, dass wir nach Putbus fahren. Dort startet Tour 40 unseres Reiseführers: „Mit Dampflok und Fahrrad – eine Radtour am Bodden zwischen Putbus und Baabe“. Sie zählt zu den schönsten Radtouren, die Rügen zu bieten hat. Heute im moderaten Dauerregen wird es wohl nur ein pflichtgemäßes abradeln.

Wir sind auf Nachrecherche für unseren Reiseführer „Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommern mit Kindern: 55 Wander- und Entdeckertouren zwischen Wismar, Rügen und Usedom“*. Alle 55 müssen wir in diesem Jahr kontrollieren und teils überarbeiten, damit im Winter die zweite Auflage in Produktion gehen kann. Seit der Erstauflage 2017 haben sich überall so viele Kleinigkeiten verändert. (Und etliche kleine Fehler habe ich auch entdeckt. Damals gab es im Verlag noch kein systematisches Lektorat. Peinlicherweise habe ich einmal sogar links und rechts verwechselt. Zum Glück stimmt immer entweder die Wegbeschreibung oder die Karte. Und bei den wenigen Fällen, wo sich das unterscheidet, erschließt sich vor Ort recht gut, was gemeint sein muss. Trotzdem: Solltet ihr euch mit dem Führer auf den Weg machen wollen, schreibt mir am besten vorher eine Mail und ich schicke euch die Korrektur-Hinweise für euer Wandergebiet!)

Die Kreidefelsen von Rügen sind auch bei weniger als perfektem Wetter eine tolle Ansicht und lohnen auf jeden Fall einen Ausflug!

Arbeiten im „Urlaub“

Der Rügen-Trip ist der letzte Part unserer Nachrecherche. 17 Halbtagestouren müssen wir hier kontrollieren, über die ganze Insel verteilt. Zwei Wochen Herbstferien haben wir dafür. Wenn das Wetter halbwegs mitspielt, kommt das gut hin. Es ist halt nur kein Urlaub, sondern Pflicht.

recherche reiseführer

Bei der Arbeit…

Wenn der goldene Oktober sich von seiner Schokoladenseite zeigt, fühlt es sich durchaus wie Urlaub an.

Heute nicht. Dann kommt das „Müssen“ durch. Denn müssen ist angesagt. Ich habe mich vertraglich verpflichtet, die Streckenkontrollen zu erledigen und fristgerecht abzuliefern. Nur so rechnet sich die Reiseführerschreiberei überhaupt erst. Und das lässt sich eben nicht nebenbei im Urlaub erledigen (auch wenn das Finanzamt sich das gerne so denkt). Da ist disziplinierte Terminplanung nötig. Und Durchziehen bei jedem Wetter. Drei Puffertage habe ich in die 14 Tage Recherchereise inkludiert. Denn manchmal geht irgendwas richtig schief. Eine Tour funktioniert überhaupt nicht mehr und muss neu konzipiert werden. Oder es gibt einen Sturm und wandern im Wald ist einfach lebensgefährlich.

Mit Glück sind diese drei Puffertage am Ende echte Urlaubstage. Realistischer ist, dass wir sie je nach Wettervorhersage vor uns herschieben und teilweise aufbrauchen, wenn es schüttet. Denn klar: Gutes Wetter brauchen wir für die Reiseführer-Fotos. Deshalb ziehen wir auch an meinem Geburtstag durch, denn da ist Sonnenschein angesagt. Ausruhen können wir uns dann am Ende der Woche – wenn alles gutgeht –, denn dann ist Sturm angekündigt und ich möchte nur noch im äußersten Notfall wandern müssen.

Putbus im Regen...

Putbus im Regen… Bei dem Ausblick durch die Windschutzscheibe mag man gar nicht aussteigen.

Traumjob Reiseführer-Autorin

So ein Recherche-Trip ist krass anstrengend. Zur Nachrecherche geht es halbwegs. Da kann ich mir recht sicher sein, dass die Touren an sich klappen. Ich muss unterwegs nicht jeden Schritt dokumentieren, sondern nur die Abschnitte, die sich geändert haben. Wenn das Wetter mies ist, ist das nicht ganz so schlimm, weil es aus dem ersten Durchgang noch brauchbare Fotos gibt. Ich muss also nicht an sonnigen Tagen noch zwei, drei weitere Ausgangspunkte anfahren, um Fotos von bei Regen durchgewanderten Touren nachzustellen.

Unter guten Bedingungen ist es natürlich herrlich, für einen Wander-Reiseführer zu recherchieren. Wir erkunden Inseln und Küste, sind draußen in schönster Natur. Am Ende kriegen wir dafür – wenn es gut läuft – noch Geld raus. Das ist hervorragend! (Den Stundenlohn ausrechnen darf ich mir dabei freilich nicht. Denn zur Vor-Ort-Recherche kommen ja noch viele, viele Stunden Schreibtischarbeit hinzu. Einiges davon hat Zeit, bis wir wieder zu Hause sind. Anderes muss aber auch sofort erledigt werden. Vor allem wenn es, wie bei uns, um Wanderführer mit detaillierten Wegbeschreibungen geht, ist das unerlässlich. Zwei Tage und drei Wanderungen später kann man sich bei Details der Wegführung nicht mehr sicher sein. Oft genug kommt es vor, dass das offizielle Kartenmaterial mit der Wirklichkeit nicht ganz übereinstimmt. Dann muss ich noch ganz genau sagen können, ob die Abzweigung wirklich schon ein Stück vor der Kreuzung kam oder doch erst mitten drauf. Deshalb muss ich den Text unbedingt gleich im Anschluss ausformulieren.)

Jedenfalls, ich liebe meinen Job! Wenn ich die schwere Kraxe unter weniger idealen Bedingungen am Hochufer entlang schleppe, stelle ich mir vor, wie später glückliche Familien hier ihr Ferien-Highlight erleben. Und wenn dann doch die Sonne durch die Wolken bricht und Franka begeistert flötet: „Da! Das Meer!“ – dann habe ich den absolut schönsten Job der Welt!

Wanderung Nr. 40 bei Lauterbach.

Professionelle Reisebloggerei

Noch viel mehr beschäftigt als der Reiseführer hat mich im vergangenen halben Jahr freilich die Aktion #cities4family. Der Marketing-Verbund about cities hat mir den Auftrag erteilt, für sein Blog über alle teilnehmenden Städte einen Reisebericht aus Familiensicht zu erstellen. 18 bezahlte Jobs macht das. Ein absoluter Hauptgewinn für mich als Reisejournalistin (oder wie man meine Profession auch immer genau titulieren will – das englische „travel writer“ ist da umfassender).

Herausgekommen ist eine sehr schöne Reihe, mit der ich unterm Strich sehr zufrieden bin. Die volle Sammlung steht mittlerweile im about-cities-Blog. Dort liefert sie Familien praktikable Anregungen zum Nachmachen. Auch hier bei family4travel mache ich die 18 auf jeden Fall noch voll. Hildesheim, Einbeck und Osnabrück fehlen noch. Danach habe ich aus etlichen Städten noch Material für einen zweiten Bericht. Für mein Blog und – ich denke doch auch – für about cities hat sich die Aktion bestens gelohnt. Und ich habe endlich mal echtes Geld verdient mit meiner Schreiberei. Das bedeutet mir sehr viel.

Zum Beispiel Göttingen haben wir aus Familiensicht erkundet.

Spaß auf Knopfdruck

In der praktischen Umsetzung ging die Sache natürlich an die Substanz. 18 Städtetrips in drei Monaten sind eine Hausnummer. Eigentlich war alles etwas luftiger geplant. Corona schob den Start nach hinten. Letztlich haben wir in den Sommerferien einen großen Schwung hintereinander weg bewältigt. Die restlichen neun Städte haben wir dann immer im Doppel an den Wochenenden bereist. Einmal gab es ein freies Wochenende (an dem Franka ihren zweiten Geburtstag gefeiert hat). Dann folgten sechs Wochenenden aufeinander, an denen wir von Freitagnachmittag bis Sonntagabend unterwegs waren.

Die Trips selbst waren super! Wir hatten wirklich Spaß.

Zum Beispiel in Hildesheim auf der Riesen-Reifenrutsche. Die ganze Geschichte folgt noch…

Auch hier war es natürlich kein echter Urlaub. Unser Programm war strikt durchgeplant, häufig bis auf die Minute. Oft genug kam ich mir vor wie der Sklaventreiber, der die Familie von einem Ort zum nächsten peitscht.

Die Unannehmlichkeiten für Mann und Kinder hielten sich dabei freilich in Grenzen. Escape-Game, Sightseeing mit Eisessen und einen Zoobesuch in einen Tag zu quetschen, ist nun nicht unbedingt vergleichbar mit einer vollen Schicht Kinderarbeit im Bergwerk. Nicht einmal, wenn die Teenager immer wieder die Betreuung für ihre kleine Schwester übernehmen müssen, während ich Fotos mache, die Instastory hochlade und ihr Vater sich um die Routenplanung kümmert. Jetzt im Nachhinein geben die Jungs zu, dass wir eigentlich meistens ein ziemlich cooles Programm hatten.

phaeno wolfsburg mit kindern

Im Phaeno in Wolfsburg Beispiel.

Währenddessen waren sie zumindest in der zweiten Hälfte unseres Städtetrip-Marathons oft kurz vor der offenen Meuterei. Als Janis einmal aus – wirklich – gesundheitlichen Gründen zu Hause blieb, rammte Silas die Woche drauf die Beine in den Boden und reklamierte ebenfalls ein freies Wochenende für sich. Dass die Städte uns mit dem packendsten Familienprogramm versorgten, das sie zu bieten haben, beeindruckte sie da nicht mehr. Statt mit ihren Eltern ein weiteres Mal über irgendein Gewässer zu gondeln oder Rätsel zur nächsten Stadtgeschichte zu lösen, wollen sie lieber endlich mal wieder eine Runde ungestört mit ihren Freunden online zocken.

Verständlich. Wenn das „Müssen“ durchkommt, macht es keinen Spaß mehr. Dann ist es Arbeit. Und es ist mein Job, nicht ihrer.

Quo vadis, family4travel?

Das ist so ein bisschen die Crux an der Sache mit dem Familien-Reiseblog. Wir sind immer ein Familienunternehmen gewesen. Ich mache die eigentliche Arbeit, klar. Aber ohne den Rest der Familie geht es nicht.

Dass die Teenager irgendwann rauswachsen, war natürlich von vornherein abzusehen. Ich hätte auch niemals Wetten abgeschlossen, wie lange family4travel wohl durchhält. Theoretisch kann ich mit Franka jetzt ja noch mal von vorne anfangen. Praktisch –

Vor gut acht Jahren habe ich mein Blog gegründet. Damals hatte ich unsere große Langzeitreise schon fest vor Augen. Es war die Zeit, als Blogs groß in Mode waren. Ich hatte die Hoffnung, mir rechtzeitig vor unserer Abreise schon eine gewisse Reputation zu erschreiben und unterwegs von Kooperationen und bezahlten Aufträgen profitieren zu können. Die journalistischen Auftragsarbeiten haben sich unterwegs als zu zeitaufwändig erwiesen. Aber das mit den Kooperationen hat sogar ein paar Mal geklappt (in Kroatien an den Plitvicer Seen, in Dubrovnik und Split, in Rom sowie auf Korsika). Bei der Verlagssuche für „Die Entdeckung Europas„* hatte meine mitgebrachte Followerschaft über das Blog leider nicht das erhoffte Gewicht. (Und tatsächlich haben auch vergleichsweise wenige meiner Blogleser hinterher mein Buch gekauft, als ich es dann im Selbstverlag veröffentlicht habe. Es sind offenbar wirklich zwei verschiedene Paar Schuhe.)

Lange her, dass wir quer durch Europa unterwegs waren. (Eine Zusammenfassung steht hier.)

Dafür kam über mein Blog der Kontakt mit dem Naturzeit-Verlag zustande, für den ich heute besagte Wanderführer schreibe und auch das Lektorat übernehme.

Motivation: Nützlichkeit

Grundsätzlich hatte ich von Anfang an den Anspruch, mit meinem Blog anderen Menschen zu helfen. Meine Leserinnen und Leser waren mir stets der wichtigste Bezugsrahmen.

Das heißt, ganz oben auf meiner Prioritätenliste standen und stehen meine Kinder. Wir reisen, weil es uns Spaß macht, mit unseren Kindern gemeinsam die Welt zu erkunden. Das war auch ursprünglich der Grund, überhaupt Kooperationen einzugehen. So konnte ich den Jungs Reisen und Aktionen bieten, die sonst so nicht drin gewesen wären.

schwarzwald hotel pfauen mit kindern

Die Experimente „Mit Kindern ins Wellness-Hotel“ und „Wandern mit Ziegen“ zum Beispiel hätten wir auf eigene Kappe nie im Leben durchgeführt.

Und ich hatte immer die Hoffnung, das Blog irgendwann rentabel zu kriegen. Natürlich wäre es zu jedem Zeitpunkt einfacher gewesen, einen „echten“ Job anzunehmen und Geld zu verdienen. Und dieses Geld dann ohne irgendwelche Kooperationen und sonstige Verpflichtungen für Urlaub auszugeben. Aber ich hatte schon die Hoffnung, mein Geld irgendwann mit dem verdienen zu können, was ich gerne mache: schreiben.

Außerdem glaubte und glaube ich immer noch ernsthaft daran, dass das, was ich hier mache, nützlich ist. Ich gebe Tipps für Familienurlaub in Deutschland und Europa. Mein Wunsch ist es, andere Familien zu motivieren, gemeinsam Zeit zu verbringen, die Welt kennenzulernen und zu hinterfragen. Dazu sind keine Fernreisen nötig. Im Gegenteil. Ich möchte zeigen, dass erfüllte Ferien voller Familienzeit auch hier um die Ecke und low budget möglich sind. Das war von Anfang an meine Motivation.

Beruf: Reisebloggerin

Schon seit der Rückkehr von unserer großen Reise füllt die Zeit, die ich für mein Blog aufwende, ungefähr einen Halbtagsjob. Ob es sich dabei genau darum oder um das unverhältnismäßig aufwändige Hobby einer Hausfrau handelt, entscheidet der Gewinn, der dabei rausspringt. In dieser Beziehung fahre ich seit Jahren auf Kante.

Neanderthal-Museum Düsseldorf

Bloggerin im Einsatz (im großartigen Neanderthal-Museum).

Ein Reiseblog zu monetarisieren, also ernsthaft Geld damit zu verdienen, ist nicht ganz einfach. Mit etwas Ehrgeiz und Durchhaltevermögen ist es durchaus möglich. Moralische Flexibilität hilft enorm. Genau die besitze ich nicht.

Ich wollte immer alles richtig machen. Dadurch stehe ich mir immer wieder selbst im Weg. Und mache im Zweifelsfall – nichts. Die bezahlten Aufträge, die ich auf family4travel veröffentlicht habe, kann man immer noch an einer Hand abzählen. Nur wenn mir wirklich alle Rahmenbedingungen legal und fair erschienen, habe ich eingewilligt. So bringt man es nicht weit im Blog-Business.

AirBnB Erfahrungen Blogparade

Das meiste Geld habe ich über das AirBnB-Affiliate-Programm gemacht, weil ich bei der Suchanfrage „AirBnB Erfahrungen“ auf dem ersten Platz bei Google stehe. Leider ist das Programm seit Corona eingestellt und soll wohl auch nicht wieder aufgelegt werden. Ausgegeben habe ich dieses Geld übrigens eins zu eins für Recherchereisen für die Reiseführer…

Der family4travel-Familienkreis

Vergangenes Jahr im Oktober habe ich mich deshalb entschieden, es mit einer anderen Art der Monetarisierung zu versuchen. Statt meine Leser:innen oder indirekt ihre Daten als Ware an Unternehmen zu verkaufen, wollte ich sie selbst als zahlende Kundschaft gewinnen. Dass das kein Selbstläufer würde, war mir klar. Aber ich wollte es nicht unversucht lassen.

So entstand der family4travel-Familienkreis. Über den Dienst Steady bot ich kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften an. Long story short: Es hat nicht funktioniert. Von meinen monatlich schon damals etwa 30.000 Leserinnen und Lesern wurden genau zehn zahlendes Mitglied. Das reichte – je nachdem, wie man rechnet – eventuell gerade so, um die Fixkosten zu decken. Ein echtes Einkommen war die Methode nicht. Durch die versprochenen Zusatzleistungen für Mitglieder hatte ich mich aber ziemlich unter Druck gesetzt und mir erhebliche Mehrarbeit aufgehalst. Die rentierte sich für den kleinen Personenkreis hinten und vorne nicht. Meine zehn großartigsten und großzügigsten Leserinnen (es waren ausschließlich Frauen) habe ich also hängen lassen. Der Familienkreis ist Geschichte.

die liste unerzählter geschichten steady

Das war das Titelbild zu jenem Beitrag, auf den bis heute viele meiner Artikel verlinken.

Professionelle Text-Söldnerei

Zu diesem Zeitpunkt kam der Großauftrag von about cities genau richtig. Über weite Strecken war die Zusammenarbeit ein echter Traumjob. Für Städtetrips in Niedersachsen werben kann ich mit bestem Gewissen.

Leider ist äußerst fraglich, ob sich das Modell auf Dauer eignet. Teilweise war ich zeitlich echt am Limit. In den Sommerferien habe ich zwischen Reiseplanung, Feinabstimmung und Texterstellung für die bereits gelaufenen Trips gute 40-Stunden-Wochen gerissen. Da ich zu jenem Zeitpunkt noch keinen Betreuungsplatz fürs Kleinkind hatte, hat das überhaupt nur dank der Jungs geklappt. Und jedes Wochenende waren wir dann halt unterwegs. Viel länger hätte ich das Pensum schlicht nicht durchhalten können.

Aber selbst wenn: Diese Arbeit als Geschäftsmodell auszubauen, würde schwierig. Dauerhaft macht meine Familie das auf keinen Fall mit. Als jemand, die das mitsamt ihren Kindern anbietet und diese auch noch auf Fotos zu zeigen bereit ist, habe ich wohl ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Bestimmt gäbe es noch einzelne Städte, die uns buchen und mich auch für Texte bezahlen würden, die sie dann für eigene Kanäle verwenden können. Aber die Akquise für einzelne Abnehmer wäre aufwändig. So große Marketing-Verbünde gibt es nicht viele. Und es können ja wohl auch schlecht dieselben Gesichter plötzlich überall auftauchen. Außerdem, wie gesagt: Allermindestens die Jungs würden streiken. Und alleine mit Franka kann ich nicht regelmäßig durch die Gegend tingeln. Hier auf dem Land in der ÖPNV-Wüste werde ich als Mama-Taxi gebraucht.

Es war großartig, einmal richtig durchziehen zu können und dabei auch noch das Gefühl zu haben, fair bezahlt zu werden. Es war ein tolles Projekt. Aber es bleibt ein Projekt, keine Dauerinstitution.

family4travel in Celle mit Kindern

War toll – aber anstrengend (hier in Celle).

Die Frage nach dem Glück

Unsere Europa-Auszeit war ein einschneidendes Erlebnis in meinem Leben. Innerlich bin ich so sehr gewachsen in jenem Jahr. All die Erfahrungen haben etwas mit mir gemacht. Und die Sache an sich gab mir die Gelegenheit, mich aus alten Gewohnheiten und Verpflichtungen zu lösen. Und nur die wieder aufzunehmen, die ich wollte.

Neulich erst hat mich ein frischer Kommentar an eine alte Nabelschau erinnert, die ich kurz nach unserer Rückkehr veröffentlicht habe. Angeregt durch ein „Blogstöckchen“ habe ich mich damals mit meiner akuten Lebenszufriedenheit auseinandergesetzt: „33 Fragen zum Glück: Emotionale Bestandsaufnahme nach der Reise“.

Das bin ich – damals.

Diese zufriedene, in sich ruhende Frau bin ich schon länger nicht mehr. Das ist einerseits selbstverständlich, denn meine Lebenssituation ist heute eine andere. Ich habe ein Kleinkind. (Witzig nebenbei, dass ich dem in jenem Post erwähnten „abgelegten Lebenstraum“ von vier Kindern doch noch ein Stück näher gekommen bin. Nur eine Nummer vier ist nun indiskutabel [und medizinisch betoniert] ausgeschlossen.) Und ich habe zwei Teenager, davon einer im akuten Motz-Alter. Ich weiß ja, dass sie das nicht extra machen, dass sie wenig dafür können. Dass ihre oft absolute Lustlosigkeit sie selbst am schlimmsten trifft. Und es einfach eine unangenehme Lebensphase ist, die zum Glück vorbei geht. Gleichwohl bietet diese Phase auch für Mütter eine Herausforderung, sich in dieser Zeit ihre persönliche positive Grundeinstellung zu bewahren. Ähnliches gilt bei Zweijährigen in der Autonomiephase. Wenn dann noch Überarbeitung und Zeitmangel dazukommen – so viel Achtsamkeit kann ein Mensch alleine gar nicht aufbringen, wie für eine konstante Ausgeglichenheit und Zufriedenheit nötig wäre.

Umso dankbarer bin ich dafür, dass meine Reiseführer-Recherche mich in diesem Sommer und Herbst unmissverständlich zu Auszeiten im Freien zwingt. Wäre ich in den Herbstferien einfach kraftlos auf dem Sofa liegen geblieben, hätte das zwar die Teenager gefreut. Mit Kleinkind wäre das aber eh keine Option gewesen. Und glücklicher macht mich die frische Luft. So kann das „Müssen“ im Regen tatsächlich zu einer Quelle der Resilienz werden.

Ich, das Flammende Käthchen

Als unsere Städtereisen abgeschlossen waren und ich nach dieser Turbozeit wieder mal etwas Luft zum Durchatmen hatte, fiel mein Blick beim lange aufgeschobenen, dringend nötigen Hausputz auf das Flammende Käthchen, das ich hier zum Titelbild gemacht habe. Martin hat es mir letztes Jahr zu unserem 20. Jahrestag geschenkt. Seitdem steht es auf der Küchenfensterbank. Hin und wieder kippe ich den Rest aus einem Wasserglas rein. Manchmal, selten, sammele ich die abgefallenen Blätter ab. Als ich die Pflanze nun zum Fensterputzen anhob, stach mir erstmalig das ganze Elend ins Auge. Und ich dachte mir: Genau so fühle ich mich.

Da wuchert ein nicht tot zu kriegendes Gewächs entschlossen in alle möglichen Richtungen. Dabei ist es völlig außer Form geraten und sieht widerlich aus. Dessen ungeachtet geht es gegen jeden Widerstand nach vorne. Dabei gibt es eigentlich keine Richtung, kein Ziel. Außerdem ist der Topf für die Wurzeln längst zu klein. Jede:r sieht auf den ersten Blick, dass das so nicht mehr lange gutgehen kann. Nur das Flammende Käthchen ignoriert diese Tatsache und wuchert munter weiter.

Da ist das Bild noch mal, damit ihr nicht scrollen müsst.

Schatten der Veränderung

Eigentlich spüre ich seit Monaten, dass es höchste Zeit für eine Veränderung wird. Ich muss dringend umgetopft werden.

Spruchreif ist noch nichts. Aber ich habe meine Fühler ausgestreckt. Wahrscheinlich nimmt mein Arbeitsleben bald eine ganz neue Richtung. Auf die eine, zur Not eben auf eine andere Weise.

Das heißt, ich werde meine Zeit fürs Blog drastisch reduzieren. Jetzt, nachdem ich seitenweise ausgeholt und die Aufmerksamkeit von wahrscheinlich 90 Prozent meiner Leser:innen abgeschüttelt habe, kann ich es ja sagen.

Es wurmt mich ein bisschen. Family4travel ist in den vergangenen acht Jahren zu so etwas wie meinem Lebenswerk geworden. So viele wunderbare Erfahrungen verdanke ich der Bloggerei. Ich habe mein Bohême-Leben sehr genossen. Die Freiheit wird mir bestimmt fehlen.

bikepark willingen mountainbike helm

Auch so eine Sache, die ich ohne das Blog nie ausprobiert hätte: Downhill Mountainbiking.

Aber ich habe es auch satt, mich finanziell dauerhaft einzuschränken. Ich möchte mal in einen Laden gehen und mir etwas kaufen, einfach weil es mir gefällt. Außerdem möchte ich arbeiten und nützlich sein. So richtig. Ohne vor jedem Auftrag durchkalkulieren zu müssen, ob sich das überhaupt rechnet, in die eine oder andere Richtung. Ob ich damit nicht über die Bemessungsgrenze schieße und beitragspflichtig für die Krankenkasse werde, sodass die ganze Chose mehr kostet als sie einbringt (weil ich eben nie die Garantie habe, dass ich in den nächsten Monaten auch wieder Aufträge kriege, die die Kosten decken). Vor allem möchte ich mich nicht mehr mit dem Finanzamt rumstreiten müssen, ob das, was ich mit vollem Einsatz bis an die Grenzen meiner Kräfte tue, nicht eigentlich doch nur Urlaub und geldwerter Vorteil ist.

Der Versuch, mir selbst treu zu bleiben

Deshalb übe ich mich jetzt schon mal im Loslassen. Zum ersten Mal seit unserer sechswöchigen Irland-Recherchereise 2018 ist nicht pünktlich am Sonntag ein neuer Blogbeitrag online gegangen. (Auch damals war es nur ein technisches Versehen, eigentlich war alles vorbereitet.)

Und siehe da: Niemand beschwert sich. Es ist überhaupt kein Problem.

Der gescheiterte Familienkreis hilft mir dabei. Ich weiß jetzt: Das Blog ist gar nicht so wichtig. Abgesehen von meinen zehn Lieblingsleserinnen hat da niemand Aktien drin. Und für die habe ich den vollen Betrieb immerhin ein weiteres Jahr aufrecht erhalten. Ich schulde niemandem etwas. Es ist einfach nur Zeug, das ich ins Internet schreibe. Der eine oder die andere profitiert – meist stillschweigend – davon. Vielleicht habe ich ein paar einzelne Langstreckenflüge und Fernfahrten verhindert. Aber niemandem – abgesehen von den wackeren Zehn – ist es wichtig genug, dauerhaft einen kleinen Betrag zu zahlen, dass ich die Kosten decken kann und eine Aufwandsentschädigung dabei rausbekomme. Ich habe jedes Recht der Welt, meinen Dienst einzustellen.

Dabei steht es ja gar nicht zur Debatte, den Laden hier dicht zu machen. Alles soll online bleiben. Und es wird natürlich auch noch neue Berichte geben. Wie gesagt, die #cities4family-Reihe ist hier ja noch nicht einmal voll. Wahrscheinlich geht es sogar bis mindestens zum Jahresende im gewohnten Rhythmus weiter. Und auch danach wird mir das Bloggen ganz bestimmt ein liebes Hobby bleiben. Material und Ideen habe ich ja noch auf Jahre genug.

Aber echt jetzt: Ich freue mich unbändig darauf, für eine feste Arbeitgeberin tätig zu werden, der mein Tun so viel wert ist, dass sie mir monatlich eine vierstellige Summe dafür überweist. Drückt mir bitte die Daumen, dass dieser zur Debatte stehende Fall auch eintritt!