„Wo war es denn am schönsten?“ – Unsere Europa-Highlights

„Wo war es denn am schönsten?“ fragt meine Oma. Eine Stunde später stellt unser Nachbar dieselbe Frage. Dann Onkel Willi. Silas muss die Frage beantworten, als er sich zum ersten Mal wieder mit seinem besten Freund verabredet. Selbst die Verkäuferin in dem kleinen Laden möchte es gern wissen, als ich erzähle, warum ich in der letzten Zeit nicht dort war. Was soll man sonst auch fragen, wenn man weiß, dass wir zehn Monate lang durch Europa gefahren sind? Die Frage liegt nahe. Da wir sie schon in den letzten Wochen unserer Reise immer wieder von Couchsurfern gehört haben, habe ich auf dem langen letzten Stück auf deutschen Autobahnen Notizbüchlein und Kugelschreiber gezückt und eins unserer Autofahrt-Gespräche mit dem Rest der Familie geführt. Also: Fragt nur, wir haben unsere Antworten parat. :)

„Wo war es denn am schönsten?“ Natürlich gibt es darauf keine klare Antwort. Selbst die Kinder sagen da sofort: „Kommt drauf an…“ An vielen Orten war es atemberaubend, erhellend, inspirierend, super interessant, wunderschön. Deshalb lautete meine erste Frage:

Worauf kommt es an, ob ein Ort schön ist?

Silas: Auf die Umgebung und die Wohnung.

Janis: Ja, die Unterkunft ist schon wichtig.

Martin: Und auf das Wetter. Und die Menschen zum Beispiel.

Ich: Und auf die Natur und die Kultur, oder?

Silas: Ja. Auf das Land an sich.

Janis: Deshalb fand ich es in Kusadasi so schön, weil die Umgebung schön war, weil es gutes Essen gab, und vor allem, weil Oma und Opa da waren.

Bei mildem Vorfrühlingswetter auf der Hotelterrasse mit Oma und Opa abhängen und dabei so viele Milchshakes bestellen, wie das Herz begehrt - die Jungs mögen all-inclusive.
Nette Unterkunft, nette Reisebegleitung – hier mit Oma und Opa in der Türkei – und schon sind die Jungs zufrieden. :)

Wo gab es besonders gutes Essen?

Janis: Im Hotel in der Türkei. Es war lecker, es gab Mittagessen und Abendessen, immer was Warmes und viel zur Auswahl.

Silas: In Portugal war es aber auch sehr lecker. Besonders die Nachspeisen, die Pasteis de Nata, diese Törtchen. Und der Nudelkuchen. [Aletria.]

Martin: Ich fand Frankreich gut. Den Käse.

Silas: Oh, wisst ihr noch, dieser weiche braune Nachtisch im Hotel in der Türkei? Der in diesem Zuckerwasser getrieft hat?

Ich: Ich fand vom Essen her doch Italien ungeschlagen. Unsere Food-Tour in Rom.

Janis: Ja! Diese Tiramisu-Crème in dem Schokoladentässchen!

Silas: Und italienisches Eis!

Janis: Und die Pizza in diesem Vorort von Rom! Das war die beste.

Ich: Oh, erinnert ihr euch noch an das Café Europa in Prizren? Den besten Kuchen haben wir echt im Kosovo gegessen.

Martin: Ja, und bosnischer Kaffee, in den kleinen Tässchen.

Silas: Gulasch in Ungarn!

Ich: Und diese leckeren frittierten Sardinen in Galizien fallen mir noch ein…

So sieht echtes Eis aus...
Ungeschlagen: italienisches Eis.

Wo hat euch die Natur besonders gut gefallen?

Silas: Plitvicer Seen!

Janis: Ja.

Martin: Rumänien im goldenen Herbst war auch nicht schlecht.

Silas: Ich fand auch Pamukkale schön. Da gab es zwei in eins, den Travertin und die griechische Ruinenstadt.

Ich: Die Karst-Region in Slowenien fand ich nicht schlecht.

Janis: Ich fand den Strand auf Korsika so schön, wo wir erst diese kurvige Straße fahren mussten. Und dann noch der Strand von Vilasimius.

Ich: Auf Sardinien, ja. Der war wirklich schön.

Janis: Und da, wo wir diese Eselwanderung gemacht haben. Das war auch auf Sardinien, ne?

Ich: Ja, im Nordosten. Sardinien und Korsika waren gerade von der Natur her wirklich großartig. Und die Mandelblüte in Griechenland im Februar hat mir auch sehr gefallen.

Janis: Oh, mir ist eingefallen, wo ein noch tollerer Strand war: An der Algarve, wo man durch diesen Tunnel gehen konnte.

Ich: Ah ja, du meinst den bei Lagos.

Martin: Es gab einige schöne Ecken. Die griechische Westküste hat mir auch sehr gefallen. Und der Ätna. Die Algarve… Die albanischen Berge Richtung Kosovo.

Ich: Stimmt, die waren auch toll.

Immer noch ungeschlagene Lieblings-Naturschönheit der family4travel: die Plitvicer Seen.
Immer noch ungeschlagene Lieblings-Naturschönheit der family4travel: die Plitvicer Seen.

Wo gab es besonders interessante kulturelle Sehenswürdigkeiten?

Janis: Da, wo wir mit Oma und Opa waren. [Ephesos.]

Martin: Split!

Silas: Delphi.

Ich: Griechenland allgemein. Athen war schon klasse. Und Istanbul!

Silas: Ja, die besten griechischen Ruinen gab es in der Türkei. Und da gab es ja zum Beispiel auch den Sultanspalast. Und in Andalusien, die Alhambra war auch toll. Und der Alcazar in Sevilla.

Ich: Mir gefallen ja auch immer die Stätten aus dem Neolithikum und der Bronzezeit. Cuccuruzzu auf Korsika zum Beispiel, oder die Dolmen in Spanien und Portugal. Und die Felsensiedlungen der Phryger in Anatolien.

Martin: Budapest fand ich nett. Die Altstadt von Sarajevo. Rumänien an sich war kulturell auch sehr sehenswert. Die Szekler-Tänze, die wir gesehen haben, waren auch sehr interessant.

In Deutsch-Weißkirch steht heute noch eine der typischen Wehrkirchen der Siebenbürger Sachsen.
Rumänien ist kulturell hochinteressant. In Deutsch-Weißkirch steht z.B. heute noch eine der typischen Wehrkirchen der Siebenbürger Sachsen.

Wo hattet ihr besonders viel Spaß?

Silas: In dem Museum der Wissenschaften in Valencia, vor allem in den Ausstellungen zur Raumfahrt und zu den Kommunikationsmitteln.

Janis: Überall da, wo ich am Strand buddeln konnte.

Ich: Also, ich bin ja ganz spießig und sitze am liebsten im Café und esse Schokoladenkuchen… Aber ich finde, wir haben auch ein paar ganz tolle Wanderungen gemacht.

Silas: Ja, die neulich erst, wo wir richtig Bergsteigen waren.

Ich: In den spanischen Pyrenäen.

Janis: Beim Autofahren CDs hören macht mir auch viel Spaß.

Silas: Und das Felsenhüpfen auf Korsika!

Janis: Ja! Das wollte ich auch grad sagen.

Martin: Die Bootsfahrt im Donaudelta.

Silas: Mit den Katzen im Donaudelta spielen!

Ich: Mir hat noch die Flamenco-Show in diesem großartigen Modernisme-Musikpalast in Barcelona richtig gut gefallen!

Martin: Der Hochseilgarten am Ätna mit Silas war toll, wo ihr nicht mit ward.

Silas: Ja!

Die kleinen Katzen in unserer Pension im Donaudelta waren nur die ersten in einer langen Reihe von Katzen-Liebschaften, die die Jungs seitdem gepflegt haben.
Die kleinen Katzen in unserer Pension im Donaudelta waren nur die ersten in einer langen Reihe von Katzen-Liebschaften, die die Jungs seitdem gepflegt haben.

Welche drei Städte haben euch am besten gefallen?

Janis: Sarajevo! An zweiter Stelle kommt Rom und an dritter Palermo.

Silas: Bei mir ist Istanbul die Nummer eins. Dann kommt Rom, und an dritter Stelle kommt bei mir Sarajevo.

Ich: Meine drei Highlights waren Sarajevo, Istanbul und Barcelona.

Silas: Barcelona fand ich auch schön! Die kommt bei mir auf vierter Stelle. Und Pristina fand ich interessant. Aber gemocht habe ich es da nicht wirklich. So viel Smog, dass man Kopfschmerzen bekommt.

Ich: Split fand ich auch noch ganz toll. Und Toledo.

Martin: Stimmt, Toledo war auch toll. Ich kann nur drei Städte sagen, die mir sehr gut gefallen haben. Sarajevo, aber nur die Altstadt. Barcelona. Und Split. Oder nee, Rovinj war eigentlich noch schöner. Oder doch eher Carcassonne?

Kind im Kolosseum - wie empfehlenswert das wirklich ist, erzähle ich - hoffentlich - irgendwann demnächst, sobald ich die Zeit dazu finde...
Rom ist eine der Städte, die bei uns hoch im Kurs stehen.

Gibt es ein Land, das ihr unterm Strich am tollsten fandet?

Silas: Die Türkei. Erstens: An den meisten Ecken war es nicht so touristisch, und dort waren die Leute so nett. Auch an den touristischen Orten waren sie ganz nett, aber in der countryside waren sie noch netter. Nur sie haben leider wenig Englisch gesprochen. Und das Essen schmeckte hervorragend!

Janis: Deutschland. Da kenne ich einfach die Umgebung und kann Deutsch sprechen. Man kann das Leitungswasser trinken. Von den Ländern, die wir bereist haben, fand ich Österreich am besten. Da konnte man nämlich auch noch so halbwegs Deutsch sprechen.

Ich: Ich tu mich ganz schwer damit. Vielleicht Kroatien. Oder die Türkei, wobei ich da mit der politischen Entwicklung nicht einverstanden bin. Und Rumänien war toll – aber auch nicht ohne Abstriche. Spanien und Portugal haben mich positiv überrascht, aber da war es mir zu heiß. Und in Südspanien hat die Kriminalitätsprävention genervt, dass man immer Heckablage und Handschuhfach offen lassen musste, wenn man mit intakten Scheiben weiterfahren wollte. Sardinien und Korsika waren beide total toll, aber weder Italien noch Frankreich möchte ich einen Pokal für das Gesamtpaket verleihen…

Martin: Dem würde ich mich genauso anschließen. Wobei, Frankreich mochte ich schon ziemlich.

Ich: Gut, dann reich du deinen Pokal an Frankreich, und ich nehm Kroatien.

Restaurant mit Aussicht: Besser als im Konoba geht's nicht.
Ich mag Kroatien!

13 Gedanken zu „„Wo war es denn am schönsten?“ – Unsere Europa-Highlights“

  1. :-) Tolle Auslegeordnung eurer Erfahrungen. :-)
    Die Frage „wo hat es euch denn am besten gefallen“ mussten wir uns auch oft anhören. Und konnten sie genauso wenig wie ihr mit einem Satz beantworten.

  2. Es kommt doch sehr darauf an, wann man welche Erfahrungen macht. Vieles ist zufällig. Und so auch die „Bewertungen“ der Länder. Ich komme z.B. nach 12 Jahren Europa zu ganz anderen Beurteilungen. Freilich, Kinder sehen die Welt anders als Erwachsene und – siehe oben. Interessant sind die Aussagen aber in jedem Fall. Vielen Dank. MirNix.info

    1. Ich stimme dir zu, dass das ganz viel mit Zufall zu tun hat. Zur richtigen Zeit unter den richtigen Umständen kann es an jedem Ort traumhaft schön sein. Wo hat es dir denn am besten gefallen, Reinard? ;)

      1. Sagen wir so: am unwohlsten fühlten und fühlen wir uns (in absteigender Reihenfolge) in Serbien/Srpska, Kroatien und Norwegen. Am wohlsten in Griechenland, Albanien, Litauen.

        1. Interessant! Bei Serbien stimme ich dir zu. Und in Norwegen sind die Menschen nicht besonders freundlich im engeren Sinne, daran erinnere ich mich. Aber warum Kroatien bei dir so weit unten auf der Liste steht, da muss ich unbedingt bei Gelegenheit mal in deinem Blog nachlesen, ob du dazu was geschrieben hast. :) Deine drei Favoriten haben uns auch sehr gefallen, übrigens. Jetzt, wo du es sagst: Es ist ein Skandal, dass Albanien in diesem Blogbeitrag nicht vorkommt! :) In Litauen waren wir diesmal nicht und auch sonst zu kurz. Müssen wir unbedingt noch mal hin.

          1. In den baltischen Ländern ist es fast notwendig, persönliche Kontakte zu haben. Man findet sonst die schönsten Plätze nicht, weder was Natur noch was Architektur etc. angeht. Aber oft braucht es Jahre, bis man die gefunden hat. Und dann ist man dort schon fast Zuhause.

            Die neg. Erfahrungen in Kroatien beziehen sich fast ausschließlich auf Erlebnisse in „touristisch erschlossenen Bereichen“. Sonst ok. Aber selbst in Deutschland war es immer so, dass Kroaten, Serben und Montenegriner sich missmutiger gaben als Bosnier. Ich denke, die muslimische Religion lässt die Menschen „weicher“ sein, auch in der Türkei bemerkbar.

            Aber solche Gefühle und Erfahrungen sind immer Momentaufnahmen, ich würde sie nie ernsthaft verallgemeinern.

            Ganz anders übrigens mit Griechen: immer positiv, uneingeschränkt. Egal wo. Hatten gerade wieder drei griechische CS-Mädels hier in Naxos, sie trafen sich hier mit weiteren Freunden. Eine reiste aus Berkeley an, die andere aus Lausanne, die dritte aus Berlin. Und es war ein herrlicher Diskussionsabend!

    1. Ines, kein Ding, ich hab selbst kaum Blogs gelesen in den vergangenen Monaten. Und auch kaum geschrieben – du hast die Algarve nicht verpasst. :) Hat uns sehr gefallen dort, grandiose Strände, die man sich nur mit vielen Briten teilen muss. Details kommen – irgendwann…

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